_Das kleine Leben_
Ich sah Arbeiter an einer Telegraphenstange arbeiten, die im Hochwald
der Nachtsturm zerbrochen hatte, von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends.
Es frappierte mich, wie sorgenlos sie waren, keine Spur eines
Gedankens darüber, ob es denn dafürstehe, auf die Welt gekommen zu
sein, um abgebrochene Telegraphenstangen im Hochwald, der dem Fürsten
gehört, wieder praktikabel zu machen. Im Gegenteil, sie schienen es
für das Wichtigste von der Welt zu halten, daß die Telegraphenstange
sobald als nur irgend möglich wieder hergestellt werde. Es waren
Telegraphenstangenärzte. Um sie herum waren Gimpel und Eichkätzchen
auf Altfichten, Regen kam, Nebel und wieder Sonne; aber immer war
alles konzentriert auf die Errichtung der Telegraphenstange. Ihr
gehörte ihre ganze Sorge, sie war ein Teil des Weltgetriebes. Es gab
Genies unter diesen Arbeitern, die alles mit einem Schlag erfaßten,
was zu tun war; dann waren Bedächtige, Vorsichtige; und dann waren
Tagarbeiter nach vorgeschriebener Pflicht. Die ganze Menschheit also
war eigentlich um diese Telegraphenstange im fürstlichen Hochwald
versammelt. Ich ging vorüber und verteilte Trabukos, a la Kaiser
Josef, nur billiger. Weshalb nicht?! Das Prager Tagblatt hatte mir
doch gerade für Nachdruckhonorare 9 Kr. geschickt. Nachdrucken ist
doch schon Ehre genug. Das Geld setzte ich teilweise in Mäzenatentum
und in Menschheitsbeglückung um. Die Arbeiter waren ganz verblüfft.
Einer sagte: „Auf der Liechtensteinstraße hat der Sturm einen halben
Meter dicke Bäume abgeschlagen!“ Diese Mitteilung war eine Art von
Revanche für meine Liebenswürdigkeit. „Ist es möglich?!“ sagte ich
freundlich erstaunt, und ging befriedigt von dannen.
_Liebesgedicht_
Niemand beachtete dich, edle, verschwiegene Goldrote, in dienender
Stellung.....
Ich zog dich hervor aus deinem Versteck und segnete dich.
Da wurden die anderen aufmerksam, schickten Blumen und Briefe....
Da zog ich mich zurück.
„Sind Sie eifersüchtig?!“ sagte sie.
„Nein, aber ich hasse die _elende Dummheit_ der Männer, die erst einen
alten kranken glatzköpfigen Bettler brauchen.... Wer, wer sagte mir, daß
man um Sie sich grämen dürfe...?!?“
„Aber um Gotteswillen, irgend jemand muß einen doch entdecken, wozu sind
denn die Dichter da?!?“