30. März 1897.

Heute morgen kam Leutnant Braun. Ist gestern schon hier angekommen.

Boten an meinen Mann geschickt, erfuhr es erst heute. Braun hatte

mich nicht wenig erschreckt. Ich hatte gerade im Hühnerhaus usw.

recht herumgewirtschaftet, eine große Schürze dazu umgebunden, als

ich mich plötzlich Leutnant Braun gegenüber sah. So wie zu Hause sich

extra zum Wirtschaften etwas Schlechtes anziehen, gibt es hier nicht,

hier muß man immer „tajari“ sein, denn wie gesagt, man ist hier nicht

abgeschlossen und kann immer jemandem begegnen. Nun, die Waschkleider

sind eben sehr schön, wenn sauber, und auch leidlich hübsch, man kann

wenigstens immer gesehen werden. Des Nachmittags empfing ich Merere,

der mit seinem Gefolge angezogen kam, letzteres mußte vor der Tür auf

seinen Herrscher warten; nur ihm und seinem ersten „Minister“ wurden

die heiligen Pforten geöffnet. Jetzt sitzt er schon ganz schön auf

einem Stuhl, er fordert wieder Tabak (er raucht schon Zigaretten),

Streichhölzer, Zucker, Salz usw. Ich gab ihm von allem etwas. Ich

zeigte ihm seine Bilder, die ich aufgenommen hatte, er war ganz

aufgeregt darüber, und ich mußte ihm einige geben, damit er sie seinen

Leuten zeigen könne; besonders imponierte es ihm, daß auch sein

Reitochse mit auf dem Bilde war.

An der Weckuhr hatte er viel Vergnügen -- ich mußte sie immer wieder

wecken lassen, daß mir die Ohren gellten -- aber noch mehr an einem

großen Stammbuchbild, zwei stehende Negerkinder darstellend, das muß

ich ihm jedesmal zeigen. Nach 1½ Stunde entließ ich ihn in Gnaden.

Heute ist Merere mit 500 seiner Leute und 15 Askaris ohne Herrn Braun,

der erkrankt ist, ausgezogen.

Eins will ich noch klarlegen. Als Mpangire noch lebte, war alles so

schön; war seine Hinrichtung nicht voreilig? Ja, in der Tat, es war

alles in schönster Ruhe, -- aber es war die Ruhe vor dem Sturm. Er oder

wir -- sein Tod war die dringendste Notwendigkeit, sonst wäre unser

Schicksal besiegelt gewesen. Das Quawageschlecht übt eine unglaubliche

Gewalt auf das Volk aus, und solange Quawa lebt, werden wir nicht zur

Ruhe kommen.

Heute hatte ich zu Bett gelegen, infolgedessen glaubten meine Damen,

ich würde den Hühnerstall nicht revidieren: statt 31 Hühner fand ich

nur 20 dort. Jetzt müssen sie die fehlenden noch suchen. Auch hier

heißt es: „Wenn die Katze nicht zu Hause ist, tanzen die Mäuse auf

Tisch und Bänken.“ Der Mpischi ließ das Essen von den kleinen Boys

machen, und ich bekam erst um 4 Uhr Mittagbrot; Mabruki schlug sich

mit der Wache, so daß er an die Kette gekommen ist; das sind eben die

kleinen afrikanischen Dienstbotenleiden. Meine drei Mädels machen es

noch am besten, die habe ich schon so weit, daß sie ganz unglücklich

sind und weinen, wenn sie etwas schlecht gemacht haben. Wenn ich sie

schelte, sind sie schon sehr betrübt. Muhigu fängt sogar schon an die

Empfindliche zu spielen, wenn ich sie schelte, früher machte nur Kofi

(Ohrfeige) einigen Eindruck. Auf diesen Erfolg bin ich sehr stolz.

Natürlich treten mir dadurch die Kinder viel näher, denn sie sind im

Wesen ebenso wie die Kinder zu Hause. Auch spielen sie jetzt schon

verschiedene Spiele, die ich ihnen gezeigt.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 63 / 132 题