[1] _Bilfinger_, Die antiken Stundenangaben. Stuttgart 1888. ~c.~ 3.
[2] ~L. III. c.~ 3.
[3] Bekanntlich begannen die Babylonier, Perser, Römer, Griechen etc.
den Tag mit Sonnenaufgang, während die Juden ihn von Sonnenuntergang
an zählten. Die alten Aegypter fingen den Tag um Mitternacht an, von
Hipparch bis Copernicus auch die Astronomen; diese Einteilung ist
jetzt noch im bürgerlichen Leben gebräuchlich, während die modernen
Astronomen aus Gründen der größern Zweckmäßigkeit den Tag vom
höchsten Stand der Sonne, also von Mittag an zählen. Sagt man z. B.
im gewöhnlichen Leben: „den 8. Mai vormittags 9 Uhr,” so datiert der
Astronom „den 7. Mai 21 Uhr.”
[4] E. Gelcich: Geschichte der Uhrenmacherkunst. Weimar 1892. S. 7.
[5] Vergl. Herodot ~II.~ 109. u. ~Vitruv: de Architectura I. 8. c. 7~
[6] Wenn die Angabe Appions (~Jos. Flav. contra Appionem, I. II. c.
II.~) wahr ist, so hätte Moses zuerst als Sonnenuhren Säulen verwendet,
welche auf einem wie eine Schüssel geformten Fuß standen. Darin ging
der Schatten der Säule herum nach dem Laufe der Sonne am Himmel.
[7] Andere Beispiele siehe bei Bilfinger: Die Zeitmesser der antiken
Völker. 1886. S. 11.
[8] ~Hist. nat. XXXVI, 10.~
[9] Daß sich der Luxus schon frühe auch der Uhren bemächtigte, beweist
die im Jahre 62 v. Chr. von Pompejus im Pontus erbeutete Wasseruhr, die
bloß einmal täglich zu füllen war. Gefäß und Zifferblatt bestanden aus
Gold, während die Zeiger mit Rubinen besetzt und die Zahlen in Saphir
geschnitten waren. Wolf, Geschichte d. Astron. 1877. Nr. 40.
[10] Schafhäutl: Ueber die Geschichte der Uhren. S. 17.
[11] ~Athen Deipn. l. IV. c. 23.~ Nach dieser Beschreibung wäre es eine
Wasserorgel gewesen, die zur bestimmten Zeit einen Ton gab.
[12] In Athen war im ersten Jahrhundert vor Chr. durch Andronikos aus
Kyrrhos der sogenannte „Windturm” erbaut worden, ein Gegenstück der
heutigen Uhrensäulen in großen Städten. Auf dem Dache des kleinen
Gebäudes war ein Triton als Windfahne angebracht, der immer gegen den
Wind stand und mit einem Stab auf das Bild des eben wehenden Windes
zeigte. Die Bilder der acht Windgötter liefen rund um das Gebäude
herum. An den Mauerflächen sind noch jetzt die scharf geritzten
Sonnenzeiger sichtbar. Im Inneren war eine Wasseruhr angebracht, worauf
Rinnen und Löcher im Fußboden, sowie Reste eines Reservoirs hinweisen.
[13] ~l. c. lib. IX. c. 8.~ Die Uebersetzung ist von ~Dr.~ Reber.
Stuttg. 1865.
[14] Dazu bemerkt Reber: Man denke sich in einem allmählich sich mit
Wasser füllenden Bottich einen deckelförmig gehöhlten Schild mit nach
oben gekehrter Höhlung schwimmend und so angebracht, daß kein Hin- und
Herschwanken, sondern nur bei regelmäßig sich erhöhendem Wasserstand
ein regelmäßiges Aufsteigen desselben möglich ist. An dem Scheitel
dieses Schildes nun ist eine senkrechte Stange angebracht, welche
selbstverständlich auch mitgeschoben wird. Greift nun diese Stange,
auf einer Seite ausgezahnt, mit ihren Zähnchen in die entsprechenden
Zähnchen eines Rades oder einer Scheibe ein, so setzt sie auch diese in
Bewegung, die sich dann auch durch Vermittlung eines andern gezahnten
Rades auf eine zweite mit Zähnen versehene Stange fortsetzt, die
auf ihrem oberen Ende eine Figur trägt, welche mit einem Stäbchen
auf eine Säule zeigt. An dieser sind aber von unten bis oben die
Stundenzahlen verzeichnet. Je höher sich also die Figur hebt, eine
desto vorgerücktere Stunde wird ihr Stab zeigen.
[15] Bezüglich näherer Einzelheiten und Abbildungen verweisen wir auf
Bilfinger, a. a. O. S. 140 ff.
[16] Wolf, Geschichte der Astronomie. 1877. S. 162.
[17] Wolf, Biographien der Kunstgeschichte der Schweiz. ~II.~ S. 93.
[18] Winckelmann, ~Monumenti antichi inediti II. N~ 110.
[19] Streuber, Basler Taschenbuch 1850.
[20] Der Scherz Senecas über die Uhren seiner Zeit läßt ihre
Genauigkeit in einem schlimmen Licht erscheinen: ~„horam non possum
certam tibi dicere, facilius inter philosophos convenit, quam inter
horologia.”~ (Eher stimmen Philosophen mit einander überein, als
Uhren). ~Senec. in mortem Claudii Cæsaris ludus.~
[21] = Sanduhr.
[22] ~Divin. Lect. c. XXX.~
[23] ~Constitut. Hirsaug. Edit. Herrgott~ 1726. ~c~. 34. Der
~„cereus,”~ von dem hier die Rede, ist wahrscheinlich die Kerze, welche
im gemeinsamen Schlafsaal brennen mußte; man konnte also an der Abnahme
derselben die Zeit ungefähr abschätzen, welche seit dem Anzünden
verflossen war.
[24] Vgl. „Ein vließende liht meiner Gottheit”; dieses Werk in
oberdeutscher Mundart ist erhalten in einer Handschrift unseres
Stiftes, veröffentlicht von ~P.~ G. Morell, Regensbg. 1869.
[25] ~Dissertazioni sopra le Antichità Italiane~, ~t. I~, 2. ~p.~ 96.
[26] Vgl. Hock: Gerbert oder Papst Sylvester ~II.~ und sein
Jahrhundert, Wien 1837; Büdinger: Ueber Gerberts wissenschaftl. und
polit. Stellung, Kassel 1851.
[27] Wilhelm von Malmesbury war ein um die englische Geschichte höchst
verdienter Mann, Bibliothekar und Vorsänger im Kloster Malmesbury; er
hat viele Werke verfaßt, von denen aber noch nicht alle veröffentlicht
sind. Er lebte noch 1143. Sein Todesjahr ist unbekannt.
[28] Z. B. von Dubois in seiner ~Histoire de lʼhorlogerie~. ~Paris~
1849. ~p.~ 63 u. ff.
[29] Eine derartige große Uhr besaß z. B. das Stift Einsiedeln aus dem
Jahre 1663, welche später mit Pendel versehen wurde; sie befindet sich
jetzt im Landesmuseum in Zürich.
[30] Vergl. auch ~Parad. X~, 139-144:
„Darauf gleich dem Seiger (Sanduhr), der uns ruft zur Stunde, Da
Gottes Braut aufsteht dem Bräutigam, Daß er sie liebʼ, ihr Morgenlied
zu bringen, Da einen Teil zieht, den andern treibt, ~„Tin, tin,”~
enthaltend mit so süßem Klange.”
[31] ~Mém. de lʼAcad. t. XVI, p. 227~; diese Schilderung wurde auch in
die ~Encyclopédie~, ~s. v. „horloges,”~ aufgenommen.
[32] ~Murat. l. c. t. 17. p. 1092.~
[33] ~Dubois. p. 67.~
[34] Froissart schreibt: ~le duc de Bourgogne fit oster des halles un
orologe qui sonnait les heures, lʼun des plus beaux quʼon sçeut trouver
delà ne deçà la mer; et celuy orologe mettre tout par membres et par
pièces sur chars et la cloche aussi. Dub. p. 68.~
[35] Vergl. Sammlung bernischer Biographien, ~IV.~ Bd., Kaspar Brunner,
von Ad. Fluri. S. 437 u. ff.
[36] Vergl. Neues Berner Taschenbuch 1897, S. 185 ff.
[37] Schwilgué G. Kurze Beschreibung der astron. Uhr zu Straßburg.
S. 15. Wir folgen in der Schilderung der alten und neuen Uhr zum Teil
diesem Werkchen.
[38] R. Wolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 3. Cyklus.
S. 56.
[39] ~Hist. Olai Magni Gothi, Archiep. Upsal. De gentium
septentrionalium variis conditionibus. Basil.~ 1557.
[40] ~Ambrosius Camaldulensis~ (~Traversari~) geb. 1386, gest. 1439,
spricht in einem Briefe an den Gelehrten Nikolaus de Nicolao von Uhren
als etwas ganz Gewöhnlichem. „Deine Uhr ist bereit; ich hätte sie schon
gesendet, wenn ein Bote zu haben wäre. Ich ließ sie reinigen; sie
konnte nicht gehen, weil der Staub überall eingedrungen war. Weil der
Gang aber auch nachher noch nicht befriedigte, übergab ich das Werk dem
in solchen Dingen sehr geschickten jungen Angelo .....” ~Martène et
Durand Collectio ampliss. III.~
[41] Patron der Schlosserzunft, zu der alle, welche Hammer und Zange
führten, gerechnet wurden, war der heilige Petrus, weil er einen
Schlüssel führt; da auf seinen Bildern jedoch auch der Hahn, einer der
ersten Zeitmesser, erscheint, so behielten auch die Uhrmacher ihn als
Schutzheiligen bei.
[42] 1589 vereinigten sich die Genfer Uhrmacher zu einer Gilde. Nach
dem Urteil Großmanns (bei Gelcich, S. 164) lassen diese Statuten an
Strenge und Engherzigkeit alles hinter sich, was die Innungen des
deutschen Mittelalters hierin geleistet haben. (Auszug dieser Satzungen
ebendaselbst a. a. O.)
[43] Ott, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen
Mittelalters. Leipz. 1893, S. 290.
[44] Der Ursprung der Zwölfteilung (Duodezimalsystem) reicht bis ins
tiefste Altertum zurück; einige Gelehrte sind sogar der Ansicht, sie
datiere von der Urzeit des menschlichen Geschlechtes her. Dieses
System, das von der Natur selbst gegeben zu sein scheint, findet sich
bei den Babyloniern, welche nicht bloß ein Mondjahr zu 354 und das
eigentliche Sonnenjahr zu 365 Tagen kannten, sondern auch ein solches
zu 360 (12 mal 30) Tagen hatten. Die Indier und Aegypter zählten
das Jahr ebenfalls zu 360 Tagen, mit Einschluß der 5 Schalttage
(~Epagomenen~). Der Tag wurde in 12 Doppelstunden oder in 24 einfache
geteilt. Die Kreisteilung beruht bekanntlich ebenfalls auf dem
Duodezimalsystem.
Auch bei den Längenmaßen findet sich diese Teilung. Einheit der Länge
war bei den Babyloniern die Doppelelle, zu 60 Fingern, ein größeres
Wegmaß war das Soß zu 360 Doppelellen oder 720 einfachen. Die Hohlmaße
und Gewichte wurden von dieser Einheit in ähnlicher Weise, wie beim
heutigen metrischen Systeme abgeleitet. Daß wir auf unsern Uhren noch
die Einteilung in fünf Minuten haben, ist wahrscheinlich ebenfalls ein
Ueberrest dieser alten Zählungsart. -- Wenn der Uhrzeiger jetzt zweimal
täglich einen Umlauf macht, so erinnert das an die Zeit, wo es noch
keine mechanischen Uhren gab, sondern der Himmel direkt befragt werden
mußte, einmal des Nachts durch Beobachtung der Sterne (12 Zeichen des
Tierkreises), dann am Tage durch Verfolgung des Schattenweges des
Sonnenzeigers.
Neuestens soll nun diese alte Duodezimalabteilung durch das
Dezimalsystem, die Zehnteilung, verdrängt werden. Was Laplace und
einige Staatsregierungen in bezug auf die Kreisteilung in 400 Teile
(Kartographie) schon eingeführt, soll nun auch in der Zeitmessung zur
Anwendung gelangen, so daß die Stunde fortan 100 Minuten und 10000
Sekunden zählen würde. Da jedoch gegenwärtig nach großen Mühen endlich
das absolute System in die Wissenschaft eingeführt ist, welches ja
als Einheit auch die jetzige Sekunde benützt, so erscheint es sehr
fraglich, von andern Unbequemlichkeiten zu schweigen, ob die Nachteile
einer solchen Maßregel nicht größer wären, als die Vorteile derselben.
Vergl. über diesen Punkt z. B. Prometheus 1897. N. 416.
[45] Walther war noch in reiferen Jahren ein Schüler Regiomontans
geworden; er erbaute aus eigenen Mitteln zu Nürnberg eine Sternwarte
und versah sie mit kostbaren Instrumenten. 1472 beobachtete er mit
Regiomontan den eben erscheinenden Kometen. Er war auch der Erbe des
literarischen Nachlasses seines Lehrers, dessen Beobachtungen er
fortsetzte. Walther berücksichtigte bei seinen astronomischen Arbeiten
zuerst die Refraktion; er soll auch bei Ortsbestimmungen der Sonne
statt des Mondes die Venus verwendet haben.
[46] Tycho Brahe wurde geboren auf der Insel Schonen zu Knudstrup bei
Helsingborg im Jahre 1546. Er studierte in Kopenhagen und Leipzig und
machte seinen Namen bekannt durch Beobachtungen des Sterns von 1572.
Nach wechselvollen Schicksalen konnte er mit Unterstützung König
Friedrichs ~II.~ von Dänemark auf der Insel Hven (zwischen Seeland und
Schonen) eine Mustersternwarte, die „Uranienborg” bauen, auf welcher er
lange Jahre beobachtete. 1597 trat er als Astronom in den Dienst des
Kaisers Rudolf ~II.~ zu Prag. Er starb 1601.
[47] ~Astronomiæ instauratæ Progymnasmata. Uraniburgi et Pragæ~ 1610,
~p.~ 148.
[48] Bekanntlich bezeichneten die Alten die 7 Metalle, welche man
seit langer Zeit als solche kannte, mit dem Namen und Zeichen der 7
Planeten. Also: Gold, ☉ (Sonne); Silber, ☽ (Mond); Quecksilber, ☿
(Merkur); Kupfer, ♀ (Venus); Eisen, ♂ (Mars); Zinn, ♃ (Jupiter); Blei,
♄ (Saturn). Wie nun die Astrologen auf astronomischem Gebiete mit den
7 Planeten allerlei höchst sonderbare Ideen verbanden, so ihre Genossen,
die Alchemisten, in der Chemie. Eine besonders wichtige Rolle spielte
hier das Quecksilber, als Ausgangspunkt zur Herstellung des Steines
der Weisen, und dann natürlich, gerade wie heute, Gold und Silber, der
König und die Königin der Metalle. So wird die angeführte Aeußerung
Tychos verständlich.
[49] Der bekannte Philosoph Cardanus (1501-1576) hat als einer der
Ersten sehr interessante Gedanken über die Federuhren veröffentlicht in
seinem Werke ~Exæreton Mathematicorum~ (Band ~IV~ der Lyoner Ausgabe
von 1663 in zehn Foliobänden), ~Propositio~ 156 und 157. ~Propositio~
158 behandelt die Einrichtung des Schlagwerkes. In seinem Hauptwerke
~„de subtilitate,”~ ~lib. XXI~, ~p.~ 362 gibt er die Beschreibung
der ~„mola horologii”~ (Uhrfeder); ebendaselbst ~p.~ 612 ~lib. XVII~
wird die Erfindung der Uhren ohne Gewicht erwähnt. An gleicher Stelle
befindet sich auch eine Besprechung der „Cardanischen Aufhängung,”
die ihm übrigens mit Unrecht zugeschrieben wird. In seinen Schriften
erscheint er als ein excentrisches Genie; er rühmt von sich, bloß zu
dem Zwecke geboren zu sein, um die Welt von ihren Irrtümern zu erlösen,
behauptet auch, in je 24 Stunden griechisch, lateinisch, französisch
und spanisch gelernt zu haben. Seine Verdienste in der Mathematik
sind bedeutend, in seiner ~Ars magna~ gibt er die Auflösung kubischer
Gleichungen; er erfaßte auch zuerst den Begriff der negativen Wurzel
einer Gleichung. Man erzählt von ihm, er sei 1576 den freiwilligen
Hungertod gestorben, nur um die astrologische Vorhersage seines Endes
wahr zu machen.
[50] ~Tiraboschi t. IV. p.~ 775 und 1090. Die Ueberschrift des
Gedichtes besagt u. a.: ~„si fanno certi orologi piccoli e portativi.”~
[51] Ueber die Geschichte der Taschenuhr vgl. Karl Friedrich,
Bibliothekar in Nürnberg, im ~XI.~ Bande des Allgem. Journals der
Uhrmacherkunst; ferner den zusammenfassenden Artikel von Hofuhrmacher
Gustav Speckhart in „Antiquitätenzeitung,” Stuttgart 1896, Nr. 1 u.
ff. Hier werden auch die Ansprüche Augsburgs und Straßburgs, sowie
der Franzosen geprüft. Ebenso Saunier-Speckhart; Geschichte der
Zeitmeßkunst: S. 337 u. ff.
[52] ~Encyclopédie~, ~s. v. Horloge~.
[53] Gelcich (S. 28) schließt aus einer gegen Ende des vorigen
Jahrhunderts angeblich in dem Schlosse Tifeshire bei Bruce in England
aufgefundene Uhr, deren Zifferblatt die Worte trug: ~„Robertus B. rex
Scottorum”~ auf das hohe Alter der Taschenuhren. Dieser Robertus B.
wäre nämlich Robert Bruce, der 1306 die schottische Krone erhielt und
1329 starb. Nun hat aber schon Beckmann, Beiträge zur Geschichte der
Erfindungen, Leipzig 1785, Bd. ~II~, S. 468 u. ff. nachgewiesen, daß
diese berühmte Uhr eine Fälschung sei. Er stützt sich dabei auf einen
gewissen John Jamieson, der den Betrug im „Gentlemanʼs Magazine,” 1785,
~p.~ 688 zuerst aufdeckte.
[54] Ueber diese Frage vergleiche man: Peter Henlein, der Erfinder
der Taschenuhr. Fachgeschichtliche Abhandlung von Gustav Speckhart.
Nürnberg 1890.
[55] Vgl. über die Junghansʼsche Sammlung u. a. Deutsche
Uhrmacherzeitung, 1898, Nr. 8; Handelszeitung für die gesamte
Uhrenindustrie, 1898, Nr. 9 und 10 u. s. w. Laut einer Zeitungsmeldung
hätte Herr Kommerzienrat Junghans neuestens diese Sammlung dem
Gewerbe-Museum in Stuttgart geschenkt.
[56] ~Tir. VII. p.~ 1569.
[57] Capobianco brachte auch für den Kardinal von Sitten (Schinner?) an
einem Leuchter eine Uhr an, welche zugleich die Stunden schlug und die
Kerze anzündete. A. a. O. ~p.~ 1570.
[58] Vgl. ~Lacroix~, ~Les arts au moyen-âge et à lʼépoque de la
renaissance, (Horlogerie)~. ~Paris~ 1877.
[59] Er veröffentlichte diese Erfindung im ~Journal des Savants~ von
1675; Robert Hooke soll schon 1658 eine ähnliche Vorrichtung ausgedacht
haben; er nahm aber kein Patent, weil er sich mit seinen Genossen nicht
einigen konnte. Hautefeuille strengte sogar einen Prozeß gegen Huygens
an inbezug auf Priorität der Erfindung der Spiralfeder. Ersterer erfand
nebst vielem andern auch eine Pulvermaschine, das Vorbild der heutigen
Gasmotoren, bei welcher schon ein Kolben zur Anwendung gelangte.
[60] ~Almagestum novum~, ~t. I. p.~ 84 und 117. Daselbst befindet sich
auch eine Zeichnung der Pendelaufhängung. Von Riccioli und Grimaldi
rührt auch zum Teil die Nomenklatur der Mondgegenden her. Vgl. Stimmen
aus M. Laach 1898, Heft ~III~.
[61] ~Technica curiosa~, ~Herbipoli~ (Würzburg) 1664, Bd. ~II~,
~Propositio VII~, ~VIII~, ~IV~.
[62] Vergleiche hiezu noch: Wolf R., Biographien 1. Bd. S. 57 u. ff.
und desselben Verfassers Geschichte der Astronomie. S. 369 ff.; ferner
von demselben: Quellenmäßige Darstellung der Erfindungsgeschichte der
Pendeluhr bis auf Huygens, S. 308-344.
[63] Nach Heller, Geschichte der Physik ~I~, S. 296, schreibt Kepler in
seinem „Oesterreichischen Weinvisierbüchlein” Bürgi auch die Erfindung
des Rechnens mit Dezimalbrüchen zu.
[64] Annalen der Physik und Chemie. Neue Folge von G. Wiedemann,
Bd. ~IV~, 1878, S. 585 u. ff.
[65] ~Memorabilia Tigurina~. Zürich 1742. S. 490. Siehe auch S.
Vögelin, das alte Zürich. 2. Aufl. ~I.~ Bd. an verschiedenen Orten.
[66] Vergl. auch: E. Gerland. Ueber die Erfindung der Pendeluhr.
~Bibliotheca mathematica.~ 5. S. 234-247. 1904.
[67] ~Albèri, Le Opere di Galileo, t. XIV, p. 339: „dellʼOriuolo a
Pendolo.”~
[68] ~Albèri l. c.~ veröffentlichte die Zeichnung in seiner
Gesamtausgabe der Werke Galileiʼs; ebenso geben Biedermann (Bericht
über die Ausstellung wissenschaftlicher Apparate. London 1877) und
andere eine Kopie davon.
[69] Die Beschreibung, welche Viviani gibt, lautet: ~„Il quale~
(das Pendel) ~stando fermo tratteneva il discender di quello~ (des
Gewichtes), ~ma sollevato in fuori e lasciato poi in libertà, nel
passare oltre il perpendicolo, con la più lunga delle due code
annesse allʼimpernatura del dondolo, alzava la chiave che posa ed
incastra nella ruota delle tacche, la quale tirata dal contrappeso,
voltandosi con le parti superiori verso il dondolo, con uno deʼ suoi
pironi calcava per disopra lʼaltra codetta più corta, e le dava nel
principio del suo ritorno uno impulso tale, che serviva dʼuna certa
accompagnatura al pendolo, che lo faceva sollevare fino allʼaltezza
donde sʼera partito; il qual ricadendo naturalmente, e trapassando il
perpendicolo, tornava a sollevare la chiave, e subito la ruota delle
tacche, in vigore del contrappeso, ripigliava il suo moto seguendo a
volgersi e spignere col pirone susseguente il detto pendolo; e così in
un certo modo si andava perpetuando lʼandata e tornata del pendolo,
sino a che il peso poteva calare a basso.”~
[70] „Huygens,” (sprich: Heuchens) nicht „Huyghens,” ist die
richtige Schreibweise, denn so schreibt sich der Gelehrte selbst. Im
physikalischen Kabinett des Collège de ~N. D. de la Paix~ zu Namur
befinden sich drei von H. geschliffene Linsen, in welche er auch seinen
Namen in folgender Weise eingeritzt hat: C. Huygens 15. Mai 1695;
C. Huygens 12. Juni 1685; Chr. Hugenius a^o 1685. 24. Juli. Heller
~II.~ S. 180.
[71] Es war bei den Gelehrten des 17. Jahrhunderts vielfach
Uebung, zur Wahrung der Priorität einer Entdeckung dieselbe in ein
rätselhaftes Gewand zu kleiden, so daß für jeden Nichteingeweihten
ein unverständlicher Sinn herauskam. _Galilei_ veröffentlichte
die Entdeckung der „Dreigestaltigkeit” des Saturn in seinem
~Sidereus nuntius~ (Sternenbote) unter folgendem Anagramm:
~„SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS.”~ Kepler versuchte sich lange
umsonst daran, um endlich einen falschen Satz zu finden, bis Galilei
auf wiederholte Bitten das scheinbar sinnlose Buchstabengewirr las:
~„Altissimum Planetam tergeminum observavi.”~ (den äußersten Planeten
habe ich dreigestaltig gesehen). Als er aber später denselben wieder
beobachten wollte und nun nichts Auffälliges mehr bemerkte (weil eben
die Stellung ungünstig war), soll er, ärgerlich über die vermeintliche
Täuschung, Saturn keines Blickes mehr gewürdigt haben. In ähnlicher
Weise gab auch _Huygens_ der gelehrten Welt ein Rätsel auf: ~a a a a
a a a c c c c c d e e e e e g h i i i i i i i l l l l m m n n n n n n
n n n o o o o p p q r r s t t t t t u u u u u~. Es ist nun ganz klar,
daß eine Lösung für jedermann vollständig unmöglich ist, außer für
den Verfasser; denn wie die Kombinationslehre zeigt, sind hier viele
tausend Billionen Lösungen möglich (die Zahl, welche entsteht, hat
ca. 64 Stellen!), von denen doch nur eine richtig sein kann. In der
oben genannten Schrift wird diese Lösung gegeben: ~„Annulo cingitur,
tenui, plano, nusquam cohærente, ad eclipticam inclinato,”~ d. h.:
Er (Saturn) ist umgeben von einem dünnen, ebenen, nirgends mit ihm
zusammenhängenden, gegen die Ekliptik geneigten Ringe. Die modernen
Teleskope, welche weite Tiefen des Himmels durchdringen, beweisen uns,
daß dieses Gebilde aus wenigstens drei von einander getrennten Ringen
besteht; über ihre wirkliche Beschaffenheit dagegen sind wir noch nicht
ins klare gekommen.
[72] Lebte 1605-1694 als französischer Geistlicher und Gelehrter und
stand mit Huygens in lebhaftem Verkehr. Er verfaßte u. a.: ~Ismaelis
Bullialdi Astronomia philolaica~, Paris 1645, worin er z. B. auch von
der Gravitation spricht.
[73] ~l. c. p.~ 601.
[74] Vergl. Gerland und Trautmüller: Geschichte der physikal.
Experimentierkunst. Leipzig 1899. S. 181.
[75] Dieser Vorschlag Huygensʼ, um zu einem absoluten Maß zu
kommen, ist zwar sehr interessant, praktisch aber unbequem, da wir
jetzt wissen, daß die Länge des Sekundenpendels eine Funktion der
geographischen Breite ist, d. h. von dieser abhängt. Zur Zeit Huygensʼ
war dieser Umstand noch unbekannt. Jean Picard gilt als der erste,
welcher behauptete, daß am Aequator ein und dasselbe Pendel langsamer
schwinge als am Pol; Jean Richer hat durch Messungen in Cayenne diese
Vermutung bestätigt. -- Neuestens hat Freycinet (~Compt. rend.~ 105,
~p.~ 903), ohne ersichtlichen Vorteil, einen ähnlichen Vorschlag
gemacht, nämlich als Einheit der Länge die Geschwindigkeit anzunehmen,
welche ein Körper erlangt hat, wenn er in Paris eine Sekunde lang im
leeren Raum gefallen ist. Es ist aber gewiß merkwürdig, daß schon
vor mehr als 4000 Jahren die Babylonier das Ideal Huygensʼ betreffs
Stundenfuß wahrscheinlich verwirklicht haben. Sicher ist, daß die
Längenmaße ursprünglich vom menschlichen Körper hergenommen wurden;
z. B. die „Elle” (Strecke zwischen dem Ellenbogen und der Spitze des
Mittelfingers), der Fuß, der Daumen u. s. w. Nach der Ansicht von
Lehmann, Alsberg u. s. w. (vergl. Jahrbuch der Naturwissenschaften,
~VI~, S. 334 ff.) wären die Babylonier später davon abgegangen und
hätten die Norm für das Längenmaß vom Sekundenpendel hergenommen.
[76] Eine solche „Schiffsuhr” findet sich im vorliegenden Werke
Huygensʼ abgebildet und besprochen; ebenso die Aufstellung des
Instrumentes. Die Holländer als seefahrende Nation halten natürlich
großes Interesse an allem, was die Schifffahrt zu heben geeignet war.
Hiezu gehört aber in erster Linie eine genaue und leichte Bestimmung
der Meereslängen, die aber wiederum nur möglich ist mit Hilfe präzis
gehender Uhren. Näheres über diesen Gegenstand folgt später.
[77] Liegt er innerhalb der Peripherie, wie z. B. ein Punkt auf
den Speichen eines Rades, oder außerhalb derselben, so heißen die
entsprechenden Rollkurven _gedehnte_ oder gestreckte und _verkürzte_
oder verschlungene Cykloiden. Rollt der Mittelpunkt des Kreises statt
auf einer Geraden auf der Peripherie eines andern Kreises, so entsteht
die Epicykloide, welche im Ptolemäischen Weltsystem bis auf Kepler
eine wichtige Rolle spielte, indem durch sie die oft verwickelten
Planetenbewegungen auf die als allein zulässig geltende Kreisbewegung
zurückgeführt wurden.
[78] ~III.~ Teil, ~Propos. VI~. Wenn der Krümmungshalbmesser einer
Kurve diese selbst durchläuft, so beschreibt bei stets wechselndem
Krümmungshalbmesser ihr Mittelpunkt eine neue Kurve, die man _Evolute_
nennt; die ursprüngliche Kurve heißt die _Evolvente_ ihrer Evolute.
Bei der Cykloide ist nun die Evolute auch wieder eine Cykloide; daher
ihre Wichtigkeit für das Pendel. Sie ist kongruent mit der Evolvente,
aber um 90° gegen diese verschoben. So z. B. in Fig. 32, wo ~A B E~ die
Evolvente, und ~A D E~ die Evolute derselben darstellt.
[79] Johann Mannhardt, geb. 1798, verlor früh seinen Vater; die
Mutter, eine, wie es scheint, etwas rauhe Frau, konnte sich um die
Erziehung der Kinder nicht viel kümmern, da sie vollauf zu tun hatte,
der Familie den nötigen Unterhalt zu beschaffen. Bald wurde der Knabe
als Hirtenbube verdingt, und blieb bei seinem Bauer, bis ihn ein
glücklicher Zufall in eine Uhrmacherwerkstätte führte, in welche er
bald als Lehrling eintrat und acht Jahre blieb. Später als Geselle in
Miesbach beschäftigt, fand er in der Person des Generalmaut-Direktors
von Miller aus München einen warmen Gönner, der ihn auch später nicht
vergaß und die erste Turmuhr, die Mannhardt für Egern verfertigte,
von einer Kommission des Polytechnischen Vereins in München
begutachten ließ. 1827 siedelte er nach München über, wo sich seine
Verhältnisse nach und nach besserten und sein Name in weiteren Kreisen
bekannt wurde. Im Jahre 1837 verlieh ihm König Ludwig die goldene
Zivilverdienst-Medaille. 1842 verfertigte Mannhardt eine Uhr für die
Domkirche in München, welche auf beiden Türmen an 6 Zifferblättern die
Zeit angibt. Später kamen Uhren seines Systems nach Berlin (Rathaus),
Rom (Vatikan) u. s. w. Mannhardt erhielt auch auf Verwendung Ludwigʼs
~I.~ eine staatliche Unterstützung. Immer mehr suchte er seine
Kenntnisse, namentlich durch große Reisen, die er im Fachinteresse
unternahm, zu mehren. Außer Uhren wurden in der Mannhardtʼschen Fabrik
noch alle möglichen Maschinen angefertigt. Der unermüdlich tätige Mann
starb nach vielen schmerzlichen Prüfungen im Jahre 1878, 80 Jahre
alt. (Vergl. über unsern Meister: E. Gohlke: Die Turmuhr des Berliner
Rathauses, von Georg F. Bley. 1894.)
[80] Vergleiche über diese Punkte die Schrift S. Rieflers: Die
Präzisionsuhren mit vollkommen freiem Echappement und neuem
Quecksilber-Kompensationspendel. München 1894. Die Angaben Herrn
Rieflers sind im folgenden teilweise benützt.
[81] Die folgenden Angaben sind größtenteils den Ausführungen Herrn
Rieflers entnommen, wie sie in den Preisverzeichnissen seiner Firma,
sowie in der schon oben genannten Schrift desselben Verfassers: „Die
Präzisionsuhren” etc. gegeben sind.
[82] Rainer Gemma Frisius wurde geboren zu Dorpat 1508 und starb als
Professor der Medizin zu Löwen 1555. Die hier in Frage kommende Schrift
erschien 1530 zu Antwerpen unter dem Titel: ~de principiis astronomiæ
et cosmographiæ~.
[83] Galilei hatte sie aufmerksam gemacht auf eine mögliche Verwertung
der Beobachtung der Jupitertrabanten für die Bestimmung der Länge. Der
Vorschlag blieb jedoch erfolglos, ebenso wie die später seitens der
Holländer mit Galilei angeknüpften Unterhandlungen, worin sie ihm eine
goldene Ehrenkette für die Lösung des Problems anboten.
[84] Als Maßstab für die hohe, schon vor 150 Jahren erreichte
Genauigkeit mag die Angabe dienen, daß z. B. das Pariser Observatorium
für moderne Chronometer als Fehlergrenze für 3 Monate 120″, also pro
Tag 1⅓″, angibt.
[85] Nach Saunier.
[86] F. Brönimann erwähnt in seinem Jahresbericht der Solothurner
Kantonschule 1891: „die Uhr”, folgende hübsche Anekdote. Berthoud war
Mitglied der Akademie und las öfters über theoretische Fragen der
Uhrmacherkunst vor. Seine gelehrten, aber wohl dann und wann etwas
trockenen Erörterungen fanden nicht immer den Beifall der Kollegen. Ein
Mitglied schrieb nun einst während einer solchen Sitzung folgende Verse
auf einen Zettel, der rasch von Hand zu Hand ging:
~Berthoud, quand de _lʼéchappement_ Tu nous trace la théorie, Heureux
qui peut adroitement, _Sʼéchapper_ de lʼacadémie.~
Der Erfolg war, daß schließlich außer dem Vorlesenden nur noch der
Präsident nebst Sekretär im Saale anwesend waren.
[87] Die folgenden Ausführungen entnehmen wir einem Aufsatze der
deutschen Uhrmacherzeitung, den Speckhart in seiner Bearbeitung des
Saunierschen Werkes, S. 549 und 550 mitteilt.
[88] 1766 wurden in Le Locle und La Chaux-de-Fonds über 15000 goldene
und silberne Uhren, sowie zahlreiche Standuhren (~pendules~) verfertigt.
[89] „~P.~ Franz Steyrerʼs Benediktiners des Stiftes St. Peter auf dem
Schwarzwalde Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherkunst, nebst einem
Anhange von dem Uhrenhandel derselben. Eine Beylage zur Geschichte des
Schwarzwaldes. Freyburg i. Br. 1796.”
[90] Die älteste datierte Holzräderuhr befindet sich in der Sammlung
Junghans in Schramberg, mit der Jahreszahl 1613 (Fig. 65). Eine weitere
aus dem Jahre 1630 besitzt das germanische Museum.
[91] Diese Schule umfaßt 2 Abteilungen, eine für Uhrmacherei,
(Heranbildung von Taschenuhrenfabrikanten, Konstrukteure, Reparateure
und Werkführer), die andere für Elektrotechnik (Herstellung
elektrischer Uhren, Fabrikanten und Monteure von Haus- und
Hôteltelegraphen, Fernsprechanlagen u. s. w.). Der Unterricht umfaßt
niedere und höhere Mathematik, Physik und Chemie, Astronomie (Orts-
und Zeitbestimmungen), Zeichnen, Technologie, Handelswissenschaft,
Französisch und Englisch. Der mehr praktische Teil umfaßt die
eigentliche Uhrmacherei. Reiche Sammlungen und Anlagen aller Art machen
die Anstalt zu einer der besten, welche zur Zeit existieren.
[92] Eine weitere befindet sich in Coventry; auch auf dem Londoner
Polytechnikum wird ein Kurs für Uhrmacher gegeben.
[93] Das Hauptprüfungsinstitut ist in Greenwich; außerdem befassen sich
damit die Observatorien in Liverpool, Southampton etc.
Verlagsanstalt Benziger & Co. A. G, Einsiedeln, Waldshut, Köln a/Rh.