Frau Roderich war »geladen«, wie man zu sagen pflegt, wenn die
Explosion der Gefühle nur noch auf den Zündstoff wartet. Eine
ästhetisch veranlagte Natur, die seit Jahren behauptete, von ihrem
Manne nicht mehr verstanden zu werden, und das in um so größerem
Maße, je mehr der Bankdirektor von seinen Kurszetteln in Anspruch
genommen wurde, und je weniger sie sich dazu verstehen konnte, ihr nach
künstlerischen Genüssen lechzendes Sonderleben aufzugeben, glaubte
sie seit einiger Zeit in dem Hauslehrer den großen Geistesverwandten
gefunden zu haben, der die erschütterte Harmonie ihrer Seele
wiederherstellen könnte. Alles natürlich in Andeutungen, rosenrot
hingehaucht, aber manchmal doch so feurig, das Fröhlich es hätte
merken müssen; namentlich an Tagen, wo sie ihrer schon bedenklich
eingerosteten Stimme zu neuem Glanze verhelfen wollte, nachdem sie ihn
förmlich zur Klavierbegleitung kommandiert hatte. Dann äugelte sie
ihn bezeichnend an, wählte mit Vorliebe Lieder, deren Text er ihrer
Meinung nach unbedingt als Aussprache ihrer Gefühle erkennen mußte, und
näherte sich verwegen seiner Wange, wenn ihre gemachte Kurzsichtigkeit
es erheischte, über seine Schulter hinweg auf die Noten zu blicken.
Aber der in dieser Art Ausgezeichnete zeigte sich merkwürdig
verständnislos und wurde um so schweigsamer, je redseliger sie in
solchen Minuten wurde. Stets blieb er der zwar liebenswürdige und
angenehme Gesellschafter, der gern bereit war, auf jede Unterhaltung
einzugehen, aber doch in jenem gehörigen Abstande, der den Menschen von
Grundsätzen und Erziehung auszeichnet, noch dazu in dem Hause seines
Brotgebers.
Frau Agathe gehörte nicht zu den Vollweibern, die sich über alle
Schranken hinwegsetzen und gleich mit großen Bissen auf die verbotene
Frucht zuschnappen. Sie naschte nur gern davon, mehr aus Zerstreuung
als aus Genußsucht, und so gab es ihr schon Befriedigung, diese
verbotene Frucht stets in ihrer Nähe zu wissen, reif nur für sie, wenn
sie es wagen würde, einmal wirklich Sehnsucht danach zu empfinden.
Stark eingenommen von sich, wäre es ihr wie eine Auflehnung gegen ihre
Herrscherinstellung im Hause erschienen, beinahe wie ein Verbrechen an
dem guten Geschmack, wenn Kandidat Fröhlich im Ernste ihr Widerstand
geleistet haben würde, sobald sie ihm einmal ihre Neigung offen zu
erkennen gegeben hätte. Aber als Mutter großer Kinder war sie weit
davon entfernt, sich zu vergessen; sie spielte vielmehr nur mit ihren
Gefühlen, um ihre Seelenöde auszufüllen, wie sie sich selbst gestand,
und so war ihr später Johannistrieb mehr eine stille platonische
Neigung, die immer auf den Zufall wartete, der ihr endlich das
Wunderbare bringen sollte.
Nun aber hatte ihre Zuversicht eine starke Erschütterung erhalten, denn
mit dem feinen Empfinden der verliebten Frau hatte sie sofort bemerkt,
daß Fanny Frank dem Kandidaten nicht gleichgültig war. Ein sogenanntes
»Fräulein«, ihr eigenes sogar, drohte, sich im Herzen ihres Günstlings
einzunisten -- des studierten, klassisch gebildeten Mannes, der ohne
Zweifel eine große Zukunft hatte und durch seine Persönlichkeit
sicher große Erfolge bei ganz andern Frauen (sie rechnete sich
bescheidenerweise zu dieser Gattung) gehabt hätte, wenn er aus seiner
Schüchternheit hervorgetreten wäre! Es war einfach =shocking=!
Ihre Eigenliebe war tief verletzt, und nur mit Mühe hatte sie ihre
offene Erregung unterdrückt. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie wäre
sich wie eine gedemütigte Frau vorgekommen, die eine Schlange an ihrem
Busen genährt hat. Denn bilderreich, wie ihre Phantasie war, suchte sie
auch stets nach romanhaften Ausdrücken für ihr eingebildetes Leid.
Sie brachte Aeffi in seinem Körbchen unter, strich zärtlich über seine
seidenen Flocken und besichtigte sich dann rasch in einem kleinen
Stellspiegel, um sich zu überzeugen, ob die Aufregung ihrem künstlichen
Teint nicht geschadet habe. Dieses Kristallglas in Palettenform
stand auf einem kleinen Fenstertischchen, gerade ihrem Lieblingssitz
gegenüber, so daß sie, wenn sie in ihrem Faulenzer lag, nur die Hand
auszustrecken brauchte, um ihr holdes Antlitz mustern zu können. Die
Krähenfüße um die Augen machten ihr stets Sorge, und so war es nicht
zu verwundern, wenn diese Bespiegelung während des Tages in gewissen
Abständen mit jener liebevollen Angewohnheit vorgenommen wurde, von der
nervöse Menschen nun einmal nicht lassen können.
Der Bankdirektor bewohnte ein villenartiges zweistöckiges Haus am
unteren Kurfürstendamm, das an der einen Seite eine breite Einfahrt
hatte. Im Parterre lagen die Gesellschaftsräume, dessen Hauptzierde
der riesige Verandasaal war, aus dem man über wenige Stufen hinab in
den vorderen Schmuckgarten gelangen konnte, der im Sommer durch seinen
riesigen gewölbten Blumenstern die Augenweide der Vorübergehenden
war. Das erste Stockwerk war im Innern durch eine reich geschnitzte
Wendeltreppe mit dem Erdgeschoß verbunden. Oben führte man das bequeme
häusliche Leben, in dem nur der Hausherr fehlte, der sich stets nach
unten flüchtete, um ungestört zu sein. In der schönsten Ecke, Straße
und Nebengarten zu, hatte Frau Agathe ihr Boudoir aufgeschlagen, in
dem es stark nach »Orient« roch, wie Roderich zu sagen pflegte, wenn
er bei schlechter Laune einmal die übliche Spitze austeilte, worauf er
dann regelmäßig den leichten Dämpfer bekam, daß es nicht jedermanns
Geschmack sei, mit Aktien die Wände zu tapezieren. Er lachte dann
gemütlich und verzieh mit Laune seiner Frau die kleine Bosheit. Er war
nun einmal für Licht und Luft, wogegen die holde Agathe mehr für die
geschlossene, wohlige Dämmerung zeigende Bühnenkulisse war.
Theatralischer Aufputz verschönte ihr das Leben, und so hatte sie sich
ihr Boudoir danach eingerichtet. Türkische Teppiche an den Wänden,
mit bunten Fächern besteckt, die Decke mit einem Seidenplan bezogen,
aus dessen Ecken Baldachine herabhingen, die als luftige Behänge von
Statuen und Büsten dienten. Auf jedem Wandbrettchen Vasen, Flaschen
und Teller in allen möglichen Formen, die chinesische und türkische
bevorzugt, und darüber Stoffgirlanden, farbig wie das Morgenland, mit
lang herabwallenden Enden. Das Himmelblau herrschte vor, hauptsächlich
an der Decke, wo goldene Sternchen sich in der hängenden Seide
wiegten. Auch die Tische waren damit überspannt, und nur die Füße
hatten den Vorzug, ihr weißlackiertes Holz zu zeigen. Ueberall ein
seltsames Gemisch von bunten Fetzen und Troddeln, durch das die stumme
Farbensymphonie wie etwas Verwirrendes ging, das auch die Sinne
berauschte. Und aus allem drang ein Geruch von zersetztem Rosenöl und
all dem Toilettenduft, den eine launische und verwöhnte Frau und ihr
weiblicher Besuch aus der großen Welt hier hineingetragen hatte.
Nebenan lag ein kleines Kabinett, dessen offene Tür mit einem
Rohrvorhang verhängt war. Frau Roderich raste hindurch, daß es laut
knisterte, und eilte in das große Balkonzimmer, in dem zumeist die
Hausmusik getrieben wurde. Die breite Glastür stand auf, und so zog
die Würze dieses Maienregentages in breiten Luftwellen herein. Draußen
strahlte wieder die helle Sonne, welche die letzten Regenstriche in
flüssige Silberfäden verwandelte, die nur noch schwerfällig zur Erde
strebten.
»Rudi, bist Du da?« Ihre Molltöne klangen laut zum Balkon hinaus, auf
dem aber nur der Gärtner beschäftigt war, die Brüstung mit Blumentöpfen
zu schmücken. Aber ihr Auge hatte in diesen Minuten keine Freude daran,
wie all das lachende Grün draußen samt dem frischen Erdgeruch ihre
Verdrießlichkeit nicht verscheuchen konnte. Sie fegte weiter mit ihrer
Schleppe, durch die übrigen Zimmer, und schließlich die Wendeltreppe
hinunter in den Verandasaal. Hier fand sie ihn, wie er, den Hut auf dem
Kopf, ein dünnes Stöckchen schwingend, zwischen den Säulen stand, wie
jemand, der nicht weiß, ob er gehen soll, oder nicht. Selbst der Pfiff,
der ihm über die Lippen kam, klang wenig unternehmungslustig.
»Ich denke, Du bist geknickt, und Du pfeifst?« stieß sie hervor.
Er kam herein und nahm den Hut ab. »Aber Ma'chen, weshalb soll ich
nicht lustig sein? Wenn man so etwas sieht, was ich soeben gesehen
habe. -- Ist Neli schon oben?«
Kornelia war die älteste Tochter der Roderichs, die vor einer Stunde
ausgegangen war, um sich Zeichenmaterial zu holen.
Frau Agathe schüttelte nur mit dem Kopf, weil ihr diese Frage
nebensächlich erschien. »Na, was hast Du denn gesehen -- gar nichts,«
fuhr sie fort, in Gedanken immer bei dem Fräulein, während er etwas
anderes im Sinne hatte.
»Haha,« kam es ihm lachend über die Lippen.
»Eine Haarnadel hast Du gefunden und dafür den dummen Jungen
eingesteckt.«
Er wurde rot. »Hat sie ja gar nicht gesagt.« Aber sein Aussehen
verriet, daß er log.
»Was hast Du nötig, den Unterricht zu stören!« sprach sie erregt
weiter. »Wenn Papa das erfährt, brennt das Haus. Du weißt, wie er Herrn
Fröhlich schätzt, um Walters wegen. Und der Junge vergöttert ihn. Der
Kandidat ist eben ein großer Mensch, und Du bist noch nichts, rein gar
nichts. Vorläufig liegst Du uns nur in der Tasche. Rudi, wann wirst Du
Dich endlich zu etwas entschließen?«
Er spitzte den Mund zu einem unhörbaren Pfeifen, dann warf er
gewichtig ein: »Große Ziele erfordern große Vorbereitungen, Mama.«
»Darüber kannst Du alt werden.«
»Ich sehe schon, Du bist heute schlecht gelaunt,« fuhr er fort.
»Mit Recht auch. Deinetwegen. Die Zusammenkünfte im Zoologischen wirst
Du hübsch lassen, das sage ich Dir, sonst gibt's 'n Krach!«
»Aber, Mama, zu was sind wir denn Aktionäre? Der Eintritt kostet ja
nichts. Na, und wenn man sich dann zufällig begegnet --. Man kann doch
ein paar Worte wechseln. Ich kann doch auch Hans und Trudchen nicht aus
dem Wege gehen!«
»Ich kenne Dich schon. Poussiere mit andern, aber nicht mit unserem
Fräulein!«
»Das hat der Kandidat auch gesagt,« warf er trocken ein.
»Schäme Dich. Halt' das Haus rein!«
»Das hat er allerdings nicht gesagt,« erwiderte er gleichgültig,
während er mit leise knarrenden Stiefeln auf dem persischen Teppich
auf- und abging.
»Du bist frivol, wie immer,« fuhr sie fort und tat dasselbe.
»Du nimmst Fröhlich immer in Schutz,« begann er nach einem Weilchen
wieder, diesmal mit einer so sonderbaren Betonung, daß sie
befürchtete, er könnte noch etwas Unangenehmes hinzufügen.
Leicht erregt schwieg sie sich aus, während der Hoffnungsvolle die
Gelegenheit benutzte, gleich weiter seinen Groll zu entladen. »Soll
ich Dir etwas sagen, Mama? Das alles ist nur blutige Eifersucht
von Fröhlich. Am liebsten möchte ~er~ mit ihr im Zoologischen
schäkern. Kann er ja auch. Aber er hat keine Traute. So sind nun einmal
die Schulmeister. Aber ich seh's kommen -- da entwickelt sich noch was!
Etwas Reelles. Paßt nur lieber auf die beiden auf! Sind ja ~auch~
im Hause.«
»Meinst Du?« Gedehnt kam es über ihre Lippen, nicht aus Erstaunen über
eine ihr mitgeteilte Entdeckung, sondern mehr aus Gewohnheit. Aber
merkwürdig fand sie es doch, daß er ihre eigene Empfindung teilte. Und
plötzlich war sie nicht mehr so schroff zu ihm, denn es schoß ihr etwas
durch den Kopf, was ihrer Stimmung eine andere Wendung gab.
»Natürlich ist es so, keine Frage,« wandte Rudi überlegen ein.
Sie hörte nicht mehr darauf, sondern lenkte milde in andere Richtung
ein. »Na, wenn das alles so harmlos ist mit Dir, dann soll's mich
freuen. Den Stolzen gegen Fräulein brauchst Du nicht gerade zu spielen.«
Er hob verwegen die Schultern. »Aber natürlich ist es harmlos, Ma'chen.
Was denn sonst? Ich hätte ja auch nicht mal Chancen. Und dann bitte ich
Dich, Mama --: Rudi, und ein Hausfräulein! Hübsche Geschmacklosigkeit
von mir. Mal 'n bißchen plaudern, das ist ja was anderes. Sie trägt
sich übrigens ganz nett. Beinahe höhere Tochter. Ich glaube, man könnte
sich sogar mit ihr sehen lassen.«
Frau Roderich achtete nicht mehr auf seine Worte, denn ihre Gedanken
waren bereits wo anders. Und auch er verbarg die seinigen nur unter den
leeren Worten, die ihr zur Beruhigung dienen sollten. Plötzlich wandte
er sich mit einem Ruck ihr wieder zu. »Wenn Du wüßtest, was ich gesehen
habe, Ma'chen! ... Sage mal, kannst Du mir nicht zwanzig Mark pumpen --
bis morgen? Ich muß dann Papa wieder breit schlagen.«
Sie erschrak, denn sofort dachte sie daran, sie könnte am vergangenen
Nachmittag etwas unvorsichtig zu Fröhlich gewesen sein. Seit einiger
Zeit steckte Rudi auffallenderweise oft den Kopf ins Musikzimmer, und
gerade immer dann, wenn die Wogen ihrer Seelenwallungen besonders hoch
gingen. Die regelmäßige Folge davon war eine Anleihe bei ihr.
»Ist Dein Taschengeld schon wieder alle? Ich möchte wissen, was Du
manchmal so an einer Nacht läßt!« Aber schon hatte sie ihr silbernes
Netztäschchen hervorgeholt und reichte ihm das Goldstück hin, mehr aus
Angst als aus gutem Willen.
»Meine Zuckermama!«
»Na, na, na! Ich kenne Deine Schmeicheleien schon, die sich immer nach
meiner offenen Hand richten. Von wiedergeben ist ja doch keine Rede.«
Stets besorgt um ihre Frisur und um ihre sonstigen Toilettenkünste,
wehrte sie ihn mit beiden Händen ab.
»Denk' Dir nur, ich habe Neli mit einem Leutnant gesehen. Sie standen
drüben und sprachen zusammen. Um sie nicht in Verlegenheit zu setzen,
verzog ich mich, denn ich dachte, sie würden hier vorüberkommen.«
Frau Roderich atmete auf, aber sofort taten ihr die zwanzig Mark leid.
»Dabei ist doch nichts Besonderes zu finden. Ich glaubte wunder, was Du
mir sagen würdest,« stieß sie ärgerlich hervor. »Das wird der kleine
Sanden gewesen sein. Der ist ja schon lange in sie verschossen, sie
mag ihn aber nicht.«
»Nein, der war es nicht. Auch keiner von den anderen Bekannten. Ein
ganz Fremder. Sie tat ungemein freundlich. Wer weiß, wer da wieder
nach dem Kommißgeld gampelt. Hoffentlich tanzt nun endlich einmal der
richtige an. Meinen Segen hat er schon vorher.«
»Daraus wird sie sich gerade etwas machen. Zerbrich Dir nur nicht immer
über uns andere den Kopf. Laß nur Neli tun, was sie will! Sie ist
selbständig genug, ein ganz anderer Schlag als Du.«
»Na hör' mal --! Die hat ja auch Fischblut«.
Sie ließ ihn stehen und rauschte wieder die Treppe hinauf, dann, oben
angelangt, durch den langen Korridor, der sich wie eine Kegelbahn tief
nach hinten zog. Sie klopfte flüchtig an Fräuleins Zimmer und trat
schon hinein, ehe das Herein ertönte.
Es war ein nettes kleines Stübchen, das nach dem hinteren Garten hinaus
lag, einfach, aber reichlich ausgestattet. Selbst ein ausgedientes
Sofa hatte man noch an die Wand gequetscht, so daß die Schranktür zur
Notdurft aufgehen konnte. Das Bett stand dicht an der Tür. Auf dem
Tischchen am Fenster prangte im Glase ein Strauß duftiger Maiblumen,
der mit seinem frischen Geruch den ganzen Raum erfüllte. Ein kleines
Brettergehänge an der Wand war mit Büchern gefüllt, und auf dem
Tischchen hinter den Blumen standen verschiedene Photographien in
einfachen Rähmchen.
Sofort lockerte sich die schlechte Stimmung Frau Agathes. »Aber
Kindchen, was für eine Luft! Haben Sie gar nicht daran gedacht, das
Fenster zu öffnen? Sie waren doch auf!« Trotzdem sie stundenlang in
ihrem Boudoir wie eingekapselt saß, schrie sie bei anderen stets nach
frischer Luft, und gerade jetzt mit besonderer Betonung, um eine
Schleuse für ihren Groll zu finden. Noch vor wenigen Tagen hatte sie zu
ihrem Manne Fanny Frank ganz besonders darin gelobt, daß sie stets das
Zimmer lange lüfte.
Die Leidende richtete sich empor. Bisher gewöhnt daran, stets höflich
begrüßt zu werden, hatte sie sich freudig überrascht beim Eintritt der
Gebieterin gezeigt, nun aber schwand rasch das Lächeln. »Das Fenster
war eine ganze Zeit lang offen, gnädige Frau,« gab sie betroffen
zurück. »Ich wollte es nicht zu lange auflassen. -- Mir war nicht gut
zu Mute.«
Frau Roderich wurde um einen Grad freundlicher. »Wie geht's Ihnen denn
jetzt? Muß zum Arzt geschickt werden?«
Fräulein schüttelte mit dem Kopf. »Ich danke für gütige Sorge um mich.
Morgen wird's wohl besser sein.«
»Haben Sie sich auch nicht den Magen überladen? Manchmal kommt's davon,
und Sie essen ziemlich stark.«