21. Februar 1897.

Die Post mit vielen Briefen und Berichten meines Mannes ging gestern

abend ab, ehe ich etwas mitgeben konnte, und es ist dies ganz günstig.

So denken sie daheim alle, wir sind ganz ruhig und sicher hier, und

brauchen sich nicht zu ängstigen.

Der Pater Superior kam sehr elend gestern an, er soll sich hier etwas

erholen. Mein Mann würde gern die Mission einziehen, doch würde er

damit zu erkennen geben, daß er einen Überfall befürchtet, und um dies

zu vermeiden, wird der Posten auf zehn Askaris verstärkt.

Gerade als wir fertig mit dem Abendbrot waren, kam Graf Fugger und

brachte ausführliche Berichte. Von allen drei Etappen sind die Askaris

hingemordet worden. Zu dem einen Askari sind drei Kerle gekommen, die

ihm Essen zum Kauf anboten, sie haben ihn dann überfallen, gebunden und

mit Stöcken totgeschlagen! Seine Frau mit Kind führten sie mit sich,

doch ist die Frau wieder entflohen, und Graf Fugger, dem sie auf der

Flucht begegnete, hat sie mit hergebracht. Von Magdalenenhöhe hat man

noch nichts Näheres erfahren.

Bei Ruaha sollen die Leute von zwei Seiten gekommen sein, d. h. von

den Utschungubergen und von Iringa! Inwieweit Mpangire beteiligt ist,

kann man nicht ergründen, trotz Drohungen ist nichts aus diesem harten

Waheheschädel heraus zu bekommen. Nur soviel steht fest, daß er und

seine Brüder alles gewußt haben!

Jedenfalls hat Mpangire mit Quawa im Einverständnis gehandelt. Viele

behaupten, er habe die Station auf Quawa hetzen wollen, um sie selbst

dann leichter einzunehmen und die Europäer und Askaris niederzumetzeln.

Morgen wird Kriegsgericht gehalten, auch über Mpangires Brüder und zwei

Msagiras. Sie haben hochverräterisch gehandelt und werden es wohl mit

dem Leben büßen müssen. Sie haben ihr Quawablut nicht verleugnen können!

Daß sie bedeutende und befähigte Neger sind, beweist auch ihr jetziges

Verhalten. Sie haben an Verstellung das Menschenmöglichste geleistet.

Natürlich ist die Spannung groß, wie die Wahehe es aufnehmen werden,

wenn einer ihrer Größten aus der Quawafamilie den Tod als Verräter

sterben muß.

Jenseit des Ruaha ist ein Teil der Bevölkerung zu Quawa gegangen, ein

anderer aus Angst vor der Station in die Berge geflüchtet.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 42 / 132 题