Die Wirkung, die die heilige Liturgie auf den Geist ausübt, ist
gewaltig: sie vollzieht sich sichtbar und vor den Augen der ganzen Welt
und bleibt doch verborgen. Und wenn der Kirchenbesucher nur jeder
Handlung andächtig und aufmerksam und den Ermahnungen des Diakons
gehorsam gefolgt ist, -- so wird seine Seele von einer gehobenen
Stimmung ergriffen, Christi Gebote werden für ihn erfüllbar, das Joch
Christi wird sanft, und Seine Last wird leicht. Wenn er dann den Tempel
verlassen hat, woselbst er an dem göttlichen Liebesmahl teilgenommen
hat, sieht er alle Menschen als seine Brüder an. Was er auch tut, ob er
wieder an seine gewohnten Geschäfte geht, sich seinem Dienst oder seiner
Familie widmet, wo und in welchem -- -- -- es auch sei, stets schwebt
ihm ganz unwillkürlich das hohe Ziel eines liebevollen Verhaltens gegen
seine Mitmenschen vor der Seele, wie es uns der Gottmensch vom Himmel
mitgebracht hat; ohne daß er es selbst merkt, wird er freundlicher und
gütiger gegen seine Untergebenen. Wenn er selbst einen Vorgesetzten über
sich hat, so ordnet er sich ihm liebevoller unter, als wäre es der
Heiland selbst, dem er gehorcht. Wenn er einen Menschen sieht, der um
Hilfe bittet, ist sein Herz mehr denn sonst zur Hilfe geneigt, er findet
mehr [Freude] daran und schenkt dem Armen aus liebendem Herzen ein
Almosen. Ist er dagegen selbst arm, so nimmt er jede kleine Gabe voller
Dankbarkeit entgegen; sein Herz ist von Rührung ergriffen und will vor
Dank vergehen, und niemals betet er so dankerfüllt für seinen Wohltäter.
Und alle, die der göttlichen Liturgie aufmerksam gefolgt sind, verlassen
die Kirche sanftmütiger, sind gütiger im Umgang mit dem Menschen und
freundlicher und milder in allem, was sie tun.
Daher muß ein jeder, der innerlich fortschreiten und besser werden will,
die göttliche Liturgie, so oft als nur möglich, besuchen und ihr
aufmerksam folgen: sie stimmt den Menschen ganz unmerklich und richtet
seine Seele empor. Und wenn sich unsere Gesellschaft noch nicht
vollständig aufgelöst hat, wenn die Menschen noch nicht von einem tiefen
unversöhnlichen Haß widereinander erfüllt sind, so liegt der letzte
tiefste Grund in der göttlichen Liturgie, die den Menschen an das
heilige himmlische Gebot der Liebe zu seinen Brüdern mahnt. Wer sich
daher in der Liebe stärken will, der sollte dem heiligen Liebesmahl so
oft als möglich, voller Furcht, voller Glauben und Liebe beiwohnen. Und
wenn er das Gefühl hat, daß er dessen noch nicht würdig ist, mit seinem
Munde den Gott in sich aufzunehmen, Der selbst ganz Liebe ist, so soll
er wenigstens der Liturgie als Zuschauer beiwohnen, er mag zusehen, wie
die anderen das heilige Abendmahl nehmen, um unmerklich und
unwillkürlich mit jeder Woche besser und vollkommener zu werden.
Gewaltig und unermeßlich könnte die Wirkung der heiligen Liturgie sein,
wenn der Mensch ihr beiwohnte, um das, was er gehört hat, in sein Leben
aufzunehmen.
Indem alle in gleicher Weise aus der Liturgie Belehrung schöpfen und
indem sie auf alle Glieder der Gesellschaft vom Zaren herab bis zum
letzten Bettler gleichermaßen wirkt, spricht sie zu allen in gleicher
Weise, wenngleich nicht in derselben Sprache, und unterweist alle in der
Liebe, die da ist das Band der Gesellschaft, die innerste Triebfeder
alles dessen, das sich harmonisch bewegt, und die Nahrung und das Leben
von allem.
Wenn aber die heilige Liturgie schon, während sie zelebriert wird, so
stark auf die Anwesenden wirkt, so ist ihre Wirkung auf den Zelebranten
oder den Priester noch weit tiefer. Wenn er sie andächtig und mit
Ehrfurcht, Glauben und Liebe zelebriert, so reinigt sich sein ganzes
Wesen, gleich einem Gefäß, das später zu nichts mehr ...; und mag er nun
den ganzen Tag erregt in der Erfüllung seiner zahlreichen
seelsorgerischen Pflichten, inmitten seiner Familie, seiner Hausgenossen
oder seiner Pfarrkinder zubringen, der Heiland selbst wird sich in ihm
verkörpern. Christus wird in allen seinen Handlungen lebendig sein, und
der Heiland wird durch seinen Mund zu uns sprechen. Ob er die
Streitenden zu versöhnen oder den Starken oder den Zornigen zu bewegen
sucht, Gnade gegenüber dem Schwachen zu üben; ob er den Trauernden
tröstet und den Bedrückten zur Geduld ermahnt oder ... seine Worte
werden von der heilenden Kraft des Balsams erfüllt sein und überall und
allerorten zu Worten des Friedens und der Liebe werden.