*Rhadamanth*
nach dem "Ῥαδάμανθυς", von dem es in ~Apollodors~
"Bibliothek" (III, 1, 2) heisst, dass er "im Hades mit Minos Recht
spreche" ("ἐν ᾅδου μετὰ Μίνωος δικάζει"), welche beiden
Brüder ~Cicero~ ("Tusc." 1, 5, 10) "die unerbittlichen Richter" und
("Tusc." 1, 41, 98), zusammen mit Aeacus und Triptolemus "die einzig
wahren Richter" nennt. ~Vergil~ ("Aen." 6, 566) erwähnt hingegen allein
des Rhadamanth "überaus hartes Regiment" ("durissima regna"), mit dem
er Geständnisse auspresse, und ~Claudian~ (5, 478 ff.) nennt ihn im
Gegensatz zu Minos "den gestrengen Bruder" ("rigidum fratrem"), der
die Sünder zur Strafe mit wilden Tieren zusammenkoppele; während er
bei ~Homer~ noch als der "gottgleiche, blonde Sohn des Zeus und der
Europa nach Euböa reist und im Elysium weilt" ("Il." 14, 322; "Od."
4, 564; 7, 322) und ~Pindar~ ("Pyth." 2, 133) nur andeutet, dass er
"den Täuschungen abhold" sei ("οὐδ' ἀπάταισι θυμὸν τέρπετα ἔνδοθεν").--
* * * * *
~Diodor~ (um d. Mitte d. 1. Jahrh. v. Chr.) erzählt uns zuerst (Buch
4), dass Prokrustes in Attika die des Weges Kommenden auf ein Bett
legte, nach dessen Länge er die zu Kleinen reckte und die zu Grossen
kürzte. So wurde uns das
*Prokrustesbett*
ein Bild für jegliche Art gewaltsamen Ausdehnens oder Abkürzens.--
* * * * *
In demselben Buche ~Diodors~ wird uns, wie in der Apollodorischen
"Bibliothek" (2, 55), als eine Kraftleistung des Herkules berichtet,
dass er des Augias, Königs von Elis, seit vielen Jahren nicht
gesäuberten Rinderstall in einem Tage von Dung befreite, indem er zwei
Flüsse hindurchleitete. Daher reden wir, wenn es gilt, massenhaft
angehäufte Missstände zu durchbrechen und zu beseitigen, mit ~Lucian~
(Alex. 1: "Τὴν Αὐγείου βουστασίαν ἀνακαθήρασθαι") und mit
~Seneca~ (Apoc. 7: "cloacas Augeae purgare"), von einem
*Augiasstall,*
dessen Reinigung
*herkulische Kraft*
erfordere, und sprechen, mehr im Hinblick auf diese als auf die anderen
elf Arbeiten jenes Halbgottes, von einer
*Herkulesarbeit.--*
* * * * *