Die hier vorgeschlagene Verdoppelung des Feuerraumes scheint

MONOGRAPHIEN DES KUNSTGEWERBES

HERAUSGEGEBEN VON

JEAN LOUIS SPONSEL

IV.

TECHNIK DER BRONZEPLASTIK

VON

HERMANN LÜER

MIT 144 ABBILDUNGEN

DRITTES TAUSEND

VERLAG VON HERMANN SEEMANN NACHFOLGER IN LEIPZIG

Alle Rechte vom Verleger vorbehalten.

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R.

Einführung.

Auch bei den grössten Erzgusswerken fragt heute niemand mehr darnach, wer

es verstand, den in leicht vergänglichen Stoffen ausgeführten Modellen im

widerspenstigen Metalle ewige Dauer und damit erst den rechten Wert zu

verleihen. Nur des Meisters Namen kennt man, der im bildsamen Thon oder

Wachs das Vorbild schuf.

Die öffentliche Meinung hat sich in diesem Punkte sehr geändert. Noch im

Jahre 1766 schrieb man die folgenden bezeichnenden Worte[1]: »Das Modell

wird bloss von Wachs poussiret, und obwohl es an sich künstlich seyn kan,

so gehöret es doch für den Bildhauer, davon jeder im stande ist, eines zu

machen, nicht aber für den Giesser, davon sich nicht ein jeder, am

wenigsten in Frankreich, an ein Riesenmässiges Bild wagen wird.«

[1] Schaupl. der Natur. Frankf. u. Leipzig 1766, Bd. VII.

Diese Aeusserung ist weder richtig, soweit sie Frankreich anbetrifft,

noch zeugt sie von hohem künstlerischen Sinne, doch als ein Dokument für

die Anschauungsweise jener Zeit ist sie von hoher Bedeutung. Wir können

es kaum verstehen, wie es möglich war, dass der Name des Bildhauers, der

das Modell schuf zu dem gewaltigen Reiterbild des Grossen Kurfürsten in

Berlin, lange Zeit vergessen war, während der Name des Giessmeisters, dem

es gelungen war, das Denkmal in Erz zu giessen, in aller Munde war. Wir

begreifen es nicht, wie man den grossen Bildner fast leer ausgehen, dem

Erzgiesser goldene Ehrenketten verleihen und sein Bild von Staats wegen

in Kupfer stechen lassen konnte.

Schwer mag es sein, in solchen Fragen völlig gerecht zu urteilen, unser

freier Blick ist gar zu leicht beengt; über die Schranken, die uns unsere

Zeit gezogen, vermögen wir nicht hinwegzusehen. Doch solche Erfahrungen

geben zu denken; auch das völlige Nichtbeachten eines hervorragenden

handwerklichen Könnens ist ungerechtfertigt. Die schwierigsten

technischen Aufgaben werden heute spielend gelöst, man würdigt sie nicht

mehr. Wir leiden unter einem Specialistentum, und mehr als ein enges uns

zugewiesenes Gebiet des Könnens und Wissens vermögen wir kaum noch zu

begreifen und zu beurteilen. Noch vor wenigen Jahrhunderten war das

anders, gerade auch auf dem Gebiete der Kunst; der Künstler war in

höherem Masse wie heutzutage auch Handwerker und der Handwerker mehr

Künstler. Und für das Gebiet der hier zu betrachtenden Metallplastik

lässt sich zum wenigsten bis ins 17. Jahrhundert nachweisen, dass zumeist

die erfindenden Meister auch die Ausführung ihrer Werke in Bronzeguss

technisch leiteten. Ein ungerecht einseitiges Urteil über solche

Schöpfungen war schon aus dem Grunde in früheren Jahrhunderten kaum

möglich.

Um der altehrwürdigen Kunstgiesserei wieder zu dem Ansehen zu verhelfen,

das ihr zweifellos gebührt, möge sie in ihrer technischen Entwicklung, so

weit sie zurückzuverfolgen ist, mit bevorzugter Berücksichtigung der

letzten Jahrhunderte, ein wenig eingehender behandelt werden.

Nur wie bei der Herstellung der bedeutsamsten, d. h. besonders bei den

durch ihre Grösse und die Art ihrer Aufstellung bekanntesten Werken in

den verschiedenen Zeiten verfahren wurde, soll in der vorliegenden

Schrift zu zeigen versucht werden. Das fast ausschliesslich zu

berücksichtigende Metall sollen das Kupfer und seine als Erz oder Bronze

bezeichneten Mischungen sein.

Die Eigenschaft der Metalle, in giessbar flüssigem Zustande in Formen

gefüllt werden zu können, und in deren Höhlungen zu erstarren, ist für

die Plastik von weit grösserer Wichtigkeit als die Dehnbarkeit, die es

erlaubt, auch mittels Hämmer und anderer Werkzeuge das Metall in kaltem

Zustande in gewünschte Formen zu bringen. Die Formung durch den Guss wird

den weitesten Raum in dieser Schrift einnehmen müssen.

Ohne Zusatz anderer Metalle, unlegiert, ist das Kupfer zum Giessen wenig

brauchbar, in um so höherem Masse aber geeignet, durch Hämmer bearbeitet

zu werden. Vorzüglich giessbar wird das Kupfer dann, wenn man es mischt

mit Zinn, Zink, Blei und anderen, bisweilen in geringeren Mengen

beigefügten Metallen. Die Mischungsverhältnisse bei der Bronze für den

Bildguss waren zu allen Zeiten sehr schwankend. Die antiken Bronzen

enthalten Zink fast gar nicht, durchgehends aber einen starken Zinnzusatz

und nicht selten grössere Beimengungen von Blei. Die Bronzen der neueren

Zeit enthalten sehr wenig Blei, bisweilen auch wenig Zinn, dagegen ist

der Zinkgehalt oft sehr hoch.

Der Guss einfachster und kleiner Gegenstände erfordert nur geringe

Vorbereitungen: einen einfachen Ofen, ein Schmelzgefäss und die Form. Am

meisten von Interesse ist die Form.

Die einfachste Form für einen massiven Gegenstand erhält man, wenn man

eine Vertiefung in der Gestalt des gewünschten Gussstückes in einen

festen feuerbeständigen Stoff, z. B. in Stein gräbt. Wenn das Gussstück

nicht auf der einen Seite eben ist, muss die Form aus zwei Teilen

bestehen, die genau auf einander passen, und die beiderseitigen

Erhöhungen des Gussstückes in zweckmässiger Verteilung vertieft

enthalten. Durch eine Oeffnung kann dann das flüssige Metall eingefüllt

werden.

Müheloser herstellbar ist eine Form in Sand. In geeignetem, nicht zu

lockeren Sande kann die Form durch Abdruck eines vorhandenen Modelles

gewonnen werden. Um einen scharfen Abdruck zu erhalten, muss der Sand

zunächst festgestampft werden; man füllt ihn deshalb z. B. in einen

Kasten. Einerseits ebene Gussstücke können dann ohne weiteres in der im

Sande eingedrückten offenen Vertiefung gegossen werden (sogenannter

Herdguss). Bei jedem nicht einerseits flachen Gegenstande muss eine

Teilform hergestellt werden. Soll z. B. eine Kugel gegossen werden, dann

drückt man das Modell zunächst zur Hälfte in den Sand des Formkastens

ein, setzt dann einen gleichen oben offenen Formkasten (Rahmen) darüber,

der mittels Zapfen oder dergleichen seine Lage behält, füllt auch ihn mit

Sand und stampft diesen über dem oberen Teile des Modells fest. Da man

vorher die Oberfläche des Sandes im unteren Kasten mit Holzkohlenstaub

eingepudert hatte, kann man nun den oberen Kasten mitsamt dem Sande, der

sich darin hält, abheben. Dann kann man das Modell entfernen und von der

Formhöhlung aus in dem Sande eine Rinne zu einem Einschnitte in der

Kastenwandung ausheben. Nachdem man darauf die beiden Kästen wieder

aufeinandergelegt und sie durch irgendwelche Vorkehrungen fest aneinander

gepresst hat, kann man das Metall hineingiessen.

Schon aus Ersparnisrücksichten ist es aber im allgemeinen geboten, die

Gussstücke hohl herzustellen, zu dem Zwecke bringt man in die Hohlform

einen »Kern«. Dieser Kern muss die Form des Modells haben, aber um so

viel kleiner als dieses sein, wie die gewünschte Metallstärke betragen

soll. Der Kern muss unverrückbar in der Form befestigt werden, man kann

z. B. Metallstäbchen hindurchschieben, die zwischen den Teilflächen der

Form gehalten werden. Der Kern wird dann von dem Metall umschlossen,

nötigenfalls kann er durch ein später in die Metallwandung gebohrtes Loch

herausgekratzt werden.

Der Formkasten kann erspart werden, wenn statt des Sandes Lehm verwendet

wird, der im Feuer hart zu brennen ist. Man verfährt im übrigen ähnlich

wie vorher. Das Modell wird zuerst auf der einen Seite mit Lehm

umkleidet, und dieser Formteil getrocknet, dann wird mit der anderen

Seite gleichartig verfahren. Wenn die Formhälften gut aufeinander gepasst

und mit Lagemarken versehen sind, die ein richtiges Zusammensetzen

ermöglichen, werden, nachdem das Modell herausgenommen ist, beide Teile

gebrannt. Durch eine vorher eingeschnittene Rinne kann das Metall

eingefüllt werden. Der Kern für einen Hohlguss kann in derselben Weise

wie vorher hergestellt werden.

Schliesslich ist noch ein Formverfahren dem Princip nach hier zu

besprechen, das in der Geschichte des Kunstgusses die bei weitem

wichtigste Stellung einnimmt, das sogenannte Wachsausschmelzverfahren.

Eine ganz beliebig geformte Wachsmasse kann mit Lehm umgeben werden, in

dem eine Oeffnung hergestellt ist. Wird dann diese, das Wachs

einschliessende Lehmmasse getrocknet und weiter erwärmt, so wird das

Wachs aus der Oeffnung ausfliessen und ein Hohlraum entstehen, der genau

die Form der Wachsmasse aufweist. In die so hergestellte, schliesslich

noch hart gebrannte Form kann flüssiges Metall gegossen werden. Wird nach

dem Erkalten des Metalles der Lehmmantel zerschlagen, dann erhält man

einen Metallkörper genau von der Form, die vorher das Wachs zeigte.

Dieses mannigfach zu variierende Princip: beliebig geformte, durch Guss

herzustellende Metallgegenstände in Wachs vorzubilden und eine völlig

geschlossene, d. h. ungeteilte, nahtlose Form darüber zu nehmen, hat man

bereits vor Jahrtausenden zu benutzen gewusst.

Wie die hier aufgeführten Formverfahren bei bestimmten künstlerischen

Aufgaben in verschiedenen Zeiten angewendet sind und welche Vorkehrungen

bei grossen und kompliciert gestalteten Modellen getroffen worden sind,

wird später eingehend zu erörtern sein.

Weit weniger umständliche Vorbereitungen erfordert die Formung der

Metalle auf kaltem Wege durch »Treiben«. Die Bronze kommt dafür nicht in

Frage, sie ist zu spröde; in erster Linie ist das Kupfer und zwar in

möglichster Reinheit, daneben auch Gold und Silber von Wichtigkeit.

Die Treibtechnik beruht darauf, dass eine Metallplatte sich an Stellen,

die durch Hämmer oder andere Werkzeuge verdünnt worden sind, aufbeult,

weil eben jede Verdünnung eine Ausdehnung zur Folge hat. Durch geeignete

Anwendung der Werkzeuge können nun diese Beulen in eine gewünschte

Richtung geleitet und durch geringere oder stärkere Bearbeitung in der

nötigen Höhe oder Tiefe nach aussen oder innen getrieben werden. Ueber

Einzelheiten wird später zu reden sein.

Die wichtigsten Werkzeuge bei der Treibarbeit sind Hämmer aus Holz und

Metall mit ebenen und runden Flächen in verschiedenen Grössen. Da das

Metall durch die Bearbeitung dicht und spröde wird, ist ein Ofen

notwendig, in dem nach Bedarf die Arbeitsstücke ausgeglüht werden,

wodurch das Metall wieder die nötige Dehnbarkeit erhält. Zur letzten

Durcharbeitung werden kleine Meissel in den verschiedensten Formen -- die

Punzen -- verwendet.

Schliesslich wird auch die Herstellung metallplastischer Werke auf

galvanischem Wege kurz zu besprechen sein. Die notwendigen technischen

Angaben darüber finden sich am Schlusse des Bandes.

I. Die Giesserwerkstatt.

Ehe die verschiedenen Formungsverfahren in ihrer Entwicklung und

Anwendung genauer betrachtet werden, soll über die zu allen Zeiten nur

wenig veränderten wichtigsten Einrichtungen der Giessereiwerkstätten und

diejenigen Arbeiten kurz voraus berichtet werden, die die Metallplastiker

neben der Herstellung der Formen vor allem beschäftigt haben.

Das wichtigste Ausstattungsstück einer Giesserei ist der =Schmelzofen=.

Die Einrichtung dieses Ofens hängt besonders ab von der Grösse der Werke,

die gegossen werden sollen. Man unterscheidet Tiegelöfen und Flammöfen.

Dem Princip nach die älteren sind gewiss die ersteren, doch dürften auch

die Flammöfen seit Jahrtausenden bekannt und bei umfangreichen Werken

verwendet worden sein.

Der Tiegelofen (Abb. 1) ist ein aus feuerfesten Steinen aufgemauerter

Schacht von quadratischem oder rundem Querschnitt, der in gewisser Höhe

durch einen Rost in einen oberen Raum für den Tiegel und die Feuerung und

in einen unteren Raum für die durchfallende Asche geteilt wird. Der

Feuerraum ist oben durch einen Kanal mit der Esse verbunden und durch

einen abhebbaren Deckel verschlossen. Der Deckel wird entfernt, wenn

Feuerungsmaterial nachgefüllt werden muss, eine verschliessbare Oeffnung

in der Mitte des Deckels gestattet die Beobachtung des in dem Tiegel

befindlichen Metalles, des Schmelzgutes. Der untere Raum gestattet durch

eine weite Oeffnung das Einströmen der Luft und die Entfernung der Asche.

Wenn das Metall im Tiegel geschmolzen ist, wird dieser mit Hilfe einer

geeigneten, ihn rings umfassenden Zange herausgehoben und das flüssige

Metall in die bereit stehende Form gefüllt.

[Illustration: Abb. 1. Tiegelofen.]

Bei den Flammöfen werden Tiegel nicht verwendet. Die Flammöfen bestehen

im wesentlichen aus dem Feuerraum mit dem Aschenfall darunter und dem

Herde, der unmittelbar für die Aufnahme des zu schmelzenden Metalles

eingerichtet ist. In der Abbildung 2 ist a der Feuerraum, er ist durch

einen Rost von dem Aschenfall c getrennt, und nach oben hin mit einer

verschliessbaren Oeffnung d versehen, durch die die Beaufsichtigung des

Feuers erfolgen und neues Feuerungsmaterial zugeführt werden kann. Die

Sohle des Schmelzherdes b von kreisrunder Grundfläche, ist geneigt und an

der tiefsten Stelle mit einer nach aussen führenden kleinen Oeffnung, dem

Stichloch g, versehen, das durch einen Lehmstöpsel zu verschliessen ist.

An der Seitenwandung befindet sich eine Thür e, durch die das Metall in

den Herdraum gebracht werden kann. Kleinere seitliche Oeffnungen, die

Pfeifen f, f führen die Feuergase ins Freie. Herd und Feuerraum stehen

durch das Flammloch, den Schwalch, in Verbindung. Nachdem der Ofen nun

angewärmt und das Metall eingeführt und in der Nähe des Flammloches

aufgehäuft ist, wird es durch die unmittelbare Berührung der durch das

Flammloch einströmenden Heizgase verflüssigt. Die Pfeifen sind durch

Schieber verschliessbar und je nach Bedarf können die Gase mehr nach der

einen oder anderen Seite gelenkt werden. Der Abgang des Metalles durch

Oxydation ist bei dieser Schmelzung sehr bedeutend, insbesondere bei den

Zusatzmetallen Zinn, Zink und Blei, die deshalb erst in den Ofen gebracht

werden, nachdem das Kupfer bereits geschmolzen ist. Das flüssige Metall

sammelt sich an der tiefsten Stelle des Herdes am Stichloch. Sobald mit

Hilfe einer eisernen Stange aus diesem der Lehmstöpsel entfernt ist, wird

das Metall ausströmen, und kann in einer Rinne in die bereit stehende

Form gelenkt werden.

[Illustration: Abb. 2. Flammofen.]

Sind nun, wie sich später zeigen wird, Nachrichten über die Formverfahren

der Vergangenheit, abgesehen etwa von den letzten Jahrhunderten, nur

spärlich erhalten, so lassen uns die Schriftsteller über die Einrichtung

der Oefen fast ganz im Stich.

Ueber die Schmelzöfen des Altertums geben schriftliche Quellen keine

Auskunft, und die erhaltenen vereinfachten bildlichen Darstellungen

lassen die innere Einrichtung auch nicht erkennen. Man darf, wie schon

gesagt wurde, annehmen, dass man sich bereits seit Jahrtausenden der

Flammöfen bedient hat, denn selbst wenn man die grossartigen Gusswerke,

von denen uns die Litteratur des Altertums berichtet, in vielen Teilen

hergestellt hat, werden Tiegel kaum ausgereicht haben, um die Menge des

Schmelzgutes gleichzeitig zu verflüssigen. Auch über die Art der Oefen,

die bei den gewaltigen niederdeutschen Gusswerken des Mittelalters

Verwendung gefunden haben, erhalten wir die erwünschte Auskunft nicht.

Wir sind jedoch in dem glücklichen Besitze eines Kunstbuches, von dem

jetzt mit Sicherheit feststehen dürfte, dass es zum mindesten nicht lange

nach dem Tode des grossen Künstler-Bischofs Bernward von Hildesheim

niedergeschrieben wurde; in diesem finden wir den besten Aufschluss über

das kunsttechnische Können der Zeit um 1100.

Die »Schedula diversarum artium«, als deren Verfasser sich der Presbyter

Theophilus unterzeichnet, ist auch für die Form- und Giessverfahren des

deutschen Mittelalters das unschätzbarste Dokument, das wir besitzen.

Allein, ob die Gusswerke, über deren Herstellung sich jener deutsche

Mönch aufs eingehendste auslässt, nur gedacht waren für bescheidenere

Anforderungen, ob er es bei der Beschreibung des Glockengusses nicht für

notwendig erachtete, auch davon zu sprechen, wie man das Metall für eine

über das gewöhnliche Mass hinausgehende Glocke schmelzen sollte, er giebt

uns nur Auskunft über die Verflüssigung der »Glockenspeise« in Tiegeln.

Der Tiegelofen des Theophilus weicht wesentlich von dem oben

beschriebenen ab; die Erhitzung des Metalles erfolgt von oben nach unten,

und nicht durch die Tiegelwandung. Die Oefen des Theophilus nehmen eine

Mittelstellung zwischen Tiegel- und Flammöfen ein. Theophilus sagt[2]:

»... nimm einen eisernen Topf mit rundem Boden, bloss zu diesem Behufe

eingerichtet, welcher beiderseits zwei eiserne Henkel habe, oder wenn es

eine sehr grosse Glocke wird, zwei oder drei und beschmiere dieselben

innen und aussen mit tüchtig gemahlenem Thon ein-, zwei- und dreimal, bis

er fingerdick aufgetragen sei und stelle sie auf zwei Seiten gegenüber,

dass man dazwischen gehen kann. Unter dieselbe gieb gewöhnliche Erde und

schlage um dieselben an zwei Orten, oder wenn nötig an dreien, kleine

Pflöcke ein, woselbst die Blasebälge angesetzt werden sollen; hier ramme

zwei gleich breite Pflöcke kräftig ein, lasse zwischen ihnen eine

Oeffnung dem Topfrande gegenüber, so dass der Wind durchkomme, setze in

die einzelnen Löcher dünne und gebogene Eisen, so dass die Röhren der

Bälge darauf fest ruhen. Dann mache mit Steinen und Thon über dem Topf

rundumher einen Ofen, anderthalb Fuss hoch, und beschmiere ihn innen

gleichmässig mit demselben Thon, und so bringe die brennenden Kohlen

herbei. Hast du es mit jedem einzelnen Topfe so gemacht, so schaffe die

Bälge samt ihren Vorrichtungen, in denen sie sicher stehen, herzu, zwei

zu jeglicher Oeffnung, und zu jedem Blasebalge bestelle zwei kräftige

Männer.... Nach diesem wäge alles Erz, das du besitzest, oder es seien

vier Teile Kupfer und als fünfter Teil Zinn, und verteile für die

einzelnen Töpfe deine Partien nach dem, was sie fassen.... Dann nimm das

Kupfer ohne das Zinn und mische es, indem du reichlich Kohlen zugiebst;

hast du auch reichlich glühende Kohlen beigeschafft, so mache die

Blasbälge blasen, erst wenig, dann mehr und mehr. Sobald du eine grüne

Flamme aufsteigen siehst, beginnt das Kupfer bereits zu schmelzen,

alsbald legst du reichlich Kohlen zu.« Inzwischen hat sich der Giesser,

wie Theophilus angiebt, auch noch mit der Form zu schaffen zu machen,

schliesslich, sagt er: »rühre das Kupfer mit einem langen und dürren

Holze, und wenn du merkst, dass es gänzlich flüssig geworden, so füge das

Zinn hinzu, rühre wieder fleissig, damit sie sich gut mischen; nachdem

der Ofen im Umfange zerbrochen worden, stecke zwei starke und lange

Hölzer in die Henkel des Topfes, rufe ernste und in dieser Kunst

erfahrene Männer zur Stelle, lasse sie ihn aufheben und mit aller

Vorsicht zur Form tragen, dann, nachdem die Kohlen und die Asche

hinausgeschafft sind, lege ein Seihetuch auf und lasse sie langsam

hineingegossen werden.« Ueber manche Einzelheiten bleibt uns der

kunstgeübte Mönch die Antwort schuldig, doch ist im ganzen die in

Abbildung 3 gegebene Konstruktion des Ofens klar, weitere Erklärungen

dürften kaum notwendig sein.

[2] Vgl. Uebersetzung von A. Ilg in den Quellenschriften zur

Kunstgeschichte. VII. Wien 1874. (Uebersetzung an einigen Stellen

berichtigt.)

[Illustration: Abb. 3. Rekonstruktion vom Schmelzofen des Theophilus.]

Um sich die Mühe des Tragens und vielfachen Giessens zu ersparen,

empfiehlt Theophilus: »verschaffe dir einen sehr grossen Topf, welcher

einen flachen Boden habe, mache ihm an der Seite in diesem Boden eine

Oeffnung und bedecke ihn innen und aussen mit Thon wie oben. Ist das

gethan, so stelle ihn nicht weiter von der Form als fünf Fuss auf,

schlage rings Pflöcke ein und setze das Kohlenfeuer in Stand. Sobald es

glüht, verstopfe das Loch mit Thon, welches gegen die Form gerichtet ist,

stelle vier Hölzer auf und mache im Umkreise die Pflöcke wie oben. Wenn

dann das Kupfer mit den Kohlen und dem Feuer dazu gebracht ist, so wende

die drei Reihen Bälge an und lasse kräftig blasen.« Dann wird die

Gussrinne, in der das Metall zur Form fliessen soll, wie folgt

beschrieben: »... habe ein trockenes so langes Holz, dass es von der

Topföffnung bis zu der Form reiche, dessen Krümmung (Rinne) weit sei.

Hast du diese auf allen Seiten mit Thon bedeckt, namentlich oben, so

grabe sie ein, bis sie mit dem Erdboden gleich steht, doch beim Topfe

etwas höher und gieb brennende Kohlen darauf (um vorzuwärmen, damit das

Metall beim Ausfliessen nicht erstarrt). Alsbald wird das Zinn zugegeben

und das Kupfer, wie oben mit dem gekrümmten Eisen, welches an einem Holz

stark befestigt sei, gerührt, dann öffne das Loch, und indem die

Beistehenden zwei Seihetücher halten (damit nicht Asche und dergleichen

mit in die Form gelangen kann), lasse fliessen.«

Von einer Ummauerung dieser zweiten Ofenart spricht der Verfasser der

Schedula wohl als von etwas Selbstverständlichem nicht. Die Feuerung wird

offenbar auch hier auf das zu schmelzende Metall gebracht. Der Gedanke,

statt der eisernen Schmelzpfanne einen gemauerten überwölbten Herd zu

verwenden, ist zu naheliegend, und obschon Theophilus davon nicht

spricht, möchte man doch annehmen, dass auch diese Art des Flammofens mit

daranschliessendem Feuerraum im Mittelalter bekannt gewesen ist.

Ueber die Bronzeschmelzöfen des 16. Jahrhunderts sind wir sehr genau

unterrichtet. Biringuccio giebt in seiner im Jahre 1540 erschienenen

»Pirotechnia«[3] an der Hand zahlreicher Abbildungen eingehende

Nachrichten über die verschiedensten damals gebräuchlichen Oefen und

Benvenuto Cellini beschreibt in seinen 1568 erschienenen »Trattati«[4]

sehr verständlich die Art der Flammöfen, deren er sich bei seinen grossen

Gusswerken bediente.

[3] Im Auszuge übersetzt in Beck, Geschichte des Eisens Bd. II, 1.

[4] Abhandlungen über die Goldschmiedekunst und die Skulptur von Benv.

Cellini. Uebersetzung von J. Brinckmann. Leipzig 1867.

Die Tiegelöfen Biringuccios gleichen im grossen und ganzen noch den von

Theophilus beschriebenen, und die Flammöfen denen, die oben erläutert

wurden. Nur einige die Flammöfen betreffende Punkte, die in Biringuccios

Beschreibung von Interesse sind, mögen hier hervorgehoben werden. Wenn es

sich um die Ausführung besonders umfangreicher Gusswerke handelt, sagt

er: »es könnte sein, dass die erforderliche Metallmasse so gross wäre,

dass ihr es nicht für gut halten würdet, euch einem einzigen Ofen

anzuvertrauen, sondern es machen würdet, wie Leonardo da Vinci, der

ausgezeichnete Bildhauer, welcher den grossen Koloss eines Pferdes, das

er für den Herzog von Mailand zu machen hatte, aus drei Oefen auf einmal

goss. Das Gleiche habe ich gehört von einem Glockengiesser in Flandern,

welcher, als er sein Metall schmelzen wollte, dies in zwei Oefen thun

musste, da es ihm mit einem das erste Mal nicht gelang. Doch kann ich

nicht glauben, dass einem, der die Menge des Feuers zu der Menge des

Materials richtig bemisst, im grossen wie im kleinen dies nicht gelingen

sollte. Ich sage zwar nicht, dass, wenn ich so etwas zu machen hätte, ich

mir anmassen würde, das zu wissen, was andere nicht wissen, aber soweit

es den Feuerkanal und den Feuerraum anbelangt, so würde ich denselben so

gross machen, dass ihm die Flammen nicht fehlen würden. Um es aber noch

besser zu machen, würde ich deren zwei anlegen, so dass jeder für sich

eine Flamme nach dem Schmelzraum bringe, in der Weise, dass sie beim

Eintritte in das Innere voneinander getrennt wären, dann aber sich

verbänden und eins würden. Denn ich weiss wohl, dass, wenn die Kanäle

sich begegnen würden, die Flammen sich beeinträchtigen und in ihrem

Laufe, um auf die Bronze zu schlagen, sich hindern würden dadurch, dass

sie sich einander vertrieben.«

Die hier vorgeschlagene Verdoppelung des Feuerraumes scheint, wenn

überhaupt, doch höchst selten ausgeführt zu sein; in jüngeren Berichten

ist nie die Rede davon.

Biringuccio beschreibt dann ausser dem Flammofen mit kreisrundem

Schmelzherd auch solche mit ovalem Boden, die, wie er sagt, nach der

Meinung anderer besser seien, was die neuere Technik im Princip übrigens

bestätigt hat.

Cellinis Flammofen würde nach der Beschreibung ohne weiteres zu

rekonstruieren sein, auch alle Masse werden genau angegeben. Wieder ist

es ein Flammofen mit kreisrunder Schmelzherdfläche und einem Feuerraume

von quadratischem Querschnitt. Die Heizgase entweichen durch vier im

oberen Teile der Herdwölbung angebrachte Oeffnungen unmittelbar ins

Freie.

Diese Art des Ofens blieb auch in den folgenden Jahrhunderten für die

grössten Gusswerke allgemein in Anwendung (vgl. Abb. 4 u. 5). Die

wichtigste, besonders durch die Eisengusstechnik wohl erst in der zweiten

Hälfte des 18. Jahrhunderts herbeigeführte Vervollkommnung war die

Zuhilfenahme einer hohen Esse. Weiter auf die mannigfachen

Formvariationen der Oefen des letzten Jahrhunderts einzugehen, ist hier

nicht der Ort, gesagt mag nur noch werden, dass an die Stelle des runden

Herdraumes fast durchgehends der langgestreckte getreten ist.

Die mannigfachen Hindernisse, die sich beim Schmelzen des Metalles

besonders in früheren Jahrhunderten wohl oftmals eingestellt haben,

beschreibt Cellini sehr anschaulich, hier würde es zu weit führen, darauf

einzugehen.

Die =Dammgrube=, der tiefe ummauerte Raum vor der Ausflussöffnung des

Ofens, hat in erster Linie den Zweck, der Form beim Einströmen des

flüssigen Metalles den nötigen Halt zu geben und dem Druck der Gase in

der Form wirksam begegnen zu können, die die flüssige Bronze in ihr

entwickelt. Man erreicht diesen Zweck, indem man die Dammgrube rings um

die Form herum mit Erde vollstampft. Bei sehr grossen Gusswerken erfüllte

die Dammgrube zugleich noch die wichtige Aufgabe des Ofens zum

Ausschmelzen des Wachses und zum Trocknen der Form.

Theophilus giebt uns wieder bei Gelegenheit des Glockengusses über die

Bedeutung der Giessgrube und über die Behandlungsweise der Form darin,

die Angaben, die auch heute noch Geltung haben. Er sagt: »mache eine

Grube an dem Orte, wo du die Form zum Guss einsenken willst, so tief, als

die Breite derselben beträgt, und mache mit Steinen und Thon in der Art

einer Grundfeste einen starken Fuss, auf dem, einen Fuss hoch, die Form

aufgestellt werde, so dass in der Mitte ein Zwischenraum bleibe, gleich

einer Strasse, anderthalb Fuss breit, woselbst Feuer unter der Form

brennen kann. Ist es geschehen, so befestige vier Hölzer, welche oben bis

zur Fläche des Erdbodens vorragen, neben jenem Fusse und fülle die Grube

sogleich mit Erde an. Zugleich auch hole die Form, stelle sie zwischen

jenen Hölzern eben auf und beginne auf der einen Seite die Erde

herauszuschaffen. Neigt sie sich nun, so grabe auf der anderen Seite, bis

die Form auf dem Steinfusse wagerecht aufsitzt. Alsbald wirf die Hölzer

heraus, welche bloss zu diesem Zwecke eingerammt waren, um die Form

richtig zu stellen. Dann mache mit feuerfesten Steinen und Thon auf jeder

Seite vor jenem Wegraum, welchen du in der Mitte des Fusses gelassen,

einen Bord, und bilde rundum einen Ofen, einen halben Fuss von der Form

entfernt. Bist du bei diesem Aufbau bis zur halben Höhe der Form gelangt,

so reinige den Ofenrand und... schaffe das Feuer samt trocknem Holz

herbei. Beginnt beim Erwärmen der Form das Fett (oder das Wachs)

abzufliessen, so vollende den am Fuss lauwarmen Ofen bis zum Gipfel der

Form. Ueber die Oeffnung setze eine Bedeckung aus Thon oder Eisen. Ist

das Fett (oder Wachs) nun völlig herausgeschmolzen, so verstopfe beide

Oeffnungen (aus denen das Wachs ausfloss) mit Thon, der im rechten

Verhältnis gemengt sei... und häufe um die Form herum reichlich Holz,

damit den Tag und die folgende Nacht das Feuer nicht ausgehe.« Wenn dann

inzwischen das Metall im Ofen verflüssigt ist, sagt Theophilus: »eilst du

zum Formofen zurück und beginnst vom oberen Teile die Steine mit langen

Zangen einzureissen und aufzustossen. Solches Werk, an solcher Stelle,

fordert nicht faule Arbeiter, sondern flinke und eifervolle, damit nicht

durch die Sorglosigkeit jemandes entweder die Form bricht, oder einer den

anderen hindert oder verletzt, oder dessen Zorn hervorruft, was vor allem

zu verhüten ist. Sind nun alle Steine eingerissen, so wird das Feuer

wieder mit Erde sicher verdeckt, damit die Grube um die Form sorgfältig

ausgefüllt sei. Es seien Leute da, welche mit stumpfen Hölzern stets

umhergehen, damit mässig stampfen und mit den Füssen treten, denn die

eingefüllte Erde soll die Form so umgeben, dass sie auf keine Weise

zerbrochen werden kann, wenn man das Erz eingiesst.« Und während dann die

Männer das flüssige Metall in die Form strömen lassen, sagt Theophilus

weiter: »lege dich an die Mündung der Form, indem du nach dem Gehör

sorgsam beachtest, was innen vor sich gehe. Und wenn du etwas wie

leichtes Donnergemurmel hörst, so sage ihnen, sie mögen ein wenig

einhalten und dann wieder eingiessen. So wird durch zeitweiliges

Einhalten und Eingiessen erreicht, dass sich das Erz gleichmässig

lagere.«

Diese anschauliche Schilderung des trefflichen Mönches bedarf eines

Zusatzes nicht.

Auf die Beschreibung Cellinis vom Eindämmen der Form in der Giessgrube

einzugehen, erscheint nach den Ausführungen des Theophilus kaum

notwendig; wesentlich neues bringt er nicht. Erwähnt sei nur, dass

Cellini das Ausschmelzen des Wachses aus der Form und deren Verglühen

ausserhalb der Giessgrube vornimmt. Nachdem aber das Wachs ausgeschmolzen

ist, hat der Kern den vollkommen festen Halt in der Höhlung des Mantels

eingebüsst und ist mit grösster Sorgfalt vor Erschütterungen zu bewahren;

auch darauf weist der Künstler mit dem nötigen Nachdrucke hin.

Bei sehr grossen Gusswerken, wie z. B. der im Jahre 1699 für Paris

ausgeführten Girardonschen Reiterstatue Ludwigs XIV., wurde die Dammgrube

nicht vertieft, sondern über der Erdoberfläche aufgemauert. Die

Giessgrube bildete in diesem und in ähnlichen Fällen die Stätte, an der

überhaupt die ganze Giessform entstand. Man ging durch diese Art der

Anlage einmal der Gefahr aus dem Wege, dass in die sonst sehr tiefe Grube

Grundwasser eindringen könnte, dann wurde aber vor allem der kaum zu

bewerkstelligende Transport der kolossalen Form vermieden, bei dem

Verletzungen, womöglich im Innern, kaum zu vermeiden gewesen wären. Man

mauerte also zunächst nur die Fundamente der Giessgrube und des daran

schliessenden Ofens auf, und errichtete darüber eine geräumige mit

grossen Fenstern versehene Werkstatt, die nach Vollendung der Gussform --

wenn es nötig wurde, Giessgrube und Ofen aufzumauern -- abgebrochen und

durch ein höheres, auch den Ofen überragendes Haus ersetzt wurde (Abb.

4).

Auf dem Boden der Giessgrube begann man damit, für die Gussform einen

niedrigen Sockel zu errichten, der aus rostartig sich kreuzenden Mauern

gebildet wurde. Darauf legte man ein aus starken Eisenstäben gefügtes

Gitter, das zur eigentlichen Grundlage der Form wurde.

[Illustration: Abb. 4. Giesshaus mit Schnitten durch Ofen und Dammgrube

(Mariette, Description des travaux qui ont précedé, accompagné et suivi

la fonte en bronze d'un seul jet de la statue équestre de Louis XV. Paris

1768).]

Besondere Sorgfalt ist bei grösseren Gusswerken, überhaupt bei

Verwendung von Flammöfen, aus denen das Metall unmittelbar zur Form

strömt, der oberen =Abdeckung der Giessgrube= über der eingestampften

Form zuzuwenden. Cellinis klare Angaben darüber mögen hier zur

Vervollständigung des von Theophilus Mitgeteilten noch Platz finden. Er

schreibt: »Ist die Grube bis zur Höhe der Haupt-Eingussröhren gefüllt,

indem dabei das nötige Gefälle von dem Ausflussloche des Erzes

berücksichtigt worden, werden sämtliche ... in die Höhe geführten

Luftkanäle, gleichfalls auch die Eingussröhre mit ein wenig Werg

verstopft. Nun stelle man mit Aussparung der Röhrenöffnungen ein Pflaster

aus Backsteinen her, welches genau bis an die Mündung, oder wie es oft

vorkommt, der mehreren Eingussröhren reicht. Alsdann müssen Steine von

roher, nur getrockneter Erde bis zu einer Breite von drei Fingern oder

mehr gespalten werden, wie es der erfahrene Meister für das dem Erze

nötige Gefälle passend hält; welche Steine dann mittels des mit

Scheerwolle gemischten Thones anstatt des Kalkes über dem obigen

Backsteinpflaster zu einer Rinne vermauert werden, die von der Wand des

Ofens herab rings um die Oeffnung läuft, in welche das Erz einströmen

soll. Durch Ummauerung mit gebrannten oder gleichfalls rohen Backsteinen

befestige man nun behutsam die Rinne; die Höhe dieser Schutzmauer muss

der letzteren gleichkommen, für die Breite genügt ein Backstein. Sind

alle Fugen, aus denen das Metall hervordringen könnte, mit feuchter Erde

anstatt mit Kalk verstrichen, so ersetze man den Wergpfropfen in den

Eingussröhren durch leicht herausziehbare Stöpsel aus feuchtem Thon, weil

sofort glühende Kohlen in die Rinne zu bringen, auch alles

frischgemauerte damit zu bedecken ist. Dies wird etliche Male wiederholt,

bis die Erde nicht nur gut ausgetrocknet, sondern auch gebrannt worden

ist. Während nun das Metall im Ofen in Fluss kommt, blase man mit einem

Blasbalg Asche und Kohlen, die dem flüssigen Erz den Weg versperren

könnten, aus der Rinne, entferne die Wergpfropfen der Luftkanäle und die

Thonstöpsel der Eingussröhren, lege noch 2 bis 3 Talglichte im Gewicht

von nicht völlig einem Pfund in die Rinne und eile zum Ofen, um die

Metallmischung mit einer neuen Zuthat von Zinn im Betrage von ca. 1/2

Prozent vom gewöhnlichen Verhältnis aufzufrischen. Ist dies in aller Eile

geschehen und unterdessen das Feuer im Ofen beständig mit neuem Holz in

Brand erhalten, so stosse man getrost das Gussloch mit einer Stange auf,

und lasse das flüssige Metall mit Maass herausströmen, indem man das Ende

der Stange noch eine Weile in das Gussloch hält, bis eine gewisse Menge

abgeflossen und die erste Wut des Metalles gebändigt ist, die sonst

leicht Ursache wäre, dass sich Wind in der Form verfinge. Ist der erste

Drang gemässigt, kann die Stange entfernt werden und das Erz, bis der

Ofen leer ist, auslaufen. Zu diesem Ende steht ein Mann an jeder der

Ofenthüren und treibt das Erz mit den üblichen Kratzeisen zur Mündung

hinaus. Das nach Füllung der Form noch abfliessende pflegt man durch

Bewerfen mit der aus der Grube gegrabenen Erde zu hemmen. So wird nun

endlich die Form gefüllt sein!«

[Illustration: Abb. 5. Beginn des Gusses (Boffrand, Description de ce qui

à été pratiqué pour fonder en bronze d'un seul jet la figure équestre de

Louis XIV. Paris 1743).]

Die gleichen Vorkehrungen traf man auch in jüngerer Zeit bis auf den

heutigen Tag. Zumeist hielt man aber die Oeffnungen der Eingussröhren,

wie aus der Abbildung 5 zu ersehen ist, so lange mit eisernen, durch

Hebel hochzuziehenden Stöpseln verschlossen, bis die flache Vertiefung

über der Form gleichmässig mit flüssigem Metall gefüllt war, damit das

Erz in alle Gusskanäle zur selben Zeit einströmte.

Der =Guss= wurde früher häufiger (besonders wohl bei Fürstenstandbildern)

zu einem Festakte gestaltet, dem die vornehme Welt, wenn nicht gar der

fürstliche Auftraggeber selber, beiwohnte.

Die Abbildung 6 veranschaulicht den Beginn des Gusses der für Paris

gegossenen grossen Reiterstatue Ludwigs XV. im Jahre 1758. Auch beim Guss

von Schlüters Denkmal des Grossen Kurfürsten am 2. Nov. 1700 in Berlin

versammelte sich die vornehme Gesellschaft, an der Spitze der Markgraf

Christian Ludwig, im Giesshause des Meisters Jacobi.

[Illustration: Abb. 6. Der Guss der Statue Ludwigs XV. (Mariette).]

Die wenigen Augenblicke waren entscheidend für das Gelingen des Werkes,

das Monate oder gar Jahre mühevoller Vorbereitung gekostet hatte; beim

Guss erst konnte es sich zeigen, ob die Form fest und gut gearbeitet war,

und ob man die Menge des zu schmelzenden Erzes richtig bemessen hatte.

Schweres Missgeschick konnte da den Meister treffen, auch Cellini weiss

davon zu berichten.

Mit dem Einguss des Metalles sind die mühevollen Arbeiten, die ein

Bronzewerk erfordert, nicht beendet. Die nächste Aufgabe ist es, die Form

wieder frei zu legen, dann den Formmantel zu zerschlagen und am erzenen

Bilde die mannigfachen noch notwendigen =Nacharbeiten= vorzunehmen.

Theophilus spricht sich über diese letzten Arbeiten nur sehr kurz aus.

Sobald das Metall im Eingussrohre sich dunkel färbe, solle die die Form

umgebende Erde fortgeräumt und wenn die Form ganz kalt geworden ist, der

Mantel beseitigt werden. Dann sagt er weiter: »beobachte sorgsam, ob

durch Nachlässigkeit oder Zufall etwas fehlerhaft sei, schabe die Stelle

dann ringsum feilend ab und setze Wachs an oder (und darüber) ebenso

Thon; wenn es getrocknet ist, erwärme es und so giesse es darauf an, bis

das Angegossene, wenn der (Metall)-Strom in jenen Teil fliesst, festhält.

Sobald du dies gewahr wirst, so löte es, falls es zu wenig fest anhafte,

durch Verbrennung von Weinstein und Feilspänen von Silber und Kupfer...

an. Darauf befeile alle Felder, zuerst mit verschiedenen viereckigen,

dreieckigen und runden Feilen, ciselire sie dann mit den Grabeisen,

schabe sie mit den Schabeisen. Endlich, wenn du dein Werk mittels oben

etwas glatten Hölzern mit Sand gescheuert hast, vergolde es.«

Nächst Theophilus finden sich in der Schrift des Pomponius Gaurikus: De

sculptura[5], Angaben über die Nacharbeit von Gusswerken. Dort heisst es:

»Die äusserlichen Fehler bestehen nun aber, wie bei anderen Dingen, in

Ueberschüssigem und Mangelndem. Das Ueberschüssige wird mit Meissel und

Feile entfernt, dem Mangel wird abgeholfen durch Ansetzen und Anfügen.

Durch Ansetzen auf folgende Art: hat man in die Seiten viele Löcher

gebohrt, so thut man nach Bedürfnis Wachs darauf, verkreidet es, und

giesst dann, nachdem das Wachs herausgelassen und der (zum Verkreiden

benutzte) Thon gebrannt ist, Metall von der betreffenden Sorte hinein.

Durch Anfügen aber, wie wir anschweissen, so: in einem irdenen Gefäss

wird, wie es Brauch ist, Messing geschmolzen und zu je einem Pfunde davon

eine Unze Arsenik gethan, nachher wird es in ehernem Mörser gestossen.

Dieses Pulver untermischt mit Borax, wird auf die Anfügestellen gestreut

und dem Feuer bis zum Schmelzen ausgesetzt.... Die Schönheit wird

gänzlich vollendet durch Glätten und Farbigmachen. Durch Glätten, indem

wir die rauhen Feilenspuren mit dem Ciselierstichel wegnehmen und Glanz

hervorbringen mit Bimsstein, einem Griffel oder einem zahnförmigen

Stahlinstrument (Polierstahl), das man »bronitorium« nennt.

[5] Zum ersten Male herausgegeben im Jahre 1504. Uebersetzung von

H. Brockhaus, Leipzig 1886.

Cellini spricht sich nur kurz darüber aus, wie mit dem aus der Form

genommenen Gusswerke weiter zu verfahren sei. Ein von ihm ausgeführtes

Probegussstück kam so rein aus der Form, dass seine Freunde meinten, er

brauche es nicht weiter nachzuarbeiten. Doch sagte er: »Sie verstanden es

aber so wenig, als gewisse Deutsche und Franzosen, die sich der schönsten

Geheimnisse rühmen, und behaupten dergestalt in Erz giessen zu können,

dass man nicht nötig habe, es auszuputzen. Das ist aber ein närrisches

Vorgehen, denn jedes Erz, wenn es gegossen ist, muss mit Hammer und

Grabstichel nachgearbeitet werden, wie es die wundersamen Alten gethan

haben, und auch die Neuen. Ich meine diejenigen, welche in Erz zu

arbeiten verstanden.«

Auch Félibien[6], auf dessen Abhandlung über die Giesserei noch

verschiedentlich einzugehen sein wird, geht mit wenigen Worten darüber

hinweg; ausführlichere Angaben erhalten wir erst (1743) in Boffrands

Beschreibung von der Herstellung des Girardonschen Reiterbildes Ludwigs

XIV. Boffrand giebt an, dass man das Metall in der Form drei bis vier

Tage abkühlen lassen müsse, dann alle Erde aus der Giessgrube entfernen

und den Formmantel zerschlagen solle. Darauf habe die Nacharbeit des

Bronzebildes zu beginnen. Die Geschicklichkeit der Werkleute habe es zwar

dahin gebracht, den Guss so sauber gelingen zu lassen, dass eine

Ueberarbeitung der Flächen kaum notwendig sei, dass ein Waschen und

Scheuern mit Weinhefe genüge. Doch da die das Werk umschliessenden

Gusskanäle und Luftröhren bei ihrer Entfernung an der Schnittstelle einen

blanken Fleck bildeten, und da ja auch Oeffnungen zu füllen seien, deren

Einsatzstücke notwendig überarbeitet werden müssten, so sagt Boffrand,

müsse man schon, um eine einheitliche Farbe am ganzen Bilde zu erzielen,

auch alles übrige nachciselieren.

[6] Félibien: Des Principes de l'Architecture etc. Paris 1697.

Wenn das Netz der Guss- und Luftröhren abgesägt sei, müsse zuerst der

Kern aus dem Inneren entfernt werden aus einer für den Zweck im Kreuz des

Pferdes ausgesparten Oeffnung, teils auch aus Oeffnungen am unteren Teile

des Körpers. Auch alle für die Standfestigkeit des Gusswerks später

entbehrlichen Teile des inneren Eisengerüstes müssten abgelöst werden.

Dann beginne die Nacharbeit mit der Säuberung und Schlichtung der

Schnittstellen der Röhren, weiter seien die Unebenheiten zu entfernen,

die dadurch entständen, dass während des Brennens sich Risse in dem

Formmantel bilden. Die Stäbe der Eisenarmatur, die aus der Bronzewandung

nicht entfernt werden dürften, müssten (da sie an der Aussenfläche rosten

würden) bis zur Mitte der Bronzestärke mittels Meisseln entfernt und die

entstehenden Löcher wieder mit dem Gussmetall gefüllt werden. Auch fänden

sich bisweilen doppelte Metallschichten, die sich gebildet hätten

dadurch, dass beim Brennen der Form die innere Mantelschicht abblättere

und diese Blättchen dann zwischen Kern und Mantel liegend vom Metall

umflossen würden. Auch diese Stellen müssten durch Einsatzstücke erneuert

werden. Ferner seien blasige und besonders in den oberen Teilen mit Asche

durchsetzte Stellen nicht selten, auch sie bedürften derselben

Bearbeitung. Die Oeffnungen, auch etwa beim Erkalten entstehende Risse,

sagt Boffrand, würden zumeist mit flüssig eingegossenem Metall

geschlossen. Man feile zu dem Zweck den Rand der Löcher

schwalbenschwanzartig aus, bringe dann eine Lehmform davor mit Luft- und

Gussöffnung, erhitze das Ganze gut und fülle das in Tiegeln verflüssigte

Metall hinein. An Stellen, die für diese Art der Ausbesserung schwer

zugänglich seien, z. B. am Bauche des Pferdes, hämmere man die

Ersatzstücke kalt ein. Schliesslich müssten noch die rauhen und porösen

Stellen mit stumpfen Meisseln geschlichtet und gedichtet werden, und wenn

die ganze Oberfläche mit Meisseln, Punzen, gezähnten Eisen und

Drahtbürsten gesäubert sei, reinige man sie drei bis vier Mal mit Säure

und zuletzt mit warmer Weinhefe. Tüchtige und erfahrene Werkleute seien

zu all den Arbeiten erforderlich und die Kosten wären sehr bedeutend.

In verschiedenen Punkten abweichend äussert sich Wuttig[7] über die

Nacharbeit. Er sagt: »Ist der Guss der Werke vollkommen fehlerfrei

geraten, so besteht die nötige Ciselierarbeit bloss in dem Abschneiden

der Metallzweige, die durch die Leitungsröhren der Form gebildet worden,

und in dem Ausfeilen der Stellen, auf welche sie geleitet waren. Diese

Arbeit macht um so weniger Schwierigkeit, da jene Metallzweige nur auf

solche Stellen des Kunstwerks verfügt werden, die wenig Detail von

Ausarbeitung haben, z. B. auf ebene Teile des Leibes u. s. w. Es

erfordert diese Arbeit daher keinen geübten Künstler, sondern kann von

jedem gemeinen Arbeiter verrichtet werden. Anders verhält es sich, wenn

z. B. nicht die grösste Sorgfalt auf die Anfertigung des Wachsmodells

gewandt worden, oder wenn etwa da, wo die einzelnen Teile der Gipsform in

Zusammenfügung waren, Wachsränder etc. entstanden sind, die vielleicht

noch überdies die feinsten Züge des Werks getroffen haben; dann muss die

Geschicklichkeit und Geübtheit eines guten Kupferstechers (Ciseleurs) zu

Hilfe kommen, die durch den Wachspossierer verursachten Fehler zu

verbessern. In solchem Falle geht zuweilen aller Ausdruck und alle

Schönheit, trotz aller angewandten Mühe des Graveurs verloren, da es

unmöglich ist, etwas so Vollkommenes durch Ciselierarbeit

hervorzubringen, als was durch den Guss hervorgebracht werden kann.

Nachdem die äussere Abräumung und etwaige Ausbesserung der Gusswerke

verrichtet ist, wird zur inneren Ausräumung, d. h. zur Ausnahme des Kerns

nebst der Armatur geschritten.« Wuttig führt die Beschreibung noch weiter

aus, doch scheint es kaum notwendig, seine noch folgenden Angaben zu

citieren, sie vermögen die von Boffrand gegebenen nicht wesentlich zu

ergänzen. Hingewiesen sei nur noch einmal darauf, dass er jede über das

notwendigste Mass hinausgehende Nacharbeit für fehlerhaft erklärt und man

muss annehmen, dass gleiche Anschauungen auch die Meister der früheren

Jahrhunderte vertraten, so weit sie nicht etwa wie Cellini die

Ciselierung der auch von ihnen modellierten Werke eigenhändig ausführten.

[7] Wuttig: Die Kunst, aus Bronze kolossale Statuen zu giessen.

Berlin 1814.

Bei den Teilformverfahren, wie sie für den Bildguss im 19. Jahrhundert

angewendet wurden, waren die Abräumungsarbeiten nach dem Guss sehr viel

einfacher, doch durch die Zusammenfügung der Teile und die zumeist im

weitgehendsten Maasse erforderliche Nacharbeit der mit einer rauhen

Gusshaut und einem Netz von Gussnähten überdeckten Bildwerke wurde die

Gesamtmühe eher gesteigert als vermindert.

Wie gerade im 19. Jahrhundert die Ciselierarbeit das Schmerzenskind der

Künstler war, wird sich Gelegenheit bieten, an anderer Stelle zu zeigen.

Kurz zu betrachten ist hier noch die =Metallfärbung= durch bestimmte

Mischungsverhältnisse, die natürliche Oxydation und die, wie es scheint,

auch zu allen Zeiten angewendete künstliche Patinierung.

Wie weit man im Altertum, vor allem in Griechenland, von der letzteren

Gebrauch zu machen verstand, ist bisher nicht bekannt. Manche märchenhaft

klingenden Berichte über die Tönung von Bronzefiguren könnten aber darauf

schliessen lassen, dass sie geübt wurde. Von einer Bronzestatue des

Silanion, einer sterbenden Jokaste, wird berichtet, dass der Künstler ihr

Gesicht blass, wie das einer Sterbenden zu tönen verstanden habe, indem

er dem Erz Silber beigemengt habe; und bei einer Statue des Aristonidas,

die den rasenden Athamas darstellte, soll der Erzgiesser der Bronze Eisen

beigemischt haben, damit der Rost desselben durch den Glanz des Erzes

hindurchschimmere und auf diese Art die Schamröte wiedergegeben werde.[8]

[8] Blümner, Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern Bd. IV. S. 327.

Wenn nun auch zweifellos durch diese Metalllegierungen Töne in der

angegebenen Art erzielbar sind[9], ausgeschlossen muss die partielle

Färbung sein, wie sie nach den obigen Angaben anzunehmen wäre; man könnte

also an nachträglichen Farbenauftrag denken.

[9] Die Möglichkeit der Färbung durch einen Eisenzusatz hat man wohl

sicher mit Unrecht bestritten. Vergl. Zeitschr. d. Bayer.

Gewerbe-Mus. zu Nürnberg Bd. 18. S. 105.

Immerhin geht aus den angeführten und ähnlichen Nachrichten hervor, dass

man die Farbwirkungen verschiedener Erzmischungen künstlerisch benutzte.

Besondere Berühmtheit genoss im Altertum das korinthische Erz. Man

unterschied weissliches, in dem ein Silberzusatz überwog, goldgelbes mit

einem Goldzusatze und eine dritte Sorte, in dem man Kupfer, Silber und

Gold zu gleichen Teilen gemischt haben soll.[10] Neuere chemische

Untersuchungen konnten diese Angaben bisher nicht bestätigen, geringe

Gold- oder Silberbeimengungen, die nachgewiesen sind, dürften nur als

zufällig vorhanden anzusehen sein.

[10] Blümner a. a. O. Bd. IV. S. 183ff.

Technik der Bronzeplastik · 第 1 / 12 段