MANÖVERS

Die Herren „_Verehrer_“, die wie Toreros aussehen oder wie kühne Cowboys

oder wie französische Ritter aus dem 18. Jahrhundert, sei es von des

Buges ihrer Nase Gnaden oder von Schneiders; die treten

selbstsicher-nonchalant auf, sitzen oft mit dem Rücken gegen die Dame

und sagen sogar, daß dieser oder jener Spaziergang ihnen _nicht_

konveniere und sie es daher _vorzögen_, sich _nicht_ anzuschließen und

lieber in Ruhe ein gutes Buch zu lesen! Wenn man eine schöne Nase hat,

kann man das allerdings wagen. Aber die Mißgewachsenen müssen eine

andere Taktik einschlagen. Pakete tragen, Schirme aufheben und zu allem

„Amen“ sagen, ist ihre kleine, süße Aufgabe. Auch damit kann man nette

Erfolge einheimsen, und Opfer sind für „Opferfähige“ nicht allzu groß.

Im ganzen genommen sind die armen Damen von einer wohlberechneten

„Routine“ umgarnt, wie die italienischen Singvögel von den feinmaschigen

Netzen. Selten schlüpft eines der herzigen Vögelchen durch, durch die

engen Maschen, die ihrer Eitelkeit gelegt sind. In dieser Gesellschaft

von Eroberern sticht besonders hervor der immerhin seltenere

„_Salonplattenbruder_“, der „seelische“ Messerstecher. Er sticht gleich

in die _Ehre_, in den _Ruf_, in das _Glück_ hinein, macht sich nichts

aus drei Monaten Kerker, wollte sagen, aus Frauenverachtung. Diese

„Verachtung“ sind seine „Geschäftsspesen“. Dafür hat er sie „gehabt“!

Einer drang um 1 Uhr nachts in das Zimmer ein: „Ich sage in jedem Falle

morgen, Fräulein, daß Sie mich bestellt haben! Also ist es schon ganz

egal für Sie!“

Das leuchtete ihr ein — — —.

"Semmering 1912" · 第 224 / 325 题