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_beschleunigten Wettstreit der Gefühle, d. h. als ein schnelles Hin-
und Herschwanken zwischen Lust und Unlust erklärt_. Mit dieser
Auffassung stimmen aber die auf ganz anderem Wege gewonnenen
Resultate der metaphysisch-ästhetischen Untersuchungen von Vischer
und die Ansichten Kant's völlig überein. Kant hebt hervor, dass beim
Lächerlichen, wenn der Schein, der uns auf einen Augenblick getäuscht
hat, in Nichts verschwindet, das Gemüth wieder zurücksieht, um es mit
ihm noch einmal zu versuchen und so durch _schnell
hintereinanderfolgende Anspannung hin- und zurückgeschnellt und in
Schwankung versetzt wird_, die, weil der Absprung von dem, was
gleichsam die Saite anzog, plötzlich (nicht durch ein allmähliches
Nachlassen) geschah, eine Gemüthsbewegung und mit ihr harmonirende
inwendige körperliche Bewegung verursachen muss, die unwillkürlich
fortdauerte und Ermüdung, dabei aber auch Aufheiterung (die Wirkung
einer zur Gesundheit gereichenden Motion) hervorbringt.
Ganz ähnlich schildert Vischer [1] diesen _Wettstreit der Gefühle_ in
folgenden Worten: „Dieses Lustgefühl darf aber mit demjenigen nicht
verwechselt werden, welches aus der Anschauung des Schönen fliesst,
denn es ist ein gegensätzlich bewegtes". „Die gegensätzlichen Glieder
bilden eine widerspruchsvolle Einheit und ihr Ineinander nöthigt das
Gefühl, zwischen ihnen herüber und hinüber zu gehen, _was als ein
rascher Wechsel zwischen Lust und Unlust empfunden wird, so zwar,
dass jene durch diese verdoppelt, aber auch durch sie bedingt ist_".
-- „Es ist also Lust durch Unlust, doppelte, weil durch Unlust
gewürzte Lust, aber doch Lust mit Unlust. _Es ist ein durchaus
bewegtes Gefühl, worin Unlust in Lust, Lust in Unlust
hinüberzittert_." -- Es lässt sich wohl nichts gegen die Behauptung
einwenden, dass die Uebereinstimmung dieser auf ganz anderem Wege
gefundenen Resultate mit der von mir aufgestellten Theorie des
Komischen einen weiteren Beweis für die Richtigkeit derselben
abgiebt. -- Jetzt haben wir noch die Thatsache in's Auge zu fassen,
dass uns das Komische doch in toto als etwas entschieden
[1] l c. § 225.
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Angenehmes erscheint, ja die gewöhnlichen Grade des Angenehmen
gewissermaassen noch übertrifft. Eine Art von Erklärung finden wir in
der obigen Aeusserung Vischer's, wo er das Komische „doppelte, weil
durch Unlust gewürzte Lust" nennt. Vor Allem müssen wir aber auch
hier wieder die Analogie mit dem Glanze hervorheben. Bei demselben
erhalten wir ebenfalls überwiegend den Eindruck des helleren Lichtes,
während das Schwarz nicht ganz unterdrückt, aber doch gewissermassen
unwirksam gemacht ist. Es werden in dem beschleunigten Wettstreit der
Sehfelder, den wir Glanz nennen, die hellen Lichter gewissermassen
stärker betont und in ganz derselben Weise zeigen sich auch bei dem
beschleunigten Wettstreit der Gefühle, welcher das Komische bildet,
die angenehmen Gefühle als hauptsächlich wirksam und wir können, wenn
wir die physiologische Wirkung des Komischen erforschen wollen, das
unangenehme Gefühl, das sich ja nie zum psychischen Schmerz steigern
darf, so weit vernachlässigen, _dass wir das Komische als eine
intermittirende, rhythmisch unterbrochene, freudige Gefühlserregung
ansehen_. --
Diese freudige Erregung tritt nach jeder Intermission unvermittelt
und plötzlich ein und ist somit der freudigen Ueberraschung analog.
-- Beobachten wir nun aber die somatischen Vorgänge während dieses
eben genannten psychischen Zustandes, so fallen uns besonders bei den
stärkeren Graden der Ueberraschung Symptome in's Auge, die neben
anderen Reizungen unzweideutig eine Reizung der vasomotorischen
Centren, also des Sympathicus beweisen. Wir beobachten im ersten
Augenblicke eintretender Ueberraschung ein Blasswerden der Haut, (wie
Domrich [1] meint, nicht nur im Gesicht, sondern wahrscheinlich über
den ganzen Körper). Die plötzliche Verengerung der Gefässe, durch
welche dies Blasswerden bedingt wird, veranlasst weiter das Herz nach
einem kurzen Augenblick des Stillstandes zu schnelleren und
ausgiebigeren Zusammenziehungen, weil es bei Durchtreibung des Blutes
durch die engeren Gefässe grössere Widerstände zu überwinden hat [2].
-- Es sind auch hier besonders
[1] l. c. p. 233.
[2] Goltz, Ueber den Tonus der Blutgefässe. Virchow. Arch. Bd. XXIX.
Heft 3 u, 4 p. 419.
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die kleineren Arterien, die durch die reflectorische Reizung des
Sympathicus verengert werden, was sich aus folgendem Umstande, auf
den schon Domrich aufmerksam macht, schliessen lässt. -- Auf das
Stadium der Gefässverengerung folgt nämlich bei der Ueberraschung
nach kürzerer oder längerer Zeit ein Stadium der Gefässerweiterung
und die vorher vorhandene Blässe macht einer mehr oder weniger
saturirten Röthe Platz. Nun ist aber die Haut mit derselben bei
Weitem nicht so gleichmässig und intensiv übergossen, wie bei der
Scham, was eben daher rührt, dass die Verengerung und folgende
Erweiterung mehr die kleineren Arterien der Haut und nicht wie bei
der Scham das ganze Capillargefässsystem derselben trifft. -- Eine
einmalige freudige Ueberraschung ruft also eine einmalige
Sympathicusreizung mit entsprechender Verengerung der kleineren
Arterien hervor. _Demnach wird eine intermittirende freudige Erregung
wie wir sie als Wesen des Komischen nachgewiesen haben, eine
intermittirende Sympathicusreizung erwarten lassen_. --
Das war ja aber das Resultat, welches wir nach Maassgabe des schon
Eingangs erwähnten Experimentes finden wollten und es ist damit die
Psychologie des Komischen mit der Physiologie in Einklang gebracht.
Wie die intermittirende Sympathicusreizung das Lachen als
physiologisch nothwendige Folge nach sich zieht, haben wir im ersten
Abschnitt dieser Arbeit gezeigt, und wir sind mithin jetzt im Stande,
auch das Lachen, welches durch das Komische bewirkt wird, als
zweckmässige Reflexbewegung völlig zu verstehen.
Druck von Bär & Hermann in Leipzig.