DER JUNGE:

Vor allem, es gibt doch zweierlei Arten von Ruhm. Der eine geht von dem

Zeitlichen, Zufälligen, Augenblicklichen, Problematischen unserer Taten

aus; er kann dem echten wie dem verlogenen Werk gleicherweise zu Teil

werden und hat wenig zu schaffen mit dem andern Ruhm, der durch unser

ganzes Wesen bedingt ist, sich an den Zusammenhang unsrer Werke knüpft.

Jener ist wie der kurze Erfolg eines Witzboldes oder guten Plauderers in

einem geselligen Kreis, dieser wie das tiefe, stille, langsame Wirken

eines Priesters oder Menschenfreundes; jener wird von anderen

hervorgebracht und entsteht oft zu unserer eigenen Überraschung, dieser

aber strahlt von unserm Innern, von unserer Persönlichkeit aus und kann

auf alle Fälle erst nach dem Tod eintreten oder nach dem Abschluß

unseres Lebenswerkes; jener muß um den Beifall jedes Zeitungsschreibers

besorgt sein, dieser hat keinen andern Richter als das eigene Herz.

Imaginäre Brücken: Studien und Aufsätze · 第 83 / 106 题