Heute morgen kam Leutnant Braun. Ist gestern schon hier angekommen.
Boten an meinen Mann geschickt, erfuhr es erst heute. Braun hatte
mich nicht wenig erschreckt. Ich hatte gerade im Hühnerhaus usw.
recht herumgewirtschaftet, eine große Schürze dazu umgebunden, als
ich mich plötzlich Leutnant Braun gegenüber sah. So wie zu Hause sich
extra zum Wirtschaften etwas Schlechtes anziehen, gibt es hier nicht,
hier muß man immer „tajari“ sein, denn wie gesagt, man ist hier nicht
abgeschlossen und kann immer jemandem begegnen. Nun, die Waschkleider
sind eben sehr schön, wenn sauber, und auch leidlich hübsch, man kann
wenigstens immer gesehen werden. Des Nachmittags empfing ich Merere,
der mit seinem Gefolge angezogen kam, letzteres mußte vor der Tür auf
seinen Herrscher warten; nur ihm und seinem ersten „Minister“ wurden
die heiligen Pforten geöffnet. Jetzt sitzt er schon ganz schön auf
einem Stuhl, er fordert wieder Tabak (er raucht schon Zigaretten),
Streichhölzer, Zucker, Salz usw. Ich gab ihm von allem etwas. Ich
zeigte ihm seine Bilder, die ich aufgenommen hatte, er war ganz
aufgeregt darüber, und ich mußte ihm einige geben, damit er sie seinen
Leuten zeigen könne; besonders imponierte es ihm, daß auch sein
Reitochse mit auf dem Bilde war.
An der Weckuhr hatte er viel Vergnügen -- ich mußte sie immer wieder
wecken lassen, daß mir die Ohren gellten -- aber noch mehr an einem
großen Stammbuchbild, zwei stehende Negerkinder darstellend, das muß
ich ihm jedesmal zeigen. Nach 1½ Stunde entließ ich ihn in Gnaden.
Heute ist Merere mit 500 seiner Leute und 15 Askaris ohne Herrn Braun,
der erkrankt ist, ausgezogen.
Eins will ich noch klarlegen. Als Mpangire noch lebte, war alles so
schön; war seine Hinrichtung nicht voreilig? Ja, in der Tat, es war
alles in schönster Ruhe, -- aber es war die Ruhe vor dem Sturm. Er oder
wir -- sein Tod war die dringendste Notwendigkeit, sonst wäre unser
Schicksal besiegelt gewesen. Das Quawageschlecht übt eine unglaubliche
Gewalt auf das Volk aus, und solange Quawa lebt, werden wir nicht zur
Ruhe kommen.
Heute hatte ich zu Bett gelegen, infolgedessen glaubten meine Damen,
ich würde den Hühnerstall nicht revidieren: statt 31 Hühner fand ich
nur 20 dort. Jetzt müssen sie die fehlenden noch suchen. Auch hier
heißt es: „Wenn die Katze nicht zu Hause ist, tanzen die Mäuse auf
Tisch und Bänken.“ Der Mpischi ließ das Essen von den kleinen Boys
machen, und ich bekam erst um 4 Uhr Mittagbrot; Mabruki schlug sich
mit der Wache, so daß er an die Kette gekommen ist; das sind eben die
kleinen afrikanischen Dienstbotenleiden. Meine drei Mädels machen es
noch am besten, die habe ich schon so weit, daß sie ganz unglücklich
sind und weinen, wenn sie etwas schlecht gemacht haben. Wenn ich sie
schelte, sind sie schon sehr betrübt. Muhigu fängt sogar schon an die
Empfindliche zu spielen, wenn ich sie schelte, früher machte nur Kofi
(Ohrfeige) einigen Eindruck. Auf diesen Erfolg bin ich sehr stolz.
Natürlich treten mir dadurch die Kinder viel näher, denn sie sind im
Wesen ebenso wie die Kinder zu Hause. Auch spielen sie jetzt schon
verschiedene Spiele, die ich ihnen gezeigt.