DER JUNGE:

Es klingt mir nicht hart. Ich muß dir so erscheinen. Du schaust vom Ende

eines Wegs auf mich zurück. Du weißt natürlich wie du gegangen bist,

aber wie ich gehen muß, das glaubst du nur zu wissen. Jedem ist sein

Schmerz notwendig, jedem seine Sehnsucht, sein Suchen, und wo ich nach

deiner Meinung verderbe, da ist vielleicht mein Heil. Wollte man doch

alles Kritisieren lassen, das sich nicht aufs Engste beschränkt, aufs

Greifbare, Haltbare! Ein menschliches Dasein ist kein Brettergerüst,

kann nicht mit dem Richtscheit ausgemessen werden, kann nicht mit Nägeln

und Klammern vor dem Geschick in Schutz genommen werden. Wenn es doch

keine Schulmeister mehr gäbe! In jedem Lehrer steckt so viel Härte und

Verhärtetsein, und was soll man erst zu jenen sagen, die aus bloßer

verwerflicher Lust an Überlegenheit einem Organismus, den die Natur

geschaffen hat, die Berechtigung zur Existenz absprechen.

Imaginäre Brücken: Studien und Aufsätze · 第 91 / 106 题