Kleinodwort: -- Weltfriede! Aber es lebte und flog zurück von einem zum
andern. Es war ein Gemurmel der Ergriffenheit und Feierlichkeit. Von
ferne her kam der Wind und brachte weiche Akkorde beginnender Choräle.
Gedämpfte Posaunenklänge, Menschenstimmen, welche zaghaft und rein
sangen; bis etwas brach, wie das Eis eines Stromes, und ein Gesang
emporschwoll wie von tausend brausenden Orgeln. Ein Gesang, der ganz
Seele und Sturm war und eine alte Melodie hatte, die er kannte: »Nun
danket alle Gott.«
Er kam zu sich. Sein Herz hämmerte. Er war nahe am Weinen. Vor seinen
Augen schwammen weiße Punkte durcheinander. Seine Glieder waren wie
zerschlagen.
Er setzte sich auf eine Bank nieder, die am See stand, und fing an, das
Brot zu essen, das er sich gekauft hatte. Dann schälte er die Orange und
drückt die kalte Schale an seine Stirn. Mit Andacht, wie der Christ die
Hostie, genoß er die Frucht. Noch war er damit nicht zu Ende, als er
müde zurücksank. Ein wenig Schlaf würde ihm willkommen gewesen sein. Ja,
wenn das so leicht wäre: ausruhen. Wie soll man ruhen, wenn es im Kopfe
drinnen endlos wühlt und gärt? Wenn das Herz heraus will, wenn es einen
zieht ins Unbestimmte, -- wenn man eine Mission hat, die verlangt, daß
man sich ihr unterziehe -- wenn die Menschen draußen warten und sich die
Köpfe zerbrechen? Wie soll man ruhen und schlafen, wo es not tut zu
handeln?
Es war ein peinigender Zustand, wie er so dalag. Fragen und Fragen und
nie eine Antwort. Graue, quälende Leere, mitunter schmerzende
Stockungen. An einen Ziehbrunnen mußte er denken. Man steht, zieht mit
aller Kraft am Seil, aber das Rad, worüber es geht, dreht sich nicht
mehr. Man läßt nicht nach mit Zerren und Stemmen. Der Eimer soll herauf.
Man dürstet zum Verschmachten. Das Rad gibt nicht nach. Weder vor- noch
rückwärts schiebt sich das Seil. -- Eine Plage war das, eine Qual --
beinahe ein physisches Leiden. Als er Schritte vernahm, freute er sich
der Ablenkung. Ja, du lieber Gott! Was war das überhaupt für ein Gedanke
gewesen, jetzt schlafen zu wollen! Er stand auf, verwundert, daß er sich
in seiner Kammer befand, und öffnete die Tür nach dem Flur. Seine
Mutter, wie er wußte, stand auf dem Gange, und er mußte sie
hereinlassen. Sie kam, sah ihn an mit strahlender Bewunderung, ihre
Lippen zitterten, und sie faltete in Ehrfurcht ihre Hände. Er legte ihr
die Hände aufs Haupt und sprach: stehe auf! -- und -- die Kranke erhob
sich und konnte gehen. Und wie sie sich aufrichtete, erkannte er, daß es
nicht seine Mutter war, sondern er, der Dulder von Nazareth. Nicht nur
geheilt hatte er ihn; er hatte ihn lebendig gemacht. Noch wehten die
Grabtücher um Jesu Leib. Er kam auf ihn zu und schritt in ihn hinein.
Und eine unbeschreibliche Musik tönte, als er so in ihn hineinging. Den
ganzen geheimnisvollen Vorgang als die Gewalt Jesu in der seinigen sich
auflöste, empfand er genau. Er sah nun die Jünger, die den Meister
suchten. Aus ihnen trat Petrus auf ihn zu und sagte: Rabbi! -- »Ich bin
es,« gab er zur Antwort. Und Petrus kam näher, ganz nahe, berührte
seinen Augapfel und begann ihn zu drehen: der Jünger drehte den Erdball.
Die Stunde war da, sich dem Volke zu zeigen. Auf den Balkon des Saales,
den er bewohnte, trat er hinaus. Unten wogte die Menge, und in das
Brausen und Wogen sang eine einzige dünne Kinderstimme: »Christ ist
erstanden.«
Sie hatte kaum begonnen, als das Eisen des Balkons nachgab. Er erschrak
heftig, wachte auf, rieb sich die Augen und wurde inne, daß er auf der
Bank eingeschlafen war. --
Gegen Mittag mochte es sein. Er wollte wieder hinauf in den Buchenwald,
um seine Zeit abzuwarten Die Sonne sollte ihn weihen, dort oben.
Noch immer kühle und reine Luft, wie er den Berg hinanstieg. Hymnen der
Vögel. Der Himmel wie eine blaßblaue, leere Kristallschale. Alles so
makellos. Alles so neu.
Auch er selbst war neu. Er betrachtete seine Hand, es war die Hand eines
Gottes; und wie frei und rein war sein Geist! Und diese Ungebundenheit
der Glieder, diese völlige innere Sicherheit und Skrupellosigkeit.
Grübeln und Denken lag ihm nun weltfern. Er lächelte voll Mitleid, wenn
er an die Philosophen dieser Welt zurückdachte. Daß sie mit ihrem
Grübeln etwas ergründen wollten, war so rührend, wie wenn etwa ein Kind
sich abmüht, mit seinen zwei bloßen Ärmchen in die Luft zu fliegen.
Nein, nein -- dazu gehören Flügel, breite Riesenschwingen eines Adlers
-- Kraft eines Gottes!
Er trug etwas wie einen ungeheuren Diamanten in seinem Kopfe, dessen
Licht alle schwarzen Tiefen und Abgründe hell machte: da war kein Dunkel
mehr in seinem Bereich ... Das große Wissen war angebrochen. --
Die Glocken der Kirchen begannen zu läuten. Ein Gewühl und Gebrause von
Tönen erfüllte das Tal. Mit einer erznen Zunge schien die Luft zu
sprechen.
Er beugte sich vor und lauschte, als es zu ihm heraufkam. Er senkte das
Haupt nicht, er kniete nicht nieder. Er horchte lächelnd wie auf eines
alten Freundes Stimme, und doch war es Gottvater, der mit seinem Sohne
redete.
Ende
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Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (Übertragung.) 18. Auflage.
Schluck und Jau. Spiel zu Scherz und Schimpf. 10. Auflage.
Michael Kramer. Drama. 11. Auflage.
Der rote Hahn. Tragikomödie. 8. Auflage.
Der arme Heinrich. Dramatische Dichtung. 23. Auflage.
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Griselda. 6. Auflage.
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Die Ratten. Berliner Tragikomödie. 7. Auflage.
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Schlenther.
12. Band: Deutsche Kunst. Von Karl Scheffler.
13. Band: Gedanken zur deutschen Sendung. Von Alfred Weber.
S. Fischer · Verlag · Berlin
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jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
steht.
die Straße, wo er Tobiaschen sogleich aufgriff, der mit den Fingern Kalk
die Straße, wo er Tobiäschen sogleich aufgriff, der mit den Fingern Kalk
spiegelten die trübe Natur noch trüber wieder.
spiegelten die trübe Natur noch trüber wider.
»Ein fruchtbares Wetter,« dachte Thiel, als er aus tiefem Nachdenken
»Ein furchtbares Wetter,« dachte Thiel, als er aus tiefem Nachdenken
Charite überführt wurde. Noch bei der Einlieferung hielt er das braune
Charité überführt wurde. Noch bei der Einlieferung hielt er das braune
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