ACONITUM NAPELLUS

In meiner letzten Verzweiflung körperlicher Qualen nahm ich _Aconitum

Napellus_. Ich hatte ihn vor acht Wochen blühen gesehen, auf dem Wege

von Schluderbach nach Misurinasee, von dort nach „Tre croce“, von

Kortina auf den Falzaregopaß. Überall hatte ich diese giftige Bergblüte

gesehen, oft in Mengen wie kleine Felder. Und eigentümlich haftete mein

Auge auf diesen Blüten, als ahnte ich, daß ich sie bald in meinem

Zimmerchen als winzige durchscheinende Kügelchen, als letzte Hoffnung

sterbender Nerven schlucken würde! Damals erlebte ich sie als Zeichen

der Bergflora, neben Rhododendron und Legföhre. Wie romantisch kam mir

die Blüte vor in ihrer mysteriösen Giftigkeit. Nun aber schlucke ich

zwei Pillen, viertelstündlich. Wird es nützen?! Ich gedenke der

herrlichen Tage, da ich die Blüte bewundern durfte, in Höhen, wo es karg

ist und der Nachtsturm braust — — —.

"Semmering 1912" · 第 223 / 325 题