Gestern feierten wir Leutnant Kuhlmanns Geburtstag; früh sandte ich ihm
eine Sandtorte und einen Likörbecher, mittags waren der „Jubilar“ sowie
Herr v. der Marwitz und der neue Zahlmeister unsere Gäste. Ich bin mit
meinem Koche schon so eingefuchst, daß unsere afrikanischen Diners
immer vorzüglich klappen! Von der Arbeit macht eine deutsche Hausfrau
sich freilich keine Vorstellung.
Heute traf ein Mann auf der Station ein, dem Quawa früher einmal die
Hände und Ohren abgeschnitten und ihn derart verstümmelt an seinen
Sultan zurückgesandt hatte, um diesem die Strafe für Verräter _ad
oculos_ zu demonstrieren!
Mittags 12 Uhr marschierte Tom wieder ab; Herr v. der Marwitz und
Sergeant Richter, dessen Wunde noch immer nicht ganz verheilt,
begleiteten ihn: auf den Feldern von Iringa sind Spuren gefunden
worden, die auf Quawa deuten. Es sollen nur drei kleine Lasten
mitgenommen werden, da muß ich genau überlegen, welche Stücke
unumgänglich nötig, welche entbehrlich sind.
Karfreitag.
Ich feierte den „stillen Freitag“ in Wahrheit in aller Stille --
Gott gebe meinem Manne den langersehnten Erfolg, damit das Land nach
jahrelangen Kämpfen endlich zum Frieden komme! -- Ein gutes Anzeichen:
kurz nach Toms Abmarsch stellte sich ein Krieger aus Quawas nächster
Umgebung! Tom ist auf der richtigen Spur; damit unser Todfeind diesmal
nicht ausbrechen kann, marschieren Merkl und Hammermeister, die eben
erst von einem Zuge zurückkamen, gleich wieder in den von Tom ihnen
bezeichneten Richtungen ab; überall sieht man die Signalfeuer unserer
Wahehe: das Wild ist umstellt!
Als Belohnung für die Einlieferung Quawas hat das Gouvernement große
Elefantenzähne im Preis von 5000 Rupien ausgesetzt, die hier für
jedermann zur Ansicht ausliegen.
Ostersonntag.
Tom kehrte heute zurück. Er hat dreimal Quawas Feuerstelle gefunden,
einmal war er, wie gefangene Weiber aussagen, bis auf 50 Meter an
Quawa heran, als dieser noch mit der Gewandtheit eines Wiesels im
Pori verschwand. Auf dem steinigen Boden war schließlich auch für
Waheheaugen die Spur nicht mehr erkennbar. Mit einem guten deutschen
Schweißhund hätte man die Verfolgung weiterführen können.
Von seiten unserer Jumben kommen sehr häufig -- so auch heute --
Lasten mit Chakula für uns an; sie schicken sie als den üblichen
Sultanstribut; als solchen nehme ich sie natürlich nicht an, sondern
erwidere das Geschenk mit dem gleichen Werte an Zeug, aber erst durch
die ausdrückliche Erklärung, daß ich das als ein Gegengeschenk, nicht
etwa als Kaufpreis betrachte, kann ich sie zur Annahme bewegen.