*die Türkei der kranke Mann*
genannt wird, erklärt sich also: Auf der Münchener Staatsbibl.
(Cod. germ. 4055, S. 148-153) befindet sich ein Lied des Chorherrn
zu Baumburg J. Albert *Poysel*, "Der Türk ist krank", 1683 (von
~Ditfurth~. "Histor. Volksl. von 1648-1746", No. 45, Heilbr. 1877), in
dem es heisst:
Mein Hirn das schwindt, mein Haupt empfindt
Ohnmachten und Hinfallen;
... ... ... ... ...
Mein Alkoran und mein Divan
In schwerer Schwachheit liegen;
Mein g'habte Macht, mein g'führte Pracht
Liegen fast in den Zügen.
No. 47 daselbst (Münchener Staatsbibl., Cod. germ. 4088, S. 117) von
demselben Verfasser ist betitelt:
Suldans Krankheit. 1684.
Der Sultan klagt darin über seine Krankheit, und es wird ihm von zehn
Ärzten über dieselbe Aufklärung erteilt. Schon zu Ende des 17. Jahrh.
hatte Sir ~Thomas Roe~, Botschafter ~Jakobs II.~ in Konstantinopel,
geschrieben, dass das Osmanenreich dem Körper eines alten Mannes
gleiche, der, mit Krankheit bedeckt, den Anschein der Gesundheit
annehme, obwohl sein Ende nahe sei. In ~Montesquieus~ "Lettres
Persanes" (1721), I, Brief 19 heisst es dann: "Ich habe mit Erstaunen
die Schwäche der Osmanen gesehen. Dieser kranke Körper wird nicht durch
eine milde und massige Diät erhalten, sondern durch gewaltsame Mittel,
die ihn unaufhörlich erschöpfen und untergraben" .... und ~Voltaire~
(Correspondance XVI) schrieb an Katharina II.: "Votre Majesté dira que
je suis un malade bien impatient et que les Turcs sont beaucoup plus
malades". Nach H. v. Treitschke ("Deutsche Geschichte im 19. Jahrh."
IV, 331) nannte ~Ancillon~ den Sultan zuerst einen "kranken Mann".
Endlich enthält ein 1854 im englischen Parlamente verteiltes Blaubuch
die Unterredungen von ~Nikolaus I.~ mit dem britischen Gesandten Sir
George ~Hamilton Seymour~ in Petersburg in den Monaten Januar bis
April 1853. Am 14. Januar hatte der Kaiser der Pforte als eines an
Altersschwäche leidenden Kranken erwähnt, der plötzlich unter den
Händen sterben könnte. ~Seymour~ hatte über das Gespräch nach London
an Lord ~Russell~ berichtet. Auf des letzteren Rückäusserung, die
Auflösung des Patienten würde doch vielleicht noch länger, vielleicht
noch hundert Jahre dauern, sagte der Kaiser zum Gesandten am 20.
Februar 1853: "Ich wiederhole Ihnen, dass der Kranke im Sterben
liegt".--
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