Als die Vögel fort und die letzten Blumen welk waren, kamen die Nebel.

Die gelben Blätter der Linde lösten sich und sanken mit den Tropfen

durch die kühle, graue Luft nieder auf die Ruhestätten der Pflanzen,

Beeren und Gräser. Nach Tagen sahen Sonne und Wind ein buntes, freies

Bild.

»War es einst anders?« fragten sich mit unbeschreiblichem Lächeln die

Pflanzen. »Ist nicht nun alles gut? Wir blühten und trugen Frucht, so

sind unsere Tage vergangen.« Es klang wie Wahrsagungen durch den Sinn

ihrer letzten Worte: »Wir taten, was die Natur wollte, nun nimmt sie

sich unserer an, in ihr kehren wir heim, und wieder zugleich.« Und eine

nach der anderen sank zur Erde nieder, der Mutter. Sie spürten unter dem

feuchten Teppich des Lindenlaubs den kalten Nebel nicht mehr. Die

Geschöpfe dienten einander im Sterben mit ihrem Vergänglichen, wie sie

zu Lebzeiten einander dienstbar und hilfreich gewesen waren. Sie ahnten

noch die kalte, weiße Decke, die der Himmel eines Nachts über ihnen

ausbreitete, es war wie ein schlummernder Glaube, daß eine reine Einfalt

der beste Teil aller Wesen sein sollte und ihre Einigung.

* * * * *

Und nun lebt wohl von Herzen, ihr, die ihr mir gelauscht habt, und

gedenkt meiner. Habe ich euch kleine Dinge groß gezeigt und große

einfach, so glaubt mir, daß alles, was wir erleben, uns nicht größer

erscheinen kann, als unser Herz groß ist, und alle Dinge, die uns

begegnen, sind uns so viel wert, als unsere Liebe zu ihnen uns Glück

bedeutet. Glaubt mir, denn ich weiß es zuversichtlich!

Wir müssen alle das Lächeln wieder lernen, das unseren kurzen

Lebenstagen und ihrem vergänglichen Werk und Schmerz gilt, denn wir

erfahren in unserer Lebenszeit von der Erde und ihrem und unserem Wesen

so wenig, daß wir nicht glauben dürfen, unser irdischer Aufenthalt sei

der Sinn unseres Daseins. Wir sind alle aus der Freude geboren und

kehren zu ihr zurück.

_Ende_

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[Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthält eine

Auflistung aller im elektronischen Buch gegenüber dem Originaltext

vorgenommenen Korrekturen.

S. 004: ist in gleichem Verlag -> im gleichen

S. 059: Da wußte ich, daß mein irdischer Gefühl -> irdisches

S. 065: [Anführungszeichen ergänzt] vom Irdischen abgewandt hat.«

S. 086: das Angesicht der Muttter -> Mutter

S. 095: Onna, die Bach stelze, war schon auf -> Bachstelze

S. 114: sagte der Graeshüpfer -> Grashüpfer

S. 117: auf der Oberfläsche schwamm -> Oberfläche

S. 118: [Punkt ergänzt] um ihn abzutrocknen.

S. 131: bis sie eine Entgeguung darauf -> Entgegnung

S. 151: die letzen Sommerblumen -> letzten

S. 178: [Punkt ergänzt] Kopf fortschleudern wollte.

S. 209: [Anführungszeichen ergänzt] »Goldene Sonne, ein Elfenkind

S. 209: gib mir dein himmliches Gold dafür -> himmlisches

S. 221: [Anführungszeichen korrigiert] 'Es wird alles, alles gut,' etc.

S. 242: die Schatten des Totes -> Todes ]

[Transcriber's Notes: The table below lists all corrections applied to

the original text.

p. 004: ist in gleichem Verlag -> im gleichen

p. 059: Da wußte ich, daß mein irdischer Gefühl -> irdisches

p. 065: [added closing quotes] vom Irdischen abgewandt hat.«

p. 086: das Angesicht der Muttter -> Mutter

p. 095: Onna, die Bach stelze, war schon auf -> Bachstelze

p. 114: sagte der Graeshüpfer -> Grashüpfer

p. 117: auf der Oberfläsche schwamm -> Oberfläche

p. 118: [missing period] um ihn abzutrocknen.

p. 131: bis sie eine Entgeguung darauf -> Entgegnung

p. 151: die letzen Sommerblumen -> letzten

p. 178: [missing period] Kopf fortschleudern wollte.

p. 209: [added opening quotes] »Goldene Sonne, ein Elfenkind

p. 209: gib mir dein himmliches Gold dafür -> himmlisches

p. 221: [use of single quotes] 'Es wird alles, alles gut,' etc.

p. 242: die Schatten des Totes -> Todes ]

Himmelsvolk: Ein Buch von Blumen, Tieren und Gott · 第 12 / 12 段