*Glaube, Hoffnung, Liebe*
wird gewöhnlich in der Form:
*Glaube, Liebe, Hoffnung*
citiert (vrgl. 1. Thessalonicher 1, 3; 5, 8).--
Nach 1. Kor. 14, 9 sagen wir:
*In den Wind reden* (_oder_ *sprechen,* _oder_ *schwatzen).--*
Es heisst 1. Kor. 14, 34:
Mulieres in ecclesiis taceant,
Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeine,
was mit Umänderung in die Einzahl so citiert wird:
*Mulier taceat in ecclesia*
(vrgl. 1. Timoth. 2, 12). Eine Gnome ~Menanders~ (s. Meineke: "Fragm.
Com. Graec." 4, 347) lautet schon: Ἱστοὶ γυναικῶν ἔργα, κοὐκ ἐκκλησίαι
(Webstühle sind Frauenwerk, Gemeindeversammlungen nicht).--
Nach 1. Kor. 15, 33: "Böse Geschwätze verderben gute Sitten", oder wie
~Bunsen~ übersetzt: "Schlechter Umgang verdirbt (besser: "verderbt")
gute Sitten", sagen wir:
*Böse Beispiele verderben gute Sitten,*
(*Φθείρουσιν ἤθη χρήσθ' ὁμιλίαι κακαί*),
~Hausrath~ ("Neutestamentliche Zeitgeschichte", II, S. 398) sagt
darüber etwas schulmeisternd:
"So sehr ~Paulus~ die Citate liebte, die aus den griechischen
Schriftstellern sind sparsam und bestehen ausschliesslich aus
allgemeinen, sprichwörtlich gewordenen Citaten griechischer Dichter.
1. Kor. 15, 33 recitiert Paulus einen iambischen Trimeter aus
der "Thaïs" des Menander (Menander, ed. Meineke, S. 75); aber er
verfehlt das Versmass und lässt sich einen üblen Hiatus zu Schulden
kommen, der nur zu deutlich verrät, wie sein Ohr an den Wohlklang
griechischer Prosodie nicht gewöhnt ist. Der Spruch selbst aber:
"schlechter Umgang verdirbt gute Sitten", ist ein hellenischer
Gemeinplatz, den niemand aus Büchern lernte. Vielmehr hat sich Paulus
denselben wohl gelegentlich auf der Strasse aufgelesen, wie den
unmittelbar vorhergehenden Satz seines Briefes: "Lasset uns essen
und trinken, denn morgen sind wir tot", den er auf dem Sockel der
Sandansäule des benachbarten Anchiale gesehen haben dürfte".
vrgl. Weisheit Salomos 4, 12: "Denn die bösen Exempel verführen und
verderben einem das Gute".--