über die Straßen fährt und sie mit einem drei Ellen langen S

[ Anmerkungen zur Transkription:

Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.

Im Original nicht in Fraktur gedruckter Text wurde mit _ markiert.

Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;

lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste

der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.

Die »fortgehenden Noten« (siehe die Vorrede des Verfassers, Punkt 2)

wurden an ihren ursprünglichen Stellen im Text belassen. Um sie vom

Haupttext abzusetzen und damit die Lesbarkeit zu erhöhen, wurden sie

vier Zeichen eingerückt.

]

[Illustration: Attila Schmelzle]

Des

Feldpredigers Schmelzle

Reise nach Flätz

mit fortgehenden Noten;

von

Jean Paul.

Leipzig

Kurt Wolff Verlag

1917.

Mit acht Kupfern

von

Karl Thylmann

2. Abdruck

Vorrede des Verfassers.

Ich glaube, mit drei Worten ist sie gemacht, so wie der Mensch und seine

Buße aus ebenso vielen Teilen.

1) Das erste Wort ist über den Zirkelbrief des Feldpredigers Schmelzle

zu sagen, worin er seinen Freunden seine Reise nach der Hauptstadt

Flätz beschreibt, nachdem er in einer Einleitung einige Beweise und

Versicherungen seines Mutes vorausgeschickt. Eigentlich ist selber die

Reise nur dazu bestimmt, seine vom Gerüchte angefochtene Herzhaftigkeit

durch lauter Tatsachen zu bewähren, die er darin erzählt. Ob es nicht

inzwischen feine Nasen von Lesern geben dürfte, welche aus einigen

darunter gerade umgekehrt schließen, seine Brust sei nicht überall

bombenfest, wenigstens auf der linken Seite, darüber lass' ich mein

Urteil schweben.

Übrigens bitte ich die Kunstkenner sowie ihren Nachtrab, die

Kunstrichter, diese Reise, für deren Kunstgehalt ich als Herausgeber

verantwortlich werde, bloß für ein Porträt (im französischen Sinne),

für ein Charakterstück zu halten. Es ist ein will- oder unwillkürliches

Luststück, bei dem ich so oft gelacht, daß ich mir für die Zukunft

ähnliche Charaktergemälde zu machen vorgesetzt. -- Wann könnte indes ein

solches Luststückchen schicklicher der Welt ausgestellt und beschert

werden, als eben in Zeiten, wo schweres Geld und leichtes Gelächter

fast ausgeklungen haben, zumal da wir jetzt wie Türken bloß mit Beuteln

rechnen und zahlen (der Inhalt ist heraus) und mit Herzbeuteln (der

Inhalt ist darin)? --

Verächtlich würde mir's vorkommen, wenn irgendein roher Tintenknecht

rügend und öffentlich anfragte, auf welchen Wegen ich zu diesem

Selbst-Kabinetts-Stücke Schmelzles gekommen sei. Ich weiß sie gut und

sage sie nicht. Dieses fremde Luststück, wofür ich allerdings (mein

Verleger bezeugt's) den Ehrensold selber beziehe, überkam ich so

rechtlich, daß ich unbeschreiblich ruhig erwarte, was der Feldprediger

gegen die Herausgabe sagt, falls er nicht schweigt. Mein Gewissen bürgt

mir, daß ich wenigstens auf ehrlicheren Wegen zu diesem Besitztume

gekommen, als die sind, auf denen Gelehrte mit den Ohren stehlen, welche

als geistige Hörsaalshausdiebe und Kathederschnapphähne und Kreuzer die

erbeuteten Vorlesungen in den Buchdruckereien ausschiffen, um sie im

Lande als eigene Erzeugnisse zu verhandeln. Noch hab' ich wenig mehr in

meinem Leben gestohlen, als jugendlich zuweilen -- Blicke.

2) Das zweite Wort soll die auffallende, mit einem Notensouterrain

durchbrochene Gestalt des Werkleins entschuldigen. Sie gefällt mir

selber nicht. Die Welt schlage auf und schaue hinein und entscheide

ebenfalls. Aber folgender Zufall zog diese durch das ganze Buch

streichende Teilungslinie: ich hatte meine eigenen Gedanken (oder

Digressionen), womit ich die des Feldpredigers nicht stören durfte, und

die bloß als Noten hinter der Linie fechten konnten, aus Bequemlichkeit

in ein besonderes Manuskript zusammengeschrieben, und jede Note

ordentlich, wie man sieht, mit ihrer Nummer versehen, die sich bloß auf

die Seitenzahl des fremden Hauptmanuskripts bezog; ich hatte aber bei

dem Kopieren des letzteren vergessen, in den Text selber die

entsprechende einzuschreiben. Daher werfe niemand, sowenig als ich,

einen Stein auf den guten Setzer, daß dieser -- vielleicht in der

Meinung, es gehöre zu meiner Manier, worin ich etwas suchte -- die Noten

geradeso, wie sie ohne Rangordnung der Zahlen untereinander standen,

unter den Text hinsetzte, jedoch durch ein sehr lobenswürdiges

künstliches Ausrechnen wenigstens dafür sorgte, daß unter jede Textseite

etwas von solchem glänzenden Notenniederschlag käme. -- -- Nun, die

Sache ist einmal geschehen, ja verewigt, nämlich gedruckt. Am Ende

sollte ich mich eigentlich darüber erfreuen. In der Tat -- und hätt'

ich jahrelang darauf gesonnen (wie ich's bisher seit zwanzigen getan),

um für meine Digressionskometenkerne neue Lichthülsen, wenn nicht

Zugsonnen, für meine Episoden neue Epopöen zu erdenken: schwerlich

hätt' ich für solche Sünden einen besseren und geräumigeren Sündenbalg

erfunden, als hier Zufall und Setzer fertig gemacht darreichen. Ich habe

nur zu beklagen, daß die Sache gedruckt worden, eh' ich Gebrauch davon

machen können. Himmel! welche fernsten Anspielungen (hätt' ich's vor

dem Drucke gewußt) wären nicht in jeder Textseite und Notennummer zu

verstecken gewesen, und welche scheinbare Unangemessenheit in die

wirkliche Gemessenheit und ins Notenuntere der Karten; wie empfindlich

und boshaft wäre nicht die Höhe und auf die Seite herauszuhauen gewesen,

aus den sicheren Kasematten und Miniergängen unten, und welche _laesio

ultradimidium_ (Verletzung über die Hälfte des Textes) wäre nicht mit

satirischen Verletzungen zu erfüllen und zu ergänzen gewesen!

Aber das Schicksal wollte mir nicht so gut; ich sollte von diesem

goldenen Handwerksboden für Satiren erst etwas erfahren drei Tage vor

der Vorrede.

Vielleicht aber holt die Schreibwelt -- bei dem Flämmchen dieses Zufalls

-- eine wichtigere Ausbeute, einen größeren unterirdischen Schatz

herauf, als leider ich gehoben; denn nun ist dem Schriftsteller ein Weg

gezeigt, in einem Marmorbande ganz verschiedene Werke zu geben, auf

einem Blatte zugleich für zwei Geschlechter, ohne deren Vermischung, ja

für fünf Fakultäten zugleich, ohne deren Grenzverrückung, zu schreiben,

indem er, statt ein ekles, gärendes Allerlei für niemand zu brauen, bloß

dahin arbeitet, daß er Notenlinien oder Demarkationslinien zieht und so

auf dem nämlichen fünfstöckigen Blatte die unähnlichsten Köpfe behauset

und bewirtet. Vielleicht läse dann mancher ein Buch zum vierten Male,

bloß, weil er jedesmal nur ein Viertel gelesen.

Wenigstens den Wert hat dieses Werk, daß es ein Werkchen ist, und klein

genug; so daß es, hoff' ich, jeder Leser fast schon im Buchladen schnell

durchlaufen und auslesen kann, ohne es, wie ein dickes, erst deshalb

kaufen zu müssen. -- Und warum soll denn überhaupt auf der Körperwelt

etwas anderes groß sein, als nur das, was nicht zu ihr gehört, die

Geisterwelt? --

=Baireuth=,

im Heu- und Friedensmonat 1807.

=Jean Paul Fr. Richter.=

[Illustration: Der Blitzschirm ist nämlich ganz der Reimarus'sche]

Zirkelbrief des vermutlichen katechetischen Professors =Attila

Schmelzle= an seine Freunde, eine Ferienreise nach Flätz enthaltend,

samt einer Einleitung, sein Davonlaufen und seinen Mut als voriger

Feldprediger betreffend.

Nichts ist wohl lächerlicher, meine werten Freunde, als wenn man

einen Mann für einen Hasen ausgibt, der vielleicht gerade mit den

entgegengesetzten Fehlern eines Löwen kämpft, wiewohl nun auch der

afrikanische Leu seit Sparrmanns Reise als ein Feigling zirkuliert.

Ich bin indes in diesem Falle, Freunde, wovon ich später reden werde,

ehe ich meine

[103] Gute Fürsten bekommen leicht gute Untertanen (nicht so leicht

diese jene); so wie Adam im Stande der Unschuld die Herrschaft über

die Tiere hatte, die alle zahm waren und blieben, bis sie bloß mit

ihm verwilderten und fielen.

Reise beschreibe. Ihr freilich wißt alle, daß ich gerade umgekehrt den

Mut und den Waghals (ist er nur sonst kein Grobian) vergöttere, zum

Beispiel meinen Schwager, den Dragoner, der wohl nie in seinem Leben

einen Menschen allein ausgeprügelt; sondern immer einen ganzen geselligen

Zirkel zugleich. Wie furchtbar war nicht meine Phantasie schon in der

Kindheit, wo ich, wenn der Pfarrer die stumme Kirche in einem fort

anredete, mir oft den Gedanken: »wie, wenn du jetzt geradezu aus dem

Kirchenstuhle hinauf schrieest: ich bin auch da, Herr Pfarrer!« so

glühend ausmalte, daß ich vor Grausen hinaus mußte! -- So etwas wie

Rugendas' Schlachtstücke -- entsetzliches Mordgetümmel -- Seetreffen und

Landstürme bei Toulon -- auffliegende Flotten -- und in der Kindheit

Prager Schlachten auf Klavieren -- und kurz, jede Karte von einem

reichen Kriegsschauplatz; dies sind vielleicht zu sehr meine

Liebhabereien und ich lese -- und kaufe nichts lieber; es könnte

[5] Denn ein guter Arzt rettet, wenn nicht immer von der Krankheit,

doch von einem schlechten Arzt.

mich oft zu manchem versuchen, hielt mich nicht meine Lage aufrecht.

Soll indes rechter Mut etwas Höheres sein, als bloßes Denken und Wollen:

so genehmigt ihr es am ersten, Werteste, wenn auch der meinige einst

dadurch in tätige Worte ausbrechen will, daß ich meinen künftigen

Katecheten, so gut es in Vorlesungen möglich, zu christlichen Heroen

stähle. -- Es ist bekannt, daß ich immer, wenigstens zehn Acker weit,

von jedem Ufer voll Badegäste und Wasserschwimmer fern spazieren gehe,

um für mein Leben zu sorgen, bloß weil ich voraussehe, daß ich, falls

einer davon ertrinken wollte, ohne weiteres (denn das Herz überflügelt

den Kopf) ihm, dem Narren, rettend nachspringen würde, in irgendeine

bodenlose Tiefe hinein, wo wir beide ersöffen. -- Und wenn das Träumen

der Widerschein des Wachens ist, so frag' ich euch, Treue, erinnert ihr

euch nicht mehr, daß ich euch Träume von mir erzählt habe, deren sich

kein Cäsar, Alexander und

[100] Die Bücher liegen voll Phönixasche eines tausendjährigen

Reichs und Paradieses; aber der Krieg weht und viel Asche verstäubt.

Luther schämen darf? Hab' ich nicht -- um nur an einige zu erinnern --

Rom gestürmt und mich mit dem Papste und dem Elefantenorden des

Kardinalkollegiums zugleich duelliert? Bin ich nicht zu Pferde, worauf

ich als Revuezuschauer gesessen, in ein _bataillon quarré_ eingebrochen

und habe in Aachen die Perücke Karls des Großen, wofür die Stadt

jährlich zehn Rtlr. Frisiergeld zahlt, und darauf in Halberstadt von

Gleim Friedrichs Hut erobert, und beide aufeinander aufgesetzt und habe

mich doch noch umgekehrt, nachdem ich vorher auf einem erstürmten Walle

die Kanone gegen den Kanonier selber umgekehrt? -- habe ich nicht mich

beschneiden und doch als Jude mich zählen lassen, und mit Schinken

bewirten, wiewohl's Affenschinken am Orinoko waren (nach Humboldt)? Und

tausend dergleichen; denn zum Beispiel den Flätzer Konsistorialpräsidenten

hab' ich aus dem Schloßfenster geworfen -- Knall- oder Allarmfidibus von

[102] Lieber politischer und religiöser Inquisitor! Die Turiner

Lichtchen leuchten ja erst recht, wenn du sie zerbrichst, und zünden

dann sogar.

Heinrich Backofen in Gotha, das Dutzend zu 6 Gr., und jeder wie eine

Kanone knallschlagend, hab' ich so ruhig angehört, daß die Fidibus mich

nicht einmal aufweckten -- und mehr.

Doch genug! Es ist Zeit, mit wenigem die Verleumdung meines

Feldpredigeramtes, die leider auch in Flätz umläuft, bloß dadurch, wie

ein Cäsar den Alexander zu zerstäuben, daß ich sie berühre. Es sei daran

wahr was wolle, es ist immer wenig oder gar nichts. Euer großer Minister

und General in Flätz -- vielleicht der größte überall -- denn es gibt

nicht viele Schabacker -- konnte allerdings wie jeder große Mann gegen

mich eingenommen werden, doch nicht mit dem Geschütz der Wahrheit; denn

letzteres stell' ich euch hierher, ihr Herzen, und drückt ihr's nur zu

meinem Besten ab! Es laufen nämlich im Flätzischen unsinnige Gerüchte

um, daß ich aus bedeutenden Schlachten Reißaus genommen

[86] So wahr! In der Jugend liebt und genießt man unähnliche Freunde

fast mehr, als im Alter die ähnlichsten.

(so pöbelhaft spricht man), und daß nachher, als man Feldprediger

zu Dank- und Siegespredigten gesucht, nichts zu haben gewesen. Das

Lächerliche davon erhellt wohl am besten, wenn ich sage, daß ich in gar

keinem Treffen gewesen bin, sondern mehrere Stunden vor demselben mich

so viele Meilen rückwärts dahin gezogen habe, wo mich unsere Leute,

sobald sie geschlagen worden, notwendig treffen mußten. Zu keiner Zeit,

ist der Rückzug wohl so gut -- ein guter aber wird für das Meisterstück

der Kriegskunst gehalten -- und mit solcher Ordnung, Stärke und Sicherheit

zu machen, als eben vor dem Treffen, wo man ja nicht geschlagen ist.

Ich könnte zwar als hoffentlicher Professor der Katechetik zu solchen

Verumfeiungen meines Mutes still sitzen und lächeln -- denn schmied' ich

meine künftigen Katecheten durch sokratisches Fragen zum Weiterfragen

zu: so hab' ich sie zu Helden gehärtet, da nichts gegen sie zu Felde

zieht als Kinder -- Katecheten

[128] In der Liebe gibt's Sommerferien; aber in der Ehe gibt's auch

Winterferien, hoff' ich.

dürfen ohnehin Feuer fürchten, nur Licht nicht, da in unseren Tagen wie

in London die Fenster eingeworfen werden, wenn sie nicht erleuchtet

sind, anstatt daß es sonst den Völkern mit dem Lichte ging wie den

Hunden mit dem Wasser, die, wenn man ihnen lange keins gibt, endlich die

Scheu vor dem Wasser bekommen -- und überhaupt säuselt für Katecheten

jeder Park lieblicher und wohlriechender als ein schwefelhafter

Artilleriepark, und der Kriegsfuß, worauf die Zeit gesetzt wird, ist

ihnen der wahre teuflische Pferdefuß der Menschheit. -- --

Aber ich denke anders -- ordentlich als wäre der Patengeist des

Taufnamen Attila mehr, als sich's gehört, in mich gefahren, ist

[143] Die Weiber haben wöchentlich wenigstens einen aktiven und

passiven =Neids=tag, den heiligen, den Sonntag; -- nur die höhern

Stände haben mehr Sonn- als Werkeltage, so wie man in großen Städten

seinen Sonntag schon Freitags mit einem Türken feiern kann, Sonnabends

mit einem Juden, Sonntags mit sich selbst. Weiber gleichen köstlichen

Arbeiten aus Elfenbein, nichts ist weißer und glätter und nichts wird

leichter gelb.

mir daran gelegen, immer nur meinen Mut zu beweisen, was ich denn hier

wieder mit einigen Zeilen tun will, teuerste Freunde! Ich könnte diese

Beweise schon durch bloße Schlüsse und gelehrte Zitate führen. Zum

Beispiel wenn Galen bemerkt, daß Tiere mit großen Hinterbacken

schüchtern sind: so brauch' ich bloß mich umzuwenden und dem Feinde nur

den Rücken -- und was darunter ist -- zu zeigen, wenn er sehen soll,

daß es mir nicht an Tapferkeit fehlt, sondern an Fleisch. -- Wenn nach

bekannten Erfahrungen Fleischspeisen herzhaft machen: so kann ich

dartun, daß ich hierin keinem Offizier nachstehe, welcher bei seinem

Speisewirt große Bratenrechnungen nicht nur machen, sondern auch

unsaldiert bestehen läßt, um zu jeder Stunde, sogar bei seinem Feinde

selber (dem Wirte), ein offenes Dokument zu haben, daß er das Seinige

(und Fremdes dazu) gegessen, und gemeines Fleisch auf den Kriegsfuß

gesetzt,

[34] Nur die kleinen Tapeten- und Hintertüren sind die Gnadentüren;

das große Tor ist die Ungnadentüre, die Flügeltüren sind halbe

Januspforten.

lebend nicht, wie ein anderer, von Tapferkeit, sondern für Tapferkeit.

Ebensowenig hab' ich je als Feldprediger hinter irgendeinem Offizier

unter dem Regimente zurückstehen wollen, der ein Löwe ist und mithin

jeden Raub angreift, nur daß er, wie dieser König der Tiere, das Feuer

fürchtet -- oder der, wie König Jakob von England, welcher davonlaufend

vor nackten Degen, desto kühner vor ganz Europa dem stürmenden Luther

mit Buch und Feder entgegenschritt, gleichfalls bei ähnlicher

Idiosynkrasie sowohl mündlich als schriftlich mit jedem Kriegsheer

anbindet. Hier entsinn' ich mich vergnügt eines wackeren Sous-Lieutenants,

der mir beichtete -- wiewohl er mir noch das Beichtgeld schuldig ist,

sowie, noch besser, seinen Wirtinnen das Sündengeld -- welcher in

Rücksicht der Herzhaftigkeit vielleicht etwas von jenem indischen Hunde

hatte, den Alexander geschenkt bekommen

[21] Schiller und Klopstock sind poetische Spiegel vor dem

Sonnengotte; die Spiegel werfen so blendend die Sonne zurück, daß

man in ihnen die Gemälde der Welt nicht gespiegelt sehen kann.

als einen Hundsalexander. Der Makedonier ließ zur Probe auf den

Wunderhund andere Helden- oder Wappentiere anlaufen -- erstlich einen

Hirschen -- aber der Hund ruhte; -- dann eine Sau -- er ruhte; -- sogar

einen Bären -- er ruhte: jetzt wollt' ihn Alexander verurteilen, als

man endlich einen Löwen einließ; da stand der Hund auf und zerriß den

Löwen. Ebenso der Sous-Lieutenant. Ein Duellant, ein Auswärtsfeind, ein

Franzose ist ihm nur Hirsch und Sau und Bär, und er bleibt liegen; aber

nun komme und klopfe an sein ältester, stärkster Feind, sein Gläubiger,

und fordere ihm für verjährte Freuden jetziges Schmerzensgeld ab, und

wollt' ihm so Vergangenheit und Zukunft zugleich abrauben: der Leutnant

fährt auf und wirft den Gläubiger die Treppe hinab. Leider steh' ich

auch erst bei der Sau und werde natürlich verkannt.

_Quo_ -- sagt Livius XII. 5. mit Recht --

[72] Den Halbgelehrten betet der Viertelsgelehrte an -- diesen der

Sechzehnteilsgelehrte -- und so fort; -- aber nicht den Ganzgelehrten

der Halbgelehrte.

_quo timoris minus est, eo minus ferme periculi est_, oder zu deutsch

-- je weniger man Furcht hat, desto weniger Gefahr ist fast dabei; ich

kehre den Satz ebenso richtig um, je weniger Gefahr, desto kleiner die

Furcht, ja es kann Lagen geben, wo man ganz und gar von Furcht nichts

weiß -- worunter meine gehört. Um desto verhaßter muß mir jede Afterrede

über Hasenherzigkeit erscheinen.

Ich schicke meiner Ferienreise noch einige Tatsachen voraus, welche

beweisen, wie leicht Vorsicht -- das heißt wenn ein Mensch nicht dem

dummen Hamster gleichen will, der sich sogar gegen einen Mann zu Pferde

auflehnt -- für Feigheit gelte. Ich wünschte übrigens nur, ich könnte

ebenso glücklich einen ganz anderen Vorwurf, den eines Waghalses,

ablehnen, wiewohl ich doch im folgenden gute Fakta beizubringen gedenke,

die ihn entkräften.

[35] _Bien écouter c'est presque répondre_ sagt Marivaux mit Recht

von geselligen Zirkeln; ich dehn' es aber auch auf runde Sessions-

und Kabinettstische aus, wo man referiert und der Fürst zuhört.

Was hilft der Heldenarm ohne ein Heldenauge? Jener wächst leicht stärker

und nerviger, dieses aber schleift sich nicht so bald wie Gläser

schärfer. Indes aber, die Verdienste der Vorsicht fallen weniger ins

Auge (ja mehr ins Lächerliche) als die des Mutes. Wer mich zum Beispiel

bei ganz heiterem Himmel mit einem wachstuchenen Regenschirm gehen

sieht: dem komm' ich wahrscheinlich so lange lächerlich vor, als er

nicht weiß, daß ich ihn als Blitzschirm führe, um nicht von einem

Wetterstrahl aus blauem Himmel (wovon in der mittleren Geschichte mehr

als ein Beispiel steht) getroffen zu werden. Der Blitzschirm ist nämlich

ganz der Reimarussche; ich trage auf einem langen Spazierstocke das

wachstuchene Sturmdach, von dessen Giebel sich eine Goldtresse als

Ableitungskette niederzieht, die durch einen Schlüssel, den sie auf dem

Fußsteig nachschleift, jeden möglichen

[17] Das Bette der Ehren sollte man doch, da oft ganze Regimenter

darauf liegen, und die letzte Ölung und vorletzte Ehre empfangen von

Zeit zu Zeit weichfüllen, ausklopfen und sömmern.

Blitz leicht über die ganze Erdfläche ableitet und verteilt. Mit diesem

Paradonner (_paratonnerre portatif_) in der Hand will ich mich wochenlang

ohne die geringste Gefahr unter dem blauen Himmel herumtreiben. Indes

deckt diese Taucherglocke noch gegen etwas anderes -- gegen Kugeln. Denn

wer gibt mir im Herbste schwarz auf weiß, daß kein versteckter Narr von

Jäger irgendwo, wenn ich die Natur genieße und durchstreife, seine

Kugelbüchse in einem Winkel von 45 Grad so abdrückt, daß sie im

Herunterfallen bloß auf meinem Scheitel aufzuschlagen braucht, damit

es so gut ist, als würd' ich seitwärts ins Gehirn geschossen?

Es ist ohnehin schlimm genug, daß wir nichts gegen den Mond haben, uns

zu wehren -- der uns gegenwärtig beschießt mit Gestein, wie ein halber

türkischer; denn dieser elende,

[112] Gewisse Weltweiber benutzen in gewissen Fällen ihre körperliche

Ohnmacht, wie Mohammed seine =fallende= Sucht -- auch ist jene diese

-- bloß um Offenbarungen, Himmel, Eingebungen, Heiligkeit und

Proselyten zu erhalten.

kleine Erdtrabant und Läufer und _valet de Fantaisie_ glaubt in diesen

rebellierenden Zeiten auch anfangen zu müssen, seiner großen Landesmutter

etwas zuzuschleudern aus der Davidshirtentasche. Wahrhaftig, jetzt kann

ja ein junger Katechet von Gefühl nachts mit geraden Gliedern in den

Mondschein hinauswandeln, um manches zu empfinden oder zu bedenken,

und kann (mitten im Gefühl erwirft ihn der absurde Satellit) als

zerquetschter Brei wieder nach Hause gehen. -- -- Bei Gott! überall

Klingenproben des Muts! Hat man mühsam Donnerkeile eingeschmolzen und

Kometenschwänze anglisiert: so führt der Feind neues Geschütz im Mond

auf oder sonst wo im Blau!

Noch eine Geschichte sei genug, um zu beweisen, wie lächerlich gerade

die ernsthafteste

[120] Mancher wird ein freier Diogenes, nicht wenn er in dem Fasse,

sondern wenn dieses in ihm wohnt; und die gewaltige Hebkraft des

=Flaschenzugs= in der Mechanik spürt er fast von einem Flaschenzuge

anderer Art beim Flaschenkeller wiederholt und gut bewährt.

Vorsicht bei allem inneren Mute oft außen dem Pöbel erscheint. Reiter

kennen die Gefahren auf einem durchgehenden Pferde längst. Mein Unstern

wollte, daß ich in Wien auf ein Mietspferd zu sitzen kam, das zwar ein

schöner Honigschimmel war, aber alt und hartmäulig wie der Satan, so daß

die Bestie in der nächsten Gasse mit mir durchging und zwar -- leider

bloß im Schritte. Kein Halten, kein Lenken schlug an; ich tat endlich

auf dem Selbststreitroß Notschuß nach Notschuß und schrie: »Haltet auf,

ihr Leute, um Gottes Willen aufgehalten, mein Gaul geht durch!« Aber da

die einfältigen Menschen das Pferd so langsam gehen sahen wie den

Reichshofratsprozeß und den ordinären Postwagen: so konnten sie sich

durchaus nicht in die Sache finden, bis ich in heftigster Bewegung wie

besessen schrie: »Haltet doch auf, ihr Pinsel und Pensel, seht ihr denn

nicht, daß ich die Mähre nicht mehr halten kann?« Jetzt kam

[2] Die Kultur machte ganze Länder, z. B. Deutschland, Gallien usw.

physisch wärmer, aber geistig kälter.

den Faulpelzen ein hartmäuliges, schrittlings ausziehendes Pferd

lächerlich vor. -- Halb Wien bekam ich dadurch wie einen Bartsternschwanz

hinter meinem Roßschweif und Zopf nach. -- Fürst Kaunitz, sonst der beste

Reiter des Jahrhunderts (des vorigen), hielt an, um mir zu folgen. --

Ich selber saß und schwamm als aufrechtes Treibeis auf dem Honigschimmel,

der in einem fort Schritt für Stritt durchging. -- Ein vieleckiger,

rockschößiger Briefträger gab rechts und links seine Briefe in den

Stockwerken ab und kam mir stets mit satirischen Gesichtszügen wieder

nach, weil der Schimmel zu langsam auszog. -- Der Schwanzschleuderer

(bekanntlich der Mann, der mit einer zweispännigen Wassertonne

[99] Gleichwohl hab' ich bei allem meinen Grimm über Nachdruck doch

nie den Ankauf eines Privilegiums gegen Nachdruck für etwas anderes

oder schlechteres gehalten als für die Abgabe, die bisher alle

christlichen Seemächte an die barbarischen Staaten erlegten, damit

sie nicht beraubt wurden. Nur Frankreich hat eben der Ähnlichkeit

wegen sowohl das Nachdrucks-Privilegium als die barbarische Abgabe

abgeschafft.

über die Straßen fährt und sie mit einem drei Ellen langen Schlauch aus

einem blechernen Trichter benetzt) fuhr ungemein bequem den Hinterbacken

meines Pferdes nach und feuchtete während seiner Pflicht jene und mich

selber kühlend an, ob ich gleich kalten Schweiß genug hatte, um keines

frischeren zu bedürfen. -- Ich geriet auf meinem höllischen, trojanischen

Pferd (nur war ich selber das untergehende Troja, das ritt) nach

Matzleinsdorf (einer Wiener Vorstadt), oder waren's für meine gepeinigten

Sinne ganz andere Gassen. -- Endlich mußte ich abends spät nach dem

Reträteschuß des Praters im letzteren zu meinem Abscheu und gegen alle

Polizeigesetze auf dem gesetzlosen Honigschimmel noch herumreiten, und

ich hätte vielleicht gar auf ihm übernachtet, wenn nicht mein Schwager,

der Dragoner, mich gesehen und noch fest auf dem durchgegangenen Gaule

gefunden hätte. Er machte keine Umstände -- fing das Vieh

[1] Je mehr Schwäche, je mehr Lüge; die Kraft geht gerade; jede

Kanonenkugel, die Höhlen oder Gruben hat, geht krumm.

-- tat die lustige Frage: warum ich nicht voltigiert hätte, ob er gleich

recht gut weiß, daß dazu ein hölzerner Gaul gehört, der steht -- und

holte mich herab -- und so kamen alle berittenen Wesen unberitten und

unbeschädigt nach Hause.

Aber nun endlich einmal an meine Reise!

Reise nach Flätz.

Ihr wißt, Freunde, daß ich die Reise nach Flätz gerade unter den Ferien

machen mußte, nicht nur, weil Viehmarkt und folglich der Minister und

General von Schabacker da war, sondern vornehmlich, weil er (wie ich von

geheimer Hand sicher hatte) jährlich den 23. Juli am Abend vor dem

Markttage um fünf Uhr

[32] Unser Zeitalter -- von einigen papiernes genannt, als sei es

aus Lumpen eines besser Bekleideten gemacht -- bessert sich schon

halb, da es die Lumpen jetzt mehr zu Scharpien als zu Papieren

zerzupft, wiewohl oder weil der Lumpenhacker (oder auch der

Holländer) eben nicht ausruht; indes, wenn gelehrte Köpfe sich in

Bücher verwandeln, so können sich auch gekrönte in Staatspapiere

verwandeln und ummünzen; -- in Norwegen hat man nach dem Allg.

soviel Gaudium und Gnade sich ausließ, daß er die meisten Menschen

weniger anschnauzte als anhörte und -- erhörte. Die Gaudiumsursache

vertrau ich ungern dem Papier. Kurz, ich konnte ihm meine Bittschrift,

mich als unschuldig vertriebener Feldprediger durch eine katechetische

Professur zu entschädigen und zu besolden in keiner besseren Jahres- und

Tageszeit überreichen, als abends um fünf Uhr Hundstagsanfang. Ich

setzte mein Bittschreiben in drei Tagen auf. Da ich weder Konzepte, noch

Abschriften desselben schonte und zählte: so war ich bald so weit, daß

ich das relativ Beste ganz vollendet vor mir hatte, als ich erschrocken

bemerkte, daß ich darin über dreißig Gedankenstriche in Gedanken

hingeschrieben

Anzeiger sogar Häuser von Papier, und in manchen guten deutschen

Staaten -- hält das Kammerkollegium (das Justizkollegium ohnehin)

seine eigenen Papiermühlen, um Düten genug für das Mehl seiner

Windmühlen zu haben. Ich wünschte aber, unsere Kollegien nähmen sich

jene Glasschneiderei in Madrid zum Muster, in welcher (nach

Baumgärtner) zwar neunzehn Schreiber angestellt waren, aber doch

auch eilf Arbeiter.

hatte. Leider schießen diese Stacheln heutzutage wie aus Wespensteißen,

unwillkürlich aus gebildeten Federn hervor. Ich warf es zwar lange

in mir hin und her, ob ein Privatgelehrter sich einem Minister mit

Gedankenstrichen nähern dürfe -- so sehr auch dieses ebene Unterstreichen

der Gedanken, diese wagerechten Taktstriche poetischer Tonstücke und

diese Treppenstricke oder Achillessehnen philosophischer Sehstücke jetzt

ebenso allgemein als nötig sind -- allein ich mußte doch am Ende (da

Ausschaben Standespersonen beleidigt) das beste Probstück wieder

umschreiben und mich wieder eine halbe Stunde am Namen Attila Schmelzle

quälen, weil ich immer

[39] Epiktet rät an zu reisen, weil die alten Bekanntschaften uns

durch Scham und Einfluß vom Übergange zur hohen Tugend abhalten --

so wie man etwa seine Provinzialmundart schamhaft lieber außer Lands

ablegt und dann völlig geläutert zu seinen Landsleuten zurückkommt;

noch jetzt befolgen Leute von Stand und Tugend diesen Rat, obwohl

umgekehrt, und reisen, weil die alten Bekanntschaften sie durch

Scham zu sehr von neuen Sünden abschrecken.

[Illustration: ... es tue ihm bloss sanft / sagt' er / wie eine gute

Frostsalbe ...]

glaube, diesen sowie die Briefadresse, die beiden Kardinalgegenden und

Punkte der Briefe, nie leserlich genug zu schreiben.

Erste Station, von Neusattel nach Vierstädten.

Der 22. Juli, oder Mittwochs nachmittag um fünf Uhr, war von der

Postkarte der ordentlichen fahrenden Post selber zu meiner Abreise

unwiderruflich anberaumt. Ich hatte also etwa einen halben Tag Zeit,

mein Haus zu bestellen, welchem jetzt zwei Nächte und drittehalb Tage

hindurch meine Brust als Brustwehr, der Verhack mit meinem Ich abgehen

sollte. Sogar mein gutes Weib Bergelchen, wie ich meine Teutoberga

nenne, reiste mir unaufhaltsam den 24. oder Freitags darauf nach, um den

Jahrmarkt zu beschauen und zu benutzen; ja sie wollte schon sogleich mit

mir ausreisen, die treue Gattin. Ich versammelte daher meine kleine

Bedientenstube

[2] Ein Soldat huldigt und gehorcht in seinem Fürsten zugleich

seinem Fürsten und seinem Generalissimus; der Zivilist bloß seinem

Fürsten.

und publizierte ihr die Hausgesetze und Reichsabschiede, die sie nach

meinem Abschiede den Tag und die Nacht erstlich vor der Abreise meiner

Frau und zweitens nach derselben auf das pünktlichste zu befolgen hatten,

und alles, was ihnen besonders bei Feuersbrünsten, Diebeseinbrüchen,

Donnerwettern und Durchmärschen vorzukehren oblag. Meiner Frau übergab

ich ein Sachregister des Besten in unserem kleinen Registerschiffe, was

sie, im Falle es in Rauch aufginge, zu retten hätte. -- Ich befahl ihr,

in stürmischer Nacht (dem eigentlichen Diebswetter) unsere Windharfe ans

Fenster zu stellen, damit jeder schlechte Strauchdieb sich einbildete,

ich phantasierte harmonisch und wachte; desgleichen den Kettenhund am

Tage ins Zimmer zu nehmen, damit er ausschliefe, um nachts munterer zu

sein. Ich riet ferner, auf jeden Brennpunkt der Glasscheiben im Stalle,

ja auf jedes hingestellte Glas Wasser ihr Auge zu haben, da ich ihr

schon öfter die Beispiele erzählt, daß

[29] Und wieviel ist nicht in der Jurisprudenz Jurisimprudenz,

ausgenommen bei Unrechtsgelehrten.

durch solche zufällige Brenngläser die Sonne ganze Häuser in Brand

gesteckt. -- Auch gab ich ihr die Morgenstunde, wo sie Freitags ab- und

mir nachreisen sollte, sowie die Haustafeln schärfer an, die sie vorher

dem Gesinde einzuschärfen hätte. Meine liebe, kerngesunde, blühende

Honigwöchnerin Berga antwortete ihrem Flitterwöchner, wie es schien,

sehr ernsthaft: »Geh nur Alterchen, es soll alles ganz scharmant

geschehen. -- Wärest du nur erst voraus, so könnte man doch nach! Das

währt ja aber Ewigkeiten.« -- Ihr Bruder, mein Schwager, der Dragoner,

für den ich aus Gefälligkeit das Passagiergeld trug, um auf dem

Postkissen einen an sich tapferen Degen und Hauinsfeld, sozusagen als

körperlichen und geistigen Verwandten und Spillmagen vor mir zu haben,

dieser zog über meine Verordnungen (was ich leicht dem Hage- und

Kriegsstolzen vergab) sein braunes Gesicht

[39] »=Die größere Hälfte=« ist ein so meßwidriger Ausdruck, daß ihn

kein Meßkünstler anders als von der Ehe, ja sogar nur von der

seinigen gebrauchen könnte.

ansehnlich ins Spöttische und sagte zuletzt: »Schwester, an deiner

Stelle täte ich, was mir beliebte; und dann guckte ich nach, was er auf

seinem Reglementszettel hätte haben wollen.« -- »O,« versetzte ich,

»Unglück kann sich wie ein Skorpion in jede Ecke verkriechen; ich möchte

sagen, wir sind den Kindern gleich, die am schön bemalten Kästchen

schnell den Schieber aufreißen und -- heraus fährt eine Maus, die hackt«

-- »Maus, Maus, Raus, Raus!«, versetzte er auf- und niedertrabend. »Herr

Schwager, aber es ist fünf Uhr; und Sie werden schon finden, wenn Sie

wiederkommen, daß alles so aussieht wie heute, die Hunde wie die Hunde,

und meine Schwester wie eine hübsche Frau: _allons donc!_« -- Er war

eigentlich schuld, daß ich aus Besorgnis seines Mißdeutens nicht vorher

eine Art von Testament gemacht.

Ich packte noch entgegengesetzte Arzneien, sowohl temperierende als

erhitzende, gegen

[45] Die jetzigen Schriftsteller zucken die Achseln am meisten über

die, auf deren Achseln sie stehen; und erheben die am meisten, die

an ihnen hinaufkriechen.

zwei Möglichkeiten ein -- ferner meine alten Schienen gegen Arm- und

Beinbrüche bei Wagenumstürzen -- und (aus Vorsicht) noch einmal so

viel Geldwechsel, als ich eigentlich nötig hatte. Nur wünschte ich

dabei wegen der Mißlichkeit des Aufbewahrens, ich wär' ein Affe mit

Backentaschen, oder ein Beuteltier, damit ich in mehr sichere und

empfindungsvolle Taschen und Beutel solche Lebenspreziosen verschanzte.

Rasieren lasse ich mich sonst stets vor Abreisen aus Mißtrauen gegen

fremde, mordsüchtige Bartputzer; aber diesmal behielt ich den Bart bei,

weil er doch unterwegs, auch geschoren, so reich wieder getrieben hätte,

daß mit ihm vor keinem Minister wäre zu erscheinen gewesen.

Ich warf mich heftig ans Kraftherz meiner Berga an und riß mich noch

heftiger ab, aber sie schien über unsere erste Ehetrennung weniger in

Jammer als in Jubel zu sein,

[14] Manche Dichter geraten unter dem Malen schlechter Charaktere

oft so ins Nachahmen derselben hinein, wie Kinder, wenn sie so

träumen, wirklich ihr Wasser lassen.

viel weniger bestürzt als seelenvergnügt, bloß weil sie auf das Scheiden

nicht halb so sehr als auf das Wiedersehen und Nachreisen, und die

Jahrmarktsschau ihr Augenmerk hatte; doch warf und hing sie sich an

meinen etwas dünnen und langen Hals und Körper fast schmerzhaft als

eine zu fleischige, derbe Last und sagte: »Fege nur frisch davon, mein

scharmanter Attel (Attila) -- und mache dir unterwegs keine Gedanken,

du aparter Mensch! -- Haben wir denn zu klagen? Einen oder ein paar

Püffe halten wir mit Gottes Hilfe schon aus, solange mein Vater kein

Bettelmann ist. -- Und dir aber, Franz,« fuhr sie gegen ihren Bruder

ordentlich zornig fort, »bind' ich meinen Attel auf die Seele, du weißt

recht gut, du wüste Fliege, was ich tue, wenn du ein Narr bist und ihn

wo im Stiche lässest.« Ich verzieh ihr hier manches Gutgemeinte;

[103] Die Großen sorgen vielleicht so emsig für ihre Nachkommen wie

die Ameisen; sind die Eier gelegt, so fliegen die männlichen und

weiblichen Ameisen davon und vertrauen sie den treuen

=Arbeitsameisen= an.

und euch, Freunden, ist ihr Reichtum und ihre Freigebigkeit auch nichts

Neues.

Gerührt sagt' ich: »Nun, Berga, gibt's ein Wiedersehen für uns, so

ist's gewiß entweder im Himmel oder in Flätz; und ich hoffe zu Gott,

das letztere.« -- Stracks ging's rüstig davon. Ich sah mich durch das

Kutschenrückfenster um nach meinem guten Städtchen Neusattel; und es kam

mir gerührt vor, als richte sich dessen Sturmspitze ordentlich als ein

Epitaphium über meinem Leben oder meinem vielleicht tot zurückreisenden

Leichnam in die Höhe: -- »wie wird alles sein,« dacht' ich, »wenn du nun

endlich nach zwei oder drei Tagen wiederkommst?« Jetzt sah ich mein

Bergelchen uns aus dem Mansardenfenster nachschauen; ich legte mich

weit aus dem Kutschenschlage hinaus, und ihr Falkenauge erkannte sofort

meinen Kopf; Küsse über Küsse warf sie mir mit beiden Händen herab, dem

ins Tal rollenden Wagen nach. »Du

[10] Und liefert das Leben von unsern idealen Hoffnungen und

Vorsätzen etwas anderes als eine prosaische, unmetrische, ungereimte

Übersetzung?

herziges Weib,« dacht' ich, »wie machst du deine niedrige Geburt durch

die geistige Wiedergeburt vergeßlich, ja merkwürdig!«

Freilich, das Postkutschengelag' und Picknick wollte mir weniger

schmecken; lauter verdächtiges, unbekanntes Gesindel, welches (wie

gewöhnlich die Märkte tun) der Flätzer durch seine Witterung einlockte.

Ungern werd' ich Unbekannten ein Bekannter; aber mein Schwager,

der Dragoner, war wie immer schon mit allem, mit Himmel und Hölle

herausgeplatzt. Neben mir saß eine höchstwahrscheinliche Hure. -- Auf

ihrem Schoße ein Zwerg, der sich auf dem Jahrmarkte wollte sehen lassen.

-- Mir gegenüber blickte ein Kammerjäger mich an -- und unten im Tale

stieg noch ein blinder Passagier mit einem roten Mantel ein. Mir gefiel

gar niemand, ausgenommen mein Schwager. Ob nicht die Hure meine

Bekanntschaft zu einer

[78] Die Weiber halten alles Weißzeug weiß, =nur= kein Buch, ob

sie gleich vielleicht manchen polemischen Folianten, eh' er in die

Papiermühle gekommen, als Brauthemde am Leibe mögen getragen haben.

Die Männer kehren es nur um.

eidlichen Angabe benützen, ob nicht Spitzbuben unter den Passagieren

mich und meine Eigenheiten und Zufälle studieren würden, um auf der

Tortur mich in ihre Bande zu flechten -- dafür konnte sich mir niemand

verpfänden. An fremden Orten schau ich schon ungern -- und aus Vorsicht

-- an irgendein Kerkergitter lange empor, weil ein schlechter Kerl

dahinter sitzen kann, der eilig herunterschreit aus bloßer Bosheit:

»Drunten steht mein Spießkamerad, der Schmelzle!« -- oder auch weil ein

vernagelter Scherge sich denken kann, ich suchte meinen Konföderierten

oben zu entsetzen. Aus einer wenig davon verschiedenen Vorsicht dreh'

ich mich daher niemals um, wenn ein Star mir nachruft: Dieb!

Was den Zwerg selber anlangt, so konnt' er meinetwegen mitfahren, wohin

er wollte; aber er glaubte ein besonderes Frohleben in

[7] Der geharnischte deutsche Reichskörper konnte sich darum schwer

bewegen, weshalb die Käfer nicht fliegen können, deren =Flügel=

recht gut durch =Flügeldecken= -- und zwar durch zusammengewachsene

-- verschanzt sind.

uns zu bringen, wenn er uns verhieße, daß sein Pollux und Amtsbruder,

ein seltener Riese, der ebenfalls der Messe zur Anschau zuzog, gegen

Mitternacht uns unfehlbar mit seinem Elefantenschritte nachkommen und

sich einsetzen oder hinten aufstellen würde. Beide Narren beziehen

nämlich gemeinschaftlich die Messen als gegenseitige Meßhelfer zu

entgegengesetzten Größen; der Zwerg ist das erhabene Vergrößerungsglas

des Riesen, der Riese das hohle Verkleinerungsglas des Zwergs. Niemand

bezeugte große Freude an der Aussicht der Nachkunft des Maßkopisten des

Zwergs, ausgenommen mein Schwager, der (ist das Wortspiel erlaubt) wie

eine Uhr bloß zum Schlagen gemacht zu sein glaubt, und mir wirklich

sagte: »Könn' er einmal oben in der ewigen Seligkeit keine Seele

zuweilen wamsen

[8] Mit Staatseinrichtungen ist's wie mit Kunststraßen; auf einer

ganz neuen, unbefahrenen, wo jeder Wagen am Straßenbau mitarbeiten

und zerklopfen hilft, man wird ebenso gestoßen und geworfen, als auf

einer ganz alten, ausgefahrenen voll Löcher. Was ist also hier zu

tun? Man fahre fort.

und koram nehmen, so fahr' er lieber in die Hölle, wo gewiß des Guten

und der Händel eher zu viel sein werden.« -- Der Kammerjäger im

Postwagen hatte, außerdem schon, daß uns niemand sehr einnimmt, der

bloß vom Vergiften lebt, wie dieser Freund Hain der Ratten und die

Mäuseparze, und daß ein solcher Kerl, was noch schlimmer, sogleich ein

Mehrer des Ungezieferreiches zu werden droht, sobald er nicht dessen

Minderer sein darf -- dieser hatte überhaupt soviel Fatales an sich,

zuerst den Stechblick wie eines Stiletts -- dann das hagere, scharfe

Knochengesicht in Verbindung mit seinem Vorrechnen seines ansehnlichen

Giftsortiments -- dann (denn ich haßte ihn immer heißer) seine geheime

Stille, sein geheimes Lächeln, als seh' er in irgendeiner Schlupfecke

eine Maus, ähnlich einem Menschen. -- Wahrlich, mir, der ich sonst ganz

anderen Leuten stehe, kam endlich sein Rachen als eine Hundsgrotte vor,

seine

[3] Vor Gericht werden oft ermordete Geburten für totgeborene

ausgegeben, in Antikritiken totgeborene für ermordete.

Backenknochen als Untiefen und Klippen, sein heißer Atem als

Kalzinierofen und die schwarzhaarige Brust als Welk- und Darrofen -- --

Ich hatte mich auch -- glaub' ich -- nicht viel versehen; denn bald

darauf fing er an, der Gesellschaft, worin ein Zwerg und ein Mädchen

war, ganz kalt zu berichten, er habe schon zehn Leiber mit dem Dolch

nicht ohne Lust durchstoßen -- habe gemächlich ein Dutzend Menschenarme

abgehauen, vier Köpfe langsam gespalten, zwei Herzen ausgerissen und

mehr dergleichen -- und keiner davon, sonst Leute von Mut, hab' ihm im

geringsten widerstanden -- »aber warum?« setzt' er giftig hinzu, und

nahm den Hut vom häßlichen Glatzkopf -- »ich bin unverwundbar. -- Wer

von der Gesellschaft will, lege auf meiner Glatze soviel Feuer an, als

er will, ich lass' es ausbrennen.«

Mein Schwager, der Dragoner, setzte sogleich einen brennenden

Tabaksschwamm auf

[101] Nicht nur die Rhodier hießen von ihrem Koloß Kolosser, sondern

auch unzählige Deutsche heißen von Luther Lutheraner.

den Schädel, aber der Jäger stand es so ruhig aus, als wär' es ein

kalter Brand, und er und der Dragoner sahen einander wartend an, und

jeder lächelte sehr närrisch -- es tue ihm bloß sanft, sagt' er, wie

eine gute Frostsalbe, denn dies sei überhaupt die Winterseite an seinem

Leibe. Hier griff mein Schwager ein wenig auf dem nackten Schädel umher

und rief verwundert: er fühle sich so kalt an wie eine Kniescheibe. Nun

hob der Kerl auf einmal nach einigen Vorrüstungen zu unserem Entsetzen

den Viertelsschädel ab und hielt ihn uns hin, sagend, er habe ihn einem

Mörder abgesägt, als ihm zufällig der eigene eingeschlagen gewesen; und

erklärte nun, daß man

[88] Bis hierher hab' ich immer die Streitschriften der jetzigen

philosophischen und ästhetischen idealen Streitflegel, worin

allerdings einige Schimpfworte und Trug- und Lugschlüsse vorkommen,

mehr von der schönen Seite genommen, indem ich sie bloß als eine

Nachahmung des klassischen Altertums, und zwar der Ringer desselben

angesehen, welche (nach Schöttchen) ihren Leib mit =Kot= bestrichen,

um nicht gefaßt zu werden, und ihre Hände mit =Staub= anfüllten, um

den fremden zu fassen.

das erzählte Durchstechen und Armabhauen mehr als Scherz zu nehmen habe,

indem er's lediglich getan als Famulus auf dem anatomischen Theater. --

Inzwischen wollte der Scherztreiber doch keinem von uns sehr schmecken und

zu Hals, so daß ich, als er den Kapselkopf, den Repräsentationsschädel,

wieder aufsetzte, schweigend dachte: diese Mistbeetglocke hat gewiß nur

den Ort, nicht die Giftzwiebel verändert, die sie zudeckt.

Am Ende wurde mir's überhaupt verdächtig, daß er, sowie sämtliche

Gesellschaft (auch der blinde Passagier), gerade demselben Flätz

zuschifften, wohin ich selber gedachte; besonderes Glück brauchte ich

mir davon nicht zu versprechen; und mir wäre in der Tat das Umkehren so

lieb gewesen als das Fortfahren, hätt' ich nicht lieber der Zukunft

getrotzt.

Ich komme endlich auch auf den rot gemantelten blinden Passagier,

wahrscheinlich

[103] Oder sind alle Moscheen, Episkopalkirchen, Pagoden,

Filialkirchen, Stiftshütten und Panthea etwas anderes als der

Heidenvorhof zum unsichtbaren Tempel und zu dessen Allerheiligsten?

ein _Emigré_ oder ein _Refugié_ (denn er spricht das deutsche nicht

schlechter als das Französische), entweder namens Jean Pierre oder Jean

Paul ungefähr, oder ganz namenlos. Sein roter Mantel wäre mir ungeachtet

dieser Farbenverschmelzung mit dem Scharfrichter -- der in vielen

Gegenden trefflich Angstmann heißt -- an sich herzlich gleichgültig

geblieben, wäre nicht der besondere Umstand eingetreten, daß er mir

schon fünfmal in fünf Städten (im großen Berlin, im kleinen Hof, Koburg,

Meiningen und Baireuth) wider alle Wahrscheinlichkeit aufgestoßen, wobei

er mich jedesmal bedeutend genug angesehen, und dann seines Weges

gegangen. Ob er mir feindlich nachsetzt oder nicht, weiß ich nicht; nur

ist auf alle Fälle der Phantasie kein Objekt erfreulich, das mit

Observationskorps oder aus

[40] Das Volk ist nur im Erzählen, nicht im Räsonieren weitläufig;

der Gelehrte ist nur in jenem, nicht in diesem kurz; eben weil das

Volk seine Gründe nur als Empfindungen so wie die Gegenwart bloß

anschauet, der Gelehrte hingegen beide mehr nur denkt.

Schießscharten vielleicht mit Flinten hält und zielt, die es jahrelang

bewegt, ohne daß man weiß, in welchem es abdrückt. -- Noch anstößiger

wurde mir der Rotmantel dadurch, daß er auffallend seine weiche

Seelenmilde pries; dies schien beinah' auf Ausholen oder Sichermachen

zu deuten. Ich erwiderte: »Mein Herr, ich komme eben, wie hier mein

Schwager, vom Schlachtfeld her (die letzte Affäre war bei Pimpelstadt),

und stimme vielleicht deshalb zu stark für Markkraft, Bruststurm,

Stoßglut, und es mag für manchen, der eine brausende Wasserhose,

eigentlich Landhose von Herz hat, gut sein, wenn seine geistliche Lage

(ich bin darin) ihn mehr mildert als wildert. Indes gehört jeder Milde

ihr eisernes Schrankengitter. Fällt mich irgendein unbesonnener Hund

bedeutend an, so tret' ich ihn freilich im ersten Zorn entzwei, und

nachher hinter

[9] Die Ägypter nahmen bei einem Landesunglück dadurch am Gott

Typhon, dem sie es zuschrieben, Rache, daß sie seine Lieblinge von

Felsen stürzten, die Esel. Ähnlicherweise haben sich in der

Geschichte auch Staaten anderer Religion gerächt.

mir treibt's mein guter Schwager vielleicht noch zweimal weiter, denn

er ist der Mann dazu. Vielleicht ist's Eigenliebe, aber ich beklag's

(gesteh' ich) noch heute, daß ich als Knabe einmal einem anderen Knaben

drei erhaltene Ohrfeigen nicht derb zurückgereicht, und mir ist oft,

als müßt' ich sie seinen Enkeln nachzahlen. Wahrlich, wenn ich auch

nur einen Jungen vor den schwachen Kräften eines ähnlichen Jungen

feig entlaufen sehe, so kann ich das Laufen nicht lassen und will ihn

ordentlich durch einen Machtschlag erretten.« Der Passagier lächelte

indes nicht zum besten. Er gab sich zwar für einen Legationsrat aus und

schien Fuchs genug zu sein, aber ein tollgewordener Fuchs beißt mich am

Ende so wasserscheu als ein toller Wolf. Übrigens fuhr ich unbekümmert

mit meinem

[70] In die Philosophie verhülle sich die Dichtkunst nur so, wie

in diese sich jene; Philosophie aber in poetischer Prosa gleicht

jenen Trinkgläsern in Schenken, welche mit bunten Bilderschnörkeln

umzogen, zugleich im Genusse des Getränks und des Bildwerks, die oft

widrig sich decken, stören.

Anpreisen des Mutes fort, nur daß ich absichtlich statt des lächerlichen

Bramarbasierens, welches gerade den Feigen recht verrät, fest, still,

klar sprach. »Ich bin«, sagt' ich, »bloß für Montaignes Rat: man trage

nur Furcht vor der Furcht.«

»Ich würde,« versetzte der Legationsrat unnütz spitzfindig, »wieder

fürchten, daß ich mich nicht genug vor der Furcht fürchtete, sondern zu

feig bliebe.«

»Auch dieser Furcht«, erwidert' ich kalt, »steck' ich Grenzen. Ein Mann

kann zum Beispiel nicht im geringsten Gespenster glauben und fürchten;

gleichwohl kann er nachts sich in Todesschweiß baden, und zwar bloß vor

Angst, wie sehr er sich entsetzen würde (besonders mit welchen Nachwehen

von Schlagflüssen,

[158] Der Staat sollte öfter die Maul- und Kindertrommeln der

Dichter nicht mit Regiments- und Feuertrommeln verwechseln; wieder

umgekehrt sollte der Bürger manche fürstliche Trommelsucht nur für

eine Krankheit nehmen, worin der Patient bloß durch die unter die

Haut eingedrungene Luft sehr aufgeschwollen ist.

fallenden Suchten und so weiter), falls nichts als bloß seine so

lebhafte Phantasie irgendein Fieber und Vexierbild vor ihn in die Lüfte

hineinhinge.« -- -- »Man sollte daher«, fiel mein Schwager, wider

Gewohnheit moralisierend, ein, »das so arme Schaf von Mann auch gar mit

keinem Geisterspuk foppen, der Hase kann ja auf der Stelle auf dem

Platze bleiben.«

Ein lautes Gewitter, das dem Postwagen nachfuhr, veränderte den Diskurs.

Ihr, Freunde, erratet wohl alle -- da ihr mich nicht als einen Mann ohne

alle Physik kennen lernen -- meine Maßregeln gegen Gewitter:

Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz mit fortgehenden Noten · 第 1 / 5 段