Als er am anderen Morgen durch die Haide ging, lachte er auch vor sich
hin, aber nicht mehr über die Geißler, denn die hatte er längst
vergessen.
Er dachte daran, was sein Vater ihm gesagt hatte, daß es nämlich an der
Zeit wäre, daß er freien müsse und den Hof übernehmen solle. Und er
dachte an Rose Ul.
Denn das sollte seine Frau werden, das glatteste Mädchen weit und breit,
und Ulenvaters einziges Kind, mit der er immer am liebsten beim
Erntebiere getanzt hatte. Darum lachte er vor sich hin.
Er drehte eine Maiblume, die er an der alten Wallburg im Holze
abgerissen hatte, zwischen den Zähnen und sah über die Haide, die ganz
grün von dem jungen Birkenlaube war und ganz blank von der Sonne.
Vom Bruche her kam zwischen den hohen Machangelbüschen ein Mann
angegangen. Er blieb stehen, zeigte mit dem Finger auf die Blume, die
Harm im Munde hielt, griente und sagte: »Friggeblumen, wer die bricht,
Junggeselle bleibt er länger nicht.«
Harm lachte und gab ihm die Hand. Immer mußte er sich wundern, wenn er
Ulenvater sah; denn der war so ganz anders, als alle Leute, die er
kannte. Jedes Wort, das er sprach, hatte einen doppelten Sinn; er hatte
den ganzen Kopf voller Dummheiten, aber auch voller Klugheit, und man
sagte von ihm, daß er mehr könne als Brot essen.
Aber das war man ein Altweiberschnack; er war drei Jahre auf die hohe
Schule in Helmstedt gegangen und hatte da fleißig gelernt, sowohl
geistliche Sachen, wie denn auch, was gegen Krankheiten bei Mensch und
Vieh gut war; dann aber war der Hoferbe abgestorben und weil weiter kein
Sohn da war, mußte er den Hof annehmen; und nun hieß er zum Spaß der
Papenbur.
Er wurde jedoch ein Bauer, wie nur einer, bloß daß er in vielem seinen
eigenen Weg ging: so konnte er niemals nach der Kirche hinfinden, denn
er sagte: »Wer da weiß, wie man Würste macht, der ißt schon keine.« Dann
hatte er die Gabe, alles, was er sagte, in Reime zu bringen, wenn er
gerade wollte; es wurde keine Hochzeit abgehalten, bei der Ulenvater
nicht seinen Vers sagte, und jedesmal einen anderen. Er hatte Augen, die
hatten gar keine Farbe; wie Wasser sahen sie aus. Die wenigsten Menschen
hielten ihnen stand, und wenn er einen Hund ansah, und war der auch noch
so böse, er machte, daß er fortkam.
Nun stand er da, als wenn er nicht bis drei zählen konnte, griente und
sagte, indem er auf das Schießgewehr wies, das Harm auf den Rücken
hatte: »All wieder nach dem Saufang?« Und dann lachte er lauthals, denn
der Saufang war dicht beim Ulenhofe, und wenn Harm am Saufang war, dann
dauerte es nicht lange und Rose hatte vor dem Hofe zu tun.
Das war auch jetzt so. Als Wulf dort angekommen war und gesehen hatte,
daß der Fang noch aufstand, steckte er drei Finger in den Mund und pfiff
wie der Schwarzspecht. Es dauerte eine Weile, da hörte er hinter sich
ein Geräusch; als er sich umdrehte, sah er bei einer Eiche etwas
Feuerrotes, und das war ein roter Rock, und nun gab es ein Jagen um den
Baum und dann ein Quieken.
»Ach, Junge,« pustete das Mädchen und ihre Brust ging auf und ab, »du
bringst mich ja rein von Atem! Und schickt sich das wohl?« Aber dann
ließ sie sich doch dahinziehen, wo das Moos ganz eben und trocken war,
und ließ sich küssen und küßte wieder, und zählte, wie oft der Kuckuck
rief, denn so lange sollte sie leben; aber er rief bloß zweimal und da
sagte sie: »So ein fauler Hund!« und lachte dabei.
Vom Hofe rief es. Das Mädchen sprang in die Höhe: »Bis heute abend!
Mutter ruft schon. Komm aber nicht vor dem Vesper, denn bis dahin habe
ich alle Hände voll zu tun.« Sie machte sich los und Harm sah ihr
lachend nach, wie sie so flink dahinging, daß der rote Rock wie eine
Flamme hin und her wehte, und ihr Haar, das leuchtete wie eitel Gold
unter der kleinen Mütze, um die die Bindebänder man so flogen.
Ehe sie über das Stegel stieg, sah sie sich noch einmal um; dann war sie
fort und Harm war zumute, als wenn die Sonne nicht mehr so schön schien
und als ob die Vögel lange nicht mehr so lustig sängen; aber dann pfiff
er das Brummelbeerlied durch die Zähne und lachte wieder vor sich hin,
als er über die Haide ging, und seine Augen waren so blau wie der Himmel
über ihm.
Das blieben sie auch bis zur Hochzeit und auf ihr erst recht. Es war
eine große Hochzeit und lustig ging es dabei her, obzwar kein einziger
Mann betrunken war.
Einige Bauern redeten zwar davon, daß es immer gefährlicher im Reich
aussähe, aber was fragte Harm Wulf danach, als er mit seiner jungen Frau
unter Lachen und Juchen in die Dönze geschoben wurde, und nach den
feurigen Männern am Himmel und dem blutenden Brot und den Pest- und
Sterbevögeln? Er nahm seine Rose in den Arm und sagte: »Eine Ule habe
ich gefangen, aber was für eine glatte Ule auch!« Und dann lachte er
über seinen Witz.
Er blieb am Lachen bis auf den Tag, daß seine Rose zu liegen kam, aber
dann lachte er noch mehr, bloß nicht so laut und mehr mit den Augen;
denn ein Junge lag neben ihr, ein Junge, ein Staat von einem Jungen ein
wahrer Bär von einem Jungen, einer von zehn vollwichtigen Pfunden und
ein hübscher Junge von vornherein.
»Ja,« sagte er am dritten Tage zu seiner Frau, die schon wieder Farbe
auf den Backen hatte, »was ist das nun eigentlich, ein Ulenküken oder
ein Wolfslamm?« Und dann lachte er laut über seinen Schnack.
Er lachte, wenn er zur Arbeit ging, er lachte, wenn er von ihr kam. Er
hatte früher auch ein schönes Leben gehabt, aber so, wie es jetzt war,
mit solcher glatten Frau und so einem gesunden Jungen, das war doch ganz
etwas anders! Er konnte sich vor Freude gar nicht bergen, so wählig war
ihm zumute, und wenn ab und zu Reineke oder Marten oder einer von den
anderen Ödringern sich so anstellte, wie eine Krähe, wenn der Fuchs
ankommt, und erzählte, was er in Celle oder Burgdorf oder Peine gehört
hatte: daß nämlich Krieg in der Welt war und es nicht mehr lange dauern
werde, bis daß es auch in der Haide an zu stinken anfange, der
Wulfsbauer pfiff, wenn er säete oder pflügte, das Brummelbeerlied,
dachte an seine Rose und an seinen lüttjen Hermke und daran, wie gut er
es doch getroffen hatte.
Hermke konnte ihm schon an der Hand seiner Mutter entgegentappeln und
»Vater!« rufen, wenn Harm vom Felde kam, und es war so weit, daß er bald
einen Bruder oder eine Schwester bekommen sollte, da ritt der Bauer
eines Morgens nach der Stadt, um seinen Hofzins beim Amte zu bezahlen.
Es war ein schöner Morgen; die Birken an den Straßen waren eben
aufgebrochen, alle Finken schlugen, die Dullerchen sangen und das Bruch
war von oben bis unten rot, denn der Post war am Blühen. Harm setzte
sich in einen schlanken Trab, daß der Sand hinter ihm nur so mülmte,
denn er dachte: »Je eher du in der Stadt bist, desto früher bist du
wieder auf dem Hofe.«
Er kam aber erst am späten Abend nach Hause und er kam zu Fuße an. Als
er nämlich seine Steuern bezahlt hatte und nach dem Kruge vor der Stadt
ging, wo er seinen Falben eingestellt hatte, um das Torgeld zu sparen,
da war dort ein wildes Leben. Ein Mansfelder Feldhauptmann mit einem
Trupp Kriegsvolk war angekommen und es ging hoch her. Die Kerle hatten
alle rote Köpfe von Bier und Schnaps und nun schrien sie und bölkten und
kriejöhlten und machten sich mit den verlaufenen Frauensleuten, die sie
bei sich hatten, allerlei Kurzweil, daß es eine Schande war, das
anzusehen. Die Töchter des Wirts und die Mägde waren übel dran; sogar
die Wirtsfrau, die doch gewiß kein Ansehen mehr hatte, konnte sich vor
den Lümmeln nicht bergen.
Als der Wulfsbauer um das Haus nach dem Stalle gehen wollte, kam ihm ein
Kerl entgegen, der eine rote Feder auf dem Hute und einen
gefährlichen pechschwarzen Schnauzbart unter seiner langen Nase hatte.
Als er den Bauern sah, juchte er laut auf, nahm ihn in den Arm, küßte
ihn auf beide Backen, daß Harm der Schnapsgeruch um die Ohren schlug,
faßte ihn an die Schultern, hielt ihn von sich ab, lachte über sein
ganzes gelbes Gesicht, nahm ihn wieder in den Arm und brüllte:
»Brudderhärz mainiges! Wie lange habben wirr uns nicht gesähenn? Aberr
die Freide, die Freide! Auf das wollen wirr aberr einen trrinkenn!« Er
zog den Bauern, der gar nicht wußte, was er davon halten sollte, unter
das Fenster und schrie: »Frau Wirrtinn, zwei Birr fürr mainen Freind und
mich, wo ich so lange nicht gesähenn habbe.«
Die Großmagd brachte das Bier, aber als der fremde Kerl sie in den Arm
kniff, machte sie Wulf mit den Augen Zeichen, denn sie war eine
Häuslingstochter aus Ödringen, und als der Reiter das Bier hinnehmen
wollte, juchte sie auf und ließ beide Krüge fallen. Der fremde Mensch
schimpfte Mord und Brand, aber da rief der Hauptmann und er mußte fort.
Als Harm schnell machte, daß er weiter kam, winkte ihn Trine Reineke auf
die Diele: »Wulfsbauer,« sagte sie, »um Christi Blut und Wunden, daß du
bloß den Ludervölkern nicht Bescheid tust! Wer Bescheid tut, der ist
angeworben. Kiek, da ist Krischan Bolle, den haben sie schon eingeseift,
den Döllmer! Mit jedwedem hat er auf Bruderschaft angestoßen und nun
hat er den bunten Lappen um den Arm und kann sich morgen für Gott und
den Deubel totschießen lassen.«
Ängstlich sah ihn das hübsche Mädchen, das auf dem Wulfshofe als
Lütjemagd angefangen hatte, in die Augen: »Sieh man bloß zu, daß du
weiter kommst! Je eher daß du fortkommst, je besser ist das für dich.
Das sind ja keine Menschen nicht, das ist das reine Vieh. O Gotte!« Sie
schlug die Schürze vor das Gesicht und weinte los.
»Na, Deern,« beruhigte Harm sie, indem er ihr auf die Schulter schlug,
»das ist alles man ein Übergang. Aber recht hast du, wer hier nichts
verloren hat, soll sich nicht weiter aufhalten.« Er bezahlte die beiden
Krüge Bier, gab dem Mädchen ein Bringgeld und ging nach den Ställen. Da
war es noch toller als vor dem Hause. Sieben Roßknechte, einer noch
schlimmer aussehend als der andre, hielten einen alten Trödeljuden zum
besten, spuckten ihm in die Hände, warfen ihm seine Waren durcheinander
und wollten ihn zwingen, Schweinewurst zu essen. Drei andere stachen
eine Sau ab, einer machte sich mit einem Taternmädchen das knapp zwölf
Jahre alt sein konnte, zu schaffen, ein anderer lag besoffen auf dem
Mist und noch einer hatte einen Hahn in den Händen und drehte ihm den
Hals ab.
»Gottes Wunder,« dachte der Bauer, »was ist das für eine Zucht und
Wirtschaft!« Er drückte sich an den betrunkenen Völkern vorbei und ging
in den Pferdestall. Sein Falber war da, hatte aber ein herrschaftliches
Geschirr um und zwei Mantelsäcke aufgeschnallt. Er schirrte ihn ab,
machte sich ein Halfter aus einem Ende Strick und führte das Pferd aus
dem Stalle. Schon war er meist vom Hofe, da kam ihm ein Reiter, der
einen roten Bart hatte, der ihm bis über den Kragen hing, entgegen und
schnauzte ihn an, wo er mit dem Pferd hinwolle.
»Das ist doch von jeher mein Falber gewesen!« gab ihm der Bauer zurück.
»Ferdl, Tonio, Pitter, Wladslaw, daher, daher!« schrie der rotbärtige
Mensch; »wem ist das Pferd hier, diesem Mann da oder Korporal Tillmann
Anspach? Häh? Ruft ihn mal her! Wollen doch mal sehen, wessen Wort mehr
gilt, das von einem ehrlichen Kriegsmann, der für die reine Lehre
fechten tut, oder von so 'nem Bauern, der zu Fuße kommt und zu Pferde
weiter will!«
Harm bekam einen roten Kopf und faßte nach der Hosennaht, wo er das
Messer stecken hatte, aber er besann sich, denn er war einer gegen
anderthalb Dutzend, und nun kam auch der Korporal an, ein Mensch, so
dürr wie ein Bohnenstiefel und mit einer Narbe vom Auge bis zum Kinn,
und hinter ihm noch ein Dutzend Reiter, die alle Gesichter hatten wie
dem Gottseibeiuns seine Vetternschaft.
Als der Korporal hörte, wovon die Rede war, schüttelte er den Kopf, hob
zwei Finger hoch und schwur: »So wahr ich hier auf zwei Beinen stehe,«
und dabei hob er den einen Fuß auf, »verdammigt will ich sein, wenn das
nicht der Falbe ist, den ich zu Martini von Schlome Schmul zu Kölle am
Rhing für dreißig schwere Taler und einen guten Weinkauf erstanden habe.
Darauf will ich leben und sterben, so wahr ich ein getreuer
Christenmensch und kein papistischer Hundsfott bin!«
Harm Wulf sah sich um: er stand zwischen dreißig oder mehr verwogenen
Kerlen, denen es auf eine Handvoll Menschenblut weiter nicht ankam.
Betrunken waren sie ja alle, und wenn er erst auf dem Falben saß und er
gab ihnen die Eisen in die Zähne! Aber der Gaul war schließlich nicht
wert, daß er sich dafür in Not und Gefahr begab, und das Tier hatte eine
dumme Gewohnheit: es stand auf den Pfiff! Sollte es also einem von den
Kerlen in den Kopf kommen, zu flötjen, dann war er der Dumme und seine
Frau konnte auf ihn lauern, bis sie alt und grau war, denn drei, viere
von den Koppelknechten machten schon ihre Messer locker, und das
Frauensmensch da mit dem schwarzen Haare, von dem die Butter nur so
herunterlief, stieß den Kerl, der neben ihr stand, den scheeläugigen mit
den Blatternarben, in einem fort in die Rippen und machte Augen wie ein
Wolf, der Luder wittert.
Harm Wulf lachte mit eins auf. »Kinder und Leute,« juchte er, »das ist
ja hier ein Leben, noch doller als beim Martensmarkt auf der Burg! Da
wird so ein Haidbauer, als wie ich bin, der man alle halbe Jahre einen
fremden Menschen zu sehen kriegt, ganz dösig von im Koppe. Ist ja auch
wahr! Ich habe ja meinen Falben in der Burg! Ja, ja, man soll vor dem
Mittagbrot den Schnaps aus dem Balge lassen. Na, denn nichts für ungut!
Irren ist menschlich, sagte der Hahn, da gab er sich mit der Ente ab.
Und nun wollen wir einen nehmen, daß die Haide wackelt!«
»Kiek sieh,« schrie er lauthals, »da ist ja auch mein alter Freund,«
und damit nahm er den Mann mit dem schwarzen Schnauzbart, der die rote
Feder auf dem Hute stecken hatte, unter den Arm und schrie über den Hof:
»Howingvater, Trine, Deern, hille, hille! Bier her!«
Als die Reiter ihm lachend folgten, warf er einen Reichstaler auf das
Fensterbört und sang: »Ich hab' noch einen Taler, der soll versoffen
sein,« stieß mit jedwedem an und machte seine Witze, aber dabei wahrte
er sich den Rücken, behielt seine Lippen trocken und goß das Bier und
den Schnaps über seine Schulter gegen die Wand.
Die hübsche Trina wußte nicht, wo sie so schnell Bier herkriegen
sollte, so lustig ging es zu. Aber als sie zum achten Male wiederkam,
war der Wulfsbauer nicht mehr da. Er hatte einen Witz von Ulenvaters
quantester Sorte zum besten gegeben, und als die betrunkene Bande vor
Lachen nicht wußte, wo sie bleiben sollte, und einer dem anderen, der
sich auf die Landessprache nicht verstand, verklarte, was der Bauer
gesagt hatte, und sich auf die Reithosen schlug und wie ein Ochse
brüllte, da gab Wulf der Wirtin etwas in das Ohr, und auf einmal schrie
die: »Das Essen ist da! Zum Essen!« Da standen alle auf und Wulf drückte
sich hinter die Bäume.
Er kam glücklich davon. Einen Koppelknecht, der ihm in die Möte kam,
stieß er mit der Faust unter das Herz, daß der Mensch ohne ein Wort in
die Jauche schlug. Der Rotbart fragte ihn: »Brudder, libber Brudder,
trinken wirr noch eins?« aber er gab ihm einen Buff, daß der Kerl mit
dem Kopf in die Hecke schoß, und als das Taternmädchen Hallo schreien
wollte, machte er ein paar Augen und hielt ihr das Messer vor das
Gesicht, daß sie erst so weiß wie ein Bettuch wurde, ihn dann anlachte
und sagte: »Ei a su a starkes Mahn, hiebsches Mahn!« Er aber trat sie
von sich weg und sprang in den Busch, und als er erst dort war, da
verholte er sich, biß die Zähne durcheinander, machte eine Faust und
fluchte: »Ich sollte man bloß, ich sollte man, wenn ich noch ein lediger
Kerl wäre! dann solltet ihr mir den Falben bezahlen, was er wert ist,
ihr Schweinepack!«
Aber als er dann in der Haide war, beruhigte er sich, und als er meist
beim Hofe war und seine Frau ihm entgegenkam, ganz weiß im Gesicht und
ordentlich blau unter den Augen, denn noch keinmal war er so lange
ausgeblieben, da konnte er schon wieder mit dem Munde lachen und ihr
das, was ihm zugestoßen war, so erzählen, als wenn das bloß ein dummer
Spaß gewesen wäre.
Doch als er hinterher in der Butze lag und überdachte, wie es ihm
gegangen war, machte er die Finger an beiden Händen krumm. Wenn er nicht
an seine Frau gedacht hätte, die da neben ihm lag und so ruhig schlief,
als wenn es auf der Welt nichts und weiter nichts als lauter Engel gab,
dann hätte er am liebsten geflucht wie sein Schwiegervater, wenn der
ganz falsch war, loslegte: »Das tote Pferd soll dich schlagen!« hätte er
geflucht.
Aber so lag er da, ohne sich zu rühren, obzwar ihm stickend heiß war.
Den Morgen hatte er noch das Brummelbeerlied durch die Zähne geflötet,
als er nach der Stadt ritt, und jetzt? Jetzt lag er da und dachte an
das Lied, das der rotbärtige dicke Kerl ihm in das Gesicht gebrüllt
hatte, derselbe Kerl, dem er nachher den Heckenstößer gezeigt hatte. Wie
ein unkluges Stück Vieh hatte er gebrüllt:
Der Mansfeld kommt,
der Mansfeld kommt,
der Mansfeld ist schon da,
truderiderallala,
jetzt ist der Mansfeld da.