In meiner letzten Verzweiflung körperlicher Qualen nahm ich _Aconitum
Napellus_. Ich hatte ihn vor acht Wochen blühen gesehen, auf dem Wege
von Schluderbach nach Misurinasee, von dort nach „Tre croce“, von
Kortina auf den Falzaregopaß. Überall hatte ich diese giftige Bergblüte
gesehen, oft in Mengen wie kleine Felder. Und eigentümlich haftete mein
Auge auf diesen Blüten, als ahnte ich, daß ich sie bald in meinem
Zimmerchen als winzige durchscheinende Kügelchen, als letzte Hoffnung
sterbender Nerven schlucken würde! Damals erlebte ich sie als Zeichen
der Bergflora, neben Rhododendron und Legföhre. Wie romantisch kam mir
die Blüte vor in ihrer mysteriösen Giftigkeit. Nun aber schlucke ich
zwei Pillen, viertelstündlich. Wird es nützen?! Ich gedenke der
herrlichen Tage, da ich die Blüte bewundern durfte, in Höhen, wo es karg
ist und der Nachtsturm braust — — —.