Wie Do und Jo ›Du‹ zueinander sagten, und er längst keine Scheu mehr

vor ihrem Königinnentum hatte, ließ sich auch Tante Veronika das

Gelöbnis der Verschwiegenheit zurückgeben. Es war eine schöne und helle

Stunde, in der sie ihm ihr Herz aufschloß -- diese Stunde sah aus

wie Doris Rinkhaus. Aber Do war hinausgegangen; denn Jockele war in

allen Stücken gewachsen, seit er mit Gwendolin das lebende Bild in der

Fasanerie gestellt hatte. Sie ahnte, was käme, und wollte dazu ganz

allein mit ihm sein.

Danach fing er an, Hochzeit zu feiern, und sagte: das Gartenhaus am

Horn riefe nach ihr, und er malte es ihr mit Worten von Herrlichkeit

und Sehnsucht. Aber Doris Rinkhaus sagte: »Ich werde auch wieder einmal

in dem Gartenhause wohnen -- da nehm' ich Tante Veronika mit, und es

wird sehr fein.«

Wieder verging ein Jahr, wieder hatten Do und Tante Veronika den

Winter im Frühling des Südens verbracht, und wieder saßen Do und Jo

in den Sommerferien vor dem thüringischen Buchenwalde. Da erzählte

ihr Jockele viel von der ›Entwicklung der Organismen aus eigener

Kraft durch die physikalische und chemische Energie der lebendigen

Substanz‹, viel von ›plastischem Distanzgefühl‹ und wie die Natur die

wundervollsten Kunstgebilde schaffe. Er erzählte ihr, daß er diesen

Kunstgebilden nachginge, und just wie einst male er, was er sehe; und

er schreibe dazu, was er erkannt hätte. Und daß dies eine Förderung

der Wissenschaft bedeutete. Noch ein Jahr wollte er daran arbeiten,

dann wollte er das Werk einreichen und damit zum Doktor promovieren. Es

wurde fertig und hieß ›Der Kunsttrieb der Natur‹.

Von dem ›Schmetterlingsbuche mit Illustrationen‹, das der Dorfjunge

in der Gartenhütte von Ibenheim verfaßt hatte, bis zu diesem war ein

weiter Weg.

Sein väterlicher Freund Haeckel las es, und er klopfte ihm auf die

Schulter und sagte: »Ein rechter Kerl geht nicht unter -- auch ohne

Matura; deutsche Hochschulprofessoren sind keine Philister, und aus

einem Zigeuner wird durch die kluge Sorge seiner alten Tante ein

gelehrter Doktor.«

Da bestand er sein drittes Examen -- diesmal ~cum laude~.

Danach reisten sie nach Bonn -- Do und der Doktor und Tante Veronika

und das Mädchen Mali; denn Veronikas neunundsechzig Jahre mochten die

Hilfe der alten Dienerin auch auf der Reise nicht mehr entbehren.

Damit ist die symmetrische Geschichte mit den drei Prüfungen zu Ende.

Die Gartenhäuser am Horn in Weimar liegen wieder einsam. Aber unter

den Sommerbäumen schreiten schöne, lichte Gestalten, gaukeln liebe und

bunte Träume. Und wer am Kastanienstamm beim Zaun die eingeschnittenen

Namen betrachtet, für den erwachen die Träume zum Dasein; denn um

Sieger leben die Vergangenheiten.

Von +Max Geißler+ sind im Verlage von L. Staackmann in Leipzig

erschienen:

Das Tristanlied. Epos

Die Rose von Schottland. Epos

Gedichte. Volksausgabe

Die neuen Gedichte. Volksausgabe

Die Bernsteinhexe. Schauspiel

Die Herrgottswiege. Roman

Das hohe Licht. Roman

Am Sonnenwirbel. Roman

Das Heidejahr. Roman

Das Moordorf. Roman

Das sechste Gebot. Roman

Der Erlkönig. Roman

Die Glocken von Robbensiel. Roman

Nach Rußland wollen wir reiten! Roman

Die Musikantenstadt. Roman

Hütten im Hochland. Roman

Inseln im Winde. Roman

Die goldenen Türme. Roman

Die Wacht in Polen. Roman

Briefe an meine Frau

Ullstein-Bücher

Neue Bände:

Vom Müller-Hannes

von Clara Viebig

Der Hintergrund dieses Romans von Clara Viebig ist das Eifelland mit

seinen vulkanischen Bergkuppen, seinen Schluchten und Heiden, seinen

weltabgeschiedenen Dörfern. Bauerntrotz und Bauernhochmut bereiten

dem Müller-Hannes sein Schicksal. Mit staunenswerter Kraft macht die

Dichterin diesen Charakter lebendig. Stimmungsschwere Romantik und

meisterlicher Realismus vermählen sich in ihrem Werk, das unter den

deutschen Volksromanen unserer Zeit einer der echtesten und stärksten

ist.

Die schwere Not

von Richard Skowronnek

»Die schwere Not« ist der dritte von Richard Skowronneks

Ostpreußen-Romanen, die mit den »Sturmzeichen«, der Voraussage

des großen Krieges, begannen und zu dem Roman »Das große Feuer«

überführten. Mit herber Wucht stellt »Die schwere Not« die ersten

Begebnisse nach der Kriegserklärung dar, den Aufmarsch der

ostpreußischen Truppen gegen das in riesenhaften Feldlagern versammelte

russische Millionenheer und den Einbruch der Kosakenhorden. In starker

persönlicher Ausgestaltung gibt der Dichter wieder, was nachher kam:

die opfermütige Abwehr und die Zeit der russischen Herrschaft in

Masuren.

Kriegsgetraut

von Otto von Gottberg

Otto von Gottbergs Erzählung, die in die Stimmungen des deutschen

Seekriegs einen echt und warm empfundenen Liebesroman stellt,

schildert hell und farbig die Junitage an der Kieler Regatta. Sie

malt die Ausfahrt des deutschen Hochseegeschwaders, die Heimkehr der

lichtweißen, von vier Kreuzern gefolgten »Hohenzollern«, ein schweres

Seegefecht, den kühnen Flug eines Marinefliegers. Dem Heldentum der

deutschen Flotte hat Otto von Gottberg dieses kleine Werk geweiht.

Ullstein-Kriegsbücher

Bisher erschienen

Paul Oskar Höcker:

An der Spitze meiner Kompagnie

Fedor von Zobeltitz:

Kriegsfahrten eines Johanniters

Kurt Aram:

Nach Sibirien mit hunderttausend Deutschen

Ludwig Ganghofer:

Reise zur deutschen Front 1915 / Die stählerne Mauer / Die Front im

Osten / Der russische Niederbruch

Ernst Freiherr von Wolzogen:

Landsturm im Feuer

Otto von Gottberg:

Kreuzerfahrten und U-Bootstaten / Die Helden von Tsingtau

Emil Zimmermann:

Meine Kriegsfahrt von Kamerun zur Heimat

Heinz Tovote:

Aus einer deutschen Festung im Kriege

Rudolf Hans Bartsch:

Das deutsche Volk in schwerer Zeit

Paul Grabein:

Im Auto durch Feindesland

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Als U-Boots-Kommandant gegen England

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Aus den Urwäldern Paraguays zur Fahne

Jeder Band 1 Mark

[Illustration]

Ullstein & Co

Berlin SW 68

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Der Schmutztitel wurde entfernt. Offensichtliche Fehler wurden

stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde

vereinheitlicht.

Korrekturen:

S. 175: Stile → Stille

dem Häuschen mit blumenhafter {Stille} und Hingabe

S. 186: hinausgeführt → ausgeführt

so sollte er auch ohne sie {ausgeführt} werden

S. 205: Himmels → des Himmels

alle Mächte {des Himmels} und der Erde

Jockele und die Mädchen: Roman aus dem heutigen Weimar · 第 16 / 16 段