Zwischen dem, was man hier auf dem Calilegua zu sehen bekomm

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1912 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr

verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;

fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.

Schreibvarianten, insbesondere bei Orts- und Personennamen, wurden

nicht vereinheitlicht, sofern die betreffenden Schreibweisen mehrmals

im Text vorkommen. Die in der ‚Berichtigung‘ am Ende des Buches

aufgeführten Begriffe wurden in der vorliegenden Ausgabe bereits

berücksichtigt.

Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der

folgenden Symbole gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

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INDIANERLEBEN

[Illustration: Tafel 1. Der Verfasser mit Ashluslayfreunden.]

INDIANERLEBEN

EL GRAN CHACO

(SÜDAMERIKA)

VON

ERLAND NORDENSKIÖLD

LEIPZIG 1912 / ALBERT BONNIER

EINZIGE AUTORISIERTE ÜBERSETZUNG

AUS DEM SCHWEDISCHEN

VON

CARL AUERBACH

Roßberg’sche Buchdruckerei, Leipzig.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

+Einleitung+ 1

+Erstes Kapitel+:

Reise nach dem Arbeitsfeld 3

Der Calilegua 11

+Zweites Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo 15

+Drittes Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung) 32

Gemeinwesen 32

Das Indianerhaus 39

+Viertes Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung) 44

Der Kampf ums Dasein 44

Wie man bei den Ashluslays und Chorotis ißt 58

+Fünftes Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung) 63

Indianerkinder 63

Männer und Frauen 74

Arbeitsverteilung zwischen Männern und Frauen 94

+Sechstes Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung) 96

Trinkgelage 96

Das Tabakrauchen 101

Medizinmänner, religiöse Vorstellungen 103

Vom Matacoindianer Na-yás erzählte Sagen:

Der Raub des Feuers 110

Die Frau, die sich mit den Hunden verheiratet hat 111

Die große Feuersbrunst 111

Der Maisraub 112

Der Sohn des Chuña 112

Als die Matacos und die Christen die Welt teilten 113

Der Fuchs und der Stier 113

+Siebentes Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung) 116

Kunst und Industrie 116

Die Indianer als Zeichner 127

+Achtes Kapitel+:

Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung) 129

Krieg und Frieden 129

Handel 137

Besuch in fremden Dörfern 141

Das Verhältnis zu den Weißen 142

+Neuntes Kapitel+:

Das Land der Chané- und Chiriguanoindianer 148

+Zehntes Kapitel+:

Vom Lande der Chané- und Chiriguanoindianer 163

Indianer als Geographen 163

Der Indianer als Historiker 167

+Elftes Kapitel+:

Vom Lande der Chané- und Chiriguanoindianer 173

Alltagsleben in den Chané- und Chiriguanohütten 173

Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern 180

Tabelle, welche die Arbeitsteilung zwischen Männern

und Frauen bei den Chanés und Chiriguanos

ausweist 180

Nahrungszweige 181

Zubereitung der Speisen 188

Spiele 190

Das Leben der Indianerkinder 193

Alltagskleidung 200

Reinlichkeit 203

+Zwölftes Kapitel+:

Aus dem Leben der Chané- und Chiriguanoindianer

(Fortsetzung) 206

Vom Mutterleib bis zum Grabe 206

+Dreizehntes Kapitel+:

Aus dem Lande der Chané- und Chiriguanoindianer

(Fortsetzung) 221

Häßliche Worte, Homosexualität, Selbstmord, Schamgefühl

u. a. 221

+Vierzehntes Kapitel+:

Aus dem Leben der Chané- und Chiriguanoindianer

(Fortsetzung) 228

Häuptlinge und Gesetze 228

+Fünfzehntes Kapitel+:

Trinkgelage bei den Chanés und Chiriguanos 234

+Sechzehntes Kapitel+:

Aus dem Leben der Chané- und Chiriguanoindianer

(Fortsetzung) 242

Kunst und Industrie 242

+Siebzehntes Kapitel+:

Aus dem Leben der Chané- und Chiriguanoindianer

(Fortsetzung) 250

Sage und Religion 250

1. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers 251

2. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers 253

Besuche in Aguararenta (dem Dorfe der Füchse) 255

Das Mädchen, das seinem Mann nach Aguararenta

folgte 255

Geister- und Tiersagen 257

Die Erschaffung der Welt, wie der Fuchsgott, Aguaratunpa,

den Algarrobobaum fand, und wie er den weißen Kondor,

Ururuti, fing 260

Tatutunpas und Aguaratunpas Verheiratung 264

Die Entstehung der Arbeit 269

Wie Aguaratunpa seinen Bruder nach dem Himmelsgewölbe

schickte 270

Über den Sohn von Tatutunpa, und wie er seine Mutter

gerettet hat 271

Der Mann, der sich mit der Tochter des Donnergottes,

Chiqueritunpa, verheiratete 277

„Choihuihuis“ Frauenraub 283

Wie Aguaratunpa Tatutunpa tötete und dann selbst

getötet wurde 285

Der Mann, der Añatunpa verbrannte 286

Der Mann, der Añatunpa tötete 287

Wie Bisose Reichtümer aus dem Berge holte 288

Der Fuchs und der Jaguar 289

Als die Schildkröte „Carumbe“ den Jaguar tötete 291

Die Liebessage des Kolibris 292

Als die Zecke, Yatéu, mit dem Strauß, Yándu, um die

Wette lief 292

Die Indianer und die Naturerscheinungen 294

+Achtzehntes Kapitel+:

Aus dem Leben der Chané- und Chiriguanoindianer

(Fortsetzung) 297

Die katholischen Missionen unter den Chiriguanos 297

Die Furcht vor den Gummigegenden 298

Frondienste für die Weißen 300

+Neunzehntes Kapitel+:

Die Tapieteindianer 304

Zu diesen Indianern 304

Kultur und Sprache der Tapieteindianer 310

Tapietesagen:

Wie die Papageien den Tapietes Mais verschaffen 312

Wie die Tapietes das Schaf bekamen 313

Der Raub des Feuers 313

Das Entstehen der Zahnschmerzen 314

Die Taubstummen der Tapietes 315

+Zwanzigstes Kapitel+:

Die Tsirakuaindianer 322

+Schlußwort+ 329

Einleitung.

In diesem Buche beabsichtige ich, einige Indianerstämme, die ich

während meiner Reise 1908-1909 näher kennen gelernt habe, zu schildern.

Ich habe das intime Leben dieser Menschen, ihre Gesellschaft, ihre

Häuslichkeit, ihren Kampf ums Dasein, ihre Streitigkeiten, ihre

Erziehung, ihre Moralbegriffe, ihre Religion und ihre Sagen hier zu

schildern versucht.

In erster Reihe habe ich somit einen Beitrag zur Kenntnis der sozialen

Verhältnisse im Gemeinwesen der Indianer liefern wollen.

Ich habe versucht, die Indianer kennen zu lernen und habe auch

Sympathie für sie empfunden. Ich habe, so gut es ging, das Leben

der Indianer zu leben, sie zu verstehen gesucht. Ich habe mit ihnen

gefischt, getanzt, gesungen und getrunken. Ich habe zu vergessen

gesucht, daß ich ausgezogen bin, um diese Menschen zu studieren, und

nicht, um nur mit ihnen zu leben und mich zu amüsieren.

Ich habe diese Indianer als Mitmenschen betrachtet.

Unter vielen trockenen Tatsachen habe ich hier Menschen zeigen wollen,

die der Sympathie des Lesers würdig sein dürften.

Meine Reise ist durch die Freigebigkeit meines Freundes Arvid Hernmarck

zustande gekommen. Ich bin ihm deshalb zu großem Danke verpflichtet.

Mit seinem bekannten Interesse für die Schweden, die Südamerika

kennen lernen wollen, hat mir Herr Generalkonsul Axel Johnson auf den

bequemen Dampfern, die den immer blühenderen schwedischen Handel nach

Argentinien vermitteln, freie Reise und freie Frachten gewährt.

Großen Dank schulde ich Frau Rosa Hernmarck, dem früheren

Ministerresident O. Gyldén, dem Legationsrat H. von Bildt und dem

Apotheker H. Enell, welche teils zu meiner Ausrüstung beigetragen,

teils meine Sammlungen verwaltet haben.

Bei meinen umfassenden Streifzügen in Bolivia bin ich sowohl in der

Hütte des Armen wie von dem reichen Estanciero mit außerordentlicher

Gastfreiheit aufgenommen worden. Bei den Indianern wie bei den Weißen

habe ich mich als Hausfreund betrachtet.

Am wohlsten habe ich mich bei den Indianern gefühlt!

+Erstes Kapitel.+

=Reise nach dem Arbeitsfeld.=

Am 21. Februar 1908 verließ ich zusammen mit einem Schweden, W.

Andersson, Schweden, um mit dem Dampfschiffe „Drottning Sofia“ nach

Buenos Aires zu fahren. Auf der herrlichen Seereise konnten wir Kräfte

für künftige Strapazen sammeln. Mit Salz- und Sonnenbädern härteten wir

unsere Körper in dem Gedanken: Auf einer solchen Reise, wie dieser, ist

die allerwichtigste Ausrüstung eine gute Gesundheit. Ist man munter und

gesund, so arbeitet man gut, ist man infolge Krankheit niedergedrückt,

dann geht alles schlecht. Während meiner ganzen Reise war ich auch

nicht einen einzigen Tag ordentlich krank.

Auf dem Dampfer schloß ich mit einem jungen Landsmann, Carl Moberg,

Bekanntschaft. Es war ein wilder Junge. Eines Tages kletterte er

auf den Großmast der „Sofia“, setzte sich auf den runden Knopf der

Spitze und genoß bei einer Zigarette die Aussicht. Da er den Eindruck

eines kühnen und furchtlosen Menschen machte, stellte ich ihn bei

der Expedition an. Und das habe ich nicht zu bereuen brauchen.

Moberg erwies sich während der ganzen Reise als ein tüchtiger und

zuverlässiger Kamerad. Ich habe ihn hier so schildern wollen, wie ich

ihn zum ersten Male kennen gelernt habe, damit der Leser verstehe, daß

er ein Mann war, der für die Indianer paßt.

Ich will hier nicht schildern, was so viele andere vorher beschrieben

haben, sondern übergehe Buenos Aires und begebe mich von dort direkt

nach der Zuckerfabrik Esperanza in Nordargentinien. +Wo die Indianer

anfangen, dort will ich auch meinen Reisebericht beginnen.+ Ich bitte

nun den geneigten Leser, der besseren Orientierung wegen, diesen Platz

auf der Karte aufzusuchen.

Nach den Zuckerfabriken in Nordargentinien kommen die Indianer von weit

umher. Hier in den Fabriken treffen wir nicht die Wilden der Urwälder,

sondern solche, die, von den Reichtümern des weißen Mannes angelockt,

aus ihren Dörfern gekommen sind, um Arbeit und Verdienst zu suchen. In

diesem Buche werden wir diese Menschen auch nicht hier, sondern weit

hinten in den Urwäldern und Gebüschen ihrer Heimat kennen lernen.

Mit dem größten Wohlwollen wurde ich von den Brüdern Leach, den

Besitzern der Fabrik Esperanza, aufgenommen. Sie haben ein echt

englisches Heim mit bequemen Stühlen, Polo, Freundschaft ohne Ziererei

und Zeremonien und Dienstbereitschaft ohne viele Worte.

In Esperanza hielt ich mich einen Monat auf, um meine Expedition

auszurüsten. Während dieser Zeit hatte ich Gelegenheit zum Studium

der Indianer, die, wie schon erwähnt, von weit her nach den Fabriken

kommen, um Arbeit zu suchen. Außerdem machte ich eine Expedition nach

dem nahebelegenen Berge Calilegua.[1]

Unter den Indianern in Esperanza hatte ich das Glück, einen alten

Freund von meiner Reise 1901 zu treffen, den Matacoindianer „Chetsin“.

Dieser, der Dolmetscher seines Stammes, sprach ausgezeichnet spanisch.

Beinahe jeden Tag pflegte ich ein Stündchen in seiner Hütte zu

verweilen und mit ihm von allem möglichen zu sprechen. Zuweilen

erzählte er mir einige Sagen seines Stammes.

Es war ein eigentümliches Gefühl, auf einem Holzblock in der Grashütte

bei einem spärlichen Feuer zu sitzen und erzählen zu hören, wie

die wilden Schweine dem Gürteltier den Mais stahlen und wie das

Meerschweinchen dem Jaguar das Feuer stahl und es den Matacoindianern

gab, und einige Augenblicke später in einem bequemen Stuhle in dem

englisch komfortablen Leachschen Hause zu sitzen und über Politik,

Flugschiffe und Sport zu sprechen. Die Gegensätze im Leben bereiten

immer Vergnügen.

Über die Wanderung der Indianer nach den Zuckerfabriken möchte ich hier

einige Worte sagen.

„Bapurenda“ nennen die in Bolivia lebenden Indianer das Land

Argentinien. Das bedeutet: dort gibt es Arbeit. Nach den Zuckerfabriken

kommen jährlich tausende Indianer aus dem argentinischen Chaco und aus

Bolivia, um Arbeit zu suchen. Man verwendet sie teils zum Roden und

Graben, teils für die Ernte. Diese Wanderung nach Argentinien ist für

die friedliche Eröffnung der in Südbolivia von Indianern bewohnten

Wildnisse von der größten Bedeutung für die Weißen gewesen, und ist

es auch heute noch. Nach „Bapurenda“ kommen die Indianer aus weiter

Ferne. Man sieht dort die sauberen und aufgeweckten Chiriguano und

Chané, die heimtückischen und zudringlichen Toba, die schmutzigen

und unzuverlässigen Mataco, die stets heiteren und faulen Choroti.

Einige Tapiete und Ashluslay[2] sind auch dort gewesen, obschon die

ersteren als Toba, die letzteren als Choroti und Mataco aufgetreten

sind. Eigentümlicherweise sollen auch von solchen Teilen des

südbolivianischen Chaco, wo noch nie ein Weißer gewesen ist, Indianer

nach Argentinien gekommen sein. Unter ihnen ist der Chiriguanohäuptling

Cayuhuari bemerkenswert. Dieser Häuptling wohnt seit 1890, wo er sich

gegen die Weißen empört hatte, im Chaco.

Ein sehr großer Teil der Indianer nimmt die lange Reise nach

Argentinien zu Fuß vor, da nur wenige Pferde haben. Einzelne haben bis

zu ihrer Ankunft über 500 km zu wandern, und das ist ein ganz hübscher

Spaziergang.

Der Grund der Wanderung dieser Indianer ist die große Schwierigkeit,

alle die Herrlichkeiten des Weißen, wie Messer, Äxte und Kleider, in

ihrem eigenen Lande zu erwerben. Wenn sie bei sich zu Hause Arbeit

haben, ist sie in der Regel schlecht bezahlt, und innerhalb großer

Gebiete ist überhaupt keine Arbeit zu bekommen.

Mehrere Indianer haben mir gesagt, sie würden, wenn sie zu Hause Arbeit

fänden, diese Wanderung nicht vornehmen. Eins ist jedoch sicher, daß

diese Reisen in ein fremdes Wunderland im höchsten Grade verlockend

für sie sind. Ich war gerade in einem Ashluslaydorf, als die ersten

dieses Stammes, die in den Fabriken gewesen sind, wieder nach Hause

kamen. Sie wurden mit Ovationen empfangen. Das ganze Dorf war ihnen

entgegengegangen, und unter dem Gesang der alten Frauen wurden

sie zu ihren Hütten gebracht, wo sie von ihren Kindern und Frauen

bewillkommnet wurden. Sie hatten so viel Merkwürdiges mitgebracht, alte

Gewehre, alte Uniformen, Zucker, Streichhölzer, Pulver, Knallerbsen,

betresste Käppis, Anelin u. a. Wie viel ist nicht zu erzählen, wenn man

nach Hause kommt. Es muß mindestens ebenso merkwürdig gewesen sein, als

wenn ein Erdbewohner von einer Reise nach dem Monde nach Hause gekommen

wäre. Wie wunderbar muß es den zu Hause Gebliebenen vorgekommen sein,

von den Eisenbahnen, den Fabrikmaschinen, den elektrischen Bogenlampen,

den großen Hütten und allem anderen Neuen zu hören. Auch sie werden zu

der mühseligen, langen Wanderung verlockt, und immer weitere Gebiete

eröffnen sich dem weißen Manne ohne Kampf, ohne Schwierigkeiten.

Infolge dieser Wanderungen nach Argentinien verbreiten sich eine große

Masse Werkzeuge, Messer, Waffen u. a. über den ganzen Chaco, und die

ursprüngliche Kultur der Indianer verändert sich vollständig. Viele von

ihnen lernen auf diesen Reisen etwas Spanisch, denn den Indianern fällt

diese Sprache leicht. Sie lernen sogar sehr bald, es grammatikalisch zu

sprechen.

Nach den Zuckerfabriken kommen die Mataco und Choroti sowie teilweise

auch die Toba mit Frauen, Kind und Kegel, Hunden und Hausgerät, Schmutz

und Ungeziefer und bauen dort ihre Dörfer, ganz wie im Chaco. Die

höherstehenden Chiriguano und Chané bringen nur wenig Frauen und

niemals ihre kleinen Kinder mit, falls sie nicht für immer dort bleiben

wollen. Die Chiriguano und Chané wohnen in Zelten oder in den den

Fabrikbesitzern gehörigen Baracken.

In den Fabriken habe ich die Indianer, besonders die Mataco und

Chiriguano, arbeiten sehen. Die ersteren werden als die Tüchtigsten

beim Ernten des Zuckerrohres, die letzteren als die besten Gräber

betrachtet. Die Mataco und verschiedene Chiriguano werden auf Akkord

bezahlt. Die besten Chiriguano sind Tagelöhner und werden den weißen

Arbeitern gleichgestellt. In der Regel verdienen die Chiriguano täglich

1-1½ Pesos, die Matacomänner 40 Centavos und die Matacofrauen 20

Centavos außer der Kost. Die Arbeitszeit ist für die letzteren ungefähr

acht, für die ersteren zehn Stunden.

Über den Fleiß der Indianer habe ich einige Notizen machen können.

Die Chiriguano arbeiten in der Regel alle Tage außer den Montagen, wo

sie den Sonntagsrausch ausschlafen. In San Lorenzo, unweit Esperanza,

wo ich Gelegenheit hatte, etwas statistisches Material zu sammeln,

arbeiteten die Matacomänner im Durchschnitt 12½ und die Matacofrauen

11½ Tage im Monat. Das beste Resultat hatte eine Matacofrau, die von

127 möglichen Tagen 125, und ein Matacomann, der 110 gearbeitet hatte.

Die Häuptlinge und Dolmetscher arbeiten am wenigsten.

Bei der Bezahlung der Indianer hat man darauf zu sehen, daß sie nicht

die ganze Löhnung während der Arbeitszeit ausbezahlt erhalten, sondern

noch etwas zugute haben, wenn sie heimkehren, sonst halten sie sich für

betrogen.

Stirbt ein Indianer, dem die Fabrik etwas schuldig ist, so verlangen

die Mataco, Choroti und Toba nichts. Trifft dies bei den Chiriguano

ein, so fordert der Häuptling die Bezahlung der Schuld durch ihn an

die Hinterlassenen. Der Grund hierfür ist möglicherweise der, daß

die Chiriguano infolge ihrer langen Beziehung mit den Weißen die

Erbschaftsverhältnisse derselben besser kennen.

[Illustration: Abb. 1. Matacomädchen, Esperanza.]

Leider wird für die Zivilisierung der nach den Zuckerfabriken

kommenden Indianer nichts getan. Sie werden hier im allerhöchsten

Grade demoralisiert. Die Männer verfallen der Trunksucht, d. h. sie

lernen Branntwein trinken, im Verhältnis zu welchem alle einheimischen

Getränke bedeutend unschuldiger sind. Infolge des Branntweins und

der schlechten Beispiele seitens der weißen Arbeiter kommt eine

große Anzahl Indianer durch Schlägereien in den Fabriken um. Die

Indianerfrauen verkaufen sich den Weißen. Geschlechtskrankheiten

herrschen unter den indianischen Arbeitern, die teilweise geradezu

Bordelle besuchen, wo sie mit den weißen Frauen Bekanntschaft machen.

Der Chiriguanohäuptling Maringay, der niemals in Argentinien war, und

von dem ich später noch recht viel zu erzählen haben werde, fragte mich

einmal: „Sage mir, ist es wahr, daß es in Argentinien Läden gibt, wo

man weiße Frauen, je nach Beschaffenheit, für 2, 3, 5 Pesos bekommt?“

Maringay fand sicher, daß die Weißen merkwürdige Läden hatten.

[Illustration: Abb. 2. Hütte der Mataco-Guisnay. Rio Pilcomayo.]

Viele Chiriguanoindianer kommen mit ihren Familien nach den

Zuckerfabriken und kehren niemals in ihre Heimat zurück. Das Leben

dieser Indianer verläuft ebenso wie das der weißen Arbeiter. Sie

leben in einer Art Konservenbüchsenkultur und stellen so gut wie gar

keine ihrer alten charakteristischen Sachen her. Ein wie trauriges

Leben führen sie doch, viel schlechter als in ihren Dörfern in ihrem

eigenen Lande. Anstatt der feinen, bemalten Tongefäße bilden leere

Konservenbüchsen, Blechteller usw. ihr Hausgerät. Manchmal sieht man

auch unter ihren Habseligkeiten ein europäisches Nachtgeschirr -- in

dem sie das Essen verwahren.

Eine in den Fabriken in großer Ausdehnung betriebene Unsitte ist

die, daß die Indianer Schießwaffen erhalten. Infolge dieser führen

die Indianer, die dort gewesen sind, siegreiche Kämpfe mit denen,

die nur Pfeile und Bogen besitzen. Diese Schießwaffen werden eines

Tages manchem weißen Manne das Leben kosten, denn sicher werden die

Indianer im Chaco noch manchen Aufruhr anstiften. Auf argentinischem

Gebiete sorgt besonders der Tobahäuptling Taycolique systematisch

für eine Bewaffnung seiner Leute mit Feuerwaffen. Er ist schon so

weit gekommen, daß er die unmodernen Remingtongewehre kassiert und

statt dessen Repetiergewehre eingeführt hat. Taycolique hat seinen

Leuten das Schießen beigebracht. Eines Tages zog er mit einigen

seiner Männer an einem Platze vorbei, wo einige Weiße Schießübungen

abhielten. Taycolique forderte sie zu einem Wettschießen auf, und seine

Tobaindianer gewannen den Preis.

Im großen ganzen wird meiner Ansicht nach das Indianererziehungsproblem

am besten gelöst auf die Weise, daß man dem Indianer gutbezahlte

Arbeit, wie sie sie in den Fabriken haben, gibt. Viel wäre außerdem zur

Hebung der Indianer zu tun, sie müßten schreiben, lesen und rechnen

lernen, und man müßte sie vor dem Branntwein und der Prostitution

bewahren. In diesen Fabriken müßten industrielle Schulen errichtet

werden, in welchen die Indianer ein Handwerk erlernten. Eine Arbeit,

wie sie sie in gewissen Gegenden haben, mit durchaus unbefriedigender

Bezahlung, erzieht sie nicht zu fleißigen und arbeitstüchtigen

Menschen, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Erhalten sie eine

ordentliche Entschädigung und sehen sie, daß es ihnen durch Arbeit

gut ergeht, daß sie leichter ihren Magen füllen, Pferde, Werkzeug und

Kleider anschaffen können, dann arbeiten sie gern, und die Arbeit tut

ihnen gut und erzieht sie.

Der Calilegua.

Während meines Aufenthaltes in der Zuckerfabrik Esperanza unternahm

ich mehrere kleine Ausflüge, darunter einen etwas längeren nach dem

wunderschönen Calilegua, dessen nicht selten schneebedeckter Gipfel

stolz über die Urwälder blickt, in denen Zuckerfabriken und Sägemühlen

und kleine Menschlein sich abarbeiten und abäschern.

Auf mehr als schlechten kleinen Pfaden klettert der Weg diesen Berg

hinauf. Er geht durch Bäche, über Gebirgskämme, durch den Urwald mit

dessen schweigender, feuchtwarmer Pracht, über die Baumgrenze, nach

dem einsamen, großartigen Reiche der Erdgöttin Pachamama, wo man einen

weiten Blick über Täler, Hochebenen und Berge hat und sich nicht, wie

unten im Tale und im Urwalde, durch Lianen und Baumstämme und zwischen

dornigen Büschen hindurchzudrängen braucht.

Die Calileguaindianer sprechen alle Spanisch. Dieses ist stark mit

Quichuaworten vermengt, die Namen der Heilmittel sind z. B. in der

Regel auf Quichua. Man kann also annehmen, daß die ursprüngliche

Sprache dieser Indianer Quichua war. Die Calileguaindianer wohnen

oben auf den Bergen in kleinen viereckigen Hütten aus Stein oder

getrockneten Ziegelsteinen mit Grasdächern. Auf dem First steht

gewöhnlich ein Kreuz. Dasselbe schützt gegen Blitzschlag, d. h.

wenn es von einem christlichen Geistlichen gesegnet ist, denn diese

Gebirgsindianer sind schon seit langer Zeit Christen. Dies hindert

indessen nicht, daß sie gleichzeitig an vieles andere glauben, was gar

nichts mit der christlichen Religion zu tun hat. So opfern sie noch der

Pachamama Branntwein und Coca. Gehen sie über einen Paß, so legen sie

einen Stein auf den Boden, damit sie nicht auf dem Wege müde werden.

Auf dem Calilegua machte ich eine interessante Bekanntschaft, und zwar

die eines sehr anständigen Medizinmannes in mittleren Jahren, der mir

ganz offenherzig verschiedenes anvertraute. Gegen Knochenschmerzen

soll man Fett vom Uturunco, Tapir oder Bären anwenden. Der Uturunco

ist ein mystisches Tier; es soll ein Jaguar sein, der ehemals ein

Mensch gewesen ist. Das Fett des Uturunco ist gelb. Von Peru bis

nach Argentinien kennt man die wunderbaren heilenden Eigenschaften

des Fettes dieses Tieres. Hat man an einem gewissen Platze die Erde

berührt, so können Hand-, Fuß- oder Kniegelenke anschwellen. Man tut

am besten, wenn man auf die geschwollene Stelle Erde von dem Platze,

wo man krank geworden ist, legt. Auch Bärenzunge ist gut. Bei einem

Erdbeben, wie sie auf dem Calilegua oft vorkommen, geht man am besten

nach dem Begräbnisplatz, um zu beten. Hagelt es, so verbrenne man

kreuzförmig gelegte Palmblätter, dann bleibt die Ernte unbeschädigt.

Da einer meiner Begleiter, ein argentinischer Gaucho, auf dem Calilegua

erkrankte, bekam unser Freund Gelegenheit, seine Kunst zu versuchen.

Er gab ihm ein aus Mais bereitetes Bier, in welches er glühende Kohlen

legte. Der Gaucho gesundete und mußte dem großen Arzt ein erkleckliches

Honorar zahlen.

[Illustration: Tafel 2. Der Calileguaberg.]

Zwischen dem, was man hier auf dem Calilegua zu sehen bekommt, und dem,

was man bei den Quichuas weit hinten in Peru, zwölf Breitengrade von

dort, findet, herrscht eine große Ähnlichkeit. Ungeheuer gleichförmig

verbreitet sich die Quichuakultur längs der Anden. Sie haben dieselbe

Kleidertracht, dieselben eigentümlichen Nadeln zur Befestigung der

Frauenschale, beinahe dieselbe Keramik, dasselbe Kokakauen, dieselben

Arzneien, dieselben Opfer in den Gebirgspässen, dieselben Schleudern

u. a. Diese große Gleichförmigkeit fällt um so mehr auf, wenn man an

den Gegensatz zwischen den Bewohnern des Gebirges und des Urwaldes

denkt. Nach einem Ritte von einigen Tagen von Cuzco, der Hauptstadt

des alten Inkareiches, nach den Urwäldern ist man im Gebiete der wilden

Indianer, die mit den Bewohnern des Gebirges beinahe nichts Gemeinsames

haben. Hier im nördlichsten Argentinien sowie im südlichen Bolivia,

ist der Gegensatz nicht ganz so scharf, aber dennoch groß genug.

Die Stämme, von denen ich hier sprechen will, die auf den letzten

Ausläufern der Anden nach der Ebene zu oder in derselben wohnen, haben

mit den Quichua und deren Nachkommen wenig Gemeinsames. Reiten wir vom

Calilegua in Argentinien über das Gebirge direkt nach Cuzco, so treffen

wir nur zwei Indianersprachen an, das Quichua und das Aymara. Folgen

wir den Urwaldwegen und den Flüssen, so lernen wir wenigstens einige

zwanzig Sprachen kennen, bis wir über Santa Cruz de la Sierra, über den

Rio Mamoré und den Rio Madre de Dios nach der alten Hauptstadt der Inka

kommen.

Vom Calilegua nach den Fabriken zurückgekehrt, beendigte ich meine

Ausrüstungsarbeiten, und am 5. Mai saßen wir im Sattel, um nordwärts,

nach dem Rio Pilcomayo, zu ziehen. Einige Tage darauf gingen wir über

den Rio Bermejo und setzten unseren Weg längs der letzten Ausläufer

der Anden fort. Das jetzt von uns durchzogene Gebiet war teils von

Weißen, teils von den in vollständigem Abhängigkeitsverhältnis von

jenen stehenden Mataco-Vejos bewohnt. Alles, was ich von ihnen sammeln

konnte, kaufte ich an; des Abends saß ich bei den Alten, die mir dies

und jenes erzählten. Diese Mataco haben eine Sage von einem großen, die

ganze Welt verheerenden Feuer. Ein Vogel „Miya“ hatte ihnen von einer

wilden Katze „Noté“ die Maissamen geraubt, ein kleiner schwarzer und

roter Vogel „Sipúp“ hat die Kürbissamen geraubt. Das Meerschweinchen

„No-ték“ hat das Feuer von einem bösen Geist, „Tacuash“, der es

verborgen hatte und den Matacos nichts davon abgeben wollte, geraubt.

Die Mataco-Vejos sind von der mächtigen Chiriguanokultur, über die ich

weiterhin ausführlicher sprechen werde, stark beeinflußt. Sie sind

außer den Chiriguanos und Chanés die einzigen Indianer im Chaco, die

ihre Toten zuweilen in Tongefäßen begraben.

Dem Toten bauen sie in der Tiefe des Waldes ein besonderes Haus mit

Feuerstätte und Bett. Er wird auf das Bett gelegt oder manchmal in

ein Tongefäß hineingestopft. Ich selbst habe niemals ein derartiges

Grabhaus gesehen, die Indianer haben es mir aber so beschrieben. Als

ich danach fragte, erklärten sie mir, augenblicklich gäbe es keins,

das nicht vollständig zerstört sei. Sie wollten mir ihre Gräber

vielleicht nicht zeigen. Auf meiner Reise 1902 zog ich auch durch das

Gebiet der Vejos und grub damals ein Vejograb aus. Vielleicht war

dieses nicht typisch. Unter einer Wildschweinhaut lag der Tote in die

Erde eingegraben mit seiner Wasserkalebasse. Von Hütte und Bett war

keine Spur vorhanden. Die Kalebasse war leer. Das Wasser habe der Tote

ausgetrunken, sagten die Indianer.

Nicht selten arbeiteten die Mataco-Vejos als Diener der am Rio Itiyuro

wohnenden Chanés. Daß ein Chané dagegen bei einem Mataco dienen sollte,

wäre undenkbar. Einen solchen Klassenunterschied zwischen den Stämmen

werden wir hier wiederholt zu erwähnen Gelegenheit haben.

Am 18. Mai waren wir in Yacuiba, einem großen Dorfe an der Grenze

zwischen Bolivia und Argentinien. Jetzt ist es ein ganz anständiger

Platz, während es früher ein gefährlicher Zufluchtsort für Verbrecher

war, die aus Furcht vor der argentinischen Polizei hierher geflohen

waren.

Yacuiba war während eines großen Teiles der Reise ein wichtiger

Stützpunkt für mich. Ein liebenswürdiger Franzose, C. Holzer, hat

mir dort große Dienste geleistet, indem er mir bei vielen schweren

Transporten von Ausrüstungen und Sammlungen behilflich war.

Mein erster Ausflug von Yacuiba galt den Chanéindianern am Rio Itiyuro.

Diesen werde ich in einem anderen Zusammenhange schildern. Mein zweiter

war nach dem Rio Pilcomayo und den an diesem eigentümlichen Flusse

wohnenden Indianern.

Hier begann der ernste Teil meiner Reise.

Fußnoten:

[1] Ortsnamen, Eigennamen, spanische und indianische Wörter sind in der

Regel der spanischen Aussprache gemäß geschrieben.

[2] Ashluslay: englisches _sh_.

+Zweites Kapitel.+

=Unter den Indianern am Rio Pilcomayo.=

Als ich frühzeitig im Jahre 1902 vom Rio Pilcomayo heimkehrte,

glaubte ich kaum, daß ich jemals wieder dorthin kommen würde. Die

widrigen täglichen Staubstürme machten den Aufenthalt unerträglich.

Anfang Juni 1908 ritt ich gleichwohl wieder durch den großen Wald

zwischen Yacuiba und Crevaux nach dem Rio Pilcomayo. Man vergißt so

leicht die Schwierigkeiten einer Reise. Nach einiger Zeit gedenkt man

ausschließlich der angenehmen Stunden. Nach einer Höflichkeitsvisite

bei den Matacoindianern ging ich bei Crevaux über den Rio Pilcomayo und

reiste durch ein von den Toba bewohntes Gebiet zu den Chorotiindianern,

die etwa 50 km unterhalb Crevaux viele Dörfer besitzen. Hier verweilte

ich vor allem in dem Dörfchen des Chorotihäuptlings „Waldhuhn“. Dort

amüsierte ich mich prächtig; beinahe nackt, nur in Federschmuck

und Brille gekleidet, tanzte ich des Nachts mit den Indianern und

Indianerinnen an den weißschimmernden Sandufern des Rio Pilcomayo.

Fühlten wir uns vom Tanze erhitzt, so tummelten wir uns in dem

brausenden Wasser des Flusses. Wir jagten, sangen, spielten, fischten,

wir rauchten abwechselnd aus derselben Pfeife und langweilten uns

niemals. Einige Besuche machte ich 60-70 km weiter unterhalb des

Flusses bei den Ashluslayindianern, die, durch meine Vorräte von

Messern, Nadeln, Tabak und prächtigen Tüchern angelockt, mich einluden,

sie im Herzen ihres Landes zu besuchen.

Erst ein Jahr später, im Oktober 1909, als meine Wege mich wieder von

Yacuiba nach dem Rio Pilcomayo führten, konnte ich ihre Einladung

annehmen. Es erscheint mir als das Geeignetste, diese beiden Reisen

nach dem Rio Pilcomayo im Zusammenhang zu schildern.

Mit fünf Mann verließ ich am 27. Oktober 1909 den bolivianischen

Militärposten bei Guachalla, 100 Kilometer von Crevaux, und folgte dem

nordöstlichen Ufer des Rio Pilcomayo. Ein Mestize, Flores, begleitete

mich als Dolmetscher. Er sprach ausgezeichnet Choroti und verstand

auch etwas Ashluslay. Jahrelang hatte er unter den Indianern gelebt

und hatte dort auch eine größere Anzahl Frauen. Von den Weißen am Rio

Pilcomayo ist wohl keiner so imstande gewesen, das Indianerleben kennen

zu lernen, wie dieser Mann. Er kennt ihre Sitten und Gebräuche, er

weiß, wie man sich bei einem Indianerfest zu benehmen hat, er kann ihre

Lieder singen, er tanzt wie ein Indianer. Viele Chorotifrauen haben

sich dem Weißen hingegeben. Flores ist der einzige Weiße, der mit einer

solchen Frau ein Kind hat, und die Chorotiindianer betrachten ihn auch

vollständig als zur Familie gehörig. Er ist ihr Freund und Ratgeber und

hat manches Mal die Unterhandlungen zwischen Indianern und Kolonisten

geleitet. Einen vortrefflicheren Dolmetscher konnte ich kaum erhalten.

Unser erstes Nachtlager nach Guachalla hatten wir in einem

Ashluslaydorf. Als ich in das Dorf ritt, waren alle Indianer betrunken.

Unter Jubelrufen führten sie meinen Maulesel zum Festplatz. „Elle is.“

„Der kleine Papagei ist gut“, riefen die Indianer. „Ashluslay is! is!

is! Toba häes! häes!“ „Ashluslay sind gut, Toba schlecht!“ johlte „der

kleine Papagei“, indem er Tabakblätter um sich streute. Man hob mich

vom Maulesel, umarmte mich und berauschte mich mit Algarrobobier. Es

war wild, aber interessant. In dieser Nacht schlief ich vor meinem

Bett, während drei Indianer, in meine Decken eingehüllt, schnarchten.

Wir kamen gut überein, aber der Kommunismus ist anstrengend.

Trotz Freude, Freundschaft, Rausch und Geschenken konnte der

Dolmetscher die Indianer nicht dazu bringen, uns auf ihren Wegen, die

direkt nach dem nördlichen Chaco gehen, in das Herz ihres Landes

zu führen. Alle Versprechungen waren vergessen. Dort gibt es keine

Menschen, dort gibt es kein Wasser auf drei Tagemärschen, sagte

einer, auf zwei, sagte ein anderer, gar keins, sagte ein dritter. Daß

Wassermangel herrschte, war möglicherweise wahr, denn wir befanden uns

am Ende der Trockenzeit. Ich beschloß deshalb, zu warten, und erst nach

den ersten Regentagen, die bald kommen mußten, einen Versuch zu machen,

in das unbekannte Land nördlich vom Pilcomayo einzudringen.

Wir gingen deshalb längs des Rio Pilcomayo weiter und folgten

immer dem nördlichen, d. h. dem bolivianischen Ufer, wo ich mich

leicht orientieren konnte. Zuerst kamen wir durch das Land der

Mataco-Guisnays. Man hatte mir erzählt, daß einer dieser auf der

argentinischen Seite des Flusses wohnenden Indianer den Skalp eines

Ashluslayindianers besitze. Der Dolmetscher und Moberg wurden, mit

allerlei Tauschwaren beladen, vorausgesandt. Ich ging nicht selbst

mit, weil ich wußte, daß ich, wo es sich um einen so interessanten

ethnographischen Gegenstand handelte, nicht gleichgültig und

uninteressiert genug auftreten könne. Als sie in das Dorf kamen, war

dort ein großes Fest, und die Matacos waren betrunken und johlten.

Mitten im Dorfe hing auf einer spiralförmig abgerindeten Stange der mit

roten Taschentüchern und anderen Schmuckgegenständen behängte Skalp.

Moberg und der Dolmetscher taten, als sähen sie nichts. Dem ersteren

wurde Algarrobobier angeboten, dem letzteren zuerst nichts, weil er

für einen Chorotifreund, also Matacofeind, gehalten wurde. Nachdem

sie eine Weile gesessen und geplaudert hatten, tat der Dolmetscher,

als wenn er erst jetzt zufällig den Skalp gesehen hätte und fragte:

„Was ist das dort für ein Waschlappen?“ Der Besitzer begann nun seine

Taten zu rühmen, und der Skalp wurde heruntergenommen und besichtigt.

Sie erzählten ihm, daß seine Heldentaten nun weit und breit unter den

weißen Männern bekannt werden würden, was ihm natürlich schmeichelte.

Nach vielem Hin und Her tauschten sie denselben ein. Erst sollten

jedoch die alten Frauen singen und mit ihnen tanzen.

Wie Friederici[3] nachgewiesen hat, ist das Gebiet in Südamerika, aus

dem Skalpe bekannt sind, kein sehr bedeutendes. Außer dem Chaco ist es

nur ein kleines Gebiet in Guyana. Kopfjäger sind dagegen ein großer

Teil der Indianer Südamerikas. Dies war der erste Skalp aus Südamerika,

der in eine Sammlung gekommen ist.

Nachdem wir mehrere große Matacodörfer, ein Ashluslaydorf und einen

bolivianischen Militärposten passiert hatten, kamen wir nach einem

großen, unbebauten, infolge Streifzüge der Toba-Pilagaindianer

unsicheren Gebiet. Diese Tobas zeichnen sich unter anderem dadurch

aus, daß sie gleich den Chorotis und Ashluslays große Holzklötze in

den durchbohrten Ohrläppchen tragen. Was man auf einem Marsche durch

ein von feindlich gesinnten Indianern bewohntes Gebiet am meisten zu

fürchten hat, ist, daß einem während der Nacht die Reittiere gestohlen

werden. Ungefähr 250 km unterhalb Guachalla kamen wir nach dem

äußersten, erst einige Monate vor Antritt meines Ausflugs angelegten

Militärposten der bolivianischen Regierung.

Dicht bei und einige Meilen von dem Militärposten lagen große, von

Ashlulayindianern bewohnte Dörfer. Wir besuchten den Häuptling Toné in

seinem Dorfe. Dieses hat, wenn alle Indianer versammelt sind, etwa 1000

Einwohner. Mitten auf dem großen, offenen Platze des Dorfes schlugen

wir unser Lager auf und machten es uns richtig gemütlich. Wir waren zu

einer Zeit gekommen, wo die Algarrobofrucht reif war, und Algarrobobier

wurde auf dem Festplatz in großen Quantitäten getrunken. Interessant

war es, das indianische Leben zu sehen, das zu studieren ich hier

reichlich Gelegenheit hatte und späterhin schildern werde. Mehrmals bin

ich bei von den Weißen unabhängig lebenden Indianern gewesen, aber

niemals bei einem so großen und mächtigen Stamme.

[Illustration: Abb. 3. Ashluslayfischer. Rio Pilcomayo.]

Die Ashluslayindianer lagen im Krieg mit den Tobas, und der Krieg

verlief sehr ungünstig für sie. Auf alle Weise suchten sie mich zu

verlocken, für sie Partei zu ergreifen und mit meinen Feuerwaffen eine

gute Hilfstruppe zu bilden. Sie spiegelten mir in beredten Worten vor,

wie wir die Männer skalpieren, Frauen und Kinder zu Gefangenen machen

und eine Menge Pferde stehlen wollten. Das letzte war ihrer Ansicht

nach die beste Lockspeise für den weißen Mann. Ich versprach ihnen,

falls sie während unseres Aufenthaltes überfallen würden, bei der

Verteidigung ihrer Dörfer behilflich zu sein, auf einen Angriff wollte

ich mich aber nicht einlassen. Immer eifriger pochten sie auf eine

Allianz, wozu sie von dem Dolmetscher hinter meinem Rücken ermuntert

wurden. Zuletzt blieb mir nichts anderes übrig, als entweder den

Indianern auf ihrem Anfallskriege zu folgen oder mich davonzumachen.

Einen Augenblick war ich zweifelhaft. Ich wußte, daß ich, falls ich die

Ashluslays zum Siege führte, Herr dieses Landes sei, fürchtete aber

doch die Konsequenzen. Es handelte sich hier darum, sich an die Spitze

eines Einfalls in argentinisches Gebiet zu stellen, und es wäre schön

gewesen, wenn das bekannt geworden wäre. Aus weiter Ferne kamen mehrere

Häuptlinge, unter anderem der alte Mayentén, ein stattlicher Mann, von

einigen seiner besten Krieger umgeben, um mich zu überreden.

Ich begab mich zu dem bolivianischen Militärposten und suchte den

Kommandanten zu einem Eingreifen zu bewegen. Vergebens versuchte ich

ihm zu erklären, daß er, wenn er nicht den Ashluslays gegen die Tobas

helfe, eines schönen Tages, oder richtiger Nachts, mit allen seinen

Soldaten niedergemetzelt werden würde, daß er aber, wenn er ihnen

beistehe, sich und seinem Lande den inneren, noch unerforschten Teil

des nördlichen Chaco eröffne. Er dürfe nicht vergessen, daß es bis zum

nächsten Orte, wo Weiße seien, 150 km sei, und daß die Anzahl derer,

die ihm helfen könnten, nur gering sei. Er trug jedoch Bedenken, einen

in einem fremden Lande wohnenden Stamm anzugreifen, obschon dieser

Stamm unaufhörlich Raubzüge auf bolivianischem Gebiet vornahm. Ich

beschloß deshalb zurückzukehren.

Nach langen Unterhandlungen und sicherlich vielen Lügen gelang es

meinem Dolmetscher, die Indianer zu bewegen, uns einen Wegweiser zu

geben, der uns auf unbekannten Pfaden durch das Innere des nördlichen

Chaco führen sollte.

Die Gegend um das Dorf Tonés besteht aus offenen Ebenen, Sümpfen und

parkähnlichen Wäldern aus Algarrobo. Dieselbe wird stark von Jaguaren

heimgesucht, die sogar die Reittiere verfolgen. Mehrere Pferde und

Maulesel der Soldaten waren zerrissen, trotzdem der Militärposten, wie

erwähnt, nur einige Monate alt war.

Wenige Meilen oberhalb des Dorfes Tonés bildet der Pilcomayo einen

Wasserfall. Das ist der merkwürdigste Fall, den ich je in meinem

Leben gesehen habe. Nicht ein Felsblock, nicht der geringste Stein

hindert das Wasser, sondern es braust zwischen harten Tonbänken dahin.

Nicht weit unterhalb dieses Falles löst sich der Rio Pilcomayo in

gewaltige Sümpfe, die sog. „Esteros del Padre Patiño“ auf, wo unerhörte

Schilfmassen das Weiterkommen jedes Fahrzeugs verhindern. Infolge

dieser Sümpfe ist der Fluß, der sonst für den Verkehr so wichtig sein

könnte, unfahrbar. Im Rio Pilcomayo gibt es unerhörte Massen Fische,

und Tausende Indianer entnehmen dem Flusse einen großen Teil des Jahres

ihre wichtigste Nahrung. In den Sümpfen finden sich eigentümliche

Lungenfische „Lepidosiren“.

Der Rio Pilcomayo ist ein merkwürdiger Fluß. Wenn er die Berge verläßt,

führt er Steine und Kies mit sich, nach dem Inneren des Chaco bringt er

aber nur Schlamm. Während der Trockenzeit trägt der Wind diesen Schlamm

weit umher, und die Tage, wo die Staubmassen über den Chaco wehen,

sind höchst unangenehme. Der Rio Pilcomayo hat, nachdem er die Berge

verlassen hat, bis ins Herz des Chaco hinein keinen einzigen Nebenfluß.

Er hat oft seinen Lauf verändert und sich neue Wege gebrochen. Entfernt

man sich etwas vom Flusse, so trifft man mit Wasser angefüllte Reste

alter Flußbetten, Muschelbänke und große, verräterische Erdhöhlen an.

Am oberen Pilcomayo verlieren die Kolonisten in diesen Höhlen, die

bis zu 10 m tief und zuweilen mit einer dünnen, zerbrechlichen Decke

bekleidet sind, jährlich viele Tiere. Diese Höhlen dürften in der Weise

gebildet sein, daß die gewaltigen Massen Hölzer, die der Fluß mit

sich geführt und aufgehäuft hat, von den Schlammassen bedeckt werden

und dann, wenn der Fluß sich einen neuen Lauf gesucht hat, vermodern.

In den Trockenzeiten wüten in den Wäldern und Gebüschen des Chaco

gewaltige Feuersbrünste. In der Regel zünden die Indianer das Gras und

die Büsche an, um die leckeren Erdratten, die zu den Delikatessen ihrer

Speisekarte gehören, besser finden zu können. In einer Chorotisage ist

von diesen Erdhöhlen und Waldbränden die Rede.

Vor langer Zeit wurde alles von einem großen Feuer verheert, das alle

Chorotis, außer zwei, einem Mann und einer Frau, die sich in eine

Erdhöhle retteten, tötete. Als alles vorüber und das Feuer gelöscht

war, gruben sie sich heraus. Sie hatten kein Feuer. Der schwarze Geier

hatte einen Feuerbrand nach seinem Nest gebracht, dieses war in Brand

geraten, das Feuer hatte sich längs des Baumes verbreitet und kohlte

noch unter dem Stumpfe. Der Geier schenkte nun dem Choroti von diesem

Feuer, und seitdem haben diese Feuer. Von diesem Manne und dieser Frau

stammen alle Chorotis her.[4]

Die Wälder des Chaco sind reich an wilden, eßbaren Früchten. Es gibt

ganze Wälder von Algarrobo[5] und Tusca,[6] ganze Sträucher von

Chañar.[7] Die Schlingpflanze, welche die Tasifrucht trägt, ist sehr

gemein. In wasserarmen Gegenden erhalten die Indianer Wasser aus einer

Wurzel, die von Weißen und Chiriguanos Sipoy genannt wird.

Das Tierleben ist nicht sehr reich. Von größerem Wild sieht man

meistens Rehböcke und Strauße. Der Jaguar ist, wie erwähnt, häufiger.

Den Spuren nach zu urteilen, sind Tapire und Wildschweine nicht

ungewöhnlich. Füchse sieht man ebenfalls zahlreich. Die Gürteltiere

sind gemein. Der aus dem Chaco bekannte windhundähnliche Hund[8] ist

selten. Das Vogelleben ist besonders im Walde arm. Die Flußufer und

Sümpfe sind von einigen Storch- und Entenarten belebt. Eidechsen, auch

die großen Iguanoeidechsen, huschen an warmen Sonnentagen überall

umher. Meilenweise sind die Ebenen mit den für die Reiter so lästigen

Löchern der Erdratten übersät.

Die wilden Tiere im Chaco sind für den mit Feuerwaffen Bewaffneten

nicht sehr gefährlich. Der Jaguar ist der Schrecken der Indianer. Kurz

bevor ich einmal nach einem Matacolager kam, hatte ein Jaguar einen

Indianer von einem Feuer, an dem er mit einigen zwanzig Kameraden

lag und schlief, fortgeschleppt und getötet. Giftige Schlangen,

auch Klapperschlangen, kommen vor, man sieht sie aber selten. In

den Seen darf man nicht baden, und auch in den Flüssen kann dies

gefährlich sein. Am Rio Pilcomayo gibt es kaum einen Indianer, der

nicht zahlreiche Narben von Palometafischen[9] hat.[10] Mit ihren

messerscharfen Zähnen schneiden sie aus dem Körper desjenigen, der

so unvorsichtig ist, da zu baden, wo sie sind, große Fleischstücke

heraus. Einmal wollte Moberg über den Pilcomayo schwimmen. Es war

gegen Ende der Trockenzeit, und das Wasser strömte in einer schmalen,

tiefen Rinne dahin. Ganz mit Blut bedeckt stieg er aus dem Flusse.

Kleine Siluroidfische hatten ihn in Massen überfallen und ihm mit ihren

scharfen, lanzettförmigen Flossen zahlreiche tiefe Wunden zugefügt. Um

sich vor dem Biß der Palometafische zu schützen, wenden die Ashluslay,

wenn sie in Sümpfen waten, aus Caraguatáschnüren[11] dicht geknüpfte

Strümpfe an.

Schön ist es im Chaco nicht. Der Wald entzückt nicht das Auge durch

üppiges Grün, die Palmenwälder und Schilfbüsche ermüden durch ihre

Einförmigkeit, die Seen sind klein und gering an Zahl. Der Rio

Pilcomayo hat hier keine Nebenflüsse. Keine Anhöhe, kein Berg, von wo

man eine Aussicht über das Land hat. Im Innern des Chaco gibt es keinen

Stein, ja kaum ein Kieselkörnchen. Überall besteht der Boden aus Staub

und Schlamm.

Die Regenzeit beginnt im November oder Dezember und endet im April oder

Mai. Macht man eine Reise in diese Gegenden und will nur dem Pilcomayo

folgen, so ist die Trockenzeit die beste Reisezeit. Zur Vornahme von

Ausflügen in den wasserarmen nördlichen Chaco soll man den Anfang der

Regenzeit wählen.

Der Chaco ist gesund. Während meines Aufenthaltes am Rio Pilcomayo

waren weder ich noch meine Begleiter krank, und die weißen Kolonisten

scheinen sich alle einer guten Gesundheit zu erfreuen. Möglicherweise

sind die schrecklichen Staubstürme für Schwachbrüstige auf die Dauer

ungesund.

Wir nahmen nun von unseren Freunden im Dorfe Tonés Abschied und

versprachen ihnen, wiederzukommen. Wer weiß, wann dies geschehen wird?

Vielleicht tanze ich noch einmal mit im Reigen auf dem großen Platz,

vielleicht erheitert mich noch einmal das Algarrobobier, vielleicht

johle ich noch einmal auf den Festen dieser meiner Ashluslayfreunde. Am

besten wäre es vielleicht, wenn ich nicht zurückkehre. Warte ich noch

einige Zeit, so hat sich wahrscheinlich auch hier viel verändert und

verschlechtert und der Besuch bereitet nur eine große Enttäuschung.

Wir verließen mit unserm Wegweiser den Pilcomayo und begaben uns nach

dem nördlichen Chaco. Ich hatte erwartet, wenig bebaute Gegenden zu

finden, sah aber bald meinen Irrtum ein. Gebahnte Wege führten nach

allen Richtungen. Der Wegweiser übergab uns schon nach zwei Tagen,

wir hatten aber das Glück, andere Reisegesellschaft zu finden. Zwei

Ashluslayindianer, denen die Tobas ihre Frauen geraubt und die Kinder

gefangen fortgeführt hatten, waren auf dem Wege zu den Mataco-Guisnay,

um mit ihnen als Zwischenhändlern betreffs der Auslösung ihrer Kinder

aus der Gefangenschaft zu verhandeln. Wir reisten gemeinsam.

Als wir nach den Dörfern kamen, wurden wir mit Tränen und Wehgeschrei

empfangen. Auf diese Weise zeigten die Weiber unsern neuen Freunden

ihre Teilnahme an deren Kummer.[12] Überall wurden wir gut aufgenommen

und durften in den stürmischen, regnerischen Nächten den spärlichen

Raum in den Hütten teilen und uns an den Lagerfeuern erwärmen. Zuweilen

wurden wir auch zu den einfachen und unappetitlichen Mahlzeiten

eingeladen. Alles ging gut und wir waren auf diesen unbekannten,

niedrigen Indianerpfaden, wo man sich in der Regel dicht an den Hals

des Reittieres drücken muß, um nicht von den Zweigen gestreift zu

werden, einen Grad nach dem Chaco zu geritten. Man hatte mir gesagt,

die Gegenden seien aus Mangel an Wasser unbebaut. Dies war keineswegs

richtig, obschon es zuweilen weit zwischen den Tränken war. In der

Regel ist das gefundene Wasser braun und stinkend.

Alles ging, wie gesagt, gut, bis wir zu einem Häuptling namens Chilán

kamen. Als wir durch den dichten Wald, der nach einem Dorfe führte,

ritten, raschelte es überall in den Büschen. Chilán hatte seine Krieger

auspostiert, um uns, falls wir schlechte Absichten hätten, einen warmen

Empfang zu bereiten. Ruhig ritten wir durch den gefährlichen Wald

gerade in das Dorf Chiláns. Mit bösen Blicken und unter einigen weniger

freundlichen Worten an unsere Reisekameraden empfing uns der Alte.

Als Freundschaftsgabe überreichte ich ihm ein Messer, worauf er halb

zögernd den Streitkolben, den er in der Hand hatte, weglegte.

Indianerleben · 第 1 / 21 段