Amerika.
*Lynchjustiz* (_Lynch law_),
d.i. "Volksjustiz", schreibt sich von John ~Lynch~ her, welcher gegen
Ende des 16. Jahrhunderts, als die Kolonialgesetze in den Vereinigten
Staaten keinen zuverlässigen Schutz gewährten, von den Bewohnern in
Nordcarolina mit unumschränkter gesetzgeberischer, richterlicher und
vollziehender Gewalt und Macht bekleidet wurde. Man sagt auch für
"Lynchjustiz ausüben" kurzweg
*lynchen.--*
* * * * *
Benjamin *Franklin* (1706-90) antwortete, wenn man sich in Paris bei
ihm nach den Fortschritten der Revolution in Amerika erkundigte:
*Ça ira!*
's wird schon gehen!
Die französische Revolution ergriff das Wort und machte es zu ihrem
Hymnus. In den "Briefen von Friedrich ~Matthisson~" (Zürich 1802, S.
146) meldet der 15. Brief (Nismes, 22. März 1792): "Der allgemeine
Nationalgruss ist jetzt: 'Ça ira!', worauf 'Cela va!' (es geht schon)
erwidert wird".--
Holland.
*Peter Meffert,*
ein Name, den man gebraucht, um einen spürnasigen, ausplaudernden,
eitlen Hans in allen Gassen zu bezeichnen, ist nach Dr. Gustav
~Schwetschkes~ "Geschichte des L'Hombre" (Halle 1863, S. 26) der
Name des im 17. Jahrh. renommierten Spielkartenfabrikanten Pieter
~Mefferdt~ in Amsterdam. In Johann ~Laurembergs~ 4. Scherzgedicht
"Von altmodischer Poesie und Reimen" (V. 348, Hafn. 1648) wird die
Spielkarte daher scherzweise "Peter Mefferts Boek" genannt.
In den wertvollen Sammlungen des Herrn ~von Berlepsch~ in
Gross-Stöckheim bei Wolfenbüttel befand sich ein gedruckter
Spielkarten-Umschlag, auf welchem der Nachfolger Peter Mefferts
den Ruhm seines Vorgängers verkündet. So hat auch ~Boiteau~ in den
"Cartes à jouer", S. 114 die Abbildung eines Treffbuben (Carte
des Flandres, 17. siécle) mit der Zettelschrift PIETER MEFFERDS.
~Lappenberg~ in seiner Ausg. Johann Laurembergs, Stuttgart 1861,
bemerkt: "Peter Meffert heft Waaren feil, ist eine scherzhafte
Redensart zu Lübeck". Bald wurde Peter Meffert eine allgemeine
Bezeichnung. In Christian ~Weises~ 1680 am 6. März in Zittau
aufgeführtem "Lustspiel von einer zweifachen Poetenzunft" wird Peter
Meffert als Primus einer Schule genannt. Im "Leipziger Musenalmanach
aufs Jahr 1777", S. 45, heisst es in dem J. W. G. (Goethe?)
unterzeichneten Epigramm "Auf einem gewissen Horcher im Parterr."
1769:
Schreib! um der Welt nichts zu verschweigen,
Darfst du nur Mefferts Jünger seyn,
Von allen seinen Schmierereyn,
Ist auch das Schlechtste nur sein eigen."
Das 39. Gedicht in dem seltenen Buche ~Gleims~ "Sinngedichte"
(auf der Gleim-Bibliothek in Halberstadt) trägt den Titel: "Peter
Meffert. Nach dem Italiänischen des Paolo Rolli" und beginnt: "Was
will nicht alles Peter Meffert seyn?" (Rollis "Rime" erschienen
1717.) Dasselbe Gedicht steht auch bei ~Klotz~ ("Deutsche Bibliothek
der schönen Wissenschaften" Bd. 4, Str. 13, Halle 1770) in einer
Kritik des obengenannten Gleimschen Buches. ~Wieland~ beklagte
sich in einem Briefe an Gleim vom 9. Mai 1770 ("Ausgew. Briefe von
Wieland" II, S. 365), dieser habe sein Amadis-Manuscript einem "Peter
Meffert" gezeigt, einem "homunculus", der "poetisches Almosen" zu
Musenalmanachen zusammenbettele und aus dem Zusammenhang gerissene
Stellen "allenthalben wieder vorweise". J. G. ~Jakobi~ schrieb an
Gleim (s. dessen Nachlass zu Halberstadt) am 20. Okt. 1775: "die
Peter Mefferts haben, wie der leidige Teufel, überall ihr Spiel. Wir
aber singen fort und lieben uns".--
* * * * *
Klassiker-Ausgaben, welche durch wörtliche Übersetzung des Textes der
Denkträgheit des Lernenden frönen, werden als Ausgaben
*ad modum Minellii*
in Minellis Art
bezeichnet nach dem Rektor der Erasmus-Schule in Rotterdam Jan
~Minelli~ († 1683), der sich zuerst darin hervorthat.--
* * * * *
*Blue-stocking,*
*Bas bleu,*
*Blaustrumpf,*
d.h. eine Dame, die sich unter Vernachlässigung ihrer Häuslichkeit in
unerfreulicher Weise wissenschaftlich hervorthut, hatte ursprünglich
keineswegs die missbilligende Nebenbedeutung, die wir dem Ausdrucke
jetzt beilegen, und bezeichnete in der Mehrheit nur Gesellschaften,
in denen Kartenspiel verpönt und deren Hauptzweck geistvolle
Unterhaltung war. Die Bildung solcher Gesellschaften schreibt man
gewöhnlich den drei Damen: Lady ~Montague~, Frau ~Vesey~ und Frau
~Ord~ zu. In diesen Gesellschaften zeichnete sich durch Anmut in der
Unterhaltung der Gelehrte ~Stillingfleet~ († 1771) aus, der im
Anzuge vernachlässigt, in blauen Kniestrümpfen erschien. Das soll den
holländischen Admiral *Boscawen* veranlasst haben, diese Versammlungen
"Blaustrumpfgesellschaften" zu nennen, um damit zu bezeichnen, dass in
ihnen nur geistige Begabung, nicht der glänzende Anzug den Ausschlag
gab.
vrgl. ~Boswell~ "Leben Johnsons", 72. Lebensjahr und das Vorwort zu
Miss ~Hannah Mores~ Gedicht "Der Bas bleu oder Konversation". Nach
~Doran~ ("Eine Dame des vorigen Jahrhunderts", Kap. 11, London 1873)
werden Herrn Stillingfleets blaue Strümpfe zum ersten Mal in einem
Briefe der Lady Montague vom Jahre 1757 erwähnt.--
England.