Nun klärt uns aber ein zufälliger Aktenfund, den ich im Sächsischen

Hauptstaatsarchiv (Locat 9961. Volumen I. Contagion- und Todenberichte.

1680. 1681.) machte, über den Fall auf, der dadurch ein wesentlich

anderes Aussehen bekommt. In diesem aus den Tagen der Pest selbst

stammenden Aktenstück (26. September 1680) des Hohnsteiner

Amtsschössers Joh. Gottfried Hanitzsch heißt es nämlich: »Es sind

von der Contagion ergriffen und verstorben: in dem Ambts- und

Grentz-Städtlein Sebnitz – Ein Hausz – Wunderlich, – Eine Persohn, als

deszen Weib, so alsbaldt aus dem Hause und dem Städtlein geschaffet und

den 17. Augusti im Felde verstorben. Und ist es bey dieser einzigen

Persohn und Hausz bis zur Zeit verblieben.« Nur zwei Tage später

(28. September) gibt derselbe Beamte den folgenden eingehenderen

Bericht: »Das Ambtt- und Grentz-Städtlein Sebnitz, In selbigem ist

nach Ausweisung meines ~sub dato~ den 30. Augusti eingesendeten

unterthänigsten Bericht bey einem Bürger, Hannsz Wunderlichen, die

Contagion zwart eingeschlichen gewesen. Nachdem aber derselbe alsbald

nebst seinem daran krank gelegenen Weibe und Kindern aus dem Städtlein

geschaffet worden, ist es Gott sey Dank nicht weiter kommen, auch nurt

daran Eine Person, als besagten Wunderlichs Weib, allein im Felde

verstorben, der Mann aber nebst denen Kindern auszer dem kleinsten

(welches in die Acht wochen am Fieber gelegen) befinden sich in ihrer

Hütten, darinnen sie sich nunmehr sechs Wochen aufgehalten, annoch

gesundt; ist also dem Höchsten sey Dannk dieser gänzlichen restituirt

und von dieser bösen Seuche, befreyhet«.

[Illustration: Abb. 2. =Sebnitzer Peststein=]

Aus diesen durchaus zuverlässigen Unterlagen folgt:

1. Die dramatische Szene von der stangenbewaffneten Volksmenge, die

der Frau den Zutritt zur Stadt verwehrte, ist eine sagenhafte Zutat

späterer Zeit. Vielmehr hat man die pestverdächtige Person aus ihrer

Wohnung in den Wald gebracht.

2. Die Kranke hauste in ihrer Hütte nicht allein, sondern ihre ganze

Familie teilte diesen Aufenthaltsort. Daß man den Ausgesetzten auf dem

Pestwege Speisen zutrug und ihnen diese mit langen Stangen zureichte

(wie mir schon vor fünfundvierzig Jahren alte Leute erzählten), ist

sehr wahrscheinlich und hat vielleicht den Anlaß zu dem Gerüchte von

der gewaltsamen Abwehr der kranken Frau gegeben.

3. Das Sterbedatum auf der Gedächtnistafel (24. August) ist falsch.

Der Todestag war vielmehr der 17. August 1680. (Auch unter diesem

Datum ist allerdings ihr Tod im Sebnitzer Kirchenbuch nicht vermerkt;

wahrscheinlich weil die Frau ohne geistliche Mitwirkung bestattet

worden war.)

4. Es bleibt noch immer fraglich, ob die Toffels Hansin wirklich an der

Pest gestorben ist, da wir den Tag ihrer Erkrankung nicht kennen, ihre

Familie trotz des langen, engen Zusammenlebens gesund geblieben ist

und die acht Wochen währende Krankheit des jüngsten Kindes auch nicht

gerade auf die indische Beulenpest schließen läßt.

5. Ebenso wird es unwahrscheinlich, daß die Überlebenden wirklich

neunzehn Wochen im Walde zugebracht haben. Da sie aber mindestens sechs

Wochen, vom Todestage der Frau (17. August) bis zum Berichtstage (28.

September) dort hausten, hat ihre Verbannung doch recht lange gewährt.

Beruhigen wir uns bei dem Gedanken, daß sie in den Hochsommer fiel, wo

das Leben im Walde immerhin erträglich war.

Nach alledem aber erscheint uns das Verhalten der Sebnitzer Einwohner

in wesentlich milderem Lichte.

Und in jedem Falle würde die Furcht der Gemeinde vor dem grausamen

Würgengel bei dem Fehlen anderer sanitärer Vorbeugungsmittel wohl

begreiflich sein. Richtete doch die Pest in nächster Nähe der

Stadt entsetzliche Verheerungen an. Der hier benutzte Bericht

meldet zugleich, daß der Seuche damals im benachbarten Neustadt

hundertsiebenunddreißig Personen, nämlich fünfundzwanzig Ehemänner,

sechsundzwanzig Eheweiber, dreiundsechzig Kinder, fünfzehn Witweiber,

acht Mägde, und unverehelichte Personen, – in Langburkersdorf

neunundzwanzig, in Krumhermsdorf acht, in Rugiswalde aber, der Heimat

der Frau Wunderlich, dreiundzwanzig Personen zum Opfer fielen.

Daß sich Sebnitz übrigens nicht allzu ängstlich von der Außenwelt

abschloß, beweist schon die Aufnahme der anfangs erwähnten Familie

Küffner aus dem pestverseuchten Dresden.

Das Geschlecht von heute, das sich nun schon seit Jahren von schweren

Volkskrankheiten aller Art bedroht sieht, mag wohl mit ernsten Gedanken

zu jener Ruhestätte pilgern, die das glücklicherweise einzige Opfer

jener gleichfalls schweren Zeit umschließt. Es sollte aber auch

pietätvoll das schlichte Denkmal schützen, das Kindesliebe (ein

Sohn der Toffels Hansin, der spätere Bürgermeister Johann Friedrich

Wunderlich zu Sebnitz) der Mutter draußen im freien Waldesrauschen

errichtet hat. – Bei einer Auffrischung oder Erneuerung müßte natürlich

der Wortlaut der Inschrift den Tatsachen gemäß berichtigt werden.

Fußnote:

[2] (Vgl. Sebnitzer Grenzblatt 1920, Nr. 153.)

Die deutschen Jugendherbergen

Von _Günther Lamm_, Dresden

Eine der Zeitschriften, die der Briefträger mir ins Haus bringt,

heißt: »Die Jugendherberge«. Gerade diese lese ich neben den

– Heimatschutzmitteilungen besonders gern. Mit politischen,

philosophischen oder religiösen Problemen »beschäftigt« sie sich ganz

und gar nicht; aber Natur und Jugend, Freude und Leben, Wandern und

Heimat, das sind Worte, die man oft darin, selbst im »praktischen«

Teile, finden kann. »Die Jugendherberge« ist die Zeitschrift des

Verbandes für deutsche Jugendherbergen.

Das Ziel der edelsten Bestrebungen der heutigen Zeit ist Erneuerung

und Gesundung unseres an Leib wie Seele erkrankten Volkes. Dieses

Bestreben liegt zum Beispiel in der Heimatschutz- als auch in der

Wanderbewegung. – Wandern und Heimat! – Wer hört nicht den frischen

Klang aus so manchem Volksliede singen! Denn gerade das Wandern

liegt den Deutschen im Blute. Dieser naturhafte Drang, der durch die

Entwicklung der Verhältnisse stark zurückgehalten worden ist, soll

zum Heile des Volkes wieder erweckt werden; daß man damit am Anfange

anfängt, das heißt in diesem Falle bei dem heranwachsenden Geschlechte,

ist selbstverständlich.

Doch da stellen sich Bedenken ein: In Deutschland kostet ja Wandern

heutzutage viel Geld! Wer von den jungen Leuten hat aber welches?

Vorwiegend durch das Gasthaus mit dem notwendigen Übernachten wird

das Reisen verteuert. Daher hat man lange vor dem Kriege schon

begonnen, diese Not durch das Schaffen der deutschen Jugendherbergen

zu beseitigen. Erst durch diese Tat werden die Ziele des Verbandes

ermöglicht: »Die frühzeitige und regelmäßige Hinkehr zur Natur, von

der Volksschule an, ist das beste Bollwerk gegen Tuberkulose und

Alkohol, gegen Verschwendungs- und Vergnügungssucht, gegen Kino und

Zigarette, gegen Modesklaverei und Verweichlichung bei Jungen und

Mädchen, der sicherste Weg zu Einfachheit und Selbständigkeit, zu

Arbeitskraft und Arbeitslust, zu reiner Freude und Volksgesundheit,

zur Heranziehung eines sportfreudigen Geschlechts. Die Herbergen

sollen das Jugendwandern ermöglichen. Hinter dem Herbergswerk stehen

mit seltener Einmütigkeit alle Schichten von rechts bis links, arm und

reich. Es geht jeden an, den Vater für seinen Sohn, den Arbeitgeber

für seine schaffenden Kräfte, die Gemeinden für ihren Nachwuchs. –«

In den Richtlinien für deutsche Jugendherbergen heißt es: »Die

Jugendherbergen sollen auf gemeinnütziger Grundlage der gesamten

wandernden Jugend nach des Tages Mühe eine einfache, möglichst billige

Übernachtungsgelegenheit als Grundlage für mehrtägiges Wandern bieten.

Das werdende Reichsherbergsnetz soll ein allgemeines Jugendwandern

ermöglichen. Wandergebiet ist überall, auch im Flachland. Auch Rad-

und Bootwanderer sowie Schneeläufer sind willkommen. – Es gilt, das

heranwachsende Geschlecht frühzeitig in lebendige Fühlung mit der

Mutter Natur zu bringen. Durch die Jugendherbergen soll ihm Gelegenheit

gegeben werden, Heimat und Vaterland aus eigener Anschauung kennen und

liebgewinnen zu lernen zur Förderung des leiblichen und sittlichen

Gedeihens, zur Hebung der Jugendkraft und Volksgesundheit, zur

Aneignung frohen Lebensmutes. Die Herbergen sollen sich in den Dienst

der Volksverschmelzung und Verwischung der Standesunterschiede, der

Heranbildung eines wirklich einigen deutschen Volkes stellen.«

In allen deutschen Gauen befinden sich Zweigausschüsse des Verbandes.

Für Sachsen ist einer in Dresden tätig. Er wird durch die Arbeit von

dreißig Ortsgruppen unterstützt, denen unmittelbar die Sorge für die

in ihrem Bereiche bestehenden Herbergen obliegt. Zurzeit gibt es unter

den zweitausenddreihundert Herbergen etwa hundertdreißig sächsische.

Auffallend wenige sind in Nordsachsen zu finden. Es sei bemerkt, daß

es überhaupt notwendig ist, noch viele Herbergen zu errichten und die

vorhandenen weiter auszubauen. Zum Erreichen der Ziele sind unbedingt

zehntausend deutsche Herbergen erforderlich. Starker Unterstützung

bedarf das große Werk!

Die Arbeit an den Jugendherbergen gerade in unserem Sachsenlande wird

jetzt gekrönt durch die Übernahme der Burg Hohnstein in der Sächsischen

Schweiz als »Jugendburg«. Sie soll nicht nur Herberge sein, sondern

eine sichere Burg, in derem Schutze sich das heranwachsende Geschlecht

bilden und Feste feiern kann. Letzten Endes wird _Heimat_ der Boden

dieser Bildung sein und _Heimat_ den Hintergrund der Feste bilden.

Alles Nähere über Hohnstein ist in einem besonderen Heftchen wie auch

aus dem »Sächsischen Jugendwanderdienst«, dem Mitteilungsblatte des

Zweigausschusses, zu ersehen.

Ihr jungen Sachsen! Durch die Jugendherbergen ist es nunmehr

möglich, selbst mit bescheidenen Geldmitteln eure sächsische Heimat

kennenzulernen, vom Vogtlande bis hinüber zur Lausitz, vom Tieflande im

Norden bis hinauf zum Gipfel des Fichtelberges!

Jedem wird klar sein, daß hierdurch auch die Heimatschutzbewegung

eine kräftige Unterstützung findet; lernt doch niemand seine Heimat

besser kennen und lieben als der, der sie sich in eigener Anschauung

erwandert. Noch aber ist es notwendig, wozu der Herbergsverband in

einem Aufrufe ermahnt: »Schont Wiesen und Felder, Wald und Strauch!

Denn heilig ist das Land und alles, was es trägt.« – Daß dieses bald

selbstverständlich sei, dazu helfe uns Heimatschutz und Jugendherberge!

Deshalb: Werdet Mitstreiter am großen Werke!

Die Reise nach Sylt

Eine Elbfahrt von _Edgar Hahnewald_

Mir war es, als wäre ich durch ein Traumland gezogen, ein Traumland,

das auf unserer ruhigen Erde keinen Raum hat, von dem einem zarte

duftige Bilder vor der Seele stehenbleiben als stille Erinnerungen.

Im rüttelnden Eisenbahnwagen habe ich einen großen Teil dieser Bilder

an meiner Seele vorüberziehen lassen und habe alle Unruhe vergessen,

den Lärm nicht mehr gehört, sondern ich war entrückt auf einen großen

Elbkahn und schwamm die Elbe abwärts, hörte das Wasser gurgeln, raunen,

strömen und plätschern, roch den Teergeruch und sah in ewig wechselnder

Beleuchtung die auftauchenden und vorübergleitenden Bilder der

Stromufer mit ihren Dörfern und Städten, mit ihren Wiesen und Bäumen

und Menschen.

Hamburg, die Weltstadt, empfängt uns mit ihren brausenden Akkorden,

mit dem gewaltigen Rhythmus ihrer Arbeit und ihrem weltumspannenden

Handelsgeist.

Dann sind wir auf Sylt. Nicht das Sylt der Modebäder, der Saison!

Nein, das Sylt einsamer Dünen, der rollenden, nagenden Brandung, der

rauschenden See, stiller, stolzer, einsamer Menschen, des schimmernden

Watts, blauender Himmelsweiten und Wolken, das Sylt, auf dem man im

Kommen und Gehen der Wogen, im Wehen und Rieseln des Dünensandes sein

eigenes, kleines, unruhiges Ich verliert und als Kind der Allmutter

Natur Jahrtausende atmen hört; auf Sylt, der blonden Insel zwischen

zwei Meeren.

Wie Hahnewald seine Schilderung beginnt: »Schweres Poltern und Klirren

weckte mich,« so riß mich aus dem Traumland seiner wundersamen Bilder

und farbenschimmernden Schilderungen das Klirren und Poltern des an

meinem Ziele haltenden Zuges. »Wieder hat sich eine Tür hinter mir

geschlossen,« schließt er sein Buch, »eine Tür, vor der ich manchmal

stehen werde voller Sehnsucht: Dahinter liegt Sylt, die blonde Insel

zwischen zwei Meeren.«

Eins weiß ich gewiß: Die Tür zu den Fahrten der Sehnsucht, welche

er in seinem Buche geöffnet hat, werde ich noch öfter im Geiste

durchschreiten. Nicht spannende Abenteuer oder pikante Reiseerlebnisse

sind es, die erschlossen werden, nein, stilles deutsches Land,

deutsches Fühlen, deutsche Heimat, innig und tief ergriffen und

geschaut und darum in aller Schlichtheit stille ergreifend.

Das Büchlein ist geschmückt mit Abbildungen nach alten Stahlstichen,

Steindrucken und Zeichnungen, die fein in das sozusagen zeitlose

Erleben des Buches hineinpassen. Heimaterleben in tiefster Seele, das

kann das Büchlein dich lehren und dir schenken. Still und froh wird es

dich machen und dir Sehnsucht ins Herz geben. »Sehne dich und wandere.«

Rieß-Freiberg.

Verlag Carl Schünemann, Bremen. Preis broschürt 2.50 RM.

Wieder einmal: Reklameschilder

Daß jetzt jede Möglichkeit zum Reklamemachen von Handel und Industrie

ausgenutzt wird, mag in diesen Zeiten wirtschaftlichen Tiefstandes

seine Begründung und Entschuldigung finden. Aber immerhin sollten

dabei nicht Werte aufs Spiel gesetzt werden, die durch schlechte

oder unangebrachte Plakate vernichtet werden und weit mehr bedeuten,

als alle Reklameschilder samt und sonders einbringen. Ein wahrer

Tummelplatz für Geschmack- und Verständnislosigkeiten dieser Art ist

neuerdings das Gelände rechts und links der Bahn geworden. Es sei von

vornherein zugegeben, daß einmal in der Nähe von Eisenbahnstrecken

selten etwas landschaftlich oder volkskundlich Wertvolles zu verderben

ist, und daß andererseits gut ausgeführte Reklameschilder an dafür

passenden Stellen keineswegs einen unangenehmen Eindruck machen. Ich

denke dabei etwa an die Schilder, die an der Dresdner Rennbahn zwischen

den Stationen Reick und Niedersedlitz errichtet worden sind; da ist von

keinem Standpunkt aus etwas dagegen einzuwenden. Aber so findet man es

leider nicht immer. Die schlechtesten Schilder finden sich oft an den

landschaftlich schönsten Punkten.

[Illustration]

Eine wahre Epidemie dieser Art scheint das Dorf Seeligstadt ergriffen

zu haben, daß der von Dresden nach Görlitz zu Reisende zwischen

Arnsdorf und Großharthau linker Hand liegen sieht. Zwar hat dieser

Ort seinen dörflichen Charakter nicht mehr ganz rein gewahrt; eine

Dampfesse zeigt den bereits geschehenen Einzug der Industrie an. Aber

trotzdem findet man noch schöne Güter unter alten Linden und Eichen

versteckt, und niedliche Bauernhäuser mit Strohdach und Balkenumgebinde

träumen am plätschernden, gänsebelebten Wasser, freilich mit böse nach

den häßlichen Neubauten an der Straße blickenden Fenstern. Immerhin

zeigte das Dorf noch im Sommer 1923 über blinkende Teiche hinweg dem

vorbeieilenden Reisenden ein ländliches, beschauliches Bild. –

Aber seit dem letzten Frühjahr ist dieser Friede grausam gestört

worden. An einem großen Gute, dessen Scheunengiebel mit breiter

Auffahrt und prächtiger alter Linde nach der Bahn herüberschaut, haben

sich nicht weniger als vier große, schreiende Plakate breit gemacht.

Likör, Stiefelwichse und Nähmaschinen werden angepriesen neben einer

Aufforderung, die Breslauer Messe zu besuchen – Schilder wie das

letztere, das doch über kurz oder lang zwecklos ist, bedeuten auch

reklametechnisch eine vollständige Verirrung.

Dieses böse, auch im Bilde vorgeführte Beispiel hat leider Schule

gemacht. Eine kleine Wirtschaft nebenan beeilt sich schon, denselben

Schnaps noch einmal anzubieten. Dasselbe war an einem niedlichen alten

Strohhaus der Fall, das allerdings in diesem Sommer einem schmucklosen

Neubau gewichen ist. Sein Besitzer versicherte mir aber, daß er nie und

nimmermehr sein neues Haus mit diesen häßlichen Schildern verunzieren

wolle. Eine einzelne Scheune jenseits der Bahn trägt auch ein ganzes

Sortiment derartiger Plakate; da hier aber nichts landschaftlich

Wertvolles zu verderben ist, wenigstens nicht von der Bahn aus gesehen

– vom Dorf aus wird die Scheune durch Bäume verdeckt – so soll dagegen

hier nichts gesagt sein. –

Diese Reklamepest wäre verständlich, wenn die Besitzer einen

wesentlichen, ins Gewicht fallenden Nutzen davon hätten. Aber das ist

nicht der Fall; denn eine Mark fünfzig pro Schild und Jahr sind keine

Summe, die die Schädigungen des Landschaftsbildes auch nur teilweise

rechtfertigt. Da sich anscheinend gesetzlich auch nicht mit der nötigen

Bestimmtheit durchdrücken läßt, so hilft eben nur eine eindringliche

Aufklärung der Bewohnerschaft in diesen »gefährdeten« Orten, die dazu

erzogen werden müßte, den Angeboten der Plakatreisenden gegenüber sich

fest ablehnend zu verhalten.

Mögen diese Zeilen zum Kampf um die Schönheit unserer Heimat beitragen!

_Anmerkung der Schriftleitung_: Die Erzählung »War sich a Kuh kaafn

will, muß erscht in Schtall hom« (Heft 11/12, Bd. XIII) ist nicht

von Paul Meile, Lugau, verfaßt, sondern ist der Abdruck der im Jahre

1883 erschienenen Erzählung »Der Nußknacker« von R. Hubert, Leipzig

(Jahrbuch »Glückauf« 1884).

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt

– Druck: Lehmannsche Buchdruckerei Klischees von Römmler & Jonas,

sämtlich in Dresden

_Einbanddecken_

Band XIII (1924)

Mark 1.50

und 30 Pfg. Postgeld und Verpackung

Landesverein

Sächsischer Heimatschutz

=Dresden-A.=, Schießgasse 24

Werbt Mitglieder!

Jeder eins

dann haben wir bald die

100000

erreicht

Helft dazu! Herzlichen Dank!

Landesverein

Sächsischer Heimatschutz

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIV, Heft 3-4 · 第 5 / 5 段