Der „tote Kirchhof“

„Gedenke der Abgeschiedenen!“ so klingt es überall in Paretz, auch über

den Kreis des Schlosses hinaus. Erinnerung und Pietät, die hier ihre

Stätte haben, sie haben sie auch in den Herzen der Paretzer; still und

unbemerkt üben sie ihren Totendienst; „Gedenke der Abgeschiedenen“

durchklingt es auch sie.

Um die Kirche herum liegt ein Kirchhof, ein sogenannter „toter

Kirchhof“; der „lebende“, die Stätte, wo begraben wird, liegt draußen,

am Rande des Dorfes.

Die alte Stätte ist nur ein Grasplatz noch, niedergetreten, ohne

Kreuz und Stein, aber wer scharf zusieht, der nimmt bald wahr, daß

hinter dieser Verwahrlosung noch immer eine Liebe lebt. Hier und dort

wächst eine Schwertlilie, ein Hagebuttenstrauch unvermittelt aus dem

niedergetretenen Grase auf, und alle diese Stellen kennen die Dörfler

wohl, es sind die Gräber ihrer Teuren, die sie verstohlen hegen und

pflegen, in heimlicher Liebe. Denn der Kirchhof _soll_ tot sein, der

offizielle Platz für Blumen und Tränen liegt draußen.

Aber welchem Herzen ließe sich gebieten!

Paretz ist eine Stätte der Erinnerung und Pietät -- auch der „tote

Kirchhof“.

Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil Havelland · 第 121 / 149 题