Alle Menschen sind Lügner.--

Im Texte von Psalm 127, 2: "Denn seinen Freunden giebt er's schlafend",

liegt das Wort:

*Gott giebt's den Seinen im Schlafe,*

oder:

*Dem Gerechten giebt's der Herr im Schlafe.--*

Als Umgestaltung von Psalm 127, 3: "Siehe, Kinder sind eine Gabe des

Herrn" mag gelten:

*Viel Kinder, viel Segen.--*

Psalm 143, 2: "... gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor

dir ist kein Lebendiger gerecht" giebt uns das Wort:

*Mit Einem ins Gericht gehen.--*

Psalm 145, 15 und 16 (s. oben 5. Mos. 15, 11) steht das Tischgebet:

*Aller Augen warten auf Dich und Du giebst ihnen ihre Speise zu

seiner Zeit. Du thust Deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet,

mit Wohlgefallen.--*

* * * * *

Der weise Salomo, der "dreitausend Sprüche redete" (1. Könige 4, 32),

und der den Sprichwörtern die allgemeingültige Bezeichnung der

*Weisheit auf der Gasse*

(*Sprüche Salomons* 1, 20: "Die Weisheit klaget draussen, und lässet

sich hören auf den Gassen") verschafft hat, wird natürlich oft

citiert.--

"Sprüche" 1, 10 lautet:

(_Mein Kind,_) *wenn dich die bösen Buben

locken, so folge nicht.--*

"Sprüche" 2, 16 warnt vor "eines andern Weib, und die nicht dein ist,

die

*glatte Worte*

giebt".--

"Sprüche" 3, 12 enthält:

*Welchen der Herr liebet, den strafet er,*

was sich Ebräer 12, 6 ähnlich wiederholt (s. auch Offenbar. Joh. 3, 19):

*We*(_lche_)*n der Herr lieb hat, den züchtigt er.--*

"Sprüche" 4, 24 lesen wir: "Thue von dir den verkehrten Mund und lass

das

*Lästermaul*

ferne von dir sein".--

"Sprüche" 5, 4 heisst es im schlimmen, Ebräer 4, 12 und Offenb. Joh. 1,

16 u. 2, 12 im guten Sinne von einer scharfen Rede, sie sei wie

*ein zweischneidig*(_es_) *Schwert.*

Gedankenlos wird heute dies Wort so citiert, als sei im allgemeinen

ein Schwert gemeint, dessen eine Schärfe Heil, dessen andere Unheil

bringe.--

"Sprüche" 8, 14 steht: "Mein ist beides

*Rat und That";*

während es Jeremias 32, 19 heisst: "Gross von Rat und mächtig von

That".--

*Gestohlenes Wasser schmeckt süss,*

sagen wir nach "Sprüche" 9, 17: "Die verstohlenen Wasser sind süsse"

(vrgl. 20, 17) und

*Unrecht Gut gedeiht nicht,*

nach "Sprüche" 10, 2: "Unrecht Gut hilft nicht" (vrgl. Sirach 5, 10;

41, 12 u. unter Kap. X: Sophokles).--

*Dies irae,*

der Tag des Zorns, d.h. des Gerichts Gottes, steht, wie "Sprüche" 11,

4 "dies ultionis" und Hesekiel 7, 19 "dies furoris", in der Vulgata

Römer 2, 5 (vrgl. Offenb. 6, 16. 17; 11, 18) und bildet den Anfang des

Liedes von ~Thomas von Celano~ (13. Jahrh.), das beim katholischen

Traueramte ertönt und in ~Goethes~ "Faust" dem reuigen Gretchen im Dome

entgegenbraust.--

"Sprüche" 12, 10 bietet:

*Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes.--*

"Sprüche" 13, 24 steht: "Wer seiner Ruthe schonet, der hasset seinen

Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtiget ihn bald", (vrgl. Sirach 30,

1.) Hiernach ist gebildet:

*Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es.--*

"Sprüche" 14, 13: "Nach dem Lachen kommt Trauern, und nach der Freude

kommt Leid" und Lukas 6, 25: "... Wehe euch, die ihr hier lachet, denn

ihr werdet weinen und heulen" sind die Quellen des Wortes:

*Nach Lachen kommt Weinen.--*

Nach "Sprüche" 16, 9 (Vulgata): "Cor hominis disponit viam suam, sed

Domini est dirigere gressus eius", bei ~Luther~: "Des Menschen Herz

schläget seinen Weg an, aber der Herr allein giebt, dass er fortgehe"

ist gebildet:

*Homo proponit, sed Deus disponit.*

*Der Mensch denkt, Gott lenkt.*

*L'homme propose et Dieu dispose.*

Der lateinische Spruch kommt schon in dem englischen Gedichte W.

~Langlands~ "Piers Ploughmans Vision", (Mitte des 14. Jahrh.) V. 6644

und V. 13,994 vor. An ersterer Stelle heisst es: "Homo proponit,

sprach ein Dichter, und Plato hiess er, und Deus disponit sprach er;

lass Gott seinen Willen thun".--

*Hochmut kommt vor dem Fall*

ist gebildet nach "Sprüche" 16, 18: "Stolzer Mut kommt vor dem Fall"

(vgl. Tobias 4, 14: "Hoffart ... ist ein Anfang alles Verderbens" und

Sirach 3, 30: "Hochmut thut nimmer gut und kann nichts denn Arges

daraus erwachsen").--

"Sprüche" 19, 17 steht:

*Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn.--*

"Sprüche" 24, 8 lautet: "Wer ihm selbst Schaden thut, den heisst man

billig einen

*Erzbösewicht".*

Als solcher wird Maccabäer 15, 3 Nicanor bezeichnet, der aber anderen

Schaden zu thun trachtet.--

Aus "Sprüche" 24, 15: "Laure nicht als ein Gottloser, auf das Haus des

~Gerechten~, verstöre ~seine Ruhe~ nicht" mag sich der Ausdruck

*Schlaf des Gerechten*

entwickelt haben (andere leiten ihn her aus 3. Mos. 26, 6; aus Psalm 3,

6, 7; 4, 9; 127, 2; oder aus Sprüche Sal. 3, 24).--

"Sprüche" 24, 29: "Wie man mir thut, so will ich wieder thun", wird

verkürzt zu:

*Wie du mir, so ich dir.--*

"Sprüche" 25, 11 bringt uns:

*Güldene Äpfel in silbernen Schalen.--*

"Sprüche 25, 22 steht geschrieben: wer seinem Feinde Gutes thut, wird

"Kohlen auf sein Haupt häufen" d.h. er wird dessen Wangen vor Schamröte

erglühen machen. Nach dem Apostel Paulus (Röm. 12, 20) citieren wir

dies Wort also:

*Feurige Kohlen auf sein* (_oder: Jemandes_) *Haupt sammeln.--*

Nach "Sprüche" 26, 27: "Wer eine Grube machet, der wird darein fallen"

(vrgl. Psalm 7, 16; 9, 16; 57, 7; Predig. Sal. 10, 8; Sirach 27, 29)

ist gebildet:

*Wer ändern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.*

Vrgl. ~Hesiod~, (Werke und Tage, Vers 265): "οἷ τ' αὐτῷ κακὰ τεύχει

ἀνὴρ ἄλλῳ κακὰ τεύχων" (Der Mann, der einem andern

Böses bereitet, bereitet das Böse sich selbst.)--

* * * * *

*Prediger Salomo* 1, 2 und 12, 8 ruft: "Es ist alles ganz eitel",

danach wir sagen:

*Alles ist eitel.*

Auch wird der lateinische Text citiert:

*Vanitas vanitatum, et omnia vanitas.--*

1, 7 (vrgl. Sirach 40, 11) heisst es:

*Alle Wasser laufen ins Meer.--*

1, 8: ... "das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich

nimmer satt" liess uns das Wort bilden:

*Ein Nimmersatt.--*

1, 9:

*und geschiehet nichts Neues unter der Sonne.--*

3, 1:

*Ein jegliches hat seine Zeit.--*

3, 11:

(_Er aber thut_) *Alles* (_fein_) *zu seiner Zeit.--*

3, 12: "Darum merke ich, dass nichts besseres darinnen ist, denn

fröhlich sein und ihm

*(sich) gütlich thun*

in seinem Leben".--

3, 13: "Denn ein jeglicher Mensch, der da isset und trinket und hat

guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist

*eine Gabe Gottes".--*

5, 18: "... welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt giebt,

dass er davon isset und trinket für sein Teil und fröhlich ist in

seiner Arbeit; das ist

*eine Gottes-Gabe".--*

4, 12: "Einer mag überwältigt werden, aber zween mögen widerstehen;

denn eine dreifältige Schnur reisst nicht leicht entzwei", daher wohl

stammt:

*Doppelt reisst nicht* _oder:_ *Doppelt hält besser.--*

9, 4:

*Ein lebendiger Hund ist besser weder* (_d.h. als_) *ein toter

Löwe.--*

Nach dem Prediger Salomo 10, 15: "Die Arbeit der Narren wird ihnen

sauer" und nach Sirach 7, 16: "Ob dirs sauer wird mit deiner Nahrung

und Ackerwerk, das lass dich nicht verdriessen" sagen wir:

*Es wird Einem sauer*

und:

*Saure Arbeit.--*

Pred. Sal. 10, 16 bietet:

*Wehe dir Land, dess König ein Kind ist.--*

Aus Pred. 12, 1: "Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn

die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: sie

gefallen mir nicht", entnehmen wir:

*Das sind Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht.--*

12, 12 steht:

*Viel Büchermachens ist kein Ende.--*

* * * * *

*Das Hohelied Salomons* (1, 15; 4, 1; 5, 12) schenkt uns das Wort:

*Taubenaugen*

und (8, 6):

*Liebe ist stark wie der Tod.--*

* * * * *

Nach *Jesaias* 5, 7: "Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus

Israel" (vrgl. Matth. 20, 1 ff.) sprechen wir vom

*Weinberg des Herrn.--*

Jesaias 8, 14 und 1. Petri 2, 8 findet sich:

*Stein des Anstossens* (_gewöhnlich:_ *des Anstosses),*

während Römer 9, 32 und 33 "Stein des Anlaufens" gesagt wird.--

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 61 / 438 题