In diesem Augenblick öffnete Thiel die Tür des Wohnzimmers,

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Fischers Bibliothek

zeitgenössischer Romane

Bahnwärter Thiel

von

Gerhart Hauptmann

S. Fischer, Verlag, Berlin

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten

Inhalt

Bahnwärter Thiel 7

Der Apostel 71

Bahnwärter Thiel

1

Allsonntäglich saß der Bahnwärter Thiel in der Kirche zu Neu-Zittau,

ausgenommen die Tage, an denen er Dienst hatte oder krank war und zu

Bette lag. Im Verlaufe von zehn Jahren war er zweimal krank gewesen;

das eine Mal infolge eines vom Tender einer Maschine während des

Vorbeifahrens herabgefallenen Stückes Kohle, welches ihn getroffen

und mit zerschmettertem Bein in den Bahngraben geschleudert hatte;

das andere Mal einer Weinflasche wegen, die aus dem vorüberrasenden

Schnellzuge mitten auf seine Brust geflogen war. Außer diesen beiden

Unglücksfällen hatte nichts vermocht, ihn, sobald er frei war, von der

Kirche fernzuhalten.

Die ersten fünf Jahre hatte er den Weg von Schön-Schornstein, einer

Kolonie an der Spree, herüber nach Neu-Zittau allein machen müssen.

Eines schönen Tages war er dann in Begleitung eines schmächtigen und

kränklich aussehenden Frauenzimmers erschienen, die, wie die Leute

meinten, zu seiner herkulischen Gestalt wenig gepaßt hatte. Und wiederum

eines schönen Sonntag Nachmittags reichte er dieser selben Person am

Altare der Kirche feierlich die Hand zum Bunde fürs Leben. Zwei Jahre

nun saß das junge, zarte Weib ihm zur Seite in der Kirchenbank; zwei

Jahre blickte ihr hohlwangiges, feines Gesicht neben seinem vom Wetter

gebräunten in das uralte Gesangbuch --; und plötzlich saß der Bahnwärter

wieder allein wie zuvor.

An einem der vorangegangenen Wochentage hatte die Sterbeglocke geläutet:

das war das Ganze.

An dem Wärter hatte man, wie die Leute versicherten, kaum eine

Veränderung wahrgenommen. Die Knöpfe seiner sauberen Sonntagsuniform

waren so blank geputzt als je zuvor, seine roten Haare so wohl geölt und

militärisch gescheitelt wie immer, nur daß er den breiten, behaarten

Nacken ein wenig gesenkt trug und noch eifriger der Predigt lauschte

oder sang, als er es früher getan hatte. Es war die allgemeine Ansicht,

daß ihm der Tod seiner Frau nicht sehr nahe gegangen sei; und diese

Ansicht erhielt eine Bekräftigung, als sich Thiel nach Verlauf eines

Jahres zum zweiten Male, und zwar mit einem dicken und starken

Frauenzimmer, einer Kuhmagd aus Alte-Grund, verheiratete.

Auch der Pastor gestattete sich, als Thiel die Trauung anmelden kam,

einige Bedenken zu äußern:

»Ihr wollt also schon wieder heiraten?«

»Mit der Toten kann ich nicht wirtschaften, Herr Prediger!«

»Nun ja wohl -- aber ich meine -- Ihr eilt ein wenig.«

»Der Junge geht mir drauf, Herr Prediger.«

Thiels Frau war im Wochenbett gestorben, und der Junge, welchen sie zur

Welt gebracht, lebte und hatte den Namen Tobias erhalten.

»Ach so, der Junge,« sagte der Geistliche und machte eine Bewegung, die

deutlich zeigte, daß er sich des Kleinen erst jetzt erinnere. »Das ist

etwas andres -- wo habt Ihr ihn denn untergebracht, während Ihr im

Dienst seid?«

Thiel erzählte nun, wie er Tobias einer alten Frau übergeben, die ihn

einmal beinahe habe verbrennen lassen, während er ein anderes Mal von

ihrem Schoß auf die Erde gekugelt sei, ohne glücklicherweise mehr als

eine große Beule davonzutragen. Das könne nicht so weiter gehen, meinte

er, zudem da der Junge, schwächlich wie er sei, eine ganz besondere

Pflege benötige. Deswegen und ferner weil er der Verstorbenen in die

Hand gelobt, für die Wohlfahrt des Jungen zu jeder Zeit ausgiebig Sorge

zu tragen, habe er sich zu dem Schritte entschlossen. --

Gegen das neue Paar, welches nun allsonntäglich zur Kirche kam, hatten

die Leute äußerlich durchaus nichts einzuwenden. Die frühere Kuhmagd

schien für den Wärter wie geschaffen. Sie war kaum einen halben Kopf

kleiner wie er und übertraf ihn an Gliederfülle. Auch war ihr Gesicht

ganz so grob geschnitten wie das seine, nur daß ihm im Gegensatz zu dem

des Wärters die Seele abging.

Wenn Thiel den Wunsch gehegt hatte, in seiner zweiten Frau eine

unverwüstliche Arbeiterin, eine musterhafte Wirtschafterin zu haben, so

war dieser Wunsch in überraschender Weise in Erfüllung gegangen. Drei

Dinge jedoch hatte er, ohne es zu wissen, mit seiner Frau in Kauf

genommen: eine harte, herrschsüchtige Gemütsart, Zanksucht und brutale

Leidenschaftlichkeit. Nach Verlauf eines halben Jahres war es

ortsbekannt, wer in dem Häuschen des Wärters das Regiment führte. Man

bedauerte den Wärter.

Es sei ein Glück für »das Mensch«, daß sie ein so gutes Schaf wie den

Thiel zum Manne bekommen habe, äußerten die aufgebrachten Ehemänner; es

gäbe welche, bei denen sie greulich anlaufen würde. So ein »Tier« müsse

doch kirre zu machen sein, meinten sie, und wenn es nicht anders ginge,

denn mit Schlägen. Durchgewalkt müsse sie werden, aber dann gleich so,

daß es zöge.

Sie durchzuwalken aber war Thiel trotz seiner sehnigen Arme nicht der

Mann. Das, worüber sich die Leute ereiferten, schien ihm wenig

Kopfzerbrechen zu machen. Die endlosen Predigten seiner Frau ließ er

gewöhnlich wortlos über sich ergehen, und wenn er einmal antwortete, so

stand das schleppende Zeitmaß, sowie der leise, kühle Ton seiner Rede in

seltsamstem Gegensatz zu dem kreischenden Gekeif seiner Frau. Die

Außenwelt schien ihm wenig anhaben zu können: es war, als trüge er etwas

in sich, wodurch er alles Böse, was sie ihm antat, reichlich mit Gutem

aufgewogen erhielt.

Trotz seines unverwüstlichen Phlegmas hatte er doch Augenblicke, in

denen er nicht mit sich spaßen ließ. Es war dies immer anläßlich

solcher Dinge, die Tobiäschen betrafen. Sein kindgutes, nachgiebiges

Wesen gewann dann einen Anstrich von Festigkeit, dem selbst ein so

unzähmbares Gemüt wie das Lenes nicht entgegenzutreten wagte.

Die Augenblicke indes, darin er diese Seite seines Wesens herauskehrte,

wurden mit der Zeit immer seltener und verloren sich zuletzt ganz. Ein

gewisser leidender Widerstand, den er der Herrschsucht Lenens während

des ersten Jahres entgegengesetzt, verlor sich ebenfalls im zweiten. Er

ging nicht mehr mit der früheren Gleichgültigkeit zum Dienst, nachdem er

einen Auftritt mit ihr gehabt, wenn er sie nicht vorher besänftigt

hatte. Er ließ sich am Ende nicht selten herab, sie zu bitten, doch

wieder gut zu sein. -- Nicht wie sonst mehr war ihm sein einsamer Posten

inmitten des märkischen Kiefernforstes sein liebster Aufenthalt. Die

stillen, hingebenden Gedanken an sein verstorbenes Weib wurden von denen

an die Lebende durchkreuzt. Nicht widerwillig, wie die erste Zeit, trat

er den Heimweg an, sondern mit leidenschaftlicher Hast, nachdem er

vorher oft Stunden und Minuten bis zur Zeit der Ablösung gezählt hatte.

Er, der mit seinem ersten Weibe durch eine mehr vergeistigte Liebe

verbunden gewesen war, geriet durch die Macht roher Triebe in die Gewalt

seiner zweiten Frau und wurde zuletzt in allem fast unbedingt von ihr

abhängig. -- Zuzeiten empfand er Gewissensbisse über diesen Umschwung

der Dinge und er bedurfte einer Anzahl außergewöhnlicher Hilfsmittel, um

sich darüber hinweg zu helfen. So erklärte er sein Wärterhäuschen und

die Bahnstrecke, die er zu besorgen hatte, insgeheim gleichsam für

geheiligtes Land, welches ausschließlich den Manen der Toten gewidmet

sein sollte. Mit Hilfe von allerhand Vorwänden war es ihm in der Tat

bisher gelungen, seine Frau davon abzuhalten, ihn dahin zu begleiten.

Er hoffte es auch fernerhin tun zu können. Sie hätte nicht gewußt,

welche Richtung sie einschlagen sollte, um seine »Bude«, deren Nummer

sie nicht einmal kannte, aufzufinden.

Dadurch, daß er die ihm zu Gebote stehende Zeit somit gewissenhaft

zwischen die Lebende und Tote zu teilen vermochte, beruhigte Thiel sein

Gewissen in der Tat.

Oft freilich und besonders in Augenblicken einsamer Andacht, wenn er

recht innig mit der Verstorbenen verbunden gewesen war, sah er seinen

jetzigen Zustand im Lichte der Wahrheit und empfand davor Ekel.

Hatte er Tagdienst, so beschränkte sich sein geistiger Verkehr mit der

Verstorbenen auf eine Menge lieber Erinnerungen aus der Zeit seines

Zusammenlebens mit ihr. Im Dunkel jedoch, wenn der Schneesturm durch die

Kiefern und über die Strecke raste, in tiefer Mitternacht beim Scheine

seiner Laterne, da wurde das Wärterhäuschen zur Kapelle.

Eine verblichene Photographie der Verstorbenen vor sich auf dem Tisch,

Gesangbuch und Bibel aufgeschlagen, las und sang er abwechselnd die

lange Nacht hindurch, nur von den in Zwischenräumen vorbeitobenden

Bahnzügen unterbrochen, und geriet hierbei in eine Ekstase, die sich zu

Gesichten steigerte, in denen er die Tote leibhaftig vor sich sah.

Der Posten, den der Wärter nun schon zehn volle Jahre ununterbrochen

innehatte, war aber in seiner Abgelegenheit dazu angetan, seine

mystischen Neigungen zu fördern.

Nach allen vier Windrichtungen mindestens durch einen

dreiviertelstündigen Weg von jeder menschlichen Wohnung entfernt, lag

die Bude inmitten des Forstes dicht neben einem Bahnübergang, dessen

Barrieren der Wärter zu bedienen hatte.

Im Sommer vergingen Tage, im Winter Wochen, ohne daß ein menschlicher

Fuß, außer denen des Wärters und seines Kollegen, die Strecke passierte.

Das Wetter und der Wechsel der Jahreszeiten brachten in ihrer

periodischen Wiederkehr fast die einzige Abwechslung in diese Einöde.

Die Ereignisse, welche im übrigen den regelmäßigen Ablauf der Dienstzeit

Thiels außer den beiden Unglücksfällen unterbrochen hatten, waren

unschwer zu überblicken. Vor vier Jahren war der kaiserliche Extrazug,

der den Kaiser nach Breslau gebracht hatte, vorübergejagt. In einer

Winternacht hatte der Schnellzug einen Rehbock überfahren. An einem

heißen Sommertage hatte Thiel bei seiner Streckenrevision eine verkorkte

Weinflasche gefunden, die sich glühend heiß anfaßte und deren Inhalt

deshalb von ihm für sehr gut gehalten wurde, weil er nach Entfernung des

Korkes einer Fontäne gleich herausquoll, also augenscheinlich gegoren

war. Diese Flasche, von Thiel in den seichten Rand eines Waldsees

gelegt, um abzukühlen, war von dort auf irgend welche Weise abhanden

gekommen, so daß er noch nach Jahren ihren Verlust bedauern mußte.

Einige Zerstreuung vermittelte dem Wärter ein Brunnen dicht hinter

seinem Häuschen. Von Zeit zu Zeit nahmen in der Nähe beschäftigte Bahn-

oder Telegraphenarbeiter einen Trunk daraus, wobei natürlich ein kurzes

Gespräch mit unterlief. Auch der Förster kam zuweilen, um seinen Durst

zu löschen.

Tobias entwickelte sich nur langsam: erst gegen Ablauf seines zweiten

Lebensjahres lernte er notdürftig sprechen und gehen. Dem Vater bewies

er eine ganz besondere Zuneigung. Wie er verständiger wurde, erwachte

auch die alte Liebe des Vaters wieder. In dem Maße, wie diese zunahm,

verringerte sich die Liebe der Stiefmutter zu Tobias und schlug sogar in

unverkennbare Abneigung um, als Lene nach Verlauf eines neuen Jahres

ebenfalls einen Jungen gebar.

Von da ab begann für Tobias eine schlimme Zeit. Er wurde besonders in

Abwesenheit des Vaters unaufhörlich geplagt und mußte ohne die geringste

Belohnung dafür seine schwachen Kräfte im Dienste des kleinen

Schreihalses einsetzen, wobei er sich mehr und mehr aufrieb. Sein Kopf

bekam einen ungewöhnlichen Umfang; die brandroten Haare und das kreidige

Gesicht darunter machten einen unschönen und im Verein mit der übrigen

kläglichen Gestalt erbarmungswürdigen Eindruck. Wenn sich der

zurückgebliebene Tobias solchergestalt, das kleine, von Gesundheit

strotzende Brüderchen auf dem Arme, hinunter zur Spree schleppte, so

wurden hinter den Fenstern der Hütten Verwünschungen laut, die sich

jedoch niemals hervorwagten. Thiel aber, welchen die Sache doch vor

allem anging, schien keine Augen für sie zu haben und wollte auch die

Winke nicht verstehen, welche ihm von wohlmeinenden Nachbarsleuten

gegeben wurden.

2

An einem Junimorgen gegen sieben Uhr kam Thiel aus dem Dienst. Seine

Frau hatte nicht so bald ihre Begrüßung beendet, als sie schon in

gewohnter Weise zu lamentieren begann. Der Pachtacker, welcher bisher

den Kartoffelbedarf der Familie gedeckt hatte, war vor Wochen gekündigt

worden, ohne daß es Lenen bisher gelungen war, einen Ersatz dafür

ausfindig zu machen. Wenngleich nun die Sorge um den Acker zu ihren

Obliegenheiten gehörte, so mußte doch Thiel einmal übers andre hören,

daß niemand als er daran schuld sei, wenn man in diesem Jahre zehn Sack

Kartoffeln für schweres Geld kaufen müsse. Thiel brummte nur und begab

sich, Lenens Reden wenig Beachtung schenkend, sogleich an das Bett

seines Ältesten, welches er in den Nächten, wo er nicht im Dienst war,

mit ihm teilte. Hier ließ er sich nieder und beobachtete mit einem

sorglichen Ausdruck seines guten Gesichts das schlafende Kind, welches

er, nachdem er die zudringlichen Fliegen eine Weile von ihm abgehalten,

schließlich weckte. In den blauen, tiefliegenden Augen des Erwachenden

malte sich eine rührende Freude. Er griff hastig nach der Hand des

Vaters, indes sich seine Mundwinkel zu einem kläglichen Lächeln

verzogen. Der Wärter half ihm sogleich beim Anziehen der wenigen

Kleidungsstücke, wobei plötzlich etwas wie ein Schatten durch seine

Mienen lief, als er bemerkte, daß sich auf der rechten, ein wenig

angeschwollenen Backe einige Fingerspuren weiß in rot abzeichneten.

Als Lene beim Frühstück mit vergrößertem Eifer auf vorberegte

Wirtschaftsangelegenheit zurückkam, schnitt er ihr das Wort ab mit der

Nachricht, daß ihm der Bahnmeister ein Stück Land längs des Bahndammes

in unmittelbarer Nähe des Wärterhauses umsonst überlassen habe,

angeblich weil es ihm, dem Bahnmeister, zu abgelegen sei.

Lene wollte das anfänglich nicht glauben. Nach und nach wichen jedoch

ihre Zweifel, und nun geriet sie in merklich gute Laune. Ihre Fragen

nach Größe und Güte des Ackers sowie andre mehr verschlangen sich

förmlich, und als sie erfuhr, daß bei alledem noch zwei Zwergobstbäume

darauf stünden, wurde sie rein närrisch. Als nichts mehr zu erfragen

übrigblieb, zudem die Türglocke des Krämers, die man, beiläufig gesagt,

in jedem einzelnen Hause des Ortes vernehmen konnte, unaufhörlich

anschlug, schoß sie davon, um die Neuigkeit im Örtchen auszusprengen.

Während Lene in die dunkle, mit Waren überfüllte Kammer des Krämers kam,

beschäftigte sich der Wärter daheim ausschließlich mit Tobias. Der Junge

saß auf seinen Knien und spielte mit einigen Kieferzapfen, die Thiel mit

aus dem Walde gebracht hatte.

»Was willst du werden?« fragte ihn der Vater, und diese Frage war

stereotyp wie die Antwort des Jungen: »ein Bahnmeister.« Es war keine

Scherzfrage, denn die Träume des Wärters verstiegen sich in der Tat in

solche Höhen, und er hegte allen Ernstes den Wunsch und die Hoffnung,

daß aus Tobias mit Gottes Hilfe etwas Außergewöhnliches werden sollte.

Sobald die Antwort »ein Bahnmeister« von den blutlosen Lippen des

Kleinen kam, der natürlich nicht wußte, was sie bedeuten sollte, begann

Thiels Gesicht sich aufzuhellen, bis es förmlich strahlte von innerer

Glückseligkeit.

»Geh, Tobias, geh spielen!« sagte er kurz darauf, indem er eine Pfeife

Tabak mit einem im Herdfeuer entzündeten Span in Brand steckte, und der

Kleine drückte sich alsbald in scheuer Freude zur Türe hinaus. Thiel

entkleidete sich, ging zu Bett und entschlief, nachdem er geraume Zeit

gedankenvoll die niedrige und rissige Stubendecke angestarrt hatte.

Gegen zwölf Uhr mittags erwachte er, kleidete sich an und ging, während

seine Frau in ihrer lärmenden Weise das Mittagbrot bereitete, hinaus auf

die Straße, wo er Tobiäschen sogleich aufgriff, der mit den Fingern Kalk

aus einem Loche in der Wand kratzte und in den Mund steckte. Der Wärter

nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm an den etwa acht Häuschen des

Ortes vorüber bis hinunter zur Spree, die schwarz und glasig zwischen

schwach belaubten Pappeln lag. Dicht am Rande des Wassers befand sich

ein Granitblock, auf welchen Thiel sich niederließ.

Der ganze Ort hatte sich gewöhnt, ihn bei nur irgend erträglichem Wetter

an dieser Stelle zu erblicken. Die Kinder besonders hingen an ihm,

nannten ihn »Vater Thiel« und wurden von ihm besonders in mancherlei

Spielen unterrichtet, deren er sich aus seiner Jugendzeit erinnerte. Das

Beste jedoch von dem Inhalt seiner Erinnerungen war für Tobias. Er

schnitzelte ihm Fitschepfeile, die höher flogen wie die aller anderen

Jungen. Er schnitt ihm Weidenpfeifchen und ließ sich sogar herbei, mit

seinem verrosteten Baß das Beschwörungslied zu singen, während er mit

dem Horngriff seines Taschenmessers die Rinde leise klopfte.

Die Leute verübelten ihm seine Läppschereien; es war ihnen unerfindlich,

wie er sich mit den Rotznasen so viel abgeben konnte. Im Grunde durften

sie jedoch damit zufrieden sein, denn die Kinder waren unter seiner

Obhut gut aufgehoben. Überdies nahm Thiel auch ernste Dinge mit ihnen

vor, hörte den Großen ihre Schulaufgaben ab, half ihnen beim Lernen der

Bibel- und Gesangbuchverse und buchstabierte mit den Kleinen »a« -- »b«

-- »ab«, »d« -- »u« -- »du« und so fort.

Nach dem Mittagessen legte sich der Wärter abermals zu kurzer Ruhe

nieder. Nachdem sie beendigt war, trank er den Nachmittagskaffee und

begann gleich darauf sich für den Gang in den Dienst vorzubereiten. Er

brauchte dazu, wie zu allen seinen Verrichtungen, viel Zeit; jeder

Handgriff war seit Jahren geregelt; in stets gleicher Reihenfolge

wanderten die sorgsam auf der kleinen Nußbaumkommode ausgebreiteten

Gegenstände: Messer, Notizbuch, Kamm, ein Pferdezahn, die alte

eingekapselte Uhr in die Taschen seiner Kleider. Ein kleines, in rotes

Papier eingeschlagenes Büchelchen wurde mit besonderer Sorgfalt

behandelt. Es lag während der Nacht unter dem Kopfkissen des Wärters und

wurde am Tage von ihm stets in der Brusttasche des Dienstrockes

herumgetragen. Auf der Etikette unter dem Umschlag stand in

unbeholfenen, aber verschnörkelten Schriftzügen, von Thiels Hand

geschrieben: Sparkassenbuch des Tobias Thiel.

Die Wanduhr mit dem langen Pendel und dem gelbsüchtigen Zifferblatt

zeigte dreiviertel fünf, als Thiel fortging. Ein kleiner Kahn, sein

Eigentum, brachte ihn über den Fluß. Am jenseitigen Spreeufer blieb er

einige Male stehen und lauschte nach dem Ort zurück. Endlich bog er in

einen breiten Waldweg und befand sich nach wenigen Minuten inmitten des

tiefaufrauschenden Kiefernforstes, dessen Nadelmassen einem

schwarzgrünen, wellenwerfenden Meere glichen. Unhörbar wie auf Filz

schritt er über die feuchte Moos- und Nadelschicht des Waldbodens. Er

fand seinen Weg ohne aufzublicken, hier durch die rostbraunen Säulen des

Hochwaldes, dort weiterhin durch dicht verschlungenes Jungholz, noch

weiter über ausgedehnte Schonungen, die von einzelnen hohen und

schlanken Kiefern überschattet wurden, welche man zum Schutze für den

Nachwuchs aufbehalten hatte. Ein bläulicher, durchsichtiger, mit

allerhand Düften geschwängerter Dunst stieg aus der Erde auf und ließ

die Formen der Bäume verwaschen erscheinen. Ein schwerer, milchiger

Himmel hing tief herab über die Baumwipfel. Krähenschwärme badeten

gleichsam im Grau der Luft, unaufhörlich ihre knarrenden Rufe

ausstoßend. Schwarze Wasserlachen füllten die Vertiefungen des Weges und

spiegelten die trübe Natur noch trüber wider.

»Ein furchtbares Wetter,« dachte Thiel, als er aus tiefem Nachdenken

erwachte und aufschaute.

Plötzlich jedoch bekamen seine Gedanken eine andere Richtung. Er fühlte

dunkel, daß er etwas daheim vergessen haben müsse, und wirklich vermißte

er beim Durchsuchen seiner Taschen das Butterbrot, welches er der langen

Dienstzeit halber stets mitzunehmen genötigt war. Unschlüssig blieb er

eine Weile stehen, wandte sich dann aber plötzlich und eilte in der

Richtung des Dorfes zurück.

In kurzer Zeit hatte er die Spree erreicht, setzte mit wenigen kräftigen

Ruderschlägen über und stieg gleich darauf, am ganzen Körper schwitzend,

die sanft ansteigende Dorfstraße hinauf. Der alte, schäbige Pudel des

Krämers lag mitten auf der Straße. Auf dem geteerten Plankenzaune eines

Kossätenhofes saß eine Nebelkrähe. Sie spreizte die Federn, schüttelte

sich, nickte, stieß ein ohrenzerreißendes »krä«, »krä« aus und erhob

sich mit pfeifendem Flügelschlag, um sich vom Winde in der Richtung des

Forstes davontreiben zu lassen.

Von den Bewohnern der kleinen Kolonie, etwa zwanzig Fischern und

Waldarbeitern mit ihren Familien, war nichts zu sehen.

Der Ton einer kreischenden Stimme unterbrach die Stille so laut und

schrill, daß der Wärter unwillkürlich mit Laufen innehielt. Ein Schwall

heftig herausgestoßener, mißtönender Laute schlug an sein Ohr, die aus

dem offenen Giebelfenster eines niedrigen Häuschens zu kommen schienen,

welches er nur zu wohl kannte.

Das Geräusch seiner Schritte nach Möglichkeit dämpfend, schlich er sich

näher und unterschied nun ganz deutlich die Stimme seiner Frau. Nur noch

wenige Bewegungen, und die meisten ihrer Worte wurden ihm verständlich.

»Was, du unbarmherziger, herzloser Schuft! Soll sich das elende Wurm die

Plautze ausschreien vor Hunger? -- wie? Na wart nur, wart, ich will

dich lehren aufpassen! -- Du sollst dran denken.« Einige Augenblicke

blieb es still; dann hörte man ein Geräusch, wie wenn Kleidungsstücke

ausgeklopft würden; unmittelbar darauf entlud sich ein neues Hagelwetter

von Schimpfworten.

»Du erbärmlicher Grünschnabel,« scholl es im schnellsten Tempo herunter,

»meinst du, ich sollte mein leibliches Kind wegen solch einem

Jammerlappen, wie du bist, verhungern lassen?« »Halts Maul!« schrie es,

als ein leises Wimmern hörbar wurde, »oder du sollst eine Portion

kriegen, an der du acht Tage zu fressen hast.«

Das Wimmern verstummte nicht.

Der Wärter fühlte, wie sein Herz in schweren, unregelmäßigen Schlägen

ging. Er begann leise zu zittern. Seine Blicke hingen wie abwesend am

Boden fest, und die plumpe und harte Hand strich mehrmals ein Büschel

nasser Haare zur Seite, das immer von neuem in die sommersprossige

Stirne hinein fiel.

Einen Augenblick drohte es ihn zu überwältigen. Es war ein Krampf, der

die Muskeln schwellen machte und die Finger der Hand zur Faust

zusammenzog. Es ließ nach, und dumpfe Mattigkeit blieb zurück.

Unsicheren Schrittes trat der Wärter in den engen, ziegelgepflasterten

Hausflur. Müde und langsam erklomm er die knarrende Holzstiege.

»Pfui, pfui, pfui!« hob es wieder an; dabei hörte man, wie jemand

dreimal hintereinander mit allen Zeichen der Wut und Verachtung ausspie.

»Du erbärmlicher, niederträchtiger, hinterlistiger, hämischer, feiger,

gemeiner Lümmel.« Die Worte folgten einander in steigender Betonung, und

die Stimme, welche sie herausstieß, schnappte zuweilen über vor

Anstrengung. »Meinen Buben willst du schlagen, was? Du elende Göre

unterstehst dich, das arme, hilflose Kind aufs Maul zu schlagen? -- wie?

-- he, wie? -- Ich will mich nur nicht dreckig machen an dir, sonst ...«

In diesem Augenblick öffnete Thiel die Tür des Wohnzimmers, weshalb der

erschrockenen Frau das Ende des begonnenen Satzes in der Kehle stecken

blieb. Sie war kreidebleich vor Zorn; ihre Lippen zuckten bösartig; sie

hatte die Rechte erhoben, senkte sie und griff nach dem Milchtopf, aus

dem sie ein Kinderfläschchen voll zu füllen versuchte. Sie ließ jedoch

diese Arbeit, da der größte Teil der Milch über den Flaschenhals auf den

Tisch rann, halb verrichtet, griff vollkommen fassungslos vor Erregung

bald nach diesem, bald nach jenem Gegenstand, ohne ihn länger als einige

Augenblicke festhalten zu können und ermannte sich endlich soweit, ihren

Mann heftig anzulassen: was es denn heißen solle, daß er um diese

ungewöhnliche Zeit nach Hause käme, er würde sie doch nicht etwa gar

belauschen wollen; »das wäre noch das Letzte,« meinte sie, und gleich

darauf: sie habe ein reines Gewissen und brauche vor niemand die Augen

niederzuschlagen.

Thiel hörte kaum, was sie sagte. Seine Blicke streiften flüchtig das

heulende Tobiäschen. Einen Augenblick schien es, als müsse er gewaltsam

etwas Furchtbares zurückhalten, was in ihm aufstieg; dann legte sich

über die gespannten Mienen plötzlich das alte Phlegma, von einem

verstohlnen begehrlichen Aufblitzen der Augen seltsam belebt.

Sekundenlang spielte sein Blick über den starken Gliedmaßen seines

Weibes, das, mit abgewandtem Gesicht herumhantierend, noch immer nach

Fassung suchte. Ihre vollen, halbnackten Brüste blähten sich vor

Erregung und drohten das Mieder zu sprengen, und ihre aufgerafften Röcke

ließen die breiten Hüften noch breiter erscheinen. Eine Kraft schien von

dem Weibe auszugehen, unbezwingbar, unentrinnbar, der Thiel sich nicht

gewachsen fühlte.

Leicht gleich einem feinen Spinngewebe und doch fest wie ein Netz von

Eisen legte es sich um ihn, fesselnd, überwindend, erschlaffend. Er

hätte in diesem Zustand überhaupt kein Wort an sie zu richten vermocht,

am allerwenigsten ein hartes, und so mußte Tobias, der in Tränen gebadet

und verängstet in einer Ecke hockte, sehen, wie der Vater, ohne sich

auch nur weiter nach ihm umzuschauen, das vergessene Brot von der

Ofenbank nahm, es der Mutter als einzige Erklärung hinhielt und mit

einem kurzen, zerstreuten Kopfnicken sogleich wieder verschwand.

3

Obgleich Thiel den Weg in seine Waldeinsamkeit mit möglichster Eile

zurücklegte, kam er doch erst fünfzehn Minuten nach der ordnungsmäßigen

Zeit an den Ort seiner Bestimmung.

Der Hilfswärter, ein infolge des bei seinem Dienst unumgänglichen,

schnellen Temperaturwechsels schwindsüchtig gewordener Mensch, der mit

ihm im Dienst abwechselte, stand schon fertig zum Aufbruch auf der

kleinen, sandigen Plattform des Häuschens, dessen große Nummer schwarz

auf weiß weithin durch die Stämme leuchtete.

Die beiden Männer reichten sich die Hände, machten sich einige kurze

Mitteilungen und trennten sich. Der eine verschwand im Innern der Bude,

der andere ging quer über die Strecke, die Fortsetzung jener Straße

benutzend, welche Thiel gekommen war. Man hörte sein krampfhaftes Husten

erst näher, dann ferner durch die Stämme, und mit ihm verstummte der

einzige menschliche Laut in dieser Einöde. Thiel begann wie immer so

auch heute damit, das enge, viereckige Steingebauer der Wärterbude auf

seine Art für die Nacht herzurichten. Er tat es mechanisch, während sein

Geist mit dem Eindruck der letzten Stunden beschäftigt war. Er legte

sein Abendbrot auf den schmalen, braungestrichenen Tisch an einem der

beiden schlitzartigen Seitenfenster, von denen aus man die Strecke

bequem übersehen konnte. Hierauf entzündete er in dem kleinen, rostigen

Öfchen ein Feuer und stellte einen Topf kalten Wassers darauf. Nachdem

er schließlich noch in die Gerätschaften Schaufel, Spaten, Schraubstock

usw. einige Ordnung gebracht hatte, begab er sich ans Putzen seiner

Laterne, die er zugleich mit frischem Petroleum versorgte.

Als dies geschehen war, meldete die Glocke mit drei schrillen Schlägen,

die sich wiederholten, daß ein Zug in der Richtung von Breslau her aus

der nächstliegenden Station abgelassen sei. Ohne die mindeste Hast zu

zeigen, blieb Thiel noch eine gute Weile im Innern der Bude, trat

endlich, Fahne und Patronentasche in der Hand, langsam ins Freie und

bewegte sich trägen und schlürfenden Ganges über den schmalen Sandpfad,

dem etwa zwanzig Schritt entfernten Bahnübergang zu. Seine Barrieren

schloß und öffnete Thiel vor und nach jedem Zuge gewissenhaft, obgleich

der Weg nur selten von jemand passiert wurde.

Er hatte seine Arbeit beendet und lehnte jetzt wartend an der

schwarzweißen Sperrstange.

Die Strecke schnitt rechts und links gradlinig in den unabsehbaren,

grünen Forst hinein; zu ihren beiden Seiten stauten die Nadelmassen

gleichsam zurück, zwischen sich eine Gasse freilassend, die der

rötlichbraune, kiesbestreute Bahndamm ausfüllte. Die schwarzen

parallellaufenden Geleise darauf glichen in ihrer Gesamtheit einer

ungeheuren, eisernen Netzmasche, deren schmale Strähne sich im äußersten

Süden und Norden in einem Punkte des Horizontes zusammenzogen.

Der Wind hatte sich erhoben und trieb leise Wellen den Waldrand hinunter

und in die Ferne hinein. Aus den Telegraphenstangen, die die Strecke

begleiteten, tönten summende Akkorde. Auf den Drähten, die sich wie das

Gewebe einer Riesenspinne von Stange zu Stange fortrankten, klebten in

dichten Reihen Scharen zwitschernder Vögel. Ein Specht flog lachend über

Thiels Kopf weg, ohne daß er eines Blickes gewürdigt wurde.

Die Sonne, welche soeben unter dem Rande mächtiger Wolken herabhing, um

in das schwarzgrüne Wipfelmeer zu versinken, goß Ströme von Purpur über

den Forst. Die Säulenarkaden der Kiefernstämme jenseit des Dammes

entzündeten sich gleichsam von innen heraus und glühten wie Eisen.

Auch die Geleise begannen zu glühen, feurigen Schlangen gleich, aber sie

erloschen zuerst. Und nun stieg die Glut langsam vom Erdboden in die

Höhe, erst die Schäfte der Kiefern, weiter den größten Teil ihrer Kronen

in kaltem Verwesungslichte zurücklassend, zuletzt nur noch den äußersten

Rand der Wipfel mit einem rötlichen Schimmer streifend. Lautlos und

feierlich vollzog sich das erhabene Schauspiel. Der Wärter stand noch

immer regungslos an der Barriere. Endlich trat er einen Schritt vor. Ein

dunkler Punkt am Horizonte, da wo die Geleise sich trafen, vergrößerte

sich. Von Sekunde zu Sekunde wachsend, schien er doch auf einer Stelle

zu stehen. Plötzlich bekam er Bewegung und näherte sich. Durch die

Geleise ging ein Vibrieren und Summen, ein rhythmisches Geklirr, ein

dumpfes Getöse, das, lauter und lauter werdend, zuletzt den Hufschlägen

eines heranbrausenden Reitergeschwaders nicht unähnlich war.

Ein Keuchen und Brausen schwoll stoßweise fernher durch die Luft. Dann

plötzlich zerriß die Stille. Ein rasendes Tosen und Toben erfüllte den

Raum, die Geleise bogen sich, die Erde zitterte -- ein starker Luftdruck

-- eine Wolke von Staub, Dampf und Qualm, und das schwarze, schnaubende

Ungetüm war vorüber. So wie sie anwuchsen, starben nach und nach die

Geräusche. Der Dunst verzog sich. Zum Punkte eingeschrumpft, schwand der

Zug in der Ferne, und das alte heilge Schweigen schlug über dem

Waldwinkel zusammen.

* * * * *

»Minna,« flüsterte der Wärter wie aus einem Traum erwacht und ging nach

seiner Bude zurück. Nachdem er sich einen dünnen Kaffee aufgebrüht, ließ

er sich nieder und starrte, von Zeit zu Zeit einen Schluck zu sich

nehmend, auf ein schmutziges Stück Zeitungspapier, das er irgendwo an

der Strecke aufgelesen.

Nach und nach überkam ihn eine seltsame Unruhe. Er schob es auf die

Backofenglut, welche das Stübchen erfüllte, und riß Rock und Weste auf,

um sich zu erleichtern. Wie das nichts half, erhob er sich, nahm einen

Spaten aus der Ecke und begab sich auf das geschenkte Äckerchen.

Es war ein schmaler Streifen Sandes, von Unkraut dicht überwuchert. Wie

schneeweißer Schaum lag die junge Blütenpracht auf den Zweigen der

beiden Zwergobstbäumchen, welche darauf standen.

Thiel wurde ruhig und ein stilles Wohlgefallen beschlich ihn.

Nun also an die Arbeit.

Der Spaten schnitt knirschend in das Erdreich; die nassen Schollen

fielen dumpf zurück und bröckelten auseinander.

Eine Zeitlang grub er ohne Unterbrechung. Dann hielt er plötzlich inne

und sagte laut und vernehmlich vor sich hin, indem er dazu bedenklich

den Kopf hin und her wiegte: »Nein, nein, das geht ja nicht,« und

wieder: »nein, nein, das geht ja gar nicht.«

Es war ihm plötzlich eingefallen, daß ja nun Lene des öftern

herauskommen würde, um den Acker zu bestellen, wodurch dann die

hergebrachte Lebensweise in bedenkliche Schwankungen geraten mußte. Und

jäh verwandelte sich seine Freude über den Besitz des Ackers in

Widerwillen. Hastig, wie wenn er etwas Unrechtes zu tun im Begriff

gestanden hätte, riß er den Spaten aus der Erde und trug ihn nach der

Bude zurück. Hier versank er abermals in dumpfe Grübelei. Er wußte kaum

warum, aber die Aussicht, Lene ganze Tage lang bei sich im Dienst zu

haben, wurde ihm, so sehr er auch versuchte, sich damit zu versöhnen,

immer unerträglicher. Es kam ihm vor, als habe er etwas ihm Wertes zu

verteidigen, als versuchte jemand sein Heiligstes anzutasten, und

unwillkürlich spannten sich seine Muskeln in gelindem Krampfe, während

ein kurzes herausforderndes Lachen seinen Lippen entfuhr. Vom Widerhall

dieses Lachens erschreckt, blickte er auf und verlor dabei den Faden

seiner Betrachtungen. Als er ihn wiedergefunden, wühlte er sich

gleichsam in den alten Gegenstand.

Und plötzlich zerriß etwas wie ein dichter, schwarzer Vorhang in zwei

Stücke, und seine umnebelten Augen gewannen einen klaren Ausblick. Es

war ihm auf einmal zumute, als erwache er aus einem zweijährigen

totenähnlichen Schlaf und betrachte nun mit ungläubigem Kopfschütteln

all das Haarsträubende, welches er in diesem Zustand begangen haben

sollte. Die Leidensgeschichte seines Ältesten, welche die Eindrücke der

letzten Stunden nur noch hatten besiegeln können, trat deutlich vor

seine Seele. Mitleid und Reue ergriff ihn, sowie auch eine tiefe Scham

darüber, daß er diese ganze Zeit in schmachvoller Duldung hingelebt

hatte, ohne sich des lieben, hilflosen Geschöpfes anzunehmen, ja, ohne

nur die Kraft zu finden, sich einzugestehen, wie sehr dieses litt.

Über den selbstquälerischen Vorstellungen all seiner Unterlassungssünden

überkam ihn eine schwere Müdigkeit, und so entschlief er mit gekrümmtem

Rücken, die Stirn auf die Hand, diese auf den Tisch gelegt.

Eine Zeitlang hatte er so gelegen, als er mit erstickter Stimme mehrmals

den Namen »Minna« rief.

Ein Brausen und Sausen füllte sein Ohr, wie von unermeßlichen

Wassermassen; es wurde dunkel um ihn, er riß die Augen auf und erwachte.

Seine Glieder flogen, der Angstschweiß drang ihm aus allen Poren, sein

Puls ging unregelmäßig, sein Gesicht war naß von Tränen.

Es war stockdunkel. Er wollte einen Blick nach der Tür werfen, ohne zu

wissen, wohin er sich wenden sollte. Taumelnd erhob er sich, noch immer

währte seine Herzensangst. Der Wald draußen rauschte wie Meeresbrandung,

der Wind warf Hagel und Regen gegen die Fenster des Häuschens. Thiel

tastete ratlos mit den Händen umher. Einen Augenblick kam er sich vor

wie ein Ertrinkender -- da plötzlich flammte es bläulich blendend auf,

wie wenn Tropfen überirdischen Lichtes in die dunkle Erdatmosphäre

herabsänken, um sogleich von ihr erstickt zu werden.

Der Augenblick genügte, um den Wärter zu sich selbst zu bringen. Er

griff nach seiner Laterne, die er auch glücklich zu fassen bekam, und in

diesem Augenblick erwachte der Donner am fernsten Saume des märkischen

Nachthimmels. Erst dumpf und verhalten grollend, wälzte er sich näher in

kurzen, brandenden Erzwellen, bis er, zu Riesenstößen anwachsend, sich

endlich, die ganze Atmosphäre überflutend, dröhnend, schütternd und

brausend entlud.

Die Scheiben klirrten, die Erde erbebte.

Thiel hatte Licht gemacht. Sein erster Blick, nachdem er die Fassung

wieder gewonnen, galt der Uhr. Es lagen kaum fünf Minuten zwischen jetzt

und der Ankunft des Schnellzuges. Da er glaubte, das Signal überhört zu

haben, begab er sich, so schnell als Sturm und Dunkelheit erlaubten,

nach der Barriere. Als er noch damit beschäftigt war, diese zu

schließen, erklang die Signalglocke. Der Wind zerriß ihre Töne und warf

sie nach allen Richtungen auseinander. Die Kiefern bogen sich und rieben

unheimlich knarrend und quietschend ihre Zweige aneinander. Einen

Augenblick wurde der Mond sichtbar, wie er gleich einer blaßgoldenen

Schale zwischen den Wolken lag. In seinem Lichte sah man das Wühlen des

Windes in den schwarzen Kronen der Kiefern. Die Blattgehänge der Birken

am Bahndamm wehten und flatterten wie gespenstige Roßschweife. Darunter

lagen die Linien der Geleise, welche, vor Nässe glänzend, das blasse

Mondlicht in einzelnen Flecken aufsogen.

Thiel riß die Mütze vom Kopfe. Der Regen tat ihm wohl und lief vermischt

mit Tränen über sein Gesicht. Es gärte in seinem Hirn; unklare

Erinnerungen an das, was er im Traum gesehen, verjagten einander. Es war

ihm gewesen, als würde Tobias von jemand mißhandelt und zwar auf eine so

entsetzliche Weise, daß ihm noch jetzt bei dem Gedanken daran das Herz

stille stand. Einer anderen Erscheinung erinnerte er sich deutlicher. Er

hatte seine verstorbene Frau gesehen. Sie war irgendwoher aus der Ferne

gekommen, auf einem der Bahngeleise. Sie hatte recht kränklich

ausgesehen und statt der Kleider hatte sie Lumpen getragen. Sie war an

Thiels Häuschen vorübergekommen, ohne sich danach umzuschauen und

schließlich -- hier wurde die Erinnerung undeutlich -- war sie aus

irgend welchem Grunde nur mit großer Mühe vorwärts gekommen und sogar

mehrmals zusammengebrochen.

Thiel dachte weiter nach, und nun wußte er, daß sie sich auf der Flucht

befunden hatte. Es lag außer allem Zweifel, denn weshalb hätte sie sonst

diese Blicke voll Herzensangst nach rückwärts gesandt und sich weiter

geschleppt, obgleich ihr die Füße den Dienst versagten. O diese

entsetzlichen Blicke!

Aber es war etwas, das sie mit sich trug, in Tücher gewickelt, etwas

Schlaffes, Blutiges, Bleiches, und die Art, mit der sie darauf

niederblickte, erinnerte ihn an Szenen der Vergangenheit.

Er dachte an eine sterbende Frau, die ihr kaum geborenes Kind, das sie

zurücklassen mußte, unverwandt anblickte, mit einem Ausdruck tiefsten

Schmerzes, unfaßbarer Qual, jenem Ausdruck, den Thiel ebensowenig

vergessen konnte, als daß er einen Vater und eine Mutter habe.

Wo war sie hingekommen? Er wußte es nicht. Das aber trat ihm klar vor

die Seele: sie hatte sich von ihm losgesagt, ihn nicht beachtet, sie

hatte sich fortgeschleppt immer weiter und weiter durch die stürmische,

dunkle Nacht. Er hatte sie gerufen: »Minna, Minna,« und davon war er

erwacht.

Zwei rote, runde Lichter durchdrangen wie die Glotzaugen eines riesigen

Ungetüms die Dunkelheit. Ein blutiger Schein ging vor ihnen her, der die

Regentropfen in seinem Bereich in Blutstropfen verwandelte. Es war, als

fiele ein Blutregen vom Himmel.

Thiel fühlte ein Grauen, und je näher der Zug kam, eine um so größere

Angst; Traum und Wirklichkeit verschmolzen ihm in eins. Noch immer sah

er das wandernde Weib auf den Schienen, und seine Hand irrte nach der

Patronentasche, als habe er die Absicht, den rasenden Zug zum Stehen zu

bringen. Zum Glück war es zu spät, denn schon flirrte es vor Thiels

Augen von Lichtern, und der Zug raste vorüber.

Den übrigen Teil der Nacht fand Thiel wenig Ruhe mehr in seinem Dienst.

Es drängte ihn daheim zu sein. Er sehnte sich, Tobiäschen wiederzusehen.

Es war ihm zumute, als sei er durch Jahre von ihm getrennt gewesen.

Zuletzt war er in steigender Bekümmernis um das Befinden des Jungen

mehrmals versucht, den Dienst zu verlassen.

Um die Zeit hinzubringen beschloß Thiel, sobald es dämmerte, seine

Strecke zu revidieren. In der Linken einen Stock, in der Rechten einen

langen, eisernen Schraubschlüssel schritt er denn auch alsbald auf dem

Rücken einer Bahnschiene in das schmutzig graue Zwielicht hinein.

Hin und wieder zog er mit dem Schraubschlüssel einen Bolzen fest oder

schlug an eine der runden Eisenstangen, welche die Geleise untereinander

verbanden.

Regen und Wind hatten nachgelassen, und zwischen zerschlissenen

Wolkenschichten wurden hie und da Stücke eines blaßblauen Himmels

sichtbar.

Das eintönige Klappen der Sohlen auf dem harten Metall, verbunden mit

dem schläfrigen Geräusch der tropfenschüttelnden Bäume beruhigte Thiel

nach und nach.

Um sechs Uhr früh wurde er abgelöst und trat ohne Verzug den Heimweg an.

Es war ein herrlicher Sonntagmorgen.

Die Wolken hatten sich zerteilt und waren mittlerweile hinter den

Umkreis des Horizontes hinabgesunken. Die Sonne goß, im Aufgehen gleich

einem ungeheuren blutroten Edelstein funkelnd, wahre Lichtmassen über

den Forst.

In scharfen Linien schossen die Strahlenbündel durch das Gewirr der

Stämme, hier eine Insel zarter Farnkräuter, deren Wedel feingeklöppelten

Spitzen glichen, mit Glut behauchend, dort die silbergrauen Flechten

des Waldgrundes zu roten Korallen umwandelnd.

Von Wipfeln, Stämmen und Gräsern floß der Feuertau. Eine Sintflut von

Licht schien über die Erde ausgegossen. Es lag eine Frische in der Luft,

die bis ins Herz drang, und auch hinter Thiels Stirn mußten die Bilder

der Nacht allmählich verblassen.

Mit dem Augenblick jedoch, wo er in die Stube trat und Tobiäschen

rotwangiger als je im sonnenbeschienenen Bette liegen sah, waren sie

ganz verschwunden.

Wohl wahr! Im Verlauf des Tages glaubte Lene mehrmals etwas

Befremdliches an ihm wahrzunehmen; so im Kirchstuhl, als er, statt ins

Buch zu schauen, sie selbst von der Seite betrachtete, und dann auch um

die Mittagszeit, als er, ohne ein Wort zu sagen, das Kleine, welches

Tobias wie gewöhnlich auf die Straße tragen sollte, aus dessen Arm nahm

und ihr auf den Schoß setzte. Sonst aber hatte er nicht das geringste

Auffällige an sich.

Thiel, der den Tag über nicht dazu gekommen war, sich niederzulegen,

kroch, da er die folgende Woche Tagdienst hatte, bereits gegen neun Uhr

abends ins Bett. Gerade als er im Begriff war einzuschlafen, eröffnete

ihm die Frau, daß sie am folgenden Morgen mit nach dem Walde gehen

werde, um das Land umzugraben und Kartoffeln zu stecken.

Thiel zuckte zusammen; er war ganz wach geworden, hielt jedoch die Augen

fest geschlossen.

Es sei die höchste Zeit, meinte Lene, wenn aus den Kartoffeln noch etwas

werden sollte, und fügte bei, daß sie die Kinder werde mitnehmen müssen,

da vermutlich der ganze Tag draufgehen würde. Der Wärter brummte einige

unverständliche Worte, die Lene weiter nicht beachtete. Sie hatte ihm

den Rücken gewandt und war beim Scheine eines Talglichtes damit

beschäftigt, das Mieder aufzunesteln und die Röcke herabzulassen.

Plötzlich fuhr sie herum, ohne selbst zu wissen aus welchem Grunde, und

blickte in das von Leidenschaften verzerrte, erdfarbene Gesicht ihres

Mannes, der sie, halb aufgerichtet, die Hände auf der Bettkante, mit

brennenden Augen anstarrte.

»Thiel!« -- schrie die Frau halb zornig, halb erschreckt, und wie ein

Nachtwandler, den man bei Namen ruft, erwachte er aus seiner Betäubung,

stotterte einige verwirrte Worte, warf sich in die Kissen zurück und zog

das Deckbett über die Ohren.

Lene war die erste, welche sich am folgenden Morgen vom Bett erhob. Ohne

dabei Lärm zu machen, bereitete sie alles Nötige für den Ausflug vor.

Der Kleinste wurde in den Kinderwagen gelegt, darauf Tobias geweckt und

angezogen. Als er erfuhr, wohin es gehen sollte, mußte er lächeln.

Nachdem alles bereit war und auch der Kaffee fertig auf dem Tisch stand,

erwachte Thiel. Mißbehagen war sein erstes Gefühl beim Anblick all der

getroffenen Vorbereitungen. Er hätte wohl gern ein Wort dagegen gesagt,

aber er wußte nicht, womit beginnen. Und welche für Lene stichhaltigen

Gründe hätte er auch angeben sollen?

Allmählich begann dann das mehr und mehr strahlende Gesichtchen seinen

Einfluß auf Thiel zu üben, so daß er schließlich schon um der Freude

willen, welche dem Jungen der Ausflug bereitete, nicht daran denken

konnte, Widerspruch zu erheben. Nichtsdestoweniger blieb Thiel während

der Wanderung durch den Wald nicht frei von Unruhe. Er stieß das

Kinderwägelchen mühsam durch den tiefen Sand und hatte allerhand Blumen

darauf liegen, die Tobias gesammelt hatte.

Der Junge war ausnehmend lustig. Er hüpfte in seinem braunen

Plüschmützchen zwischen den Farnkräutern umher und suchte auf eine

freilich etwas unbeholfene Art die glasflügligen Libellen zu fangen, die

darüber hingaukelten. Sobald man angelangt war, nahm Lene den Acker in

Augenschein. Sie warf das Säckchen mit Kartoffelstücken, welches sie zur

Saat mitgebracht hatte, auf den Grasrand eines kleinen Birkengehölzes,

kniete nieder und ließ den etwas dunkel gefärbten Sand durch ihre harten

Finger laufen.

Thiel beobachtete sie gespannt: »Nun, wie ist er?«

»Reichlich so gut wie die Spree-Ecke!« Dem Wärter fiel eine Last von der

Seele. Er hatte gefürchtet, sie würde unzufrieden sein, und kratzte

beruhigt seine Bartstoppeln.

Nachdem die Frau hastig eine dicke Brotkante verzehrt hatte, warf sie

Tuch und Jacke fort und begann zu graben, mit der Geschwindigkeit und

Ausdauer einer Maschine. In bestimmten Zwischenräumen richtete sie sich

auf und holte in tiefen Zügen Luft, aber es war jeweilig nur ein

Augenblick, wenn nicht etwa das Kleine gestillt werden mußte, was mit

keuchender, schweißtropfender Brust hastig geschah.

»Ich muß die Strecke belaufen, ich werde Tobias mitnehmen,« rief der

Wärter nach einer Weile von der Plattform vor der Bude aus zu ihr

herüber.

»Ach was -- Unsinn!« schrie sie zurück, »wer soll bei dem Kleinen

bleiben?« -- »Hierher kommst du!« setzte sie noch lauter hinzu, während

der Wärter, als ob er sie nicht hören könne, mit Tobiäschen davonging.

Im ersten Augenblick erwog sie, ob sie nicht nachlaufen solle, und nur

der Zeitverlust bestimmte sie, davon abzustehen. Thiel ging mit Tobias

die Strecke entlang. Der Kleine war nicht wenig erregt; alles war ihm

neu, fremd. Er begriff nicht, was die schmalen, schwarzen, vom

Sonnenlicht erwärmten Schienen zu bedeuten hatten. Unaufhörlich tat er

allerhand sonderbare Fragen. Vor allem verwunderlich war ihm das Klingen

der Telegraphenstangen. Thiel kannte den Ton jeder einzelnen seines

Reviers, so daß er mit geschlossenen Augen stets gewußt haben würde, in

welchem Teil der Strecke er sich gerade befand.

Oft blieb er, Tobiäschen an der Hand, stehen, um den wunderbaren Lauten

zu lauschen, die aus dem Holze wie sonore Choräle aus dem Innern einer

Kirche hervorströmten. Die Stange am Südende des Reviers hatte einen

besonders vollen und schönen Akkord. Es war ein Gewühl von Tönen in

ihrem Innern, die ohne Unterbrechung gleichsam in einem Atem

fortklangen, und Tobias lief rings um das verwitterte Holz, um, wie er

glaubte, durch eine Öffnung die Urheber des lieblichen Getöns zu

entdecken. Der Wärter wurde weihevoll gestimmt, ähnlich wie in der

Kirche. Zudem unterschied er mit der Zeit eine Stimme, die ihn an seine

verstorbene Frau erinnerte. Er stellte sich vor, es sei ein Chor seliger

Geister, in den sie ja auch ihre Stimme mische, und diese Vorstellung

erweckte in ihm eine Sehnsucht, eine Rührung bis zu Tränen.

Tobias verlangte nach den Blumen, die seitab standen, und Thiel wie

immer gab ihm nach.

Stücke blauen Himmels schienen auf den Boden des Haines herabgesunken,

so wunderbar dicht standen kleine, blaue Blüten darauf. Farbigen Wimpeln

gleich flatterten und gaukelten die Schmetterlinge lautlos zwischen dem

leuchtenden Weiß der Stämme, indes durch die zartgrünen Blätterwolken

der Birkenkronen ein sanftes Rieseln ging.

Tobias rupfte Blumen und der Vater schaute ihm sinnend zu. Zuweilen auch

erhob sich der Blick des letzteren und suchte durch die Lücken der

Blätter den Himmel, der wie eine riesige, makellos blaue Kristallschale

das Goldlicht der Sonne auffing.

»Vater, ist das der liebe Gott?« fragte der Kleine plötzlich, auf ein

braunes Eichhörnchen deutend, das unter kratzenden Geräuschen am Stamme

einer alleinstehenden Kiefer hinanhuschte.

»Närrischer Kerl,« war alles, was Thiel erwidern konnte, während

losgerissene Borkenstückchen den Stamm herunter vor seine Füße fielen.

Die Mutter grub noch immer, als Thiel und Tobias zurückkamen. Die Hälfte

des Ackers war bereits umgeworfen.

Bahnwärter Thiel · 第 1 / 4 段