Paretz

1.

Die Stätte, die ein guter Mensch betrat,

Ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt

Sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder.

=Tasso=

Von Ütz nach Paretz ist noch eine gute halbe Meile. An einem

Sommernachmittag ein entzückender Spaziergang. Der Weg führt durch

Wiesen rechts und links; der Heuduft dringt von den Feldern herüber und

vor uns ein dünner, sonnendurchleuchteter Nebel zeigt uns die Stelle,

wo die breite, buchten- und seenreiche Havel fließt. Paretz selbst

verbirgt sich bis zuletzt. Nun endlich wird der Weg ein aufgeschütteter

Damm, an die Stelle der Obstbäume, die uns bisher begleiteten,

treten hohe Pappeln, überall die spalierbildende Garde königlicher

Schlösser, und alsbald über eine zierliche Brücke hinweg, die den Namen

„Infantenbrücke“ trägt, beschreiten wir die Dorfstraße. Diese führt

mitten durch den Park, macht eine Biegung, verbreitert sich, und --

wir sind am Ziel: links das Schloß, ein langgestreckter, schmuckloser

Parterre-Bau mit aufgesetztem niedrigen Stock, rechts eine Gruppe

alter Eichen, und ihnen zur Seite die gotische Kirche des Dorfes. Über

die Straße hin grüßen sich beide, in ihrer Erscheinung und in ihrem

Eindruck so verschieden, wie die Zeiten, denen sie angehören. Die

Poesie fällt der älteren Hälfte zu.

Es ist um die fünfte Stunde. Eine Schwüle liegt in der Luft; selbst

das Pappellaub, das immer plaudert, ist still; das Schloß blickt uns

an, wie verwunschen; seine Läden sind geschlossen. Nur der Vorgarten,

mit kleinen gezirkelten Beeten, hier mit Aurikeln, dort mit Reseda

eingefaßt, liegt offen da. Wir treten ein. Der seltene Besuch hat

Neugierige herbeigelockt, der Schloßdiener kommt, zuletzt er, der

diesen stillen Platz zu hüten hat, -- der Hofgärtner. Er begrüßt uns.

Erhitzt vom Marsch, sprechen wir den Wunsch aus, uns erst wieder frisch

machen zu dürfen, ehe wir in die dumpfe Kühle des Schlosses eintreten.

So nehmen wir denn Platz auf einer Sommerbank und plaudern.

Paretz ist alt-wendisch. Die Nachrichten sind sehr lückenhaft. Es

gehörte ursprünglich zur Kirche von Ketzin, kam dann in den Besitz der

Arnims und Dirikes, welch' letztere es 1658 an die Familie Blumenthal

veräußerten. Die Blumenthals, später freiherrlich und gräflich,

saßen hier in drei Generationen, bis Oberstleutnant Hans August von

Blumenthal es 1795 an den damaligen Kronprinzen, späteren König

Friedrich Wilhelm III., verkaufte. Es entsprach ganz den gestellten

Bedingungen und Wünschen.

Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil Havelland · 第 113 / 149 题