Die Post mit vielen Briefen und Berichten meines Mannes ging gestern
abend ab, ehe ich etwas mitgeben konnte, und es ist dies ganz günstig.
So denken sie daheim alle, wir sind ganz ruhig und sicher hier, und
brauchen sich nicht zu ängstigen.
Der Pater Superior kam sehr elend gestern an, er soll sich hier etwas
erholen. Mein Mann würde gern die Mission einziehen, doch würde er
damit zu erkennen geben, daß er einen Überfall befürchtet, und um dies
zu vermeiden, wird der Posten auf zehn Askaris verstärkt.
Gerade als wir fertig mit dem Abendbrot waren, kam Graf Fugger und
brachte ausführliche Berichte. Von allen drei Etappen sind die Askaris
hingemordet worden. Zu dem einen Askari sind drei Kerle gekommen, die
ihm Essen zum Kauf anboten, sie haben ihn dann überfallen, gebunden und
mit Stöcken totgeschlagen! Seine Frau mit Kind führten sie mit sich,
doch ist die Frau wieder entflohen, und Graf Fugger, dem sie auf der
Flucht begegnete, hat sie mit hergebracht. Von Magdalenenhöhe hat man
noch nichts Näheres erfahren.
Bei Ruaha sollen die Leute von zwei Seiten gekommen sein, d. h. von
den Utschungubergen und von Iringa! Inwieweit Mpangire beteiligt ist,
kann man nicht ergründen, trotz Drohungen ist nichts aus diesem harten
Waheheschädel heraus zu bekommen. Nur soviel steht fest, daß er und
seine Brüder alles gewußt haben!
Jedenfalls hat Mpangire mit Quawa im Einverständnis gehandelt. Viele
behaupten, er habe die Station auf Quawa hetzen wollen, um sie selbst
dann leichter einzunehmen und die Europäer und Askaris niederzumetzeln.
Morgen wird Kriegsgericht gehalten, auch über Mpangires Brüder und zwei
Msagiras. Sie haben hochverräterisch gehandelt und werden es wohl mit
dem Leben büßen müssen. Sie haben ihr Quawablut nicht verleugnen können!
Daß sie bedeutende und befähigte Neger sind, beweist auch ihr jetziges
Verhalten. Sie haben an Verstellung das Menschenmöglichste geleistet.
Natürlich ist die Spannung groß, wie die Wahehe es aufnehmen werden,
wenn einer ihrer Größten aus der Quawafamilie den Tod als Verräter
sterben muß.
Jenseit des Ruaha ist ein Teil der Bevölkerung zu Quawa gegangen, ein
anderer aus Angst vor der Station in die Berge geflüchtet.