14) _Ratschläge._ An S. P. Schewyrew. (Band VII, Nr. 16, Seite 161.)

15) _Der vierte Brief über die Toten Seelen._ (Band VII, Nr. 18, IV,

Seite 199.)

16) _Der russische Gutsbesitzer._ An B. N. B. (Band VII, Nr. 22, Seite

255.) Die Originalmanuskripte der letzten fünf Briefe sind unbekannt.

Wahrscheinlich sind diese Stücke gleich für die »Auswahl« geschrieben.

Der erste Brief wurde am 30. Juli druckfertig abgesandt, der zweite am

13. (25.) August, der dritte und vierte am 12. September neuen Stils,

der fünfte am 26. September.

Die _Vorrede_ (Band VII, Seite 1 ff.) zur »Auswahl« stammt aus dem

August des Jahres 1846.

Der Aufsatz: _Auferstehungstag_ (Band VII, Nr. 32, Seite 447) trägt kein

Datum.

* * * * *

Der Brief an _Arkadius Ossipowitsch Rosetti_ (Band VIII, Nr. 1, Seite 1)

ist in Neapel geschrieben und wurde am 15. April 1847 abgesandt.

_Über den »Zeitgenossen«_; (Sowremennik); (Band VIII, Nr. 2, Seite 11),

ein Brief an P. A. Pletnjew, ist vom 4. Dezember 1846 datiert.

_Die Beichte des Dichters_ (Band VIII, Nr. 3, Seite 33) ist im Mai 1847

begonnen und noch in demselben Jahre vollendet.

Der Brief an _W. A. Schukowski_ (Band VIII, Nr. 4, Seite 101) wurde am

10. Januar 1848 (den 29. Dezember 1847) aus Neapel an Schukowski

gesandt.

_Die Betrachtungen über die Heilige Liturgie_ (Band VIII, Nr. 5, Seite

115 ff.) wurden im Januar und Februar des Jahres 1845 in Paris

konzipiert und in der ersten Fassung noch vor der Abreise nach Jerusalem

(d. h. vor dem Januar 1848) vollendet. Nachträglich wurden sie noch bis

zum Jahre 1852 mehrfach umgearbeitet[10].

_Hans Küchelgarten._ Dieses Jugendwerk Gogols wurde wahrscheinlich

bereits während seiner Schulzeit konzipiert und begonnen. Bald nach

Gogols Ankunft in St. Petersburg (1828) ließ er das Werk unter dem

Pseudonym _W. Alow_ drucken und gab es den Buchhändlern in Kommission.

Es wurde teils gar nicht beachtet teils wie z. B. von Polewoi

offenkundig abgelehnt.

[Fußnote 10: 1911 ist eine deutsche Übersetzung von K. von Mickwitz in

Rendsburg (Heinrich Möller Söhne) erschienen, die dem Herausgeber bei

der vorliegenden Ausgabe, besonders für die Ermittlung der Bibelzitate,

wertvolle Dienste geleistet hat.

Die bibliographischen Anmerkungen und Lesarten zu den bisher

aufgeführten Schriften sind der Ausgabe von Tichonrawow und Schenrock

entnommen.]

_Beilage I-IV. Aus Gogols Briefwechsel mit Bjelinski._ (Band VIII, Seite

369.)

Dieser Briefwechsel mit dem berühmten russischen Kritiker Wissarion

Bjelinski bildet eine wichtige Ergänzung zu der »Auswahl«, da er ein

helles Licht auf die Stimmung wirft, aus der dieses Werk entsprungen

ist, und weil er geeignet ist, Gogols Ziele und Absichten, die er mit

dem Buche verfolgte, schärfer zu beleuchten und ein Bild von der Wirkung

zu geben, die der Briefwechsel auf die Zeitgenossen ausübte. Die

»Auswahl aus dem Briefwechsel« bezeichnet einen Wendepunkt in Gogols

Leben, das von diesem Augenblick an mit unheimlicher Schnelligkeit der

Katastrophe zutreibt. Bald nach dem Erscheinen des ersten Bandes der

»Toten Seelen« setzt jene innere Krise ein, die so verhängnisvoll für

Gogols Schaffen und sein persönliches Schicksal werden sollte. Der

Zweifel an dem Zweck und Sinn des Dichterberufs, insbesondere an der

Berechtigung seines eigenen dichterischen Stils steigert sich allmählich

bis zu einer selbstquälerischen Melancholie, die das ganze menschliche

Tun einseitig in den Blickpunkt der religiösen Zielsetzung einstellte.

Der religiös-sittliche Zweck allein darf Inhalt und Wesensart der

dichterischen Produktion bestimmen. Damit nimmt Gogols Schaffen immer

mehr jenen didaktischen Charakter an, wie er so deutlich in dem

Briefwerke zum Ausdruck kommt. Das Entwerfen von Mustern sittlicher

Größe und Schönheit, Belehrung und Erziehung werden nun zu den höchsten

Aufgaben des Dichters. Zugleich aber drängt sich immer kräftiger jener

rückwärtsgewandte Zug zu einer passiven, heteronomen sittlichen

Lebensauffassung vor, die in der demütigen Unterwerfung unter die

gottgewollten Bindungen, in ihrer fügsamen Hinnahme den Sieg der Tugend

und damit die Selbsterlösung aus der Wirrnis und den Unzulänglichkeiten

der menschlichen Zustände erblickt. Diese Geistesstimmung konnte den

»Briefwechsel« zu dem Grundbuch des rückständigen Rußland machen, zu dem

Arsenal aller reaktionären Ideologien, die auf alle folgenden

Generationen, so z. B. noch auf Dostojewski, bis in die neuere und

neueste Epoche fortwirkten. Gegen diese Tendenzen richtete sich schon zu

Gogols Zeit der stürmische Protest der europäisch gesinnten russischen

Jugend, wie er aus dem von wundervoller Leidenschaft durchpulsten Brief

Bjelinskis zu uns spricht. Dieser Brief wird sicherlich Gogol nicht

gerecht. In seinem prachtvollen Empörungsausbruch übersieht Bjelinski

die radikalen Konsequenzen, die sich aus Gogols Standpunkt ergeben und

für die der Zensor ein feineres Verständnis zeigte, als er nicht

unbeträchtliche Teile aus dem »Briefwechsel« herausstrich, ebenso wie

Bjelinski die tiefen inneren sittlichen Probleme des menschlichen und

künstlerischen Gewissens verkennt, die in diesem Werk ihren Ausdruck

finden. Und doch liegt in dieser Ungerechtigkeit zugleich eine höhere

geschichtliche Gerechtigkeit. In einer von freudigen Hoffnungen

kommender großer Ereignisse erfüllten Zeit, die schon den großen

Frühlingssturm des Jahres 1848 vorausahnte und sich auf ihn rüstete,

mußte Gogols Predigt als ein Produkt dunkelster Reaktion, als das Werk

eines finsteren rückwärtsdrängenden Geistes erscheinen.

Die Empörung über das Buch war allgemein, nicht allein bei den

sogenannten Westlingen und den radikalen Slawophilen, sondern selbst bei

Gogols nächsten Freunden, die über den hochmütigen lehrhaften Ton, den

Gogol hier angeschlagen hatte, ungehalten waren. 1847 veröffentlichte

Bjelinski im zweiten Heft des »Sowremjennik« (Zeitgenossen) eine

außerordentlich ungünstige Kritik, die sich zwar aus Zensurrücksichten

eines maßvollen Tones befleißigte, aber Gogol, der bisher in Bjelinskis

Kritiken nur begeisterter Zustimmung begegnet war, aufs tiefste

verletzte. Da er sich den Grund zu Bjelinskis ablehnendem Urteil nicht

erklären konnte, war er geneigt, ihn auf persönliche Motive

zurückzuführen, wie dies aus Gogols durch die Rezension hervorgerufenem

Schreiben an Bjelinski deutlich hervorgeht.

Bjelinski befand sich um diese Zeit auf Veranlassung seiner Freunde in

Salzbrunn, wo er eine Kur gegen die Schwindsucht brauchte. An einem

Julitag des Jahres 1847 setzte er sich hin und verfaßte jenen berühmten

Brief (Band VIII, Seite 361), der eine so große Rolle in dem geistigen

Freiheitskampf Rußlands gespielt hat.

Dieser Brief ist das Manifest des revolutionären Rußland geworden. Zwei

weltgeschichtliche Gegensätze stoßen hier in heftigem Zusammenprall

aufeinander. Europäertum und konservatives Altrussentum halten hier ihre

große Abrechnung. Licht, Sonne, Heiterkeit, Klarheit, freie

Selbstbestimmung auf der einen, Dumpfheit, Enge, Gebundenheit, Autorität

auf der anderen Seite sind die Losungen, um die in diesem Briefwechsel

gekämpft wird. Und es unterliegt keinem Zweifel, auf wessen Seite der

Sieg sich neigt. Die Wirkung des Briefes war unbeschreiblich. In tausend

Abschriften wanderte er von Hand zu Hand, und bald gab es in den

entlegensten Provinzen, wie Asksakow schreibt, keinen Schullehrer, der

den Brief nicht auswendig kannte. In allen oppositionellen Konventikeln

wurde er mit Begeisterung gelesen und heimlich weiterverbreitet. Bloß

der Tod (Bjelinski starb am 28. Mai 1848) rettete den Autor vor der

Rache des Despotismus. Mußten doch zahlreiche junge Leute, darunter auch

Dostojewski, wegen dieses Schreibens nach Sibirien wandern, lediglich

weil sie der Polizei nicht von dessen Existenz Mitteilung gemacht

hatten. So kämpfte in diesem Brief der Geist des verstorbenen Bjelinski

noch nach seinem Tode tapfer weiter fort, wenn auch zunächst noch mit

geschlossenem Visier. Lange war der Brief in Rußland gänzlich verboten.

Alexander Herzen veröffentlichte ihn zum erstenmal in seinem in London

erscheinenden »Polarstern«. Danach wurde er im Auslande und endlich 1872

auch in Rußland auszugsweise unter Weglassung der schärfsten Stellen

nachgedruckt. Der vollständige Abdruck im Jahre 1906 in der Bibliothek

Swetotsch (Die Fackel) durch Wengerow bezeichnet einen neuen Abschnitt

in der Geschichte des Briefes und zugleich eine neue Epoche in der

russischen Revolution.

Sämmtliche Werke 8: Briefwechsel II, Hans Küchelgarten Briefwechsel II / Die Beichte des Dichters / Betrachtungen über die Heilige Liturgie / Jugendschriften / Fragmente / Hans Küchelgarten · 第 50 / 56 题