Eine ungeheure Anstrengung, die seine Kräfte erschöpfen mußte!
So wurde _Mozart ein Wunder seiner Kunst_, der _Liebling_ seines
Zeitalters! Sein kurzes, aber glänzendes Künstlerleben macht in der
Geschichte der Tonkunst eine neue Epoche.
Der große, feurige Geist, der in seinen Werken waltet und der volle
Strom der Empfindung reißen jedes gefühlvolle Herz mit unwiderstehlicher
Gewalt hin. Der süße Zauber seiner Harmonien entzückt das Ohr; die Fülle
der Gedanken, das Neue in ihrer Ausführung machen das Gefallen seiner
Musik dauerhaft. Wer einmal an _Mozart_ Geschmack gefunden hat, der wird
durch andere Musik schwer zu befriedigen seyn. Und _alle_ diese
Vollkommenheiten hat er _in einem Alter_ erreicht, das für gewöhnliche
Künstler kaum der Zeitpunkt _der ersten Ausbildung_ ist! Da er starb,
hatte sein Ruhm bereits eine Größe, wie sie nur selten auch der
glücklichste Künstler hoffen darf -- und wie kurz war sein Leben? Er
hatte noch nicht das 35te Jahr vollendet, als er starb! Was würde sein
unerschöpflicher Geist der Welt noch geliefert haben? -- --
Wär er nach England gegangen -- sein Ruhm würde neben _Händels_
unsterblichem Namen glänzen: in Teutschland rang sein Geist oft mit
Mangel; seinen _Grabeshügel zeichnet nicht einmal eine schlechte
Inschrift aus_! --
Auf seinen Tod erschienen mehrere Trauer-Kantaten; darunter zeichnen
sich zwey aus, vom Herrn _Wessely_ und _Karl Kannabich_ dem jüngern aus
München.
Einfach und edel war das Fest, welches die Hörer der Rechte zu Prag in
ihrer musikalischen Akademie, bey der Anwesenheit der Wittwe im Jahre
1794 Mozarts Andenken weiheten; es wurde durch ein Gedicht
verherrlichet, welches den Profess. Meinert zum Verfasser hat. Ein Paar
Stanzen daraus verdienen hier allerdings einen Platz.
Ach! er ward uns früh entrückt,
Der die Saiten der Empfindung,
Wie ihr Schöpfer kannt' und griff;
In harmonische Verbindung
Ihre kühnsten Töne rief:
Jetzt ein Gott in seines Zornes
Donner rauschend niederfuhr,
Itzo lispelnd wie des Wiesenbornes
Welle floß in stiller Flur.
Ach! schon grünt des Edlen Hügel:
Aber ganz birgt er ihn nicht.
Eines, das durch Gräber Riegel,
Ewig jung und göttlich bricht,
_Eines_ lebt -- der hohe reine
Geistesabdruck ist dieß _Eine_,
Das zur Ewigkeit entblüht,
Norne! deinem Dolch entflieht.
Fühlt ihr in der Saiten Beben,
Im begeisternden Gesang,
In des Herzens Sturm und Drang
Fühlt ihr des Entschlaf'nen Leben?
Horch! es tönen Engelharmonien, --
Das ist Mozart! Seht ihr ihn
Lichtbekränzt? Mit Feentritte
Wallt sein Geist in eurer Mitte.