Der Brieselang

Balsamisch wogten die Düfte

Über das feuchte Revier,

Die alten Störche bezogen

Freudig das alte Quartier.

In all den Luchen und Lanken

Waren die Wasser erwacht,

Die Kiefern lauschten und tauschten

Ihre Grüße sacht.

=G. Hesekiel=

Eine der ältesten Waldpartien des Havellandes ist der _Brieselang_,

anderthalb Meilen westlich von Spandau. Die Hamburger Eisenbahn

schneidet an seinem Südrande hart vorbei und bildet, wenn man auf die

Karte blickt, den Fuß, auf dem er steht. Wer ihn besuchen will und die

Jahre des Turner-Enthusiasmus hinter sich hat, pflegt deshalb auch die

genannte Bahn zu benutzen, die ihn wochentags bis an die östlichen

Vorlande des Waldes (Station Segefeld) oder Sonntags in Extrazügen

direkt bis an seine Eingänge führt.

Der Brieselang ist nicht mehr, was er war. In alten Tagen ging er

über Quadratmeilen hin und füllte das ganze Territorium, das man

damals als Alt-Bredow-Land bezeichnen konnte. Das Nauensche Luch, die

Falkenhagenschen Wiesen, der Bredowsche Forst, das Pausinsche Bruch,

alles war Brieselang, ein Elsbruch im großen Stil: im Frühjahr ein

Sumpf oder See, im Sommer ein Prairie, zu allen Jahreszeiten aber von

mächtigen Eichen, den „Brieselang-Eichen“, überragt, die um einen Schuh

höher waren als alle anderen im Lande. Das ist nun anders geworden.

In allen Teilen des alten Gebiets, zumal auch auf jener Strecke, die

noch den alten Namen führt, haben sich die Elemente geschieden, aus

weiten Sumpfstrecken, denen man die Elsen und Eichen _nahm_, sind weite

Wiesenstrecken geworden, und aus anderen, denen man Elsen und Eichen

_hinzutat_, sind regelrechte Waldreviere geworden. Nur da, wo Wald und

Wiese mit einander grenzen und der Wald aus seinem Heerlager einzelne

Posten in die weite Wiese hinausstellt, nur an _diesen_ Stellen zeigt

der Brieselang noch seinen alten Charakter, zumal im Frühjahr, wenn

das Sumpfwasser steigt und sich wieder in Lachen und Lanken um die

Elsenbüsche sammelt.

Der Brieselang ist eine schwindende Macht, an Terrain verlierend wie

an Charakter, aber auch noch im Schwinden ehrwürdig, voll Zeichen

alter Berühmtheit und alten Glanzes. Er besteht zur Zeit noch aus zwei

Hälften, aus dem eigentlichen Brieselang und aus der Buten-Heide, von

denen jener, mit dem Hauptpunkt „Finkenkrug“, die südliche, diese, die

Buten-Heide, mit dem Hauptpunkt „Königs-Eiche“, die nördliche Hälfte

bildet. Da aber, wo beide Hälften zusammentreffen, inmitten einer

Lichtung, erhebt sich die „Försterei Brieselang“, die als Zentralpunkt

mit Recht den Namen des ganzen Waldes trägt.

In den Brieselang also!

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil Havelland · 第 55 / 149 题