IV.

Frau Roderich war »geladen«, wie man zu sagen pflegt, wenn die

Explosion der Gefühle nur noch auf den Zündstoff wartet. Eine

ästhetisch veranlagte Natur, die seit Jahren behauptete, von ihrem

Manne nicht mehr verstanden zu werden, und das in um so größerem

Maße, je mehr der Bankdirektor von seinen Kurszetteln in Anspruch

genommen wurde, und je weniger sie sich dazu verstehen konnte, ihr nach

künstlerischen Genüssen lechzendes Sonderleben aufzugeben, glaubte

sie seit einiger Zeit in dem Hauslehrer den großen Geistesverwandten

gefunden zu haben, der die erschütterte Harmonie ihrer Seele

wiederherstellen könnte. Alles natürlich in Andeutungen, rosenrot

hingehaucht, aber manchmal doch so feurig, das Fröhlich es hätte

merken müssen; namentlich an Tagen, wo sie ihrer schon bedenklich

eingerosteten Stimme zu neuem Glanze verhelfen wollte, nachdem sie ihn

förmlich zur Klavierbegleitung kommandiert hatte. Dann äugelte sie

ihn bezeichnend an, wählte mit Vorliebe Lieder, deren Text er ihrer

Meinung nach unbedingt als Aussprache ihrer Gefühle erkennen mußte, und

näherte sich verwegen seiner Wange, wenn ihre gemachte Kurzsichtigkeit

es erheischte, über seine Schulter hinweg auf die Noten zu blicken.

Aber der in dieser Art Ausgezeichnete zeigte sich merkwürdig

verständnislos und wurde um so schweigsamer, je redseliger sie in

solchen Minuten wurde. Stets blieb er der zwar liebenswürdige und

angenehme Gesellschafter, der gern bereit war, auf jede Unterhaltung

einzugehen, aber doch in jenem gehörigen Abstande, der den Menschen von

Grundsätzen und Erziehung auszeichnet, noch dazu in dem Hause seines

Brotgebers.

Frau Agathe gehörte nicht zu den Vollweibern, die sich über alle

Schranken hinwegsetzen und gleich mit großen Bissen auf die verbotene

Frucht zuschnappen. Sie naschte nur gern davon, mehr aus Zerstreuung

als aus Genußsucht, und so gab es ihr schon Befriedigung, diese

verbotene Frucht stets in ihrer Nähe zu wissen, reif nur für sie, wenn

sie es wagen würde, einmal wirklich Sehnsucht danach zu empfinden.

Stark eingenommen von sich, wäre es ihr wie eine Auflehnung gegen ihre

Herrscherinstellung im Hause erschienen, beinahe wie ein Verbrechen an

dem guten Geschmack, wenn Kandidat Fröhlich im Ernste ihr Widerstand

geleistet haben würde, sobald sie ihm einmal ihre Neigung offen zu

erkennen gegeben hätte. Aber als Mutter großer Kinder war sie weit

davon entfernt, sich zu vergessen; sie spielte vielmehr nur mit ihren

Gefühlen, um ihre Seelenöde auszufüllen, wie sie sich selbst gestand,

und so war ihr später Johannistrieb mehr eine stille platonische

Neigung, die immer auf den Zufall wartete, der ihr endlich das

Wunderbare bringen sollte.

Nun aber hatte ihre Zuversicht eine starke Erschütterung erhalten, denn

mit dem feinen Empfinden der verliebten Frau hatte sie sofort bemerkt,

daß Fanny Frank dem Kandidaten nicht gleichgültig war. Ein sogenanntes

»Fräulein«, ihr eigenes sogar, drohte, sich im Herzen ihres Günstlings

einzunisten -- des studierten, klassisch gebildeten Mannes, der ohne

Zweifel eine große Zukunft hatte und durch seine Persönlichkeit

sicher große Erfolge bei ganz andern Frauen (sie rechnete sich

bescheidenerweise zu dieser Gattung) gehabt hätte, wenn er aus seiner

Schüchternheit hervorgetreten wäre! Es war einfach =shocking=!

Ihre Eigenliebe war tief verletzt, und nur mit Mühe hatte sie ihre

offene Erregung unterdrückt. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie wäre

sich wie eine gedemütigte Frau vorgekommen, die eine Schlange an ihrem

Busen genährt hat. Denn bilderreich, wie ihre Phantasie war, suchte sie

auch stets nach romanhaften Ausdrücken für ihr eingebildetes Leid.

Sie brachte Aeffi in seinem Körbchen unter, strich zärtlich über seine

seidenen Flocken und besichtigte sich dann rasch in einem kleinen

Stellspiegel, um sich zu überzeugen, ob die Aufregung ihrem künstlichen

Teint nicht geschadet habe. Dieses Kristallglas in Palettenform

stand auf einem kleinen Fenstertischchen, gerade ihrem Lieblingssitz

gegenüber, so daß sie, wenn sie in ihrem Faulenzer lag, nur die Hand

auszustrecken brauchte, um ihr holdes Antlitz mustern zu können. Die

Krähenfüße um die Augen machten ihr stets Sorge, und so war es nicht

zu verwundern, wenn diese Bespiegelung während des Tages in gewissen

Abständen mit jener liebevollen Angewohnheit vorgenommen wurde, von der

nervöse Menschen nun einmal nicht lassen können.

Der Bankdirektor bewohnte ein villenartiges zweistöckiges Haus am

unteren Kurfürstendamm, das an der einen Seite eine breite Einfahrt

hatte. Im Parterre lagen die Gesellschaftsräume, dessen Hauptzierde

der riesige Verandasaal war, aus dem man über wenige Stufen hinab in

den vorderen Schmuckgarten gelangen konnte, der im Sommer durch seinen

riesigen gewölbten Blumenstern die Augenweide der Vorübergehenden

war. Das erste Stockwerk war im Innern durch eine reich geschnitzte

Wendeltreppe mit dem Erdgeschoß verbunden. Oben führte man das bequeme

häusliche Leben, in dem nur der Hausherr fehlte, der sich stets nach

unten flüchtete, um ungestört zu sein. In der schönsten Ecke, Straße

und Nebengarten zu, hatte Frau Agathe ihr Boudoir aufgeschlagen, in

dem es stark nach »Orient« roch, wie Roderich zu sagen pflegte, wenn

er bei schlechter Laune einmal die übliche Spitze austeilte, worauf er

dann regelmäßig den leichten Dämpfer bekam, daß es nicht jedermanns

Geschmack sei, mit Aktien die Wände zu tapezieren. Er lachte dann

gemütlich und verzieh mit Laune seiner Frau die kleine Bosheit. Er war

nun einmal für Licht und Luft, wogegen die holde Agathe mehr für die

geschlossene, wohlige Dämmerung zeigende Bühnenkulisse war.

Theatralischer Aufputz verschönte ihr das Leben, und so hatte sie sich

ihr Boudoir danach eingerichtet. Türkische Teppiche an den Wänden,

mit bunten Fächern besteckt, die Decke mit einem Seidenplan bezogen,

aus dessen Ecken Baldachine herabhingen, die als luftige Behänge von

Statuen und Büsten dienten. Auf jedem Wandbrettchen Vasen, Flaschen

und Teller in allen möglichen Formen, die chinesische und türkische

bevorzugt, und darüber Stoffgirlanden, farbig wie das Morgenland, mit

lang herabwallenden Enden. Das Himmelblau herrschte vor, hauptsächlich

an der Decke, wo goldene Sternchen sich in der hängenden Seide

wiegten. Auch die Tische waren damit überspannt, und nur die Füße

hatten den Vorzug, ihr weißlackiertes Holz zu zeigen. Ueberall ein

seltsames Gemisch von bunten Fetzen und Troddeln, durch das die stumme

Farbensymphonie wie etwas Verwirrendes ging, das auch die Sinne

berauschte. Und aus allem drang ein Geruch von zersetztem Rosenöl und

all dem Toilettenduft, den eine launische und verwöhnte Frau und ihr

weiblicher Besuch aus der großen Welt hier hineingetragen hatte.

Nebenan lag ein kleines Kabinett, dessen offene Tür mit einem

Rohrvorhang verhängt war. Frau Roderich raste hindurch, daß es laut

knisterte, und eilte in das große Balkonzimmer, in dem zumeist die

Hausmusik getrieben wurde. Die breite Glastür stand auf, und so zog

die Würze dieses Maienregentages in breiten Luftwellen herein. Draußen

strahlte wieder die helle Sonne, welche die letzten Regenstriche in

flüssige Silberfäden verwandelte, die nur noch schwerfällig zur Erde

strebten.

»Rudi, bist Du da?« Ihre Molltöne klangen laut zum Balkon hinaus, auf

dem aber nur der Gärtner beschäftigt war, die Brüstung mit Blumentöpfen

zu schmücken. Aber ihr Auge hatte in diesen Minuten keine Freude daran,

wie all das lachende Grün draußen samt dem frischen Erdgeruch ihre

Verdrießlichkeit nicht verscheuchen konnte. Sie fegte weiter mit ihrer

Schleppe, durch die übrigen Zimmer, und schließlich die Wendeltreppe

hinunter in den Verandasaal. Hier fand sie ihn, wie er, den Hut auf dem

Kopf, ein dünnes Stöckchen schwingend, zwischen den Säulen stand, wie

jemand, der nicht weiß, ob er gehen soll, oder nicht. Selbst der Pfiff,

der ihm über die Lippen kam, klang wenig unternehmungslustig.

»Ich denke, Du bist geknickt, und Du pfeifst?« stieß sie hervor.

Er kam herein und nahm den Hut ab. »Aber Ma'chen, weshalb soll ich

nicht lustig sein? Wenn man so etwas sieht, was ich soeben gesehen

habe. -- Ist Neli schon oben?«

Kornelia war die älteste Tochter der Roderichs, die vor einer Stunde

ausgegangen war, um sich Zeichenmaterial zu holen.

Frau Agathe schüttelte nur mit dem Kopf, weil ihr diese Frage

nebensächlich erschien. »Na, was hast Du denn gesehen -- gar nichts,«

fuhr sie fort, in Gedanken immer bei dem Fräulein, während er etwas

anderes im Sinne hatte.

»Haha,« kam es ihm lachend über die Lippen.

»Eine Haarnadel hast Du gefunden und dafür den dummen Jungen

eingesteckt.«

Er wurde rot. »Hat sie ja gar nicht gesagt.« Aber sein Aussehen

verriet, daß er log.

»Was hast Du nötig, den Unterricht zu stören!« sprach sie erregt

weiter. »Wenn Papa das erfährt, brennt das Haus. Du weißt, wie er Herrn

Fröhlich schätzt, um Walters wegen. Und der Junge vergöttert ihn. Der

Kandidat ist eben ein großer Mensch, und Du bist noch nichts, rein gar

nichts. Vorläufig liegst Du uns nur in der Tasche. Rudi, wann wirst Du

Dich endlich zu etwas entschließen?«

Er spitzte den Mund zu einem unhörbaren Pfeifen, dann warf er

gewichtig ein: »Große Ziele erfordern große Vorbereitungen, Mama.«

»Darüber kannst Du alt werden.«

»Ich sehe schon, Du bist heute schlecht gelaunt,« fuhr er fort.

»Mit Recht auch. Deinetwegen. Die Zusammenkünfte im Zoologischen wirst

Du hübsch lassen, das sage ich Dir, sonst gibt's 'n Krach!«

»Aber, Mama, zu was sind wir denn Aktionäre? Der Eintritt kostet ja

nichts. Na, und wenn man sich dann zufällig begegnet --. Man kann doch

ein paar Worte wechseln. Ich kann doch auch Hans und Trudchen nicht aus

dem Wege gehen!«

»Ich kenne Dich schon. Poussiere mit andern, aber nicht mit unserem

Fräulein!«

»Das hat der Kandidat auch gesagt,« warf er trocken ein.

»Schäme Dich. Halt' das Haus rein!«

»Das hat er allerdings nicht gesagt,« erwiderte er gleichgültig,

während er mit leise knarrenden Stiefeln auf dem persischen Teppich

auf- und abging.

»Du bist frivol, wie immer,« fuhr sie fort und tat dasselbe.

»Du nimmst Fröhlich immer in Schutz,« begann er nach einem Weilchen

wieder, diesmal mit einer so sonderbaren Betonung, daß sie

befürchtete, er könnte noch etwas Unangenehmes hinzufügen.

Leicht erregt schwieg sie sich aus, während der Hoffnungsvolle die

Gelegenheit benutzte, gleich weiter seinen Groll zu entladen. »Soll

ich Dir etwas sagen, Mama? Das alles ist nur blutige Eifersucht

von Fröhlich. Am liebsten möchte ~er~ mit ihr im Zoologischen

schäkern. Kann er ja auch. Aber er hat keine Traute. So sind nun einmal

die Schulmeister. Aber ich seh's kommen -- da entwickelt sich noch was!

Etwas Reelles. Paßt nur lieber auf die beiden auf! Sind ja ~auch~

im Hause.«

»Meinst Du?« Gedehnt kam es über ihre Lippen, nicht aus Erstaunen über

eine ihr mitgeteilte Entdeckung, sondern mehr aus Gewohnheit. Aber

merkwürdig fand sie es doch, daß er ihre eigene Empfindung teilte. Und

plötzlich war sie nicht mehr so schroff zu ihm, denn es schoß ihr etwas

durch den Kopf, was ihrer Stimmung eine andere Wendung gab.

»Natürlich ist es so, keine Frage,« wandte Rudi überlegen ein.

Sie hörte nicht mehr darauf, sondern lenkte milde in andere Richtung

ein. »Na, wenn das alles so harmlos ist mit Dir, dann soll's mich

freuen. Den Stolzen gegen Fräulein brauchst Du nicht gerade zu spielen.«

Er hob verwegen die Schultern. »Aber natürlich ist es harmlos, Ma'chen.

Was denn sonst? Ich hätte ja auch nicht mal Chancen. Und dann bitte ich

Dich, Mama --: Rudi, und ein Hausfräulein! Hübsche Geschmacklosigkeit

von mir. Mal 'n bißchen plaudern, das ist ja was anderes. Sie trägt

sich übrigens ganz nett. Beinahe höhere Tochter. Ich glaube, man könnte

sich sogar mit ihr sehen lassen.«

Frau Roderich achtete nicht mehr auf seine Worte, denn ihre Gedanken

waren bereits wo anders. Und auch er verbarg die seinigen nur unter den

leeren Worten, die ihr zur Beruhigung dienen sollten. Plötzlich wandte

er sich mit einem Ruck ihr wieder zu. »Wenn Du wüßtest, was ich gesehen

habe, Ma'chen! ... Sage mal, kannst Du mir nicht zwanzig Mark pumpen --

bis morgen? Ich muß dann Papa wieder breit schlagen.«

Sie erschrak, denn sofort dachte sie daran, sie könnte am vergangenen

Nachmittag etwas unvorsichtig zu Fröhlich gewesen sein. Seit einiger

Zeit steckte Rudi auffallenderweise oft den Kopf ins Musikzimmer, und

gerade immer dann, wenn die Wogen ihrer Seelenwallungen besonders hoch

gingen. Die regelmäßige Folge davon war eine Anleihe bei ihr.

»Ist Dein Taschengeld schon wieder alle? Ich möchte wissen, was Du

manchmal so an einer Nacht läßt!« Aber schon hatte sie ihr silbernes

Netztäschchen hervorgeholt und reichte ihm das Goldstück hin, mehr aus

Angst als aus gutem Willen.

»Meine Zuckermama!«

»Na, na, na! Ich kenne Deine Schmeicheleien schon, die sich immer nach

meiner offenen Hand richten. Von wiedergeben ist ja doch keine Rede.«

Stets besorgt um ihre Frisur und um ihre sonstigen Toilettenkünste,

wehrte sie ihn mit beiden Händen ab.

»Denk' Dir nur, ich habe Neli mit einem Leutnant gesehen. Sie standen

drüben und sprachen zusammen. Um sie nicht in Verlegenheit zu setzen,

verzog ich mich, denn ich dachte, sie würden hier vorüberkommen.«

Frau Roderich atmete auf, aber sofort taten ihr die zwanzig Mark leid.

»Dabei ist doch nichts Besonderes zu finden. Ich glaubte wunder, was Du

mir sagen würdest,« stieß sie ärgerlich hervor. »Das wird der kleine

Sanden gewesen sein. Der ist ja schon lange in sie verschossen, sie

mag ihn aber nicht.«

»Nein, der war es nicht. Auch keiner von den anderen Bekannten. Ein

ganz Fremder. Sie tat ungemein freundlich. Wer weiß, wer da wieder

nach dem Kommißgeld gampelt. Hoffentlich tanzt nun endlich einmal der

richtige an. Meinen Segen hat er schon vorher.«

»Daraus wird sie sich gerade etwas machen. Zerbrich Dir nur nicht immer

über uns andere den Kopf. Laß nur Neli tun, was sie will! Sie ist

selbständig genug, ein ganz anderer Schlag als Du.«

»Na hör' mal --! Die hat ja auch Fischblut«.

Sie ließ ihn stehen und rauschte wieder die Treppe hinauf, dann, oben

angelangt, durch den langen Korridor, der sich wie eine Kegelbahn tief

nach hinten zog. Sie klopfte flüchtig an Fräuleins Zimmer und trat

schon hinein, ehe das Herein ertönte.

Es war ein nettes kleines Stübchen, das nach dem hinteren Garten hinaus

lag, einfach, aber reichlich ausgestattet. Selbst ein ausgedientes

Sofa hatte man noch an die Wand gequetscht, so daß die Schranktür zur

Notdurft aufgehen konnte. Das Bett stand dicht an der Tür. Auf dem

Tischchen am Fenster prangte im Glase ein Strauß duftiger Maiblumen,

der mit seinem frischen Geruch den ganzen Raum erfüllte. Ein kleines

Brettergehänge an der Wand war mit Büchern gefüllt, und auf dem

Tischchen hinter den Blumen standen verschiedene Photographien in

einfachen Rähmchen.

Sofort lockerte sich die schlechte Stimmung Frau Agathes. »Aber

Kindchen, was für eine Luft! Haben Sie gar nicht daran gedacht, das

Fenster zu öffnen? Sie waren doch auf!« Trotzdem sie stundenlang in

ihrem Boudoir wie eingekapselt saß, schrie sie bei anderen stets nach

frischer Luft, und gerade jetzt mit besonderer Betonung, um eine

Schleuse für ihren Groll zu finden. Noch vor wenigen Tagen hatte sie zu

ihrem Manne Fanny Frank ganz besonders darin gelobt, daß sie stets das

Zimmer lange lüfte.

Die Leidende richtete sich empor. Bisher gewöhnt daran, stets höflich

begrüßt zu werden, hatte sie sich freudig überrascht beim Eintritt der

Gebieterin gezeigt, nun aber schwand rasch das Lächeln. »Das Fenster

war eine ganze Zeit lang offen, gnädige Frau,« gab sie betroffen

zurück. »Ich wollte es nicht zu lange auflassen. -- Mir war nicht gut

zu Mute.«

Frau Roderich wurde um einen Grad freundlicher. »Wie geht's Ihnen denn

jetzt? Muß zum Arzt geschickt werden?«

Fräulein schüttelte mit dem Kopf. »Ich danke für gütige Sorge um mich.

Morgen wird's wohl besser sein.«

»Haben Sie sich auch nicht den Magen überladen? Manchmal kommt's davon,

und Sie essen ziemlich stark.«

Familiensklaven · 第 6 / 33 题