(eigentlich: "ohne Zorn und ohne Vorliebe", d.h. "ohne Parteilichkeit",
"vorurteilsfrei") zu schreiben, wobei ihm der ~Sallust~ische Satz (51,
13) vorschweben mochte: "in maxuma fortuna minuma licentia est; neque
studere, neque odisse, sed minume irasci decet" ("In der höchsten
Glückslage liegt die geringste Freiheit; man soll da weder Vorliebe,
noch Hass zeigen, am allerwenigsten aber Zorn").-- "Annalen" 1, 7 steht:
*ruere in servitium,*
sie stürzen sich in die Knechtschaft.--
*Durch seine Abwesenheit glänzen*
ist ein Taciteïscher Edelstein in Chénierscher Fassung. ~Tacitus~
erzählt ("Annalen", B. 3, letztes Kap.), dass, als unter der Regierung
des Tiberius Iunia, die Frau des Cassius und Schwester des Brutus,
starb, sie mit allen Ehren bestattet ward; nach römischer Sitte wurden
dem Leichenzuge die Bilder der Vorfahren vorangetragen;
"aber Cassius und Brutus leuchteten gerade dadurch hervor,
dass man ihre Bildnisse ~nicht~ sah";
"~sed praefulgebant~ Cassius atque Brutus, eo ipso, ~quod~
effigies eorum ~non visebantur~".
Daraus machte J. ~Chénier~ in der Tragödie "Tibère", 1, 1:
Cnéius: Devant l'urne funèbre on portait ses aïeux:
Entre tous les héros qui, présents à nos yeux,
Provoquaient la douleur et la reconnaissance,
Brutus et Cassius *brillaient par leur absence.*
(Dem Aschenkruge voraus trug man die Bildnisse ihrer Vorfahren. Unter
allen den Helden, die unsern Schmerz und unsere Dankbarkeit weckten,
glänzten Brutus und Cassius durch ihre Abwesenheit.)--
* * * * *
Der jüngere *Plinius* (62-113 n. Chr.) teilt uns in Ep. VII, 9 mit:
Aiunt multum legendum esse, non multa.
*multum, non multa,*
Vieles, nicht vielerlei,
hat hierin seinen Ursprung, ebenso wie
*non multa, sed multum.*
Plinius meint wahrscheinlich die Stelle im ~Quintilian~ X, 1, 59:
"multa magis quam multorum lectione formanda mens" ("der Geist ist
mehr durch viele als durch vielerlei Lektüre zu bilden"), vrgl. auch
"schrecklich viel gelesen haben".--
Ep. VIII, 9 bietet "~illud iners quidem, iucundum tamen nil agere~"
("das zwar unerspriessliche, aber angenehme Nichtsthun"), was wir in
italienischer Form also citieren:
*il dolce far niente.*
Das süsse Nichtsthun.
Übrigens sagte bereits ~Cicero~ ("de oratore" II, 24): "Nihil agere ...
delectat", "Nichts thun ist angenehm": und wer weiss, wie Viele schon
vor ihm diese Bemerkung machten?--
* * * * *
*Tres faciunt collegium,*
Drei machen ein Kollegium aus,
ist ein "Digesten" 87, "de verborum significatione" 50, 16 in der
Form: "*Neratius Priscus* tres facere existimat collegium--" (Neratius
Priscus meint, dass drei ein Kollegium ausmachen) vorkommender
Rechtsspruch, welcher die Bedeutung hat, dass wenigstens drei Personen
da sein müssen, um die Grundlage einer Art der juristischen Person,
einen Verein zu bilden. (Priscus lebte um 100 n. Chr.) Im gewöhnlichen
Leben besagt der Spruch, dass wenigstens drei Studenten im Auditorium
sein müssen, wenn der Professor lesen soll, oder dass ein Trinkgelage
zu Dreien bereits behaglich ist.--
*Ultra posse nemo obligatur*