Donner brüllt sein ohrenbetäubendes: „Ja.“

„Nessoshemd!“ wiederhole ich sinnend; „Nessoshemd?!“

Dann totenstilles Lauern; Sturm und Blitz beraten, was sie beginnen

sollen.

Unten braust plötzlich laut der Fluß, als wolle er mich warnen: Komm

herab zu mir! Verbirg dich!

Ich höre das entsetzte Rauschen der Bäume: „Die Windsbraut mit den

Würgerhänden! Die Zentauren der Meduse, die wilde Jagd! Ducket die

Köpfe, der Reiter mit der Sense kommt!“

In meinem Herzen klopft ein stilles Jubeln: Ich warte auf dich, mein

Geliebter.

Die Glocke der Kirche wimmert auf, von einer unsichtbaren Faust

getroffen.

Im Schein eines Blitzes leuchten fragend die Kreuze des Friedhofes auf.

„Ja, Mutter; ich komme!“

Ein Fenster, irgendwo, reißt sich los und birst mit klirrendem Schrei

auf dem Pflaster: die Todesangst der Dinge, erschaffen durch

Menschenhand.

Ist der Mond vom Himmel gefallen und irrt umher? Eine weißglühende

Kugel tastet sich durch die Luft, schwankt, sinkt, steigt, wandert

planlos und platzt mit donnerndem Krachen, urplötzlich wie von rasender

Wut erfaßt; die Erde bebt in wildem Schrecken.

Immer neue tauchen auf; eine sucht die Brücke ab, rollt langsam und

tückisch über die Pallisaden, umkreist einen Balken, packt ihn brüllend

und zerfetzt ihn.

„Kugelblitze!“ Ich habe in den Büchern meiner Kindheit von ihnen

gelesen und die Schilderung ihrer rätselhaften Bewegung für Fabel

gehalten, jetzt sind sie leibhaftig! Blinde Wesen, geformt aus

elektrischer Kraft, Bomben des kosmischen Abgrundes, Köpfe von Dämonen

ohne Augen, Mund, Ohren und Nasen, den Tiefen der Erde und der Luft

entstiegen, Wirbel, kreisend um einen Mittelpunkt des Hasses, der ohne

Organe des Wahrnehmens halbbewußt tastet nach Opfern für seine

Zerstörungswut.

Mit welch furchtbarer Macht begabt wären sie erst, besäßen sie

menschliche Gestalt! Hat meine stumme Frage sie angelockt, die glühende

Kugel, daß sie plötzlich ihre Bahn verläßt und auf mich zufliegt? Aber

sie kehrt um dicht am Geländer, gleitet hinüber zu einer Mauer, schwebt

in ein offenes Fenster hinein und zu einem andern wieder heraus, wird

länglich: und ein Feuerstrahl schlägt einen Trichter in den Sand unter

Donnergetöse, daß das Haus zittert und der Staub bis zu mir

heraufspritzt.

Sein Licht, blendend wie eine weiße Sonne, verbrennt mir die Augen; so

grell beschienen ist eine Sekunde lang meine Gestalt, daß ihr Reflex

meine Lider erfüllt und eingeätzt bleibt in meinem Bewußtsein.

„Siehst du mich endlich, Meduse?“

„Ja, ich sehe dich, Verfluchter!“ — und eine rote Kugel steigt aus der

Erde. Halbblind fühle ich: sie wird größer und größer; jetzt schwebt

sie über meinem Kopf — ein Meteor grenzenloser Wut.

Ich breite die Arme aus: unsichtbare Hände fassen die meinen mit dem

„Griff“ des Ordens, gliedern mich ein in die lebendige Kette, die in

die Unendlichkeit reicht.

Verbrannt ist in mir das Verwesliche, durch den Tod in eine Flamme des

Lebens verwandelt.

Aufrecht stehe ich im purpurnen Gewand des Feuers, gegürtet mit der

Waffe aus Blutstein.

Gelöst bin ich für immer mit Leichnam und Schwert.

Der weiße Dominikaner · 第 32 / 32 题