Es ist eine erschütternde Tragödie, die sich in unserem weltfernen
Winkel hier abspielt: der Kampf um die Heimat, und die Treue, mit
der dem vertriebenen Herrscher seine Krieger Gefolgschaft leisten,
versöhnt auch uns, seine Feinde, mit diesen schwarzen Söhnen der
Berge. 1½ Jahr dauert nun schon dieser Vernichtungskampf, Hunderte von
Kriegern sterben als Märtyrer ihrer Vasallentreue für einen Herrscher,
der ihnen weder Nahrung noch Kleidung mehr gewähren kann, während
sie täglich erfahren, daß ihre auf und bei den deutschen Stationen
angesiedelten Stammesgenossen ein sorgenfreies Dasein genießen. Die
Tragik dieses Kampfes, in welchem ein Volk für das Leben seines Sultans
verblutet, trat mir gestern recht ergreifend vor Augen: die Gefangenen
sollten über den Aufenthalt ihres Herrn aussagen. Man sah ihre innere
Aufregung, die Angst, als Aufrührer zum Tode verurteilt zu werden --
aber Quawas Name kam nicht über ihre Lippen. Das sind Feinde, denen man
die Achtung nicht versagen kann.
Ein anderes Verhör brachte etwas zu Tage, was Tom längst vorausgesehen
hatte: 26 von Unteroffizier Lachenmeyer eingebrachte Leute waren Spione
Quawas! Auf seinen Befehl hatten sie sich unterworfen, um ihren Herrn
mit dem Ertrage unserer Felder zu versorgen und ihm genaue Angaben über
die Stärke der einzelnen Stationen und detachierten Posten zu machen.
Dann sollte an einem bestimmten Tage der große Schlag gegen uns geführt
werden! Gott sei Dank, daß wir die Möglichkeit eines solchen Überfalles
niemals außer acht gelassen haben -- was wäre aus uns geworden, wenn
Tom im Gefühl scheinbarer Sicherheit die schärfste Beaufsichtigung
unserer neuen Ansiedler und Zuzügler nicht so streng durchgeführt hätte.
Unter diesen Spionen waren auch die Anführer des Überfalles von
Mtandi und der Mörder des unglücklichen Karsjens; sie waren dem
Feldwebel Merkl als Patrouillenführer mitgegeben worden; kein Wunder,
daß der Streifzug keinen Erfolg hatte. Karsjens hatte, wie sich nun
herausstellt, einen Schuß durch beide Oberschenkel erhalten, der ihn
niederstreckte, den von seinem Boy auf dem Feldbette niedergelegten
Wehrlosen hat der Mörder mit zwei Speerstichen in die Brust getötet.
Unsere Leute sind furchtbar erbittert; als für einen sofortigen
Streifzug unter Unteroffizier Schubert „Freiwillige vor!“ kommandiert
wurde, traten unsere Askaris sämtlich wie ein Mann vor.