*Lockvogel*
findet sich zuerst bei Jeremias 5, 27: "ihre Häuser sind voller Tücke,
wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist"; und bei Sirach 11, 81: "Ein
falsch Herz ist wie ein Lockvogel auf dem Kloben und lauert, wie er
dich fangen möge", (vrgl. auch: Lockspitzel.)--
Jeremias 7, 11: "Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen
genannt ist, für eine Mördergrube?" citiert Matth. 21, 13 (vrgl. Luk.
19, 46) in der Form: "Mein Haus soll ein Bethaus heissen. Ihr aber habt
eine Mördergrube daraus gemacht", und wir citieren danach ganz ungenau,
wenn wir statt "aus jemandes Hause ..." sagen:
*Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.--*
Jeremias 12, 13 (vrgl. Sirach 11, 11) heisst es von den Gottlosen:
"sie lassen es ihnen [= sich] sauer werden, aber sie werden es nicht
geniessen", daher wir sagen:
*Es sich* _oder_ *Sich's sauer werden lassen.--*
Auf Jeremias 13, 23: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein
Parder seine Flecken?" beruht:
*Mohrenwäsche, einen Mohren weiss waschen.*
Die Griechen sagten sprichwörtlich: "Einen Aethiopier abreiben". (S.
~Aesop~, Fab. 13 rec. v. Halm, ~Lucian~ "An den Ungebildeten", 28 und
~Zonaras~ 15, 4.)--
"Gnade und Barmherzigkeit" findet sich sehr oft in der Schrift; aber
*ohne Gnade und Barmherzigkeit,*
wie wir zu sagen pflegen, beruht wohl auf Jeremias 16, 5: "... ich
habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, spricht der Herr,
samt meiner Gnade und Barmherzigkeit", wobei dann noch vorschweben mag
Psalm 56, 8: "Gott stosse solche Leute ohne alle Gnade hinunter" oder
Psalm 59, 14: "Vertilge sie ohne alle Gnade" und 2 Macc. 5, 12: "Und
hiess die Kriegsknechte erschlagen ohne alle Barmherzigkeit" oder Ebr.
10, 28: "Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muss sterben ohne
Barmherzigkeit".--
Jeremias 26, 23 lesen wir, dass Jojakim des hingerichteten Uria
"Leichnam unter dem
*gemeinen Pöbel.*
begraben" liess.--
Jeremias 31, 34 spricht der Herr: "ich will ihnen ihre Missethat
vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken", danach wir sagen:
*vergeben und vergessen.--*
Jeremias 32, 7-8 steht geschrieben: "Du hast das nächste Freundrecht
dazu, ... denn du hast Erbrecht dazu und du bist der Nächste". Daraus
stammt das vielcitierte Lieblingswort der Frau Pastorin in Fritz
~Reuters~ "Ut mine Stromtid" (1862-64):
*Ich bin die Nächste dazu.--*
Jeremias 32, 34 steht:
*versiegelt und verbrieft.--*
Nach Jeremias 33, 8: "Er hält weder Treue noch Glauben" sagen wir:
*Treue und Glauben halten.--*
Jeremias 50, 43 (s. Hesekiel 30, 16) heisst es vom Könige zu Babel:
"ihm wird so
*angst und bange werden,*
wie einer Frau .......". Nach Sirach 4, 19 sagen wir:
*angst und bange machen,*
("bange und angst" steht 1. Maccab. 13, 2).--
Nach Jeremias 51, 6: "Fliehet aus Babel, damit ein jeglicher seine
Seele errette ...", 51, 9: "Wir heilen Babel, aber sie will nicht heil
werden ...", 51, 24: "ich will Babel vergelten alle ihre Bosheit,
die sie an Zion begangen ..." 51, 25: "Siehe, ich will an Dich, du
schädlicher Berg ..." und nach anderen Bibelstellen dient
*Babel*
uns zur Bezeichnung einer sündhaften Grossstadt. Wer bildete danach das
für Paris übliche Wort:
*Seinebabel?--*
Aus Jeremias 51, 39 (s. auch 57) entnehmen wir:
*Den ewigen Schlaf schlafen,*
denn es heisst dort: "Ich will sie ... trunken machen, dass sie
fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie
nimmermehr aufwachen sollen, spricht der Herr".--
* * * * *
Nach *"Klaglieder Jeremiae"* bilden wir:
*Jeremiade.--*
Aus 2, 11 (vrgl. Baruch 2, 18) entnehmen wir:
*sich die Augen ausweinen.--*
2, 12 (vrgl. Apostelg. 5, 5 und 10; 12, 23) bringt uns die übliche
Wendung für "sterben":
*Den Geist aufgeben.--*
3, 41: "Levemus corda nostra cum manibus ad Dominum in coelos" "Lasst
uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel" scheint die
Quelle des
*Sursum corda!*
empor die Herzen!
zu sein, womit der katholische Priester die "Praefatio", den Lobgesang
beginnt, welcher den "Canon missae", die Einsegnung des Brotes und
Weines, einleitet. Die Gemeinde respondiert dann: "habemus ad Dominum"
"wir haben sie zum Herrn (emporgerichtet)". Schon Cyprian, der
Kirchenvater (3. Jahrh.), erwähnt diesen Brauch ("De dominica oratione"
"Über das Gebet des Herrn", 31).--
* * * * *
*Hesekiel* 3, 19 (vrgl. 33, 9) lautet: "Wo du aber den Gottlosen
warnest und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege:
so wird er um seiner Sünde willen sterben; aber du hast eine Seele
errettet". Daher rührt unser:
*dixi et salvavi animam meam,*
Ich habe gesprochen (d.h. gewarnt) und meine Seele gerettet (d.h. mein
Gewissen beruhigt).--
Hesekiel 17, 21 steht:
*In alle Winde zerstreut.--*
Hesekiel 17, 24 u. 21, 26 (vrgl. Sprüche Sal. 29, 23; Xenophon
"Anabasis" 6, 3; Luk. 14, 11 u. 18, 14) citieren wir mit Matth. 23, 12
in dieser Form:
*Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget, und wer sich selbst
erniedriget, der wird erhöhet.--*
Hesekiel 33, 14. 16. 19; 45, 9 entnehmen wir:
*Thun was recht und gut ist.--*
* * * * *
Auf Nebucadnezars Traum im *Daniel* 2, 31-34 beruht das Wort:
*Koloss mit* _oder_ *auf thönernen Füssen.--*
Für "Warnungsruf" sagen wir:
*Mene Tekel*
nach Daniel 5, 25. König Belsazer gab ein wüstes Mahl. Plötzlich sah er
entsetzt an der hell bestrahlten Wand des Saales entlang sich Finger
einer Menschenhand bewegen und die Worte verzeichnen: "Mene, Mene,
Tekel, Upharsin". Daniel, zur Deutung dieser rätselhaften Ausdrücke
herbeigerufen, las den Untergang des Reiches heraus. Der König starb
in der folgenden Nacht. Die in Vers 27 enthaltene Verdolmetschung des
Wortes "Tekel": "man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht
gefunden", hat der deutschen Sprache die Wendung zugeführt:
*In einer Wage gewogen und zu leicht befunden werden.--*
Daniel 9, 27 (11, 31; 12, 11; 1. Maccab. 1, 57; Matth. 24, 15; Mark.
13, 14) bietet:
*Gräuel der Verwüstung.--*
* * * * *
Auf *Hosea* 8, 7 (vrgl. "ut sementem feceris, ita metes"): "Sie säen
Wind und werden Ungewitter einernten", "ventum seminabunt, et turbinem
metent" beruht:
*Wer Wind säet, wird Sturm ernten.--*
* * * * *
*Joël* 2, 13 steht: "Zerreisset eure Herzen und nicht eure Kleider" und
Psalm 7, 2-3: "Hilf mir ...; dass sie nicht, wie Löwen, meine Seele ...
zerreissen ..." Hieraus entstand uns wohl das Wort
*herzzerreissend.--*
* * * * *