SIEBENTES KAPITEL

PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON

BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. --

VULKAN MAJAIJAI. -- BÜFFELFAHRT.

Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See

von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten

Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so

niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch

jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes

Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm

zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit

einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass

ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68]

Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je

5 r. zusammen 4 1/2 Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die

trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der

Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr

als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige),

die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche

Dörfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn

sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden

die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig

das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der

Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu

holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf

Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen

umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala.

Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen

der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35

Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna,

Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des

Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei

den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote

auf den Grund. [70] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit

Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder

durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse

der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen,

einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken,

die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern

werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt

worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des

Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert,

deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt,

da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.

Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von

N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines

der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug

seiner hübschen Lage in der Nähe Manila's und den phantasiereichen

Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel

ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen

die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und

vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und

stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand

dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder

bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den

dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt,

auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand

ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen

bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden

(1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande

der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs

Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf

die gehoffte Prämie verzichten mussten.

Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen

Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling

benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen

zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer

des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom

flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht

von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.

NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee,

Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von

Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von

den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines,

aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit

gestört wurde.

Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo,

nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde

(bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich

dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter

Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen

Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren

mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72]

Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung

mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald

und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga

(Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande

fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten

Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften.

Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt

als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss

nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den

queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns

erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière,

den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten

»Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine

grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das

Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei

Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl

Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an

dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen

Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft

gelebt hatten.

Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne

Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der

Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein

von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes

Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen,

alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine

verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine

genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.

Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden

ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der

Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu

bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein.

Südwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt

der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin

viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrösse, erhebt sich ein

kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft

(in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstürzen

die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wände

ragen hundert Fuss über den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte

läuft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hälften, die nördliche ist

mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die südliche nimmt

ein See ein, dessen Spiegel zum grössten Theil von Pistien bedeckt

ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli.

Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurück die auf einer 2

Fuss mächtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrücke

liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten

nicht aus; sie sind aber alle ächt tropisch [73] und können nach

Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehören, die noch heut

an dieser Stelle wachsen.

SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg

führt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett

grosse vulkanische Blöcke.

Der erste See Maycap, völlig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine

künstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand,

der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Südspitze des

S. Cristoval N. 73° O. Die gegen 80' hohen Wände erheben sich gen

W. zu dem Hügel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern

Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen.

Daneben liegt ein andres Maar: Palákpakan, von ziemlich gleichem

Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wände,

30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70°

O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl

Fischapparate ragen daraus hervor.

Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caláuan nach Píla, dann NO. nach

Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch

einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen

der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen

Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lässt sie

dann keine Früchte tragen, sondern fängt den aus der angeschnittenen

Blüthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein

Gährungsprodukt. [74] Da der Saft täglich zweimal gesammelt wird, und

die Blüthen unter der Blätterkrone 40 bis 50' über der Erde sitzen,

so sind in dieser Höhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf-

und Abkletterns Bambusen paarweis übereinander von einer Palme zur

andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich

an der obern festhält.

Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der

Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier

und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah

durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda

abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafür zahlte,

dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb.

Später traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen

Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn

machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5

r. gekauft, (gewöhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen

für 2 r. zu haben). 35 Bäume geben im geringsten Falle täglich 36 Quart

Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Gährung und Destillation

6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Stärke erzielt werden. Zur

Bearbeitung genügt ein Mann, der für seine Leistungen die Hälfte

des Ertrages erhält: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6

Cuartos. Der Kontrahent erhält also jährlich von 35 Bäumen, die im

Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360 × 6/2 × 6 cuartos = 40 1/2 Doll.,

nützt also sein Anlagekapital fast zu 200%.

Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget

für 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr

schwierig und so unverhältnissmässig kostspielig, dass sie fast den

ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller

Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken

von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte

Beamte beeinträchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lähmte

die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes,

nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch

die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die

Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu

destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila

die Pferde damit tränkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen

endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862),

die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken

nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol

fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine

nach der Grösse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge

des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung

des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten)

eingeführt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen

haben, ist übrigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist

die Maassregel vom günstigsten Erfolge begleitet gewesen.

In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385

E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von

Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit

auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem

spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die

Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort

(über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet,

in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600')

andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái,

ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der

See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel

Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum

See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von

Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt

sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten

zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben

welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt.

Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war,

begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen

Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái

folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die

sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih

ziehende Gruppen. [76]

Nach drei Stunden erreicht man Lúcban, einen wohlhabenden Ort

von 13,000 E. im NO. des Majaijái (ein Jahr darauf brannte es

gänzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes,

nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner

flechten feine Hüte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und

Pandanusmatten und treiben über Mauban einträglichen Handel mit den

Goldwäschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite

mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne.

Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamón, der

Insel Alabát gegenüberliegt, führt im engen Thal des Rio Mápon

durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht

man Reisfelder in Terrassen wie in Java [77], in den Philippinen

eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bäume sind mit

Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus,

und einzelne grosse Fächerpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger

Fruchtkrone.

Drei Leguas von Lucban drängt sich der Fluss an einem grossen,

aus prismatischen Säulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann

durch ein Konglomerat von nussgrossen völlig abgerundeten Geröllen aus

vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren

von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwärts

tritt das vulkanische Gerölle zurück, das Konglomerat besteht nur noch

aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert

mit Bänken von Thon und grobkörnigen Tuffen, in denen spärlich schlecht

erhaltene Blatt- und Muschelabdrücke vorkommen; doch gelang es eine

zwar plattgedrückte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu

finden. Diese Bänke mögen wohl 500' über dem Meeresspiegel liegen.

Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, über den schon

ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlöcherten Bambusfloss,

das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und

jenseits in einer Sumpfpfütze strandete.

Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit

Menschen gefüllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Würde, ein

kurzes Jäckchen über dem Hemd. An den Wänden standen bunt verzierte

Tische voll Obst und Gebäck, in der Mitte des Saales eine gedeckte

Tafel für 40 Personen.

Ein Europäer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit

einigen Vorschüssen geflüchtet) gilt für einen Landstreicher; ich wurde

daher mit zudringlichen Fragen belästigt, liess sie aber unbeantwortet,

suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der

Küche einige gute Bissen aus den Fleischtöpfen, verzehrte sie von

vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern

Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal

mit Gästen füllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen

erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir

nicht möglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab

ich mich zu einem in Pueblo ansässigen Spanier, der mich, sobald mein

Pass das durch meinen Aufzug erschütterte Vertrauen hergestellt, auf

das liebenswürdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht

unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die

er für China mit Moláve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete.

Auf der Rückkehr besuchte ich, wenig seitwärts vom Wege, zwischen

Mauban und Lucban, einen schönen Wasserfall Butúcan. Auf einer Sohle

von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, ähnlich

dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strömt zwischen dicht

bewachsenen hohen Tuffwänden ein wasserreicher Fluss und stürzt

plötzlich in eine angeblich 360' tiefe Schlucht, in der er weiter

fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so üppig, dass

man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall

hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java

(s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, über gewaltige

Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Fläche, die

wiederum vom mächtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat

sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben,

bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen

Wänden und stürzt dann jäh in die, von ihm selbst ausgewaschene

tiefe Schlucht. Strömender Regen verhinderte mich leider den

schönen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento

von Majaijái und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden

Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. »In

Majaijái dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, während welcher kaum ein

Tag vergeht, ohne dass es in Strömen giesst« (Estado geogr. S. 150).

Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umständen nicht

ausführbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von

Majaijái ist der Banajáo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und

Montéro, zwei tüchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels

beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen

worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den

Vulkan Máyon in Albay, die Insel Políllo und bestimmten den Gipfel zu

7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700'. Der Krater enthielt

früher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730,

durch die in der Südwand entstandene Lücke abfloss. [78]

Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch

tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caláuan erreicht; die

Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf

den folgenden Tag verschoben werden. Am nächsten Morgen waren keine

Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und

zwei Büffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff

nach Manila abgehn sollte. Ein Büffel war vorgespannt, der andre zur

Ablösung hinten angebunden. Da Büffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf

ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum

spürt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schläge

zum Aufstehn bewogen, geht er bedächtig, aber unaufhaltsam in eine nahe

Pfütze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mühe gelingt es den

Karren los zu machen und rückwärts wieder auf die Strasse zu schieben,

während die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepäck wird von

Neuem aufgeladen, die Büffel wieder in die ursprünglichen Stellen

eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Körpers in

das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Büffel folgt

langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich

ein besseres Gespann, mit dem ich spät Abends bei strömendem Regen

eine Häusergruppe Sa. Cruz gegenüber erreichte. Das Marktschiff

war abgegangen, alle Bemühungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem

Dorf zu erlangen, führten nur zu unverschämten Prellversuchen;

so ging ich denn in das geräumigste der Häuser, das ich von einer

Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde

mein Gesuch um Nachtquartier gewährt, ich liess Oel zur Beleuchtung

und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit,

die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschützer im Hause

blieben. Am nächsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von

Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um

über den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind

zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor

Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der äussersten

Südspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss

hoch über dem Wasserspiegel, Bänke mariner Muscheln, (hauptsächlich

Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben,

die noch heut an der Meeresküste sehr häufig sind; ein Zeichen dass

auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben.

Reisen in den Philippinen · 第 35 / 95 题