GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. --
VOLKSMENGE. -- SPRACHEN.
Die Umgebung Manila's, der Pásig und der See von Bay, die jeder
Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf
einige kurze Aufzeichnungen über diese Gegenden beschränken und nur
über meine Reisen in den südöstlichen Provinzen Luzóns, Camarines
und Albay und den östlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte
ausführlicher berichten werde. Vorher dürfte es angemessen sein,
durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen
Verhältnisse zu verschaffen.
Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und
trennt den nördlichen stillen Ozean von der China-See. Von den
Sulu-Inseln im Süden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich
durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2° N., und wenn man die
Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21° N. Aber weder im
Süden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit
bis an diese äussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht überall
bis in das Innere der grössern Inseln erstreckt. Von Ost nach West
nehmen die Philippinen 9 Längengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit
2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flächenraum sind zusammen
grösser als alle übrigen. Dann folgen der Grösse nach sieben Inseln:
Paláwan, Sámar, Panáy, Mindoro, Leyte, Negros, Cebú, deren erstere
250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojól, Masbáte, je halb so
gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande,
Felsen und Riffe. [64]
Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage
und reiche Gliederung begünstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21°
N., durch 16 Breitengrade gewährt ihm eine Mannichfaltigkeit des
Klima's, welcher sich die niederländisch-indischen Besitzungen, deren
Hauptstreichen west-östlich ist, während sie nur wenige Breitengrade
zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem
Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene
Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrössert,
so dass die Produkte der heissen und gemässigten Zone, die Palme und
die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen.
Die grösseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden
Buchten ausgedehnte Binnenseen und beträchtliche, auf weite Strecken
schiffbare Flüsse; der Archipel ist reich an sicheren Häfen und
unzähligen Zufluchtsorten für Schiffe; ein Umstand aber, der aus
dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der
glücklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose
Zahl kleiner Flüsse, die von den Bergen herabströmen und sich,
bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in
denen Küstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge
gelangen können um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des
Bodens ist unübertrefflich, Salz- und Süsswasser wimmelt von Fischen
und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes
Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis
Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch
als an Grösse überragt Luzon alle übrigen Inseln an Bedeutung, und
wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre
natürliche Vorzüge die schönste der gesammten Tropenwelt sein.
Der Hauptkörper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter
Masse als längliches, 25 Meilen breites Viereck von 18° 40' N. bis
zur Bay von Manila (14° 30' N.) und sendet dann einen durch grosse
Seen und tiefe Buchten zerrissenen Ausläufer nach Osten, der westlich
und östlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale
Bänder mit der Hauptmasse zusammenhängt. Manche Spuren rezenter
Hebungen deuten an, dass beide Theile früher getrennt waren, zwei
selbstständige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stück,
fast so lang als das nördliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die
tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben,
in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann,
als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an
der eben erwähnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge
zusammenhängen. Zwei kleine Flüsschen, die in geringer Entfernung
von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten münden,
machen die Trennung fast vollständig und bilden zugleich die Grenze
zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die
westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz
Tayabas eingenommen. Die grössere östliche zerfällt in die Provinzen
Nord-Camarines, Süd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwähnte
Grenze von Tayábas, durch eine vom Südrande der Bucht von S. Miguél
östl. zur Küste gezogene Linie von Süd-Camarines getrennt. Den Ostrand
der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Süd-Camarines durch eine
Linie geschieden, die von Donzól an der Südküste, nordwärts über
den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordküste
läuft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhältnisse klar machen.
In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden:
eine trockene, eine nasse. Den, den Süd- und -Westwinden offen
liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten
die Regenzeit. An den Nord- und -Ostküsten fallen die reichlichsten
Niederschläge in unseren Wintermonaten, während des NO.-Monsuns. Durch
die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese
allgemeinen Verhältnisse örtlich vielfach verändert. In Manila
dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun),
die Regenzeit während der übrigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten
regnet es im September; März und April sind häufig regenlos, Oktober
bis einschliesslich Februar kühl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde),
März, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende
September feucht und mässig warm.
Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium
unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein
Auszug aus dem Jahresbericht für 1867 den ich Professor Dove's Güte
verdanke. [65]
Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersäule betrug 1867:
755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.)
1867: Der Unterschied zwischen den äussersten Barometerständen
überstieg nicht 13,96 Millimeter, und wäre viel geringer, hätten
nicht Stürme im Juli und September die Quecksilbersäule so sehr
herabgedrückt; die stündlichen Schwankungen betragen nur wenige
Millimeter. --
Täglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frühe bis gegen 9
Uhr, fällt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr
Abends, von wo an es bis zum Morgen fällt. Die beiden Hauptströmungen
der Atmosphäre üben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers,
die nördliche macht ihn steigen (Normalhöhe 756mm) die südliche fallen
(Normalhöhe 753mm).
Temperatur. Die Wärme wächst von Januar bis Ende Mai, und nimmt
dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27°.9 C. (0°.4 mehr als in
den Vorjahren). -- Die beobachtete höchste Temperatur betrug 37°.7
C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19°.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6
Uhr Vm.) -- Unterschied: 18°.3 C.
Grösse der Thermometerschwankungen: Januar 13°.9. -- Februar 14°.2. --
März 15°. -- April 14°.6. -- Mai 11°.1. -- Juni 9°.9. -- Juli 9°. --
August 9°. -- September 10°. -- Oktober 11°.9. -- November 11°.8. --
Dezember 11°.7. Kühlste Monate: November, Dezember, Januar mit
nördlichen Winden. -- Wärmste Monate: April und Mai. Ihre hohe
Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von
Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nächsten, die
Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen
Niederschläge und trüben Luft. Täglicher Gang: am kühlsten ist es von
6 bis 7 Uhr Vm., die Wärme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen
2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Während einiger Stunden
der Nacht bleibt die Temperatur fast unverändert, gegen Morgen fällt
sie schnell.
Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmässig,
wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verändern; im Zeitraum
eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar
herrschen Nordwinde, im März und April südöstliche Winde, im Mai,
Juni, Juli, August, September südwestliche. Anfang Oktober schwanken
sie zwischen Südost und Südwest, und befestigen sich gegen Ende des
Monats in NO., wo sie während der beiden folgenden Monate ziemlich
beständig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder
Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das
Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge
geschützt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt;
aus demselben Grunde bläst der SW. dort auch stärker.
Der Himmel ist gewöhnlich theilweise bedeckt, völlig heitere Tage
sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor.
Regentage: 168. Am häufigsten und stärksten regnet es von Juni
bis Ende Oktober; der Regen fällt dann in Strömen, im Sept. allein
betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin
durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist
mehr als das Mittel).
Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewöhnlichen Jahren
ist die Verdampfung den Niederschlägen ziemlich gleich (im Laufe des
Jahres nämlich, aber nicht in den einzelnen Monaten).
Die mittlere tägliche Verdunstung war etwa 6,3mm.
Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Stürmen begleitet, während
eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37
bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls
erwähnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden
anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.)
Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt,
denen je ein Alcalde mayór 1., 2., 3. Klasse, oder de término, de
ascénso, de entráda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y
militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen
ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft geändert.
Die Gesammtbevölkerung wird auf ungefähr 5 Millionen geschätzt.
Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast
keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit
von Sprachen und Mundarten, von denen bisáya, tagálo, ilocáno, bícol,
pagasinán, pampángo die verbreitetsten sind.
Insel Luzon.
============+=================+=========================================+=========+=======
Rang des | | | |
Verwaltungs-| | | |
| Namen. | Herrschende Dialekte. | Seelen- |Pueblo.
be- | be- | | | zahl. |
amten|zirks.| | | |
=====+======+=================+=========================================+=========+=======
G. | P. | Ábra | ilocano | 34,337 | 5
A1. | P. | Albáy | bicol | 230,121 | 34
A2. | P. | Bataán | tagalo, pampango | 44,794 | 10
A1. | P. | Batángas | tagalo | 280,100 |
| D. | Benguét | igorrote, ilocano pangasinan | 8465 |
| D. | Bóntoc | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt | 7052 |
A1. | P. | Bulacán | tagalo | 240,341 | 23
A1. | P. | Cagayán | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,| |
| | | dadaya, apayao, malaneg | 64,437 | 16
A2. | P. | Camarínes Norte | tagalo, bicol | 26,372 | 7
A2(?)| P. | Camarínes Sur | bicol | 81,047 | 31
A3. | P. | Cavíte | spanisch, tagalo | 109,501 | 17
A1. | P. | Ilócos Norte | ilocano, tinguian | 134,767 | 12
A1. | P. | Ilócos Sur | ilocano | 105,251 | 18
C. | D. | Infánta | tagalo | 7813 | 2
G. | P. | Isabéla | ibanag, gaddan, tagalo | 29,200 | 9
A1. | P. | Lagúna | tagalo, spanisch | 121,251 | 26
| D. | Lepánto | igorrote, ilocano | 8851 | 48
3A1. | P. | Manila | tagalo, spanisch, chinesisch | 323,683 | 28
C. | D. | Moróng | tagalo | 44,239 | 12
A2. | P. | Nueva Écija | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano | 84,520 | 12
A3. | P. | Nueva Vizcáya | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote | 32,961 | 8
A1. | P. | Pampánga | pampango, ilocano | 193,423 | 24
A1. | P. | Pangasinán | pangasinan, ilocano | 263,472 | 26
| D. | Pórac | pampango | 6950 | 1
C. | D. | Príncipe | tagalo, ilocano, ilongote | 3609 | 3
| D. | Sáltan | gaddan | 6640 |
A2. | P. | Tayábas | tagalo, bicol | 93,918 | 17
| D. | Tíagan | verschiedene igorroten Dialekte | 5723 |
G. | P. | Unión | ilocano | 88,024 | 11
A2. | P. | Zambáles | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, | |
| | | pangasinan | 72,936 | 16
Inseln zwischen Luzon und Mindanao.
G a3.| P. | Antíque (Panay) | bisaya | 88,874 | 13
G a3.| P. | Bojól | bisaya | 187,327 | 2
C. | | Burías | bicol | 1786 | 1
G a3.| P. | Cápiz (Panay) | bisaya | 206,288 | 26
G a2.| P. | Cebú | bisaya | 318,715 | 44
G a3 | P. | Iloílo (Panay) | bisaya | 565,500 | 35
G a3.| P. | Leíte | bisaya | 170,591 | 28
| D. | Masbáte, Ticao. | bisaya | 12,457 | 9
A2. | P. | Mindóro | tagalo | 23,054 | 10
G a3.| P. | Négros | cebuano, panayano, bisaya | 144,923 | 31
| D. | Romblón | bisaya | 21,579 | 4
G a3.| P. | Sámar | bisaya | 146,539 | 28
Mindanao.
| D. | Cotabatú | spanisch, manobo | 1103 | 1
G a3.| D. | Misámis j | bisaya | 63,639 | 14
G a3.| D. | Surigáo j | | 24,104 | 12
| D. | Zamboánga j | mandaya, spanisch | 9608 | 2
G a3.| | | | |
| D. | Daváo | bisaya | 1537 |
Fernere Inseln.
G a3.| P. | Batánes | ibanag | 8381 | 6
G a3.| P. | Calamiánes | coyuvo, agutaino calamiano | 17,703 | 5
G. | P. | (Mariánas) | chamorro, carolino | 5940 | 6
=====+======+=================+=========================================+=========+=======
Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem kürzlich erschienenen
kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretärs der Philippinen
entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl
Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfügung stand, darf obigen
Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen
Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in
Europa keine Vorstellung hat.
Beispielsweise führt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen
Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054;
Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen.