Das reizbare Geschlecht der Dichter.--

Aus der "Kunst zu dichten" des ~Horaz~ entlehnen wir dem Verse 4 (mit

leichter Umwandlung) den Vergleich für eine unharmonische Dichtung:

*Desinit in piscem mulier formosa superne;*

In einen Fischschwanz endet das oberhalb prachtvolle Weibsbild;

aus Vers 5:

*Risum teneatis, amici?*

Würdet Ihr, Freunde, Euch da des Lachens erwehren?

Vers 9 u. 10:

*Pictoribus atque poëtis

Quidlibet audendi semper fuit aequa potestas,*

Maler und Dichter, erlaubt war stets euch jegliches Wagstück;

Vers 11:

*Hanc veniam petimusque damusque vicissim;*

Diese Vergünstigung fordern wir selbst und gewähren sie Ander'n;

als Citat wird dies ganz allgemein von gegenseitigen Diensten

gebraucht; ~Horaz~ bezieht es auf die dichterischen Freiheiten, die

er andern Poeten gestatten und sich selbst erlaubt wissen will;

aus Vers 19:

*non erat his locus;*

Das war hier nicht am Platze;

aus Vers 25 u. 26:

*Brevis esse laboro obscurus fio;*

Ich bemühe mich kurz zu sein und werde dunkel;

aus Vers 39 u. 40:

*Versate diu, quid ferre recusent,

Quid valeant humeri;*

Überleget euch lang', was die Schultern verweigern,

Was sie zu tragen vermögen;

Vers 78:

(_Grammatici certant, et_) *adhuc sub iudice lis est,*

Da sind die Forscher nicht eins, und der Streit hängt noch

vor dem Richter,

woraus das übliche Scherzwort entsprungen sein mag:

*Darüber sind die Gelehrten noch nicht einig;*

aus Vers 97:

*sesquipedalia verba*

ellenlange Wörter.--

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 336 / 438 题