6. April 1898.

Gestern feierten wir Leutnant Kuhlmanns Geburtstag; früh sandte ich ihm

eine Sandtorte und einen Likörbecher, mittags waren der „Jubilar“ sowie

Herr v. der Marwitz und der neue Zahlmeister unsere Gäste. Ich bin mit

meinem Koche schon so eingefuchst, daß unsere afrikanischen Diners

immer vorzüglich klappen! Von der Arbeit macht eine deutsche Hausfrau

sich freilich keine Vorstellung.

Heute traf ein Mann auf der Station ein, dem Quawa früher einmal die

Hände und Ohren abgeschnitten und ihn derart verstümmelt an seinen

Sultan zurückgesandt hatte, um diesem die Strafe für Verräter _ad

oculos_ zu demonstrieren!

Mittags 12 Uhr marschierte Tom wieder ab; Herr v. der Marwitz und

Sergeant Richter, dessen Wunde noch immer nicht ganz verheilt,

begleiteten ihn: auf den Feldern von Iringa sind Spuren gefunden

worden, die auf Quawa deuten. Es sollen nur drei kleine Lasten

mitgenommen werden, da muß ich genau überlegen, welche Stücke

unumgänglich nötig, welche entbehrlich sind.

Karfreitag.

Ich feierte den „stillen Freitag“ in Wahrheit in aller Stille --

Gott gebe meinem Manne den langersehnten Erfolg, damit das Land nach

jahrelangen Kämpfen endlich zum Frieden komme! -- Ein gutes Anzeichen:

kurz nach Toms Abmarsch stellte sich ein Krieger aus Quawas nächster

Umgebung! Tom ist auf der richtigen Spur; damit unser Todfeind diesmal

nicht ausbrechen kann, marschieren Merkl und Hammermeister, die eben

erst von einem Zuge zurückkamen, gleich wieder in den von Tom ihnen

bezeichneten Richtungen ab; überall sieht man die Signalfeuer unserer

Wahehe: das Wild ist umstellt!

Als Belohnung für die Einlieferung Quawas hat das Gouvernement große

Elefantenzähne im Preis von 5000 Rupien ausgesetzt, die hier für

jedermann zur Ansicht ausliegen.

Ostersonntag.

Tom kehrte heute zurück. Er hat dreimal Quawas Feuerstelle gefunden,

einmal war er, wie gefangene Weiber aussagen, bis auf 50 Meter an

Quawa heran, als dieser noch mit der Gewandtheit eines Wiesels im

Pori verschwand. Auf dem steinigen Boden war schließlich auch für

Waheheaugen die Spur nicht mehr erkennbar. Mit einem guten deutschen

Schweißhund hätte man die Verfolgung weiterführen können.

Von seiten unserer Jumben kommen sehr häufig -- so auch heute --

Lasten mit Chakula für uns an; sie schicken sie als den üblichen

Sultanstribut; als solchen nehme ich sie natürlich nicht an, sondern

erwidere das Geschenk mit dem gleichen Werte an Zeug, aber erst durch

die ausdrückliche Erklärung, daß ich das als ein Gegengeschenk, nicht

etwa als Kaufpreis betrachte, kann ich sie zur Annahme bewegen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 112 / 132 题