20. März 1898.

Am 17. war Tom mit Leutnant Kuhlmann nach Dabagga marschiert, um dort

nach dem Rechten zu sehen -- heute kamen sie schon zurück, also viel

früher, als ich erwartete. Solche friedlichen Expeditionen lasse ich

mir gefallen, die Zeit vergeht viel schneller, wenn mich die Angst

um meinen Mann nicht aufreibt. Morgens besorge ich die Hausarbeit,

während der tollsten Mittagshitze ruhe ich oder lese, dann holen mich

die Herren ab zum Krocket oder Spaziergang, wir besuchen unseren

kranken Leutnant Orthmann und machen Einkäufe bei unserem „Hoflieferant

Borchardt“, dem Griechen. So vergehen mir die Tage, die Tom abwesend

ist, im Fluge. -- Mit meiner Hühnerzucht habe ich viel Verdruß:

die eben ausgekrochenen jungen Perlhühner sind nach wenigen Tagen

eingegangen. Gestern abend in der blumengeschmückten Messe großes

Festmahl, gegeben von _Dr._ Drewes und Bauleiter Hentrich; die Sache

verlief sehr hübsch. Wir waren alle sehr vergnügt und kehrten erst

gegen Mitternacht zu den häuslichen Penaten zurück.

Schnapsels Nachkommenschaft ist erloschen, er überlebt sein Geschlecht.

Seinen Sohn und präsumtiven Nachfolger hat ein Leopard direkt von

unserm Hofe weggeholt; der Posten schoß auf den frechen Räuber, so

daß er seine Beute fallen ließ; so konnten wir den treuen Wächter

des Hauses andern Tags im Garten begraben. Schnapsel trug bei der

Bestattung eine dem tragischen Ende seines Sprößlings angemessene

Trauer zur Schau; er scheint ihn noch lange vermißt zu haben. Einige

Abende darauf holte der Leopard sich auch noch den andern Hund, und

zwar diesmal von der Veranda!

Unter unserem Dach hat sich ein Bienenschwarm eingenistet, alles

Ausräuchern ist vergeblich, wir müssen uns die Mitbewohner also

gefallen lassen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 109 / 132 题