Heute haben wir den Tischler Wunsch beerdigt. Binnen 1½ Jahr schon
der dritte Europäer, der dem Fieber erlegen -- alle drei junge,
kräftige Leute. Sie alle haben sich die Krankheitskeime auf den
Märschen durch die sumpfigen Niederungen geholt, denn die Lage von
Iringa ist anerkannt gesund und vor allem fieberfrei. Der Tod war
für den armen Mann eine Erlösung. Ich habe ihn täglich besucht, er
war mir so dankbar dafür: nur in den letzten zwei Tagen vor seinem
Ende konnte ich seine furchtbaren Qualen nicht mehr mit ansehen, die
ihm doch niemand erleichtern konnte! In den neun Jahren, die er in
Afrika zubrachte (er war als Laienbruder der katholischen Mission
herübergekommen), hat er siebenmal Fieber gehabt, d. h. perniziöses
Fieber; die gewöhnlichen Fieberanfälle werden ja nicht gerechnet.
Sein Tod wurde durch ein Geschwür herbeigeführt, welches sich nach
dem letzten Fieberanfall am Ohre bildete und schließlich bis auf die
Kinnladen ging, so daß der Ärmste weder essen noch trinken konnte. Der
neue Pater Superior der Mission, Severin, hielt ihm die Grabrede. Das
Begräbnis war sehr feierlich.
Mit Pater Severin kam zugleich ein neuer Bruder, der mit dem bisherigen
Superior, Pater Ambrosius, in Ubena eine Missionsstation gründen soll.
[Illustration: Station Mlangali.
(Zu S. 173.)]
[Illustration: Der erste Pflug im Lande Uhehe.
(Zu S. 172.)]
Am 23. vorigen Monats traf von Herrn v. Kleist eine Anzahl Obstbäumchen
ein, die er uns zum Geschenk machte; sie waren sehr sachgemäß verpackt,
und wir hoffen, daß der größte Teil davon trotz des weiten Transportes
gut fortkommen wird. Wir gaben die Bäumchen nach Dabagga, weil sie in
unserm Garten doch vielleicht nicht so gut gediehen wären, wie unter
der fachmännischen Pflege unserer landwirtschaftlichen Versuchsstation.
+Mdogori+, 8. Juli 1898.
Heute sind es zwei Jahre, daß wir in Perondo ankamen! Ich sitze im
herrlichsten Urwald, der Tag ist ganz für mich, denn Tom kommt heute
abend erst von Iduma zurück, wohin ich ihn nicht begleiten konnte,
da der Tagesmarsch für mich zu anstrengend. Wir brachen am 4. dieses
Monats von Iringa auf. Unser Haus und meine kleinen Totos habe ich
einer zuverlässigen Sudanesenfrau übergeben, die ich mir als „Stütze
der Hausfrau“ angelernt habe. Sie soll die Wirtschaft führen, solange
ich mich nicht darum kümmern kann, und mich pflegen, wenn ich krank
bin. -- Hoffentlich erfüllt sie die auf sie gesetzten Hoffnungen. --
Gestern habe ich nun auch mein Abenteuer erlebt, ohne das ein
„Afrikaner“ eigentlich keinen Anspruch hat, ernstgenommen zu werden --
in Deutschland wenigstens --: ich habe einem Löwen gegenüber gestanden!
Ich hatte mir ein schattiges Plätzchen zur Siesta ausgesucht, unweit
des Lagers, aus welchem die Klänge von „Heil Dir im Siegerkranz“
und „Ich bin ein Preuße“ zu mir herüber drangen, als plötzlich mein
Schnapsel mit allen Zeichen des Schreckens und wütend bellend unter
meinem Kleide Deckung suchte; ich sah mich um: etwa 40 Schritte ab
steht zwischen den Bäumen eine Löwin! Im ersten Augenblick stockte
mir der Atem, dann rief ich nach dem Ombascha, der auch sofort
angesprungen kam, leider ohne Gewehr. Ich sah die Löwin noch im
Dickicht verschwinden und schickte Askaris hinterher, die Spur war
aber bald verloren, und die Leute kamen unverrichteter Sache zurück.
Nach etwa einer halben Stunde wurde ich in meiner Lektüre wieder
durch Schnapsels Bellen aufmerksam; links von mir, kaum zehn Schritt
weit, steht die Löwin wieder und äugt nach uns! Hätte mein braver
Schnapsel mich nicht gewarnt, hätte die heimtückische Bestie sicher
den Sprung getan! Diesmal trat ich aber schleunigst den Rückzug nach
dem Lager an, indem ich wieder nach dem Ombascha rief. Auch diesmal
entging uns die Beute; sie wird aber sicher wiederkommen. Schnapsel
band ich fest, -- auf ihn hatte die Löwin es wohl zunächst abgesehen,
dann stellten wir eine Falle mit Selbstschuß. Nun habe ich auch mein
Löwenabenteuer! Schade, daß Tom nicht zugegen war, sie wäre dann gewiß
nicht entkommen. Einen Leoparden, der sich in einer von _Dr._ Stierling
gestellten Falle gefangen, sah ich kürzlich. Das stattliche Tier hatte
die Fangeisen mit furchtbarer Gewalt aus dem Boden gerissen und war mit
denselben auf einen Baum gesprungen, wo sich die Kette derart in den
Ästen verschlungen hatte, daß ihm jede Flucht abgeschnitten war. Ein
gutgezielter Fangschuß machte ihm dort ein Ende.
+Dabagga+, Sonntag den 10. Juli 1898.
Mittags kamen wir hier an; der Förster hat uns ein reizendes Häuschen
aus Bambus errichtet, bestehend aus einem Zimmer mit Veranda, und
bewirtete uns mit einem trefflichen, von ihm selbst bereiteten
Mittagsmahl. Sehr betrübt erzählte er uns, wie ungern er jetzt von
der Stätte seiner Tätigkeit scheide; er hat alles so praktisch und
wirklich schön eingerichtet, daß er nun nicht gern einem andern Platz
machen möchte. Daß er es rasch gelernt hat, die Eingeborenen richtig
zu behandeln, beweisen die Wahehe-Ansiedelungen, die sich unter seiner
Leitung bei der Station Dabagga schön entwickeln.