Wenn ein Indianer erzählt, so verdeutlicht er die Rede mit Händen und

Füßen. Maße und fast immer Zahlen werden durch Zeichen ausgedrückt.

Soll er z. B. acht sagen, so tut er dies, indem er acht Finger zeigt.

Er hat keine Worte, die Maße bezeichnen, er mißt das Maß mit der Hand

oder mit dem Arm. Erzählt er von Tieren, so schildert er die Bewegungen

des Tieres äußerst lebhaft durch Gebärden. Er ahmt sie mit der scharfen

Beobachtungsgabe des Naturmenschen nach.

Oftmals ist es mir, wenn ich keinen Dolmetscher hatte, mit wenigen

Worten und zahlreichen Zeichen, gelungen, mit meinen Freunden, den

Indianern, eine recht lebhafte Unterhaltung zu führen.

Unter den Indianern gibt es jedoch, wie bei uns, Personen, die, da

sie taub geboren sind, sich nur durch Zeichen verständigen können.

Vollständig Taubstumme habe ich bei zwei Stämmen, den Tapietes am Rio

Pilcomayo und den Yuracáre am Rio Chimoré, kennen gelernt. Unter den

zivilisierten Indianern habe ich ebenfalls einige Taubstumme getroffen.

Bei den Tapietes lernte ich einen taubstummen Greis kennen, der

intelligent war und gut behandelt wurde. Alle verstanden die

Zeichensprache, die er sprach. Unter den Yuracáres sah ich drei

taubstumme Frauen, eine Mutter mit ihren beiden Töchtern. Bei dem

letzteren Stamme sollen mehrere Taubstumme vorkommen.

Sämtliche Tapietes konnten mit dem Tauben sprechen. Die für

Mitteilungen an ihn angewendete Zeichensprache, benutzen auch

diejenigen, die normales Sprechvermögen haben, unter sich, wenn sie

sich in der Entfernung stillschweigend etwas mitteilen wollen.

[Illustration: Abb. 135. Taubstummenzeichen. Tapiete.]

Im Vergleich zu den der ärmeren Klasse angehörenden taubstummen

Weißen in Ostbolivia scheinen mir ihre indianischen Unglücksbrüder

entwickelter und, infolge des Interesses und der Freundlichkeit, die

ihnen von der Umgebung gezeigt wurde, glücklicher.

Bei den Tapietes (Yanaygua) am Rio Parapiti war ein Knabe, der vom

Rio Pilcomayo war. Ich fragte ihn, ob er Yaré kenne, er tat aber, als

kenne er ihn nicht. Da machte ich ihm Zeichen, wie ich sie von dem

Taubstummen im Dorfe Yarés gelernt hatte. Der Junge begann zu lachen

und wurde ganz mitteilsam. Das mußte ein komischer Weißer sein, der die

Zeichensprache wie ein Tapiete konnte.

Die meisten Zeichen der Taubstummen sind rein beschreibend. Einige sind

gleichwohl konventionell und von Außenstehenden schwer zu verstehen.

Die Lehrer des Taubstummen sind seine Umgebung, seine Mutter, sein

Vater, seine Spielkameraden.

Hier unten sind einige von mir bei den Tapietes gesammelte

Taubstummenzeichen wiedergegeben.

Pferd -- man streicht sich mit der rechten Hand, dem Daumen und dem

Zeigefinger von der Oberlippe über die Mundwinkel und macht den Mund

auf (Abb. 135 A).

Katze -- man zieht sich am Schnurrbart (die Tapietes haben in der Regel

einen kleinen Schnurrbart), d. h. den Schnurrhaaren, und macht eine

krallenförmige Bewegung mit der Hand in Katzenhöhe über dem Fußboden.

Jaguar -- man streckt beide Hände krallenförmig nach vorn und zieht sie

geschwind zurück (Abb. 135 B).

Puma -- man macht wie im Vorhergegangenen und streicht sich außerdem

mit der rechten flachen Hand hin und her über den Mund.

Fisch -- die rechte Hand macht eine den schwimmenden Fisch imitierende

Bewegung (Abb. 135 C).

Feuer -- man führt den Zeigefinger an den Mund und bläst (Abb. 135 D).

Sonne -- man macht dieselbe Bewegung wie bei Feuer und zeigt nach oben.

Mond -- man macht eine schmatzende Bewegung mit dem Mund und zeigt nach

dem Himmelsgewölbe.

Stern -- man macht mit Daumen und Zeigefinger ein Loch (Abb. 135 E) und

zeigt kreuz und quer am Himmelsgewölbe.

Wasser -- man streicht sich mit der flachen Hand über das Gesicht und

macht eine trinkende Bewegung.

[Illustration: Abb. 136. Taubstummenzeichen. Tapiete.]

Gut, schön -- man streicht die rechte flache Hand über die linke flache

Hand (Abb. 135 F).

Schlecht -- man schlägt mit der rechten Faust auf die linke flache

Hand (Abb. 135 G). Die Bewegung wird in gleicher Höhe mit dem Gesicht

gemacht.

Kalebaßschale -- man bildet mit den Händen eine Kalebaßschale.

Tragtasche -- die Hände werden über den Kopf erhoben und über die

Seiten des Kopfes gestrichen (Abb. 135 H).

Krug -- man bildet mit der Hand eine Krugmündung über dem Boden

(Krughöhe) und macht dann eine trinkende Bewegung.

Poncho -- man streicht sich mit beiden Händen über die Schultern am

Körper herunter.

[Illustration: Abb. 137. Taubstummenzeichen. Tapiete.]

Weg -- man streckt die Arme und Hände gerade aus und führt sie parallel

aufwärts.

Weit -- man streckt den Arm aus und knipst schnell mit Daumen und

Zeigefinger (Abb. 136 I).

Nahe -- man zeigt mit dem Zeigefinger nach vorn und unten.

Er ist gegangen -- man streckt den Zeigefinger aufwärts und führt den

Arm weg und nach oben (Abb. 136 J).

Komm her -- man hält die Hand ganz offen und führt den gekrümmten Arm

zu sich hin (Abb. 136 K).

Fischnetz -- man bildet mit beiden Armen das ovale Netz (Abb. 137 L).

Mais -- man macht dieselbe Bewegung, als ob man den Mais abgriest (Abb.

137 M).

Auge -- man zeigt auf das Auge. Auf dieselbe Weise werden alle anderen

Körperteile ausgedrückt.

Freund -- man klopft sich auf die Brust und zeigt auf den Freund hin.

Mataco -- man schlägt mit dem rechten Zeigefinger in die linke

flache Hand (Abb. 137 N). Die Ursache, warum die Matacos auf diese

Weise bezeichnet werden, ist die, daß die Tongefäßtrommel für sie

so außerordentlich charakteristisch ist. Der Zeigefinger ist der

Trommelstock und die Hand die Trommel.

Choroti -- man zeigt auf die Ohrläppchen. In diesen tragen die

Chorotis, wie erwähnt, Holzklötze.

Weißer Mann -- man formt mit den Händen einen Hut und einen Bart.

Tanzen -- man führt die Arme kreuzweise vor den unteren Teil des Magens.

Tod -- man wendet die flache Hand schnell nach oben.

Frau -- man zeigt auf die Brust, alle Finger auf die Brust stellend

(Abb. 137 O).

Missionar -- man macht mit der Hand eine Tonsur auf dem Kopf.

Mutter -- man klopft sich auf die Brust und macht dabei dieselbe

Bewegung, als wenn man eine Frau bezeichnet.

Caraguatá -- man dreht die eine Hand über die andere (Abb. 137 P).

Algarrobo -- man legt die Hand auf den Mund und saugt (Abb. 137 R).

Messer -- man führt die Hände vorwärts (Abb. 137 S) und sticht nach dem

Gürtel.

Tunpa (großer Geist) -- man hält die Arme in die Seiten und zittert.

Hübsches Mädchen -- man macht das Zeichen für Frau und für hübsch.

Seele, Geist (aña) -- man öffnet den Mund und macht eine speiende

Bewegung nach vorn.

[Illustration: Abb. 138. Sandale aus Tapirhaut. Tsirakua.]

Wenn ich die Quichuaindianer auf dem Calileguaberge, bei denen wir

einen flüchtigen Besuch abgelegt haben, ausnehme, haben wir in diesem

Buche zwei Indianerkulturen kennen gelernt, eine ursprünglichere bei

den Chorotis und Ashluslays, eine entwickeltere bei den Chiriguanos

und Chanés. Zu den ersteren gehören auch die Matacos und Tobas, welche

hier nur flüchtig erwähnt sind. Wo diese beiden Indianerkulturen sich

treffen, haben wir eine Mischung beider, ein Kontaktvolk. So müssen

wir, meiner Ansicht nach, die Tapietes auffassen. Sie sind diejenigen

von den Chacostämmen, die den Chiriguanos am nächsten gewohnt und

deshalb den meisten Einfluß von ihnen erfahren haben.

Bevor ich mein Buch abschließe, will ich auch über das wenige, das ich

von den Tsirakuaindianern weiß, die wir als Gefangene der Tapietes

kennen gelernt haben, berichten. Es ist ein Blick in das große

Unbekannte, in den nördlichen Chaco, wo noch ein großer, weißer Fleck

auf der Karte Südamerikas ist.

Fußnoten:

[129] Vgl. auch: Erland Nordenskiöld. Globus 1910. Bd. 98 S. 181.

+Zwanzigstes Kapitel.+

Die Tsirakuaindianer.

Bei den wilden Tapietes am Rio Parapiti machte ich, wie schon erwähnt,

die Bekanntschaft von Gefangenen eines Stammes, der in den unbekannten,

wasserarmen Buschfeldern des nördlichen Chaco umherstreift. Die

Tapietes nennen diese Indianer nach ihren eigentümlichen Streitkolben

und Grabekeulen (Abb. 139) Tsirakuas. Die Weißen nennen sie Empelotos,

was nackt bedeutet, die Chanés sagen Tsirióno. Mit den in den Urwäldern

nördlich und östlich von Santa Cruz de la Sierra wohnenden Sirionos

haben sie indessen nichts Gemeinsames. Die Tsirakuas gehören dem

Trockenwald, die Sirionos dem finsteren, üppigen Hochwald an.

Die Tsirakuas werden von allen verfolgt. Die Weißen schießen sie

nieder, wo sie sie treffen. Wenn möglich, rauben sie die Kinder von

den Eltern, um sie taufen zu lassen und dann zu verkaufen. Die Chanés

behandeln sie ebenso wie die Weißen. Die Tapietes in gleicher Weise.

Ihnen selbst ist es zuweilen gelungen, sich zu rächen. Am Rio

Grande ermordeten sie vor einigen Jahren einige Kinder. Schlafende

Landreisende sind des Nachts zwischen dem Rio Parapiti und dem Rio

Grande überfallen worden. Wahrscheinlich sind es die Tsirakuas, die

manchmal die von der Saline de San José Salz Holenden überfallen haben.

Die Tsirakuas, die ich gesehen habe, waren vier Kinder und zwei Frauen.

Sie schienen mir ein ungewöhnlich breites Gesicht mit hervorstehenden

Backenknochen zu haben. Die Kinder waren auf der Stirn bis zu den

Augenbrauen stark behaart. Auch auf dem Körper hatten sie viel Haare.

Die beiden Frauen waren im Verhältnis zu anderen Chacoindianern von

normaler Größe.

Nach dem, was ich gesehen und erfahren habe, scheinen sich die

Tsirakuas nicht zu tätowieren und auch keinen Körperteil zu verstümmeln

oder zu durchbohren. Sie bemalen sich dagegen mit den Samen von Uruku

rot und mit Ruß. Sowohl die Frauen als die Kinder waren äußerst

schmutzig und voller Läuse.

Nach den Tapietes haben die Tsirakuas dieselben runden Hütten, wie sie

selbst, die Chorotis, die Matacos und andere Stämme hier haben. Sie

haben keine Hunde und keines der Haustiere des weißen Mannes. In der

Nähe der Hütten haben sie zahme Vögel, die schreien, wenn sich jemand

diesen nähert.

[Illustration: Abb. 139. Grabekeule. ⅛. Tsirakua.]

Was für Feuerstätten sie in den Hütten haben, weiß ich nicht. Eine der

Tsirakuafrauen, der ich ein Stück Fleisch schenkte, grub in meiner

Gegenwart einen den hier (Abb. 16) von den Ashluslays wiedergegebenen

vollständig gleichen Ofen. Mit ihrer Grabekeule machte sie, auf dem

Boden sitzend, eine Grube. Zu dieser grub sie einen schrägen Gang.

Sie legte dann Holz in die Grube, das mit einem von einer anderen

Feuerstätte geholten Feuerbrand angezündet wurde. Auf dem Magen

liegend, blies sie aus allen Kräften durch ein Bambusrohr in den Gang,

damit das Holz brenne. Hierauf hieb sie mit ihrer (hier also als Axt

angewendeten) Grabekeule ein großes Stück Rinde aus einem Flaschenbaum.

Als sie in der Grube genügend Glut hatte, legte sie das Fleisch in

die Grube und bedeckte dann sowohl die Grube als den Gang mit Rinde

und Sand. Sie ließ das Fleisch dann mehrere Stunden rösten. Leider

war ich nicht dabei, als es aufgegessen wurde, es war aber sicher

wohlschmeckend.

Eine gleiche Art des Fleischröstens ist von den argentinischen Gauchos

bekannt. Es ist eine vortreffliche Art.

Als die Frau ihre Nahrung zubereitete, warf sie hier und da Hände voll

Sand nach verschiedenen Richtungen, gleichsam um böse Geister oder

dergleichen zu verjagen.

Die Tsirakuas leben hauptsächlich von Honig, wilden Früchten, Wurzeln

und von der Jagd. Die oben erwähnte Frau sammelte Stämme von Caraguatá,

die sie röstete und aß. Die mit den Tsirakuas verwandten Zamucos[130]

haben nach Cardus[131] einen äußerst primitiven Feldbau. Die Tsirakuas

kennen Mais, Tabak, Uruku und Zapallo.

Die Waffen dieser Indianer sind vor allem Keulen. Außer den langen

Grabekeulen haben sie Wurfkeulen von verschiedenen Typen (Abb.

140). Als ich der Tsirakuafrau meine von den Yanaygua und Chanés

erhaltene Keulensammlung von ihrem Stamm zeigte, erklärte sie mir ihre

verschiedene Verwendung und führte, die Grabekeule gegen den Mund

gedrückt, einen Kriegstanz auf, wobei sie mit blökender Stimme: „hé ha

há, he si sia, he ha há, he si sia“ sang.

Als Signal für Aufpassen wenden die Tsirakuas Pfeifen von

eigentümlicher Form an (Abb. 142).

[Illustration: Abb. 140. Wurfkeulen. Tsirakua.]

Nackt nennen die Weißen die Tsirakuas. Dies ist unrichtig, denn

bei diesen Indianern findet man dieselben Kleidungsstücke wie bei

den wilden Tapietes. Die Frauen haben ein Stück Zeug um die Beine,

die Männer eines, das die Geschlechtsteile bedeckt und um den Leib

befestigt ist (Abb. 141). Außerdem haben sie große Decken, die in der

Form den von den Chorotis, Ashluslays usw. angewendeten ähnlich sind.

Alle diese Kleider sind aus Caraguatá, und nicht aus Wolle. Die Kleider

sind aus Schnüren geknotet. Sie verstehen auch breite Bänder aus

Caraguatá zu weben.

An den Füßen tragen die Tsirakuas viereckige Sandalen aus Tapirhaut

(Abb. 138) oder Holz. Diese haben vier Löcher für die Schnüre, während

die von anderen Indianern angewendeten Sandalen nur drei haben.

Wir finden bei den Tsirakuas dieselbe Art Taschen aus Caraguatá, wie

bei den Chorotis und Ashluslays. Den Honig verwahren sie in Taschen aus

ganz abgezogenen Tieren.

[Illustration: Abb. 141. Von den Männern über die Geschlechtsteile

getragenes Stück Zeug. Tsirakua. ⅐.]

Ein einziges grobes Tongefäß habe ich von diesen Indianern, sowie eine

mit einem eingeritzten Vogel verzierte Kalebasse.

Das Eisen ist bei den Tsirakuas sehr selten. Jedes Stückchen wird

aufbewahrt und geschaftet. Größere Stücke, deren sie habhaft werden,

werden zwischen mehreren geteilt. Sie sollen manchmal die Weißen und

die Chanés nur überfallen, um Eisen zu bekommen. Für einige Stückchen

dieses kostbaren Metalls setzen sie ihr Leben aufs Spiel.

Wahrscheinlich verfolgen auch die Chamacocos[132] oder ein anderer

Stamm die Tsirakuas und drängen sie nach dem Rio Parapiti, wo sie, wie

Batirayu mir gesagt hat, erst in neuerer Zeit aufzutreten beginnen.

Die Tsirakuas gehören den unbekannten Wildnissen des nördlichen Chaco

an, von dem wir so wenig wissen. Eine Erforschung des Inneren dieses

Landes würde sicher viel Interessantes bieten.

Was für Menschen leben dort? Diese Frage habe ich an viele Indianer

gerichtet. Von diesen hat mir ein Chanéindianer, Bátcha, der, wie

gesagt, lange mit den Tapieteindianern gelebt hatte, folgendes

berichtet.

Ungefähr sechs Tagemärsche vom Rio Parapiti westwärts wohnt, wie die

Tapietes sagen, ein Zwergvolk, das in Erdhöhlen lebt. Diese Zwerge sind

freundlich gesinnt und sprechen Guarani. Von ihren Höhlen hörte ich

schon 1902 von einem Sergeant Gonzales, der diese auf einer Expediton

nach dem Innern des Chaco gesehen hatte.

[Illustration: Abb. 142. Pfeife aus Holz. ½. Tsirakua.]

Einen solchen Bericht hat man allen Anlaß, wenigstens was die Zwerge

betrifft, für unwahr zu halten. Die Erdhöhlen können Brunnen sein, wie

sie die Ashluslays und Lenguas graben.

Sehr eigentümlich ist es gleichwohl, daß Hawtrey[133] von den am

Rio Paraguay wohnenden Lenguaindianern dieselbe Angabe über Zwerge

erhalten hat. Zwei auf beiden Seiten des großen unbekannten Gebietes

im nördlichen Chaco wohnende Stämme haben also dieselbe Erzählung.

Möglicherweise ist es nur eine gemeinschaftliche Sage. Die Zukunft wird

es zeigen.

Im Innern des Chaco nahe der Saline de San José hat man, wie erzählt

wird, moderne Indianergräber getroffen, die alle mit hölzernen Kreuzen

geschmückt waren. Ob dies wahr ist, weiß ich nicht. Unmöglich ist

es nicht, denn viele der dort wohnenden Indianer stammen sicher von

Indianern, die Christen gewesen sind. Unter den Zamucos, die, wie

gesagt, den Tsirakuas nahe stehen, haben die Jesuiten Missionen gehabt.

Vielleicht ist es nicht ein reiner Zufall, daß die hier abgebildete

Tsirakuafrau die Hände auf Christenweise wie zum Gebet faltet. Etwas

Ähnliches habe ich bei den nicht von den Missionaren besuchten Chorotis

und Ashluslays niemals gesehen.

Fußnoten:

[130] Daß die Tsirakuas und die Zamucos eine ähnliche Sprache sprechen,

geht aus folgendem Vergleich hervor.

Zamuco Tsirakua

Ohr = yagoroné (dlyócon)goroni

Auge = yedoi (dlyóqui)dodye

Hand = imanaetio (dlyóco)maná

Sonne = yede géte

Wasser = yod mama

Feuer = pioc pió

Zum weiteren Vergleich teile ich hier auch einige gewöhnliche

Tsirakuaworte mit

Mais = géshna

Tabak = sidódu

Zapallo = ógodieú

Caraguatá = gutá

Grabekeule = bahábe

Uruku = tasi

Kalebasse = pitáu

Strauß = bái

Wildschwein = pósnoni

Asche = pútchucuru

Stein = kukáni

Hund = tomóco.

[131] Cardus: Las Misiones Franciscanas entre los infieles de Bolivia.

Barcelona 1886.

[132] Vgl. Frič. Globus. Bd. 96 (1909) S. 24. Die unbekannten Stämme

des Chaco boreal.

[133] Hawtrey, l. c.

Schlußwort.

Ich habe die Indianer, die ich im Chaco kennen gelernt habe, hier

zu schildern gesucht. Wir sind zum Schluß bis an die Grenze des

Unbekannten gekommen, dessen Geheimnisse noch niemand erforscht hat.

Ein großes Gebiet im Chaco ist den Weißen vollständig unbekannt, ein

noch größeres ist noch niemals von einem Forscher besucht worden.

Es ist ein gefährliches Gebiet, nicht so sehr der feindlichen Indianer

wegen, die man dort wahrscheinlich antrifft, sondern infolge des

Wassermangels. Mit Hilfe der Indianer könnte man dort vorwärts kommen,

ohne sie kann man die Wasserstellen nicht finden. Im vorhergehenden

habe ich gesagt, daß man im Chaco Reste sehr primitiver Stämme finden

muß, denn es ist der natürliche Zufluchtsort für diejenigen, die in

den Kämpfen um die Flüsse und um die Gegenden, wo die Forderungen des

Magens leicht zu befriedigen sind, besiegt worden sind.

Die hier geschilderten Stämme hätte ich gern viel besser kennen

gelernt. Über die religiösen Vorstellungen der Chorotis und Ashluslays

wissen wir beinahe nichts. Nur einige der hier mitgeteilten

Sagen habe ich in der Originalsprache aufgezeichnet. Auch die

Individualpsychologie lockt mich.

Es dürfte dem Leser deshalb nicht wunderbar erscheinen, wenn ich noch

einmal am Indianerleben am Rio Pilcomayo teilnehmen möchte, wenn ich

noch einmal die alten Sagen am Lagerfeuer möchte erzählen hören, wenn

ich in die unbekannten Gegenden des nördlichen Chaco eindringen möchte.

Bevor dies geschehen kann, muß ich jedoch die Ergebnisse meiner letzten

Fahrt, die einen viel größeren Teil von Bolivia als den Chaco berührt

hat, vollständig veröffentlichen. Nicht zum mindesten wichtig ist, daß

meine Funde bei meinen archäologischen Ausgrabungen beschrieben werden.

Vielleicht wären auch meine Urwaldwanderungen und Flußfahrten im

nordöstlichen Bolivia weit bis zu der Grenze Brasiliens es wert, einem

größeren Publikum als dem, das ethnographische Fachzeitschriften liest,

geschildert zu werden.

Im Dezember 1909 verließ ich, von meinem schon beschriebenen zweiten

Besuch bei den Chorotis und Ashluslays kommend, Yacuiba.

Nach Hause ging die Fahrt!

Ende Januar 1910 war ich wieder in Schweden. Meine beiden

Reisebegleiter waren in Südamerika geblieben. Sie sind jung und wollen

versuchen, sich in dem neuen Lande durchzuschlagen. Ich hoffe, es wird

ihnen gelingen. Gefällt es Moberg bei den Weißen nicht, so läßt er sich

wohl bei den Indianern und Indianerinnen nieder, wo er sich so wohl

gefühlt hat.

Als ich von Batirayu Abschied nahm, sagte er: „Es ist traurig, zu

scheiden und sich niemals wieder zu treffen, wenn man so befreundet

geworden ist.“

Wer weiß, vielleicht treffen wir uns noch einmal. Möge Yamandutunpa

dich beschützen, Batirayu. Möge es lange dauern, bis du nach

Aguararenta wanderst, um Maisbier bei deinen Vorvätern zu trinken.

„Hayma opama!“ (Und mehr war es nicht.)

Illustrationsverzeichnis.

Seite

+Tafeln auf besonderen Blättern+:

1. Der Verfasser mit Ashluslayfreunden. Neben dem Titel.

2. Der Calileguaberg 13

3. Dorf des Chorotihäuptlings „Waldhuhn“ 30

4. Fische essender Ashluslay 48

5. Mit Mais vom Acker kommende Ashluslaykinder 52

6. Chorotimama mit ihrem kleinen Jungen und dessen Spielkameraden 62

7. Ashluslay-Tänzer 78

8. Tanzende Ashluslaymänner 84

9. Chorotifrau auf dem Heimweg mit eingesammelten wilden

Früchten und Holz 94

10. Matacoindianer rösten „Palometas“ und andere Fische 112

11. Chorotifrauen tragen wilde Früchte in ihren Caraguatátaschen

nach Hause 124

12. Ashluslaykrieger 136

13. Ashluslaymann im Magenpanzer 138

14. Ashluslayfischer gehen über den Rio Pilcomayo 142

15. Ashluslayfrau auf der Wanderung 146

16. Caraguatá 176

17. Palmenwald, unweit des Rio Pilcomayo 192

18. Chanéfrau mit Kind 220

19. Die Frau des Chanéhäuptlings Vocapoy malt ein Tongefäß 242

20. Sagenerzähler. Chané 258

+Abbildungen im Texte+:

1. Matacomädchen 8

2. Hütte der Mataco-Guisnay 9

3. Ashluslayfischer 19

4. Eigentumsmarken auf Mänteln, Ashluslay 36

5. Ashluslaypapa mit seinem kleinen Jungen 37

6. Kochhütte der Chorotis 40

7. Algarrobofrüchte kauende Ashluslayfrauen 44

8. Ashluslayindianer mit Sperrnetzen 45

9. Nadeln zum Aufreihen der Fische 46

10. Spaten 47

11. Sperrung des Rio Pilcomayo mit fischendem Choroti 49

12. Chorotikinder spielen, daß sie den Fluß sperren 50

13. Eine Chorotifrau trägt Wasser nach Hause 55

14. Ashluslayfrau seiht Algarrobomehl 57

15. Eßbürste 59

16. In die Erde gegrabener Ofen 60

17. Hölzernes Messer 60

18. Hölzerne Messer zum Essen von Wassermelonen 61

19. „Reibeisen“ aus Holz 61

20. Chorotiknabe mit Boleadora 64

21. Das Kleine führt seinen blinden Großvater „abseits“ 65

22. Die Mama geht mit den Kindern zum Fluß 67

23. Spielzeugflinte von den Chiriguanos 68

24. Boleadora 69

25. Fadenfiguren knüpfende Chorotiknaben 71

26. Ballspielende Matacoindianer 72

27. Spielmarken 73

28. Tätowierung und Gesichtsbemalung 75

29. Tätowierung und Gesichtsbemalung 76

30. Alte Chorotifrau, die den Verf. tätowiert hat 77

31. Ashluslaymann 79

32. Stempel zur Gesichtsbemalung 80

33. Chorotielegant 81

34. Ashluslay mit einer mit Schneckenschalenperlen besetzten

Mütze 83

35. Junger Chorotimann am Alltag 85

36. Pfeife 87

37. Boxhandschuh 89

38. Tongefäß 95

39. Ashluslay mit einer Kalebasse Algarrobobier 97

40. „Bowle“ 99

41-43. Pfeifenköpfe 101

44. Krankenstuhl 105

45. Geist 109

46. Tongefäß 117

47. Puppen 118

48. Strumpf, Taschen 119

49. Grabestock 120

50. Säge aus hartem Holz 120

51. Scharre aus Muschelschalen 120

52. Webstuhl 121

53. Von Ashluslays gewebter kleiner Mantel 122

54. Chorotifrau, ein Tongefäß bauend 123

55. Töpferin 124

56. Hölzernes Gerät 125

57. Trommel aus einem Tongefäß 126

58. Bierkrug 126

59. Wasserkrug 126

60. Kalebasse 127

61. Kalebasse 127

62. Kalebaßschale 129

63. Mais sammelnde Frau (Zeichnung) 130

64. Zeichnungen des Chorotimädchens Ashlisi 130

65. Zeichnungen eines Ashluslayknaben 131

66. Zeichnungen eines 20jährigen Ashluslaymannes 132

67. Ashluslaykrieger 133

68. Federschmuck 134

69. Federschmuck 135

70. Skalp eines Tobapilaga 136

71. Streitkolben 136

72. Ashluslaytänzer zum Besuch bei den Chorotis 139

73. Ashluslayfischer 145

74. Vocapoys Dorf am Rio Itiyuro 149

75. Chanéindianer 150

76. Chanéindianer 151

77. Tongefäß 158

78. Tongefäß 159

79. Alter Chiriguano mit großem Lippenpflock 165

80. Pfeife 169

81. Festtracht für Männer 169

82. Tongefäß 172

83. Feuerstätte zum Maisbierkochen 174

84. Maisscheune 175

85. Sitzbank 177

86. Haken zum Aufhängen der Sachen 177

87. Chanéfrau 178

88. Tabakspfeife 179

89. Spatenstiel 179

90. Fischfang mit Kalebasse 185

91. Netz 187

92. Dämpfapparat 188

93. Spielregel für „Daro“ 191

94. Chunquanti spielende Chanéknaben 192

95. Stäbchen zum Tshúcaretaspiel 193

96. Máma wird ausgelegt 194

97. Die Stäbchen werden geworfen 195

98. Die Spielenden sehen nach, wie die Stäbchen gefallen sind 196

99. Geteilter Ball zum Tocorórespiel 197

100. Spielstock 197

101. Rakett 197

102. Maiskolbenpfeil 198

103. Stäbchen zum Huirahuahuaspiel 198

104. Spielzeug 199

105. Puppen aus Wachs 200

106. Chanéfrau 201

107. Gesichtsbemalung 202

108. Tätowierter Frauenarm 203

109. Kämme 204

110. Chanéknabe 209

111. Der Chiriguanohäuptling Mandepora 213

112. Alte Frau 215

113. Chiriguanograb 219

114. Junge Chanéfrau entblößt den Oberkörper, um sich

photographieren zu lassen 226

115. Kalebasse 231

116. Chanémädchen stoßen Mais in einem Mörser 235

117. Kochen des Maisbieres 237

118. Suppenspatel 239

119. Tanzmaske 241

120. Serérepfeife 243

121. Tongefäß 244

122. Brennen von Tongefäßen 245

123. Webstuhl 247

124. Sieb 248

125. Korb 248

126. Verzierte Kalebaßschale 249

127. Tongefäß 264

128. Kalebaßschale 279

Indianerleben · 第 20 / 21 段