26. Februar 1898.

Großer Ramassan mit der üblichen Gratulationscour. Zuerst kommen

die schwarzen Händler; sie werden von Tom zur Rede gestellt, weil

sie sich geweigert hatten, unsern Askaris den Mais für 5 Rupien zu

verkaufen; sie verbrauen den Mais nämlich lieber zu Pombe (_pombe_ =

eigentlich Bier aus Hirse) und verdienen am Sack dann 15 bis 20 Rupien.

Dann erscheinen die Araber und Beludschen, die ich mit Tee, Kaffee

und Schokoladenplätzchen bewirte. Wir waren in nichts weniger als

festlicher Stimmung -- sollte doch noch an demselben Tage das Urteil an

den vom Kriegsgericht zum Tod durch den Strang Verurteilten vollstreckt

werden! Von den zwölf Verurteilten waren drei begnadigt worden.

Nachmittags kamen sämtliche Sudanesenfrauen, 36 an der Zahl! alle

in ihrem schönsten Staat, mit silbernen Ketten und Armringen von

riesigem Umfang und großen Silberdosen als Anhängsel, in denen sie ihre

_dawa_ (Medizin, Zaubermittel) bewahren. Mit ihren faltigen, farbigen

Gewändern und weißen Tüchern über den schwarzen Gesichtern bilden sie

wirklich malerische Gruppen. Sie werden wie die Araber mit Tee, Kaffee

und allerlei Süßigkeiten bewirtet, ebenso wie diese ihre Sandalen

ablegen, ziehen auch sie vor dem Eintritt in mein Zimmer ihre Schuhe

aus.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 103 / 132 题