6) Das Requiem.

Eine ungeheure Anstrengung, die seine Kräfte erschöpfen mußte!

So wurde _Mozart ein Wunder seiner Kunst_, der _Liebling_ seines

Zeitalters! Sein kurzes, aber glänzendes Künstlerleben macht in der

Geschichte der Tonkunst eine neue Epoche.

Der große, feurige Geist, der in seinen Werken waltet und der volle

Strom der Empfindung reißen jedes gefühlvolle Herz mit unwiderstehlicher

Gewalt hin. Der süße Zauber seiner Harmonien entzückt das Ohr; die Fülle

der Gedanken, das Neue in ihrer Ausführung machen das Gefallen seiner

Musik dauerhaft. Wer einmal an _Mozart_ Geschmack gefunden hat, der wird

durch andere Musik schwer zu befriedigen seyn. Und _alle_ diese

Vollkommenheiten hat er _in einem Alter_ erreicht, das für gewöhnliche

Künstler kaum der Zeitpunkt _der ersten Ausbildung_ ist! Da er starb,

hatte sein Ruhm bereits eine Größe, wie sie nur selten auch der

glücklichste Künstler hoffen darf -- und wie kurz war sein Leben? Er

hatte noch nicht das 35te Jahr vollendet, als er starb! Was würde sein

unerschöpflicher Geist der Welt noch geliefert haben? -- --

Wär er nach England gegangen -- sein Ruhm würde neben _Händels_

unsterblichem Namen glänzen: in Teutschland rang sein Geist oft mit

Mangel; seinen _Grabeshügel zeichnet nicht einmal eine schlechte

Inschrift aus_! --

Auf seinen Tod erschienen mehrere Trauer-Kantaten; darunter zeichnen

sich zwey aus, vom Herrn _Wessely_ und _Karl Kannabich_ dem jüngern aus

München.

Einfach und edel war das Fest, welches die Hörer der Rechte zu Prag in

ihrer musikalischen Akademie, bey der Anwesenheit der Wittwe im Jahre

1794 Mozarts Andenken weiheten; es wurde durch ein Gedicht

verherrlichet, welches den Profess. Meinert zum Verfasser hat. Ein Paar

Stanzen daraus verdienen hier allerdings einen Platz.

Ach! er ward uns früh entrückt,

Der die Saiten der Empfindung,

Wie ihr Schöpfer kannt' und griff;

In harmonische Verbindung

Ihre kühnsten Töne rief:

Jetzt ein Gott in seines Zornes

Donner rauschend niederfuhr,

Itzo lispelnd wie des Wiesenbornes

Welle floß in stiller Flur.

Ach! schon grünt des Edlen Hügel:

Aber ganz birgt er ihn nicht.

Eines, das durch Gräber Riegel,

Ewig jung und göttlich bricht,

_Eines_ lebt -- der hohe reine

Geistesabdruck ist dieß _Eine_,

Das zur Ewigkeit entblüht,

Norne! deinem Dolch entflieht.

Fühlt ihr in der Saiten Beben,

Im begeisternden Gesang,

In des Herzens Sturm und Drang

Fühlt ihr des Entschlaf'nen Leben?

Horch! es tönen Engelharmonien, --

Das ist Mozart! Seht ihr ihn

Lichtbekränzt? Mit Feentritte

Wallt sein Geist in eurer Mitte.

Lebensbeschreibung des k. k. Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart · 第 10 / 13 题