*Prediger in der Wüste*
nach Jesaias 40, 3: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste"
(vrgl. Jes. 53, 1: "... wer glaubt unserer Predigt?"); nach der Vulgata:
*vox clamantis in deserto,*
was, gedeutet auf Johannes den Täufer, Matth. 3, 3, Mark. 1,3, Luk.
3, 4 und Johannes 1, 23 wiederholt wird. Genau genommen wäre zu
übersetzen: "Es ist die Stimme eines Rufenden: In der Wüste (bereitet
dem Herrn den Weg, auf dem Gefilde machet eine Bahn unserm Gotte)".
Hieraus und aus Jesaias 42, 20: "Man predigt wohl viel, aber sie
halten es nicht; man sagt ihnen genug, aber sie wollen es nicht hören"
bildete man wohl das Wort:
*Tauben Ohren predigen.--*
Aus Jesaias 48, 4 "und deine Stirn ist ehern" ist entnommen:
*Eherne Stirn,*
oder, wie Lessing (1755 "Miss Sara Sampson" 2, 4) sagt:
*Eiserne Stirn,*
die er auch der "frons ferrea" der Angeberschar bei ~Plinius~
(Panegyricus, 35) verdanken kann.--
In der Vulgata lautet Jesaias 49, 20: "... Angustus est mihi locus, fac
spatium mihi, ut habitem".--"Der Raum ist mir zu eng, mach' mir Platz,
auf dass ich wohnen kann!" In seinem "Il poeta di teatro" (zuerst
ersch. Lond. 1808) II, 14 "la rivoluzione teatrale", 2, singt Filippo
~Pananti~ da Mugello, wohl darauf anspielend:
E donde nascon le rivoluzioni?
Dai lumi dei filosofi? dal peso
Dell' ingiustizia, delle imposizioni?
So che questo si dice; anch' io l'ho inteso.
Ma tutto si riduce, al parer mio,
Al dire, ~esci di li, ci vo' star io.~
Und woher kommen Revolutionen?
Von Philosophenlichtern? Von den Banden
Der Ungerechtigkeit, der Steuerfronen?
Ich weiss, so sagt man; und ich hab's verstanden.
Doch scheint mir alles drauf hinaus zu gehen,
Zu sagen: ~pack' dich fort, ich will hier stehen!~
~Giusti~ wiederholte fast buchstäblich die beiden letzten Verse in
einem Sonett (1829) mit dem Zusatz: "come dice un poeta da Mugello"
"wie's ein Poet Mugellos ausgedrückt". Wir aber citieren die
Schlusssentenz in der französischen Fassung des Grafen Saint-Simon
("Catéchisme des industriels". Paris 1823, s. "Oeuvres" Paris 1875.
Vol. VIII, p. 53):
*ôte-toi de là, que je m'y mette!--
Ein Himmel, wie ein Sack*
sagen wir nach Jesaias 50, 3: "Ich kleide den Himmel mit Dunkel und
mache seine Decke als einen Sack".-- Wer geduldig, still und willig
anderen nachgiebt, von dem sagen wir, nach Jesaias 53, 7 und Apostelg.
8, 32, er sei
*wie ein Lamm.--*