My better half

_meine_ *bessere Hälfte.--*

* * * * *

In englischer Sprache citieren wir:

*My house is my castle,*

Mein Haus ist meine Burg,

die Umformung eines Rechtsspruches bei Sir Edward *Coke* (1551-1633),

der ("Institutes", T. 3, R. 162, Abschnitt "Gegen das Bewaffnetgehen")

den Satz "Es darf Jemand Freund und Nachbarn versammeln, um sein Haus

gegen Diejenigen zu verteidigen, welche ihn berauben oder töten oder

ihm darin Gewalt anthun wollen", also begründet:

For a man's house is his castle.

Denn eines Mannes Haus ist seine Veste.

Er sagt ferner in "Semaynes Case" (5, Report 91): "Das Haus eines

Jeglichen ist ihm gleich wie seine Burg und seine Veste, sowohl zu

seiner Verteidigung gegen Beleidigung und Gewalt wie zu seiner Ruhe".

Doch hätten wir es kaum nötig, diesen alten Rechtsspruch englisch zu

citieren, da er im Haimburger Stadtrecht von 1244 deutsch lautet: "Wir

wollen auch, daz einem jegeleichen purger sein Haus seine Veste sei".

(~Osenbrüggen~ "Der Hausfrieden", Erlangen 1857, S. 3 und 4.)--

* * * * *

~Francis~ *Bacon* (1561-1626) veröffentlichte "Essayes. Religious

Meditations. Plaies of perswasion and disswasion". (Scene and allowed.

Print. f. H. Hooper. Chancery Lane. 1597.) Der besondere Titel der

zweiten, auf dem Gesamttitel als "Religious Meditations" bezeichneten

Abteilung lautet: "Meditationes sacrae". (Londini. Excud. Joh. Windel.)

Nur diese "Meditationes sacrae" erschienen hier in lateinischer

Sprache, und in deren 11. Artikel "De Haeresibus" steht die Stelle:

"nam et ipsa scientia potestas est" (denn die Wissenschaft selbst ist

Macht). 1598 wurde dieser Sammelband bei demselben Verleger wieder

abgedruckt, nur dass in dieser Ausgabe die "Religious meditations"

auch englisch erschienen; hier im 11. Artikel "Of Heresies" ist Obiges

übersetzt: for (denn)

*knowledge* (_itself_) *is power,*

*Wissenschaft* (_selbst_) *ist Macht.*

Im "novum organum" 1, 3 (vrgl. 2, 1 u. 3) begründet es Bacon also:

"scientia et potentia humana in idem coincidunt, quia ignoratio

causae destituit effectum" (Der Menschen Wissen und Macht fällt in

Eins zusammen, weil Unkenntnis jeden Erfolg vereitelt).--

* * * * *

*Shakespeare* (1564-1616), der hier nach der sogenannten

~Schlegel-Tieck~schen Übersetzung citiert wird, in der jedoch dreizehn

Dramen von Wolf Graf ~Baudissin~ bearbeitet sind, bietet im "Hamlet" 1,

2:

*Schwachheit, dein Nam' ist Weib!*

*Frailty, thy name is woman!*

Vordem übersetzte ~Wieland~:

*Gebrechlichkeit, dein Nam' ist Weib!*

~Raupach~ ("Die Schleichhändler", Akt 2 geg. Ende) bildete daraus die

Travestie:

*O Verstellung, dein Name ist Kieckebusch!--*

Im "Hamlet" 1, 2 heisst es ferner:

*Er war ein Mann, nehmt Alles nur in Allem,

Ich werde nimmer seines Gleichen seh'n,*

*He was a man, take him for all in all,

I shall not look upon his like again,*

wie auch Antonius vom Brutus im "Cäsar", 5, 5 sagt:

*Dies war ein Mann;*

*This was a man!*

"Hamlet" 1, 4 steht:

(_Du kommst in_) *so fragwürdiger Gestalt,*

(_Thou com'st in_) *such a questionable shape,*

*Etwas ist faul im Staate Dänemark;*

*Something is rotten in the state of Denmark;*

1, 5:

(_But soft! methinks,_) *I scent the morning air,*

(_Doch still! mich dünkt_) *ich witt're Morgenluft,*

(was in ~Bürgers~ "Lenore", Str. 28 wiederholt wird);

*Es giebt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,

Als eure Schulweisheit sich träumen lässt;*

*There are more things in heaven and earth, Horatio,

Than are dreamt of in our philosophy;*

*Die Zeit ist aus den Fugen,*

*The time is out of joint.*

"Hamlet" 2, 2 steht:

*Kürze ist des Witzes Seele,*

*Brevity is the soul of wit;*

auch hört man die Übersetzung: "Kürze ist des Witzes Würze";

*Mehr Inhalt, wen'ger Kunst;*

*More matter, with less art;*

*Zweifle an der Sonne Klarheit,

Zweifle an der Sterne Licht,

Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit,

Nur an meiner Liebe nicht;*

*Doubt thou, the stars are fire,

Doubt that the sun doth move;

Doubt truth to be a liar;

But never doubt, I love;*

*Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode;*

*Though this be madness, yet there is method in it;*

*Kaviar für das Volk;*

*Caviare to the general;*

*Behandelt jeden Menschen nach seinem Verdienst, und wer ist vor

Schlägen sicher?*

*Use every man after his desert, and who should 'scape whipping?*

*Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr,

Dass er um sie soll weinen?*

*What's Hecuba to him, or he to Hecuba,

That he should weep for her?*

In ~Homers~ "Iliade" (6, 449 ff.) sagt Hektor zu Andromache, dass ihn

sogar der Hekuba, seiner Mutter, künftiges Leid minder bekümmere, als

ihres, der Gattin.

Aus Hamlets Monolog in 3, 1 ist:

*Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.*

*To be or not to be, that is the question.*

(_s' ist_) *ein Ziel

Aufs innigste zu wünschen* (_näml. der Todesschlaf_).

*'tis a consummation

Devoutly to be wish'd;*

*Der angebor'nen Farbe der Entschliessung

Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;*

*And thus the native hue of resolution

Is sicklied o'er with the pale cast of thought.*

Das Wort Hamlets ebenda:

Get thee to a nunnery,

Geh' in ein Kloster,

wird bei uns in der Form citiert:

*Geh' in's Kloster,*

so von ~Heine~ in den "Romancero"-Gedichten: "Die alte Rose" und "Der

Exnachtwächter".--

Ferner enthält diese Scene Ophelias:

*O welch' ein edler Geist ist hier zerstört!*

*O what a noble mind is here o'erthrown!*

Aus 5, 1 ist Hamlets Ausruf:

*Ach, armer Yorick!*

*Alas, poor Yorick!*

Lorenz ~Sterne~ veröffentlichte seine "Predigten" (London 1760

und 1766) unter dem Namen Yorick, womit er sich keine geringe

Schmeichelei sagte, da Hamlett den Yorick, des Königs Spassmacher, 5,

1 einen "Burschen von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten

Einfällen" nennt. Auch ~Sternes~ "Sentimentale Reise" erschien nach

seinem Tode (1768) unter dem Namen Yorick.--

Aus 5, 2 werden Hamlets letzte Worte citiert:

*Der Rest ist Schweigen.*

*The rest is silence.--*

* * * * *

Aus dem 1. Teile von ~Shakespeares~ "König Heinrich IV." wird der

Beiname Heinrich Percys,

*Hotspur, Heisssporn*

auf einen heissblütigen, ritterlichen Jüngling angewendet. 2, 4 bietet

die Worte des Kellners Franz:

*Gleich, Herr, gleich!*

*Anon, Sir, anon!*

und die drei Worte des Falstaff:

*So lag ich, und so führt'*(_e_) *ich meine Klinge,*

*Here I lay, and thus, I bore my point;*

(_Wenn Gründe_) *so gemein wie Brombeeren* (_wären_),

(_If reasons were_) *as plenty as blackberries;*

*Hol' die Pest Kummer und Seufzen! Es bläst einen Menschen auf,

wie einen Schlauch,*

*A plague of sighing and grief; it blows a man up like a bladder.*

Auch fordert Falstaff dort mehrfach "a cup of sack", "ein Glas Sekt",

worunter ein südlicher Wein zu verstehen ist. Das Wort

*Sekt* (_oder Sect_)

soll zuerst in Berlin und bald in ganz Deutschland die Bedeutung

"Champagner" dadurch bekommen haben, dass sich Ludwig ~Devrient~,

die Rolle des Falstaff weiter spielend, in der Weinstube von Lutter

und Wegener in Berlin (Charlottenstr. 49) also sein schäumendes

Lieblingsgetränk zu bestellen pflegte.

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 203 / 438 题