30. Januar 1897.

Die beiden letzten Nächte habe ich sehr unruhig geschlafen, denn der

Gedanke, einer von Quawas Anhängern könnte Feuer an unsere Hütte legen,

ist doch zu ungemütlich. Man könnte ja bei dem Stroh auch nichts retten.

Wenn ich Schritte in der Nacht dicht bei uns höre, überläuft’s mich

ganz kalt.

Gestern war der Pater da und hat von 5 bis 11 Uhr nachts uns von Quawa

erzählt und mich eingegruselt. Mein Mann hatte darüber schon von

anderer Seite gehört; also etwas Wahres muß daran sein. Er meinte,

angreifen werde Quawa uns nicht, ohne daß es lange vorher bekannt

würde. Aber Schabernack spielen, wie Feuer anlegen usw., das wäre schon

möglich. Mpangire ist auch nicht ganz zu trauen, er kann sein echtes

Waheheblut nicht verleugnen. Meinem Mann ist das gleichgültig, wenn

Mpangire nur sonst treu ist und hier tüchtig das Regiment führt. Über

Nacht sind jetzt viele Posten ausgestellt. Diese Nacht ging ich mit

meinem Mann Wachen revidieren. Es war herrlich, der Himmel strahlte in

seiner Sterne Pracht. Der südliche Himmel ist doch bei weitem schöner

wie der zu Hause, es tat uns beinahe leid, als unser Rundgang zu Ende

war; ich legte mich gleich nieder, aber mein Mann arbeitete die Nacht

durch, denn er wird jetzt sehr von seiner Schlaflosigkeit geplagt.

Als unsere Gäste uns gestern verließen (wir hatten den Grafen Fugger

angefeiert), machten wir noch einen Spaziergang. Plötzlich flammte

Feuerschein im Dorfe auf, und als wir zurückeilten, fanden wir die

Kompagnie bereits unterm Gewehr. Zum Glück brannte nur eine Tembe; Tom

lief voraus, und als ich zur Feuerstelle kam, stand er bereits auf dem

brennenden Dach und leitete mit Wort und Tat die Löscharbeit. So sehr

ich um das Leben meines Mannes bangte, so war ich doch auch stolz, zu

sehen, mit welcher Ruhe und Umsicht er und Graf Fugger immer da waren,

wo die Gefahr am größten.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 36 / 132 题