Aus 1, 149; 1, 205; 2, 287 wird citiert:
*De nihilo nihil,*
*Aus Nichts wird Nichts,*
was ~Persius~ ("Satiren" 3, 84) wiederholt. ~Lucretius~ hatte seine
Ansicht aus ~Epikur~ entlehnt, der (nach Diog. Laërtius 10, n. 24,
38) an die Spitze seiner Physik den Grundsatz stellte: "οὐδὲν γίνεται
ἐκ τοῦ μὴ ὄντος", "Nichts wird aus dem Nichtseienden". Vor Epikur
hatte schon ~Melissus~ gesagt, dass aus Nichtseiendem nichts
werden kann (~Überweg~ "Geschichte der Philosophie des Altertums", 1,
S. 63), wie auch ~Empedokles~ die Ansicht bekämpft, dass Etwas, was
vorher nicht war, entstehen könne (ebenda 1, S. 66). ~Aristoteles~
("Physik" 1, 4) sagt, ~Anaxagoras~ habe die übliche Ansicht der
Philosophen für wahr gehalten, dass aus dem Nichtseienden Nichts
entstünde ("οὐ γινομένου οὐδενὸς ἐκ τοῦ μὴ ὄντος"). In ~Mark
Aurels~ (121-180 n. Chr.) "Selbstbetrachtungen" 4, 4 heisst es: "denn
von Nichts kommt Nichts, so wenig als Etwas in das Nichts übergeht".--
Aus 2, 1 und 1 ist berühmt:
*Suave, mari magno, turbantibus aequora ventis,
E terra magnum alterius spectare laborem.*
Bei der gewaltigsten See, bei Wogen aufwühlenden Winden
Anderer grosses Bemüh'n vom Land aus seh'n, ist behaglich.--
* * * * *
Aus *Sallust*s (86-35 v. Chr.) "Jugurtha" 10 ist:
*concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur.*
Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das
Grösste.--
* * * * *
Aus dem 187. Spruch des *Publilius Syrus* (bl. um 50 v. Chr.):
Heredis fletus sub persona risus est,
Das Weinen des Erben ist ein maskiertes Lachen,
oder aus den sogenannten "Varronischen Sentenzen" (12): "sic flet
heres, ut puella nupta viro; utriusque fletus non apparens risus",
"Ein Erbe weint wie eine Braut; Beider Weinen ist heimliches Lachen"
(vrgl. auch Horaz "Sat." 2, 5, 100-104)
scheint:
*Lachende Erben*
hervorgegangen zu sein. Schon 1622 kommt in Baden ein "Lacherbengeld"
vor (vrgl. Rau: "Grundsätze der Finanzwissenschaft", 5. Ausgabe 1864;
§ 237, S. 371 Anm. a) und Friedrich ~von Logau~ schreibt (Salomons
von Golau Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend. Breslau. In Verlegung
Caspar Klossmanns. 1654, jedoch ohne Jahresangabe erschienen. Zweite
"Zugabe" zum 3. Tausend "unter wehrendem Druck eingetroffen" No. 78 u.
79):
"Lachende Erben".
"Wann Erben reicher Leute die Augen wässrig machen
Sind solcher Leute Thränen nur Thränen von dem Lachen."
\*/*\*/
"Die Römer brauchten Weiber, die weinten für das Geld;
Obs nicht mit manchem Erben sich ebenso verhält?"
Dann heisst es in ~Othos~ "Evangelischem Krankentrost" (1664), S. 1034:
"Freu' dich, liebes Mütlein; traure, schwarzes Hütlein, heisst's bei
lachenden Erben".--
Die 245. Sentenz des ~Publilius Syrus~: