Ich habe Ihnen den Alkoholgenuß strengstens untersagt — — —.“

„Jawohl, Herr Direktor — — —.“

„Kennen Sie diese ganze Batterie von leeren Sliwowitz-Flaschen?!?“

„Jawohl, es sind die meinen — — —.“

„Man hat sie heute unter Ihrem Bette aufgefunden — — —.“

„Ja, wo sollte man sie denn sonst auffinden?! Ich habe sie ja dort

deponiert — — —.“

„Wie haben Sie sich das Gift in meiner Anstalt verschafft?!“

„Ich bestach jemanden. Sein ehrliches Gewissen ließ es bei zwei Kronen

nicht zu. Da offerierte ich ihm drei Kronen.“

„Sie sind also unschuldig an der ganzen Sache, sondern der ungetreue

Diener ist der Schuldige! Ich werde ihn zur Rechenschaft ziehen, obzwar

er bereits fünfundzwanzig Jahre im Hause ist und er sich, _soweit ich es

übersehen konnte_, stets einer tadellosen Konduite erfreut hat — — —.“

„Herr Direktor, Sie haben mir doch noch gestern gesagt, daß ich in Ihrer

Anstalt und durch das regelmäßige solide Leben hier mich um zwanzig

Jahre direkt verjüngt hätte und fast gar nicht mehr wiederzuerkennen

sei?!?“

„Das sagte ich _aus pädagogischen Gründen_, um Ihr Selbstbewußtsein zu

stärken — — —.“

„Herr Direktor, darf ich mir die leeren Sliwowitz-Flaschen bei Ihnen

später abholen lassen ?!? Ich bekomme nämlich für jede sechs Heller

retour — —.“

Direktor zu dem unredlichen Angestellten: „Sie Anton, wie konnten Sie

sich unterstehen, nach fünfundzwanzig tadellosen Dienstjahren, einem

Patienten, und sei es auch ein berühmter Dichter mit Eigenheiten, solche

Mengen Branntwein gegen Bestechung zu verschaffen?!?“

„Aber Herr Direktor, wenn ich das nicht schon seit Jahren bei hundert

Alkoholikern getan hätte, wäre uns ja ein jeder schon am dritten Tag

davongegangen, und wir hätten unsere Anstalt leer stehen gehabt!“

„Nun gut, Anton, aber sorgen Sie wenigstens dafür von nun an, daß die

leeren Flaschen nicht gefunden werden — — —.“

„Herr Direktor, das hat mir der Diener Franz angetan, aus Rache, weil

ich mir soviel nebenbei verdiene — — —.“

Direktor zum Diener Franz: „Sie, Franz, kümmern Sie sich um Ihre eigenen

Angelegenheiten! Sie verdienen genug, indem Sie unsere Alkoholiker mit

unseren Hysterikerinnen ein wenig ‚_anbandeln_‘ lassen — — —. Ein jeder

hat sein Ressort. In einer Anstalt muß Ordnung herrschen!“

"Semmering 1912" · 第 179 / 325 题