11. März 1897.

Gestern abend waren die Herren bei uns zu Tisch. Tom ist so

angegriffen und hat so viel zu arbeiten. Ich machte als Speise einen

Servietten-Pudding, den ich seit Weißenrode nicht gegessen hatte, er

fand großen Anklang. Ein friedlicher Zug kam in unsere kriegerische

Stimmung hinein, und doch wäre beinahe das ganze Fest verdorben

gewesen, wenn Tom sich nicht beherrscht hätte. Auf seinen Schultern

liegt doch alles, die anderen konnten schon eher lustig sein.

Kurz bevor die Herren zum Essen kamen, war die Nachricht gekommen, daß

einer unserer Askaris den Anführer der noch treugebliebenen Wahehe

(der Wadongwe) erschossen habe, weil derselbe eine Frau zurück haben

wollte, die der Askari gestohlen hatte. Werden nun die Leute jetzt,

nachdem ihr Führer ermordet, zu Quawa gehen? Für meinen Mann ist dieser

Semulikanbe gar nicht zu ersetzen. Noch bei der Jumbenversammlung fiel

mir seine große Gestalt mit dem eisernen Kopf voll Energie und Tatkraft

auf. Er hatte Tom überall hin begleitet und ihm die treuesten Dienste

geleistet. _Dr._ Stierling ging sofort hin, um den Askari zu verhaften

und die Sache zu untersuchen. Farhenga ging als Stellvertreter von Tom

den Verwandten des Ermordeten sein Beileid sagen.

Alle verfügbaren Unteroffiziere hat mein Mann jetzt verteilt.

Hammermeister nach Iringa, Prinage nach Mage, Langenkemper nach

Luhalali und Stephan nach Irandi, morgen geht Graf Fugger nach

Ukalinga, und Sadalla ist mit dem Elefantenjäger Nenge und 25 seiner

Leute, die 15 Mauser-Gewehre bekommen haben, ausgeschickt. Wenn das

nur nicht einen Zuzug für Quawa bedeutet, es wäre zu schrecklich!

Unsere Gäste blieben bis 1 Uhr, ein Zeichen, daß wir uns trotz aller

kriegerischen Sorgen gut unterhielten.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 47 / 132 题