Tom ist wieder hinter Quawa her! Heute brachten unsere Wahehe einen
Trupp Gefangener ein; zu unserer freudigen Überraschung waren darunter
Quawas wichtigste Frauen und seine Schwester. Diese wollte Tom an
Quawa zurückschicken mit der Botschaft an ihren Bruder, er solle
sich mit seinem ganzen Anhange stellen, als Strafe würde er nur des
Landes verwiesen werden, sein Leben sei bei gutwilliger Unterwerfung
nicht bedroht. Allein die Schwester weigerte sich, diese Botschaft
zu überbringen, weil Quawa sie ohne weiteres dafür töten würde.
Es befanden sich weiter unter den Gefangenen fünf Sultanstöchter,
Schwestern des jetzigen Sultans Merere, der sie nach Ubena abholte,
ferner Tochter und Nichte des Sultans von Sikki, erstere eine
interessante Erscheinung, von präraffaelisch schlankem Wuchs mit feinen
Zügen und großen, traurig blickenden Augen -- ich mußte an die zarten
und doch so vornehmen Frauenbilder von Alessandro Botticelli denken.
Für Tom war diese Begegnung mit der Tochter des Sikkisultans von
besonderem Interesse: als er 1893 dessen Boma stürmte, waren gerade
Quawas Abgesandte dort, um diese Tochter für ihren Herrn als Frau zu
holen; sie entging damals nur knapp der Gefangenschaft -- heute hat sie
das Geschick doch ereilt. Sie berichtete uns, Quawa habe geäußert, wenn
er gewußt hätte, daß wir uns so lange in Uhehe halten würden, hätte er
sich gestellt; er habe angenommen, daß wir auch diesesmal, wie 1894,
bald wieder abziehen müßten.
Während ich beim Entwickeln photographischer Platten bin, höre
ich großes Geschrei -- eine gute Nachricht ist von der Expedition
eingetroffen: am 26. hat Tom das Lager Quawas aufgestöbert und
zersprengt: diesmal bestand es nur aus einzelnen, im Gebüsch
verstreuten Feuerstellen; der Sultan selbst entkam ins Pori, sein
Schwager fiel, einer seiner Schwiegersöhne und mehrere Weiber und
Kinder wurden gefangen, darunter ein sechzehnjähriger Sohn, alle
bis zum Skelett abgemagert. Tom schickte den ganzen Troß mit den
Wahehe zurück, um den Schein zu erwecken, die Expedition sei nach der
Station zurückgekehrt, er selbst blieb mit Leutnant v. der Marwitz
und den Unteroffizieren Schubert und Hammermeister im Versteck, um
die Versprengten noch einmal zu überraschen, die sich wahrscheinlich
an dieser Stelle wieder zusammenfinden würden. Eine der gefangenen
Quawafrauen hatte kurz vorher einen Knaben geboren; beide befinden sich
nach den Anstrengungen des Marsches wohl. Auch bei unserem Effendi ist
der Storch eingekehrt -- übrigens, um auch diese naturwissenschaftliche
Tatsache festzustellen: die jungen Erdenbürger kommen mit weißer
Haut zur Welt und bilden einen eigenartigen Farbenkontrast zu ihren
schwarzen Müttern; von der zweiten Woche an beginnen sie nachzudunkeln.