KLARA

13. Juli, vormittag. Sie ging, in weißem Kleide, langsam den Wiesenweg

hinauf. Ich sah sie; und sah sie wieder nicht. Sie grüßte, und ein

Gebüsch verdeckte sie. Dann sah ich sie wieder. Langsam sah ich ihr

weißes Kleid und ihre blonden Haare dem Wald zuschweben. Ich stand

gebannt und grüßte nicht. Sie wußte, wie mir zumut war. Sie grüßte noch

einmal. Wie wenn man sagte: „Du bist der erste, der gebannt steht und es

vergißt, zu grüßen — — —!“

Sie wußte dennoch nichts von ihrer heiligen, schrecklich-süßen Macht.

Ich aber warf mich aufs Bett und weinte — — —. Dann kam sie zurück. Ich

sah ihr weißes Kleid und ihre blonden Haare. Gebüsch verbarg sie, mochte

sie entschwinden. Dann sah ich sie wieder. Ich verneigte mich. Sie ging

vorüber; und wie eine Regenwolke kam es über die lichte Landschaft

— — —.

"Semmering 1912" · 第 281 / 325 题